Am Anfang der Kindergartenschließzeit, dachte ich mit nur genug Optimismus wird das toll!
Es läge eben an mir. Nach der ersten turbulenten Woche, folgte die zweite Woche in denen ich
eigentlich nur motzte und mich selber gar nicht ertrug, abends auch weinte vor lauter
schlechtem Gewissen. Im Kopf das Bild der Engelein. Es wäre ja nur meine Schuld, dass ich so
viel motze. Doch ganz langsam sehe ich da klarer. Fakt ist, seit 6 Wochen ist niemand da, der
mir die Kinder mal abgenommen hätte, nicht mal für ne Stunde. Ich habe zwar für Tapetenwechsel
gesorgt, indem ich abends aus war, aber das ist Zeit die ich eigentlich brauche um mal zu
Verschnaufen. Was ich also gebraucht hätte, wäre in der “Arbeitszeit” etwas Entlastung. Da hilft
auch kein Spieplatzbesuch am Wochenende, den der Mann allein unternimmt. Ich brauche mal
ne Pause. Wo sonst ein Teil des Tages jemand anderer sich das Geplapper anhört, mal etwas
verbietet tue ich das. Den ganzen Tag. Für drei kleine Wesen. Ich stehe zwar unter den Ferien
erst gegen 7.30Uhr auf, aber ab da bin ich Mama. Ich dachte, das würde schon entspannt werden,
weil die Wege wegfielen, dafür telefoniere ich mit anderen Mama’s um Dates auszumachen oder
laufe eben dort hin. Immer mit drei Kindern. Sie sind immer da. Sie haben nur mich. Es gibt keine
Kollegin, die als Ansprechpartner da ist, nur mich und die Kinder.
Dann gibt es dieses Kind in meinem Bauch, das mit aller Macht versucht im Kopf ein bißchen
Platz zu bekommen, indem ich gern hin und wieder allein wäre um mir die Vorzüge der x-ten
Tragemöglichkeit anzusehen.
Es sind großartige Kinder, die stundenlang spielen können, mit denen ich gern Zeit verbringe,
aber diese vier Wochen überfordern mich. Es ist anstrengend. Wenn ich am Vormittag noch sehr
geduldig und lustig bin, geht mir am Nachmittag oft die Puste aus. Es fällt mir sehr, sehr schwer
bei der großen Erwartungshaltung an mich selbst, den Punkt nicht zu übersehen an dem ich voll
bin und Abstand brauche. Denn während ich diesen Punkt wahrnehme, fühle ich mich schrecklich.
Beispiel: Vorhin nach dem Duschen, Tom krabbelt auf Zoe, dann auf Noah, ich versuche Zoe und
Noah ne frische Gute-Nacht-Windel anzuziehen, alle drei reden durch einander, ich versuche in
Gedanken mir zu merken, was ich als nächstes tun muss, bin beim Brot und es wird mir zu hektisch,
plötzlich werde ich pampig. Ich realisiere also: Es ist gut. Ich mache schnell Brote, gieße Milch ein
und schnappe mir den jammernden müden Tom, und setze mich zum Verschnaufen auf die Couch.
Dieses Alleinlassen der Kinder fällt mir unheimlich schwer. Auch wenn ich weiß, ich würde nur
bei der erstbesten Gelegenheit meckern. Also diesen gesunden Punkt überhaupt als solchen zu
sehen, sich einzugestehen und dann zu handeln, ist überaus schwierig. Aber ich arbeite daran.
Zudem kommt ein wohl wichtiger völlig außer Acht gelassener Aspekt: die Kinder. Sie sind keine
kleinen Engel. Sie sind mal müde, haben schlechte Laune, sind frech. Also bei allem Optimismus,
aber der ist zum scheitern verurteilt, wenn das Gegenüber nicht will. Auch das muss man sich erst
mal eingestehen können. Das Tochterkind ist in ner schwierigen Phase, zwischen ablehnendem
Frechsein und verschmusten Anlehnen. Ich mag gar nicht näher drauf eingehen. Aber Fakt ist, es
ist nicht meine Schuld, wenns hier turbulent wird und diesen Gedanken zu zulassen, hat jetzt zwei
Wochen gebraucht. Inwieweit das helfen wird die nächsten 14 Tage hier zu meistern, werden wir
sehen.