Archive for November, 2010

Noch 21 Tage kommentarlos

Montag, November 22nd, 2010

Mein Hirn hat verstanden, dass keine Kommentare zu erwarten sind, ich finde, dass ging erstaunlich
schnell, wenn man bedenkt, dass ich quasi 5 Jahre darauf “wartete”. Mir fehlen sie auch gar nicht so
sehr. Schon eher der Austausch und die Plattform die man anderen bietet sich zu unterhalten in den
Kommentaren, die Bewegung auf dem Blog, die fehlt mir. Nicht das Köpfchen streicheln und nicken.
Sondern einzig und allein das Leben dort, also hier.

Schon 9 Tage geschafft. Ich werde im Anschluss, alles wieder frei schalten, wenn Ihnen was auf dem
Herzen liegt bitte 21 Tagen merken. *lach*

Zoes Geburt

Montag, November 22nd, 2010

Drei Tage nachdem ich von meinem Arzt die Bestätigung bekam, ich wäre wirklich tatsächlich das erste Mal
schwanger, kaufte ich mir ein Büchlein und dokumentierte für das Bauchkind die Schwangerschaftswochen
darin. In dieses Büchlein, schrieb ich acht Tage nach ihrer Geburt auch dieses Ereignis nieder…

Vier Tage nach dem errechneten Termin, am 04. November 2004 fuhr ich ein letztes Mal zu meinem
Frauenarzt und der teilte mir eigentlich mit einer Ruhe mit, dass es jetzt dann so langsam losginge.
Ich schickte den Gatten noch einmal mit seinem besten Freund in die Kneipe und wischte noch mal sehr
gründlich die Böden, schließlich könnte es ja sein, dass ich nie mehr Zeit dafür haben würde. Der Bauch
war stattlich, aber ich kann mich nicht erinnern jemals wieder so entspannt gewesen zu sein und mir
wenig Gedanken gemacht zu haben, wann es genau los geht. Mein Arzt hatte mir einfach so eine gewisse
Ruhe mitgegeben, es würde einfach losgehen, es hatte bereits begonnen und war nur eine Frage der Zeit.
Und so wartete ich einfach. Natürlich sehnsüchtig, aber nicht so ausschließlich.
Am Morgen des 05. November wurde ich wach und hatte so ein komisches Gefühl, einfach nur ein Gefühl
und es zog so leicht. Ich war überglücklich, dass der Gatte einfach zu Hause bleiben konnte und die Geburt
nahte gefühlt ja auch bestimmt, dachten wir. Wir machten an diesem wunderschönen Tag lange
Spaziergänge durch den Schlossgarten, das erste Mal durch den Englischen Garten, liefen im Anschluss die
steile Treppe nach unten, dann wieder hoch in die Altstadt zum Einkaufen und Mittagessen organisieren.
Das waren große Wege für eine Schwangere. Aber wir genossen einfach die freie Zeit und die Zweisamkeit.
Nach dem Essen liefen wir in die Bücherei und melden uns dort an, hörten Musik und ich hatte schon ein
paar fiese Wehen immer mal wieder, aber alles noch immer recht unregelmässig. Und das Gefühl sagte mir,
dass dieses Daheimbleiben des Gatten einfach richtig gewesen war. Es war gegen 17Uhr als der Gatte noch
ein paar Besorgungen machte und ich mich hinlegen wollte, einfach auch mal für mich sein und in mich
horchen. Ich schlief auch, aber wurde immer wieder wach von diesem fiesen Ziehen im Bauch und Rücken.
Und als ich so auf die Uhr sah, kamen die Schmerzen so alle 7 Minuten. Ich stand dann wieder auf, der
Gatte war auch zurück und bereitete ein Kartoffel-Gratin zu, rief meine Schwiegermama an, nur um zu
fragen, ob es denn jetzt wirklich losgeht, aber da kamen die Wehen schon in Wellen, hatten einen Höhepunkt
und kamen immer schön regelmässig, eine Minute etwa. Es war schon 18Uhr mittlerweile. Später sahen
sahen wir zusammen unsere Lieblingsserien und gingen dann ins Schlafzimmer. Wir versuchten uns
vorzustellen wie es wohl sein würde mit ihr. Der Gatte wollte eigentlich ins Klinikum vor Ort, um nach dem
rechten sehen zu lassen, aber ich konnte nicht aufhören darüber nach zu denken, dass ich bloß nicht zu
früh losfahren wollte, schließlich unterstellt man den Erstgebärenden sie wären so hysterisch und würden
immer viel zu früh losfahren. Außerdem hätten wir nur den einen Versuch, das Taxigeld wollte ich nur
einmal bezahlen müssen und ich konnte an nichts anderes denken, als daran wie schrecklich es wäre, dort
hinzufahren und wieder Heim geschickt zu werden, weil es noch gar nicht soweit war. Gegen 0:30Uhr hielt
ich es aber wirklich nicht mehr aus. Wir gingen noch einmal Duschen und dabei wurden die Wehen so
