Die lustige Welt der Immobilien
Sonntag, Januar 31st, 2010Wir wohnen auf 115qm in vier großzügig geschnittenen Zimmern im Altbau. Wir, das sind
zwei Erwachsene und vier Kinder. Die Kinder bewohnen zu Zweit jeweils die Villa Klitzeklein
und die Villa Kunterbunt. Seit 5 1/2 Jahren wohnen wir hier, haben es uns hier wunderschön
gemacht, hier sind wir zu Hause.
Nur leider wohnt hier auch der Schimmel. Wir wohnen mit unseren vier Kindern im Alter von
5-0 Jahren im zweiten Stock. Wir sind also im Besitz mehrerer paar Schuhe, Kinderwägen, Fahr-
und Laufräder, Fahrradhänger, Autositze- trotz Führerschein- und Autolosigkeit.
Es gibt weder einen Balkon, noch Terasse, keinen Garten, keine Garage oder andere Stellfläche,
denn im Keller ist ebenso viel Schimmel. Zu sechst wohnen wir mitten in der Altstadt und einer
Steigung von 13% bis hier hoch. Sei erwähnt, dass alles wichtige “unten” ist.
Wir würden also gerne umziehen. Wir wünschen uns ein Zimmer für unsere Tochter, die Ruhe
braucht, die am wenigsten Schlaf braucht, die das einzige Mädchen ist. Wir wünschen uns
einen Grünstreifen für uns und die Kinder. Nur ein bißchen mehr Platz, wir sind nicht gierig.
Ein fünftes Zimmer würde uns reichen. Und es scheitert kaum am Geld. Wir würden uns ein
Bein abhaken, um mehr Miete zahlen zu dürfen für ein schöneres zu Hause.
Aber. Aber es gibt kaum Häuser oder eine Wohnung mit Garten. Ich habe mir in den letzten
Wochen unzählige Grundrisspläne angeschaut. Wir haben telefoniert. Es hab Vorab-Absagen,
weil Vermieter nur 3 Personen in ihrem 155qm Haus haben wollen. Wir haben drei Häuser
angesehen. Davon überholte uns ein Paar mit drei Kindern, nach herkömmlichen Auswahl-
Kriterien, ein zweites Mal wurden wir nicht genommen, aber der Grund wurde uns nicht mitgeteilt,
d.h. noch immer wird das Haus zur Miete angeboten. Beim dritten Mal war ich einfach nur
noch sauer. Und das war am Samstag.
Vorab teilte uns der Makler mit, dass er uns die genaue Adresse nicht mitteilen könnte. Es gäbe
einen Treffpunkt und nur diesen einen Besichtigungstermin. Als ich pünktlich “beim Treffpunkt”
ankam, wurde ich freundlich begrüsst. Fünf weitere Familien trafen ein. Eine Familie verabschiedete
sich rasch. Dann setzte sich ein Zug in Bewegung. Die Familie hinter mir stellte fest, dass einzig
die Laternen fehlten. Dann bogen wir in eine Strasse, die bekannt ist: Die Jugendherberge. Herzig
stellten zwei Familien fest, dass es bestimmt leise dort wäre. Direkt gegenüber hielt der
Martinsumzug nämlich an. Und ich sah? Ein Haus, dass ich kenne. Ein Haus, dass ich online schon
einmal gesehen hatte und aussortiert hatte. Wir sind in dieser Strasse mit einem Makler. Vorab gab
es kein Bild zu sehen. Aber dieses Haus kenne ich. Es ist kein Versehen, es ist das Haus, dass online
von Privat angeboten wird. Mir schwoll der Kamm. Ich bin angesäuert. Als wir das Haus betraten,
war alle noch viel schlimmer als auf den Fotos. 60er Bau, bescheiden isoliert. Alte Fenster. Alte
Küche, die auch noch drinnen bleibt- Freude! Kaputte Fliesen im Bad. Glasbausteine im Treppenhaus.
Ich suchte vergebens das fünfte Zimmer, das es nicht gibt, denn ich fand nur ein Wohn- und drei
Schlafzimmer. Ich wurde sauer. Angepriesen mit den Worten: Modernisierung 2010, nahm ich an,
dass nach dem Auszug, der genau am Besichtigungstag stand fand, irgendetwas passiert. Auf meine
Nachfrage sagte man mir, dass man das bei Interesse mit dem Vermieter ausmachen dürfe. Aha. Ob
gestrichen werden würde?- Vermieter fragen! Ich wollte ausrasten. Ich war sauer, aber froh, dass
Mann und Kinder zu Hause saßen. Ich war froh, dass die Kinder von nichts wussten. Denn beim
letzten Mal fragte mich das Tochterkind mit einem traurigen Blick: “Wieso wollen die uns nicht?” Ich
ging entsetzt Heim. Ich war wütend und erschöpft. Ich lief vorbei an unendlich vielen Häusern und
mir liefen die Tränen. Es scheint unmöglich, mich verlässt der Mut allmählich.
Wir möchten im Ort bleiben. Ohne Auto spielt sich hier unser Leben ab, weiter weg geht schlicht
nicht.
Zu Hause angekommen zeigte ich dem Gatten die Bilder der vorher aussortieren Immobilie und stelle
weiter fest: Dasselbe Objekt wird von privat ohne Provision angeboten, kostet aber monatlich
150Euro mehr Miete. Das Grundstück ist von privat auch gleich 50qm grösser, vielleicht daher der
Preisunterschied. Die Rede ist von “etwa” 200qm Wohnfläche, beim Makler bietet dasselbe Haus
nur 155qm. Immerhin ist man sich mit der Nutzfläche einig: 60qm. Von Privat: Keine Haustiere,
gepflegt, Ausstattung normal. Vom Makler: Sind Haustiere eine Sache der Vereinbarung, die
Ausstattung ist gehoben und vollständig renoviert, letzte Modernisierung eben 2010. Aha. Alles ein
großes Missverständnis?! Ich war demnach eindeutig im falschen Haus.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich habe ein gutes Auge und viel Fantasie. Als ich das erste Mal in
diese unsere Wohnung kam, war es ein Desaster. Aber ich hab was draus gemacht. Ich konnte mir
alles vorstellen. Ich hätte nichts dagegen wieder selbst ordentlich Hand an zu legen. Aber das sprengte
den Rahmen einfach.
Das ist der Moment, in dem Sie ein gute Idee haben und sagen, dass alles wieder gut wird.