intensiv, dass wir das Taxi bestellten gegen 1:40Uhr. Wir hatten also noch 20 Minuten Zeit bis wir los
mussten, die 20 letzten Minuten allein zu Hause.
Um 2:20Uhr kamen wir in der Klinik an, nach einer unschönen und unangenehmen Fahrt mit Wehen,
holprig und im Raucherwagen. Eine Putzfrau fragte uns doch wirklich, ob wir ein Baby dabei hätten zur
Geburt, aber die Autoschale brauchten wir einfach für das Bauchkind. Wir mussten darüber doch wirklich
schmunzeln, fanden den Weg und dort wurde ich direkt ans CTG geschlossen. Die Wehen kamen schon
alle drei Minuten, aber der Muttermund öffnete sich nur langsam. Das war sehr ernüchternd nach all
den Stunden erst 2cm. Ich sollte ein paar Zäpfchen nehmen um die Geburt zu unterstützen und mich
in die Wanne legen, aber das war sehr unangenehm, in dieser fremden Umgebung, vor dieser mir
fremden Frau. Ich wollte wieder raus aus der Wanne. Die Wehen waren aber immerhin kräftiger geworden
und ich zog um auf das Kreissbett. Der Muttermund war erst bei 4cm. Und ich machte mich total
verrückt, 1cm in einer Stunde, warum tut sich da nur was so langsam, war ich zu früh losgefahren?
Ich konnte im Kopf nicht richtig abschalten. Von da im Halbliegen an folgten schmerzhafte Wehen und
es waren dann schon 5cm. Mir ging es zu langsam, weil es wirklich sehr sehr wehtat und sich anfühlte,
als Stünde das Köpfchen schon fertig am Beckenausgang. Die Wehen waren sehr heftig und die Abstände
wurden immer kürzer. Man legte mir ein Schmerzmittel nahe, dass ich all die Stunden nicht wollte, aber
die Wehen kamen viel zu oft und der Muttermund öffnete sich zu langsam, es würde dem Bauchkind
dann auch wieder besser gehen. Besser halte es in meinem Kopf? Natürlich wollte ich jetzt eine PDA.
Zum PDA legen musste der Gatte vor die Türe. Ich kann nur heute annehmen, dass ich einen Wehensturm
hatte, denn die Wehenpausen waren nur noch etwa 20- 30Sekunden lang. In diesen Päuschen musste
ich mit den Rücken einen Buckel machen, damit die Nadeln gesetzt werden konnte, erst die Betäubung,
dann der Schlauch. Als die PDA saß, wurde ich getaped und der Gatte konnte wieder zu mir. Ich veränderte
die Liegeposition, damit sich das Mittel gut verteilte. Der Gatte war ein Traum von Geburtsbegleitung,
machte mir Mut, sagte die Wehen an, strich mit einem Lampen über die Stirn, hielt meine Hand und wies
uns irgendwie den Weg.
Die Geburt schritt voran und der Gatte verschwand kurz um der werdenden Oma kurz zu berichten
so wir überhaupt sind. Als er zur Tür reinkam, setzten auch schon die Presswehen ein. Die waren gar nicht
so schmerzhaft, wie Frauen sie beschrieben hatten, eher endlich aktiv werden und was tun können.
Ich schob feste, der Arzt lag auf mir und kristellerte wie ein Weltmeister. Ich erinnere mich wie der Arzt
bei der letzten Wehe sagte: “Noch einmal pressen, dann ist es geschafft.” und so wurden aus drei Mal
Atmen und Pressen pro Wehe vier und ich spürte wie sie auf die Welt kam, dieser warme, weiche Körper
aus mir glitt und ich dachte, dass wäre wohl das schönste Gefühl der Welt. Der Gatte weinte vor Freude.
Ich fragte als erstes, ob sie gesund wäre und ob sie ein Mädchen ist und beide Male hörten wir ein “Ja.”
Ich konnte sie noch immer nicht sehen, dafür war ich zu erschöpft, aber ich konnte sie hören. Die
Hebamme sagte, es wäre höchste Zeit gewesen, sie hatte keine Käseschmiere mehr und auch kleine
Waschfrauenhände mit langen Fingernägeln. Ich konnte es einfach nicht glauben, sie war da. Sie sollte das
kleine Mädchen aus meinem Bauch sein? Man legte Zoe zu mir mit einem Handtuch, nachdem der Gatte
sie abgenabelt hatte. Er machte Fotos und sie schrie und schrie und schrie. So laut. Bestimmt eine Stunde
lang, zumindest gefühlt. Und ich kann mich noch daran erinnern, wie wir uns sagten, dass wir das noch so
wunderschön finden würden, aber sicher nicht lange Zeit, wenn sie so laut schreit. Der Gatte nahm sie auf
den Arm und sah unheimlich glücklich aus. Auch stolz und erleichtert. Als er sie mir zurück gab, hatte sie
sich langsam beruhigt. Es war Morgen geworden und die Sonne schien zum Fenster rein, genau auf uns.
Es war wunderschön, alles schimmerte in goldenem Licht. Und jetzt waren wir eine Familie.

Zoe Sophie wog 3820g verteilt auf 54cm, geboren am 06. November 2004 um 9.19Uhr, 6 Tage nach
errechneten Termin.

Die Leiden des jungen Blogger

Freitag, November 19th, 2010

Diese Kommentarlosigkeit beginnt mich zu nerven. Heute dachte ich unterwegs, dass ich ja eine
Umfrage starten könnte :)

Nein, im ernst. Ich möchte das schon durchziehen, aber ich stehe da vor unüberwindbaren
Problemen. Die Storchenliste gehört mal wieder aktualisiert, aber wozu wenn niemand kommentieren
kann, dass ich jemanden vergessen hätte? Ich wollte schon länger ein neues Passwort schalten,
ja klar aber wie soll der werte Leser denn überhaupt “hier” schreien? Ich würde gerne wissen, was ich
tun kann gegen die komischen Flecken oder Ablagerungen auf den Gläsern nach der Spülung in der
Maschine, ich könnte ja auf meine Emailadresse hinweisen, aber irgendwie wäre das auch blöd.
Noch 24 Tage…

Augen auf bei der Berufswahl

Donnerstag, November 18th, 2010

Tom ist mit seinem Vater am Samstag beim Kinderarzt. Die gute Frau hat Bereitschaft. Zu dumm
auch. Nach der Untersuchung, hält sie dem Kind ein Gummibärchen hin:” “Magst du?”- “Ja.”
“Na dann,” legt sie los, “musst du schön Bitte sagen.” Ein Frau mit Prinzipien. Das Kind will nicht.
Ist krank. Hat 40 Fieber, wurde vom Vater samt Bruder eingepackt und sitzt dort vor einer
fremden Frau. “Na dann eben nicht.” Tom fängt an zu weinen. Der Gatte beruhigt das Kind mühevoll.
Die drei sind im Wartezimmer, wollen sich anziehen und gehen, alles ist vergessen. Die Frau mit
den Prinzipien hat keine, sondern quält nur gern Kinder: “Letzte Chance.”, hält das Gummibärchen
hin, “sag: Bitte!”

Die Gute kann froh sein, dass ich nicht dabei war.

Noch 25 Tage kommentarlos

Donnerstag, November 18th, 2010

Das war ja alles ganz nett, bisher. Aber es ist so leer hier. Mir fehlt was. Doch. Immerhin. Das hat
5 Tage gedauert bis der Blick wieder etwas freier war. Das Bild ist noch nicht ganz, aber ich näher
mich an.

Obwohl ich ja schummelte. Ich bekam Nachrichten, eine liebe Mail und las einen schönen Blogpost.

Eine Insel

Mittwoch, November 17th, 2010

Bevor wir umzogen, immer dann wenn ich abends allein sein wollte und Zeit brauchte zum Nachdenken
lief ich eigentlich immer die gleichen Wege. Meistens den entlang am Krankenhaus. Heute wohnen wir
sogar fast auf meiner alten Lieblingsstrecke, jedenfalls kann ich aus dem lila Zimmer, das Krankenhaus
weiter hinten sehen. Und ich sehe gern hin. Ich kann nicht mal sagen, woran das liegt. Es beruhigt mich.
Früher wühlte es mich auch auf, ich dachte an die erste Zeit mit dem erstgeborenen Sohnkind auf der
Neonatalen. Heute ist das nicht mehr so ein Gefühl. Eher ein Ankommen. Ich gehe noch immer gern dort
entlang, es macht mich glücklich. Ich kenne dieses Haus so gut. Ich kann von Außen genau sehen, wo
das Neugeborenen Zimmer ist und das für die mit Startschwierigkeiten, wo die Wöchnerinnen untergebracht
sind und wenn ich ein bißchen herum gehe, sind da die Kreisssäale und Wehenzimmer, der Not-OP.
Alles Räume, die ich kenne. Und ich werde mich wohl immer wohl dort fühlen.
Das Tochterkind wurde gar nicht dort geboren. Und vielleicht war das ein Fehler. Ich entband dort, wo
mein damaliger Arzt Belegbetten hatte. Es war mir alles fremd und entspannen konnte ich mich nicht.
Beim ersten Sohn war das anders, zwar durch eine unschöne Vorgeschichte, aber ich kannte die Räume,
die Schwestern und vor allem die Gesichter der Hebammen. Bei Tom war das alles noch viel schöner. Und
bei Ben ebenso. Ich kenne fast jede Hebamme und ich kenne jeden Raum im Kreisssaal. Auch wenn ich
alle drei Jungen in ein und dem selber Zimmer bekam. Es war nie so für mich, dass ich das Gefühl gehabt
hätte fremdgesteuert in einem Krankenhaus zu liegen. Die Hebammen sind in einer eigenen Welt, abgetrennt
vom Rest des Krankenhauses. Ich war dort für Tokolyse, Wehen verpusten, Warten, Schlafen, Akupunktur
und Einleitung vor dem Gebären. Und so war es immer ein bißchen wie jemanden besuchen als dieses
typische Gefühl von Krankenhaus, vielleicht auch weil ich wenn möglich nach den Geburten immer gleich
Heim ging.
Heute ging ich wieder dort entlang und es zaubert mir einfach ein Lächeln ins Gesicht, immerhin ist das
der Ort der Geburt. Ich wurde dort Mutter und drei meiner Kinder wurden da gesund geboren. Wenn ich
das Krankenhaus betrete ist da dieser Geruch, eine Mischung aus Dingen die andere vielleicht nicht mögen,
aber ich verbinde damit nur Schönes. Ich bin viele Wege schon sooft gegangen. Vielleicht bin ich auch ein
Krankenhausliebhaber. (Die treuen Leser wissen ja schon, dass ich in einem Paralleluniversum sicher
Ärztin bin.)
Aber ich mag es. Das gesamte Haus. Das Erdgeschoss mit der Anmeldung, der Espresso-Bar, den
Fahrstühlen, dem Briefkasten und dem Fitnesse-Eck, wo ich schon drei mal zur Rückbildung war, das
Treppenhaus, der Ort von dem ich aus, ein paar Stunden vor der letzten Geburt, aktuell alle über Twitter
am Laufenden hielt, der gesamte zweite Stock, der im Kreisssaal quasi mündet. Und der komplette
Kreisssaal. Es ist ein besonderer Kreisssaal. Durch die Optik sicherlich auch, aber eben auch weil er
mir so vertraut ist.
Vielleicht ist es die bloße Erinnerung, vielleicht die Freude am Gebären und Kinder haben, vielleicht ist
eine 1A Hebamme an mir vorbei gegangen oder ne tolle Ärztin, aber ich liebe wirklich dieses Gefühl
und suche die Nähe zum Krankenhaus. Dabei fahre ich beinah täglich zweimal dran vorbei, aber ich
werd es nicht überdrüssig. Es ist einfach genau meins. So oder so.

Vom Glück Kinder im Haus zu haben

Dienstag, November 16th, 2010

Pures Glück ist nicht etwa so ein kleines Bündel in den Armen zu haben und Tag und Nacht mit diesem
klitzekleinen Wesen zu wachsen, sondern lautes Kinderlachen und Gebrüll, Kinder die sich in Windeseile
schneller als je zuvor in die Wintersachen werfen, um sich nach draußen in den Garten zu zaubern, wo
der erste Schnee fällt, kichernd mit langen Zungen, den Kopf im Nacken, erwartungsfroh der Kälte und
den Sternen…

Aus dem Bauch heraus

Dienstag, November 16th, 2010

Gestern Abend nach einem langen Nachmittag, unterwegs allein mit den vier Kleinen zum letzten
Laternenlauf in diesem Jahr, saßen wir alle zusammen auf der Couch im fast Dunklen. Die Kinder
waren müde, hatten rote Wangen von der Kälte, saßen glücklich dort und genossen die letzten
Minuten Sandmann. Ben hatte ich eben gestillt, er saß halb auf mir. Und wie sie da so saßen und
die Kulleraugen leuchteten, ich sehen konnte wie groß alle schon wieder geworden sind, dass
Tom wirklich aussieht, als würde er im Frühjahr drei werden… Und alle so einzigartig und unterschiedlich,
sind, konnte ich gar nicht anders als denken: Was für ein Glück! Schon vier mal war ich schwanger,
vier Mal hab ich schon ein Kind unter dem Herzen getragen, mit ihnen schon im Bauch innig Kontakt
gehabt, sie liebevoll ausgebrütet, unterschiedlich zur Welt gebracht, zu unterschiedlichen Zeiten
und Schwangerschaftswochen. Und sie sind so gut gelungen, alle so toll, jeder für sich ein einzigartiger
toller kleiner Mensch. Und plötzlich war ich stolz. Stolz und glücklich. Eigentlich unbeschreiblich.

Vor beinah sieben Jahren

Sonntag, November 14th, 2010

Ich war gerade 20 Jahre alt geworden und plante meine Hochzeit. Ich war in Berlin zu Besuch bei
meinen Eltern um Weihnachten zu feiern. In den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester fuhren
der Gatte und ich hoch zur Nordsee um innerhalb von drei Tagen alles wichtige für die Hochzeit
festzumachen, Gespräche mit dem Standesbeamten, dem Pfarrer, dem Besitzer der Mühle, ein
Probeessen, Bestellen des Essens in der Mühle und im Restaurant standen an. Als wir zurück
waren, traf ich mich mit meinen Freundinnen in einer kleiner Wohnung. Wir wollten ehrlich zu
einander sein, meine Idee. Und so kamen Sachen zu Tage, die erstmal verdaut werden mussten.
Ich war bestimmt nicht nett. Und meine Freundinnen auch nicht. Sie waren ebenso ehrlich wie
ich und so hörte ich mir an, wie verrückt es sei, dass wir schon jetzt ein Kind wollten. Warum.
Das verstanden sie nicht. Da konnte doch was nicht stimmen. Vielleicht ein Ersatz? Sie waren
sehr hart. Mir fällt gerade auf, dass ich das noch auf Video hab. Aber ich wusste es einfach.
Ich wusste, dass das einfach unser Weg ist. Einfach so.
An dem Tag als ich den Gatten “kennen” lernte, saßen wir abends auf dem Bett und lachten und
scherzten, 10 Kinder wollten wir mindestens und unbedingt. Eigentlich war das ein Scherz und
es hieß nicht mehr, als das wir beide welche wollten. Als wir zusammen zogen, kam das Thema
immer wieder und wieder auf und nach ein paar Monaten probierten wir es einfach. Ich kannte
mich damals noch nicht aus mit fruchtbaren Tagen, dass war alles noch gar nicht so wichtig,
wir gingen das alles sehr entspannt an. Aber einen Tag vor diesem Weihnachtsfest machte ich
einen Test und der war negativ. Schade. Wir malten uns eigentlich immer aus, wie es wohl sein
würde, wenn er positiv wäre. Wir redeten über Namen und da war ein Gefühl, eine Gewissheit,
dass das alles so passen würde.
Zwei Monate nach diesen Abend bei meinen Freundinnen wurde ich schwanger. Ich war schwanger
am Tag der Hochzeit und ich wusste es nicht. Ich ahnte es ja nicht einmal. Ich hatte sogar meine
Pille dabei, weil wir vernünftig sein wollten und eben dachten, es wäre ein Zeichen, dass es bis
hier her nicht geklappt hatte. Und weil ich so hart für etwas gekämpft hatte, nahm ich die Pille
mit. Die Hochzeit war wunderschön, aber ich war viel zu entspannt und gar nicht richtig aufgeregt.
Mir wurde übel und ich bekam keine Luft beim Essen, aber irgendwie schob ich das immer auf
diesen besonderen Tag und die Aufregung. Erst zwei Tage später viel mir auf, dass da hätte was
kommen sollen. An dem Tag fuhren wir mit meinen Eltern, die im Anschluss in der Nähe noch
Urlaub machten nach Heide und kauften dort in der Apotheke einen Test. Das war gar nichts
besonderes eigentlich. Und da saß ich dann auf der Toilette in der Unterkunft meiner Eltern und
starrte wie immer auf diesen Test. Da war erst nichts. Wie immer. Und auf einmal, ich dachte ich
werde ohnmächtig, es musste ein Irrtum sein, wurde aus dem Minus ein Plus. Ich rief den
frisch vermählten Gatten ins Bad und zeigte ihm den Test. Ich weiß nicht mal mehr was er sagte,
ich weiß er war glücklich und grinste grenzdebil. Und ich wusste ich war auch glücklich, aber
vorallem glaubte ich es nicht. Das konnte doch nicht sein. Und da saßen wir nun, verrieten nichts,
denn der Test war doch eben noch negativ. Da konnte doch was nicht stimmen. Tja, der zweite
Test war auch positiv. Und noch immer konnte ich mein Glück nicht fassen. Ich wollte mich
einfach nicht richtig freuen, ich wollte erst meinen Arzt sehen, ich hatte Angst vor der Enttäuschung.
Ich hatte damals einen ganz wunderbaren Arzt. Einen tollen Mann. Der aber zu Anfang nicht
wusste, ob er mir wirklich gratulieren dürfe. Aber er musste. Es war so phantastisch. So
unglaublich. Ein Wunder. Endlich. Denn damals irgendwie war da noch ein Monat, ein halbes
Jahr, ein Jahr eine Ewigkeit. 1 1/2 Jahre waren wir grad zusammen, frisch verheiratet und nun
war da ein kleines Herz unter meinem. Unglaublich. Und endlich!
Ich hab es nie bereut. Nicht einen Tag. Manchmal ist etwas so verrücktes in den Augen anderer,
eben genau das Richtige für einen selbst. Vor beinah sieben Jahren war da also ein Wunsch.
Daran dachte ich heute morgen im Bad. Einfach so. Die Erinnerung kam aus dem Nichts. Sie
war einfach plötzlich da. Ich musste schmunzeln und der Wunsch ist heute noch der gleiche.

Noch 29 Tage kommentarlos

Sonntag, November 14th, 2010

Tag 1 würde ich mal glatt als misslungen bezeichnen. Ein Kommentar hat sich via Blog durchgemogelt
und ein paar mehr über andere Portale. Kommentarfunktion aus bedeutet eben nicht, dass man gar
keine mehr hören kann.
Ich muss gestehen gestern oft meinen Blog-Posteingang aktualisiert zu haben, wie ein Reflex, auch
immer wieder gucken, was es neues gibt auf dem Dashboard, aber da ist nichts neues. Da bin nur ich.
Das ist ein komisches Gefühl und ich bin gespannt, ob und wann das genau nachlassen wird. Es ist
wie bei einer Analyse. Man redet nur in den Raum hinein.
Ich kann nicht mal sagen, ob mir etwas fehlt. Noch nicht. Dafür ist das alles noch zu neu. Ich vermisse
keine Genesungswünsche, kein Lob oder das Sehen von Lesern. Das sind Dinge, die mir im Augenblick
noch nicht abgehen. Unheimlich viel lesen eh still mit und müssen nicht alles, was ich verblogge auch
gleich kommentieren.
Ich lese sehr sorgfältig andere Kommentare auf anderen Blogs und bin teilweise erschrocken wieviel
Zeit und Nerven man schenkt, um sich zu erklären. Nicht mal Blogger und Leser, sondern Leser
untereinander tauschen sich nicht aus und tun ihre Meinung kund, nein es wird versucht den anderen
von der eigenen Meinung zu überzeugen, was fruchtlos bleibt. Es ist als würde ich jemanden, der
durchs Leben geht mit der Einstellung man könne nur einem Kind wirklich gerecht werden und könne
ausschließlich so eine gute Mutter sein, weil man nur Zeit für dieses eine Kind aufbringt und es so perfekt
umsorgen kann, jemanden der fest daran glaubt und danach lebt, versuchen davon zu überzeugen,
dass das gar nicht stimmt. Das kann nicht klappen. Die Frage, die ich mir stelle: Muss das überhaupt
klappen?
Etwas anderes fällt mir auf. Es ist eigentlich egal, was man bloggt oder wie man sich erklärt, der Leser
interpretiert, was das Zeug hält. Da muss noch etwas anderes dahinter stecken. Unbedingt. Und man
wird nicht müde zu spekulieren, es wird analysiert und zwischen den Zeilen nach Antworten gesucht,
anstatt zu lesen was ist.