Zur Frau geboren

Vor einer Weile kaufte ich mir die erste Emma meines Lebens. Und meinte
noch scherzhaft zu meinem Mann, ich würde einen Blick ins Lager des Feindes
werfen. Ich stieß auf einen Krieg. Denn für Wirbel sorgt ein Buch von Eva
Hermann, die in ihrem Buch Mut zur Weiblichkeit fordert. Feministinnen sind
alles andere als begeistert. In einer Kolumne ist die Rede von „einer Front
frustrierter, weil nicht anerkannter, aber überzeugter Vollzeitmütter“,
„Rekrutinnen, die bei den Verhandlungen mit ihrem Mann irgendwann
verloren oder resigniert haben“. Ich kanns nicht fassen. Auf der einen Seite
fordert der Feminismus, dass Frauen ihr Leben selbst gestalten sollen, auf der
anderen Seite werden die Damen belächelt und abschätzig behandelt, die sich
für den Hausfrauenjob entscheiden. Ja, was denn nun? Ich würde nicht alles
absegnen, was Frau Hermann schreibt, aber ist es nicht wichtig, einmal darüber
zu sprechen, wie zerreißend es ist, zwei Dinge gleich gut machen zu wollen?!
„Weder in der Karriere noch in der Küche ist die Frau voll handlungsfähig,
Partner und Kind kommen ebenfalls zu kurz. Nie war Zeit kostbarer als heute
– und knapper. So sehen wir die Frau der Moderne mit einem wehenden Schleier
der Atemlosigkeit durch ihr Leben hetzen, und immer ist sie unzufrieden mit
dem Ergebnis.“ (‚Eva-Prinzip‘, Hermann). Es ist nicht unmöglich, aber es gestaltet
sich sehr schwierig, eine gute Angestellte, eine gute Mutter, eine gute Ehefrau,
eine gute Freundin…zu sein, ohne sich dabei selbst aus den Augen zu verlieren.

3 Responses to “Zur Frau geboren”

  1. Mama Schwaner Says:

    Man müsste sich zerteilen um allem gerecht zu werden. Und das WILL und KANN ich nicht. Allerdings möchte ich mir nicht vorschreiben lassen, wie ich mein Leben zu meistern habe und schon gar nicht möchte ich mir anhören müssen, dass ich eine schlechtere Mutter bin, nur weil ich arbeiten gehe oder eben nicht arbeiten gehe. Ich denke das muss jeder für sich entscheiden. Für sich, seine Familie und seine Situation. Ich bin so zufrieden, wie es gerade läuft :) Und wenn nächstes Jahr Kind Nr. 2 angesetzt wird, wird es wohl nach einger Zeit genauso laufen.

  2. June Mommy Says:

    Perfektionismus wird völlig überbewertet!

    Wenn man sein Kind liebt ist man keine schlechte Mutter wenn man arbeiten geht! In vielen Ländern (Skandinavien) ist es völlig normal, dass man wieder arbeitet, da wird man eher komisch angeschaut wenn man zuhause bleibt!
    Manchmal hat man auch keine Wahl!
    Und irgendetwas bleibt auf der Strecke, wenn man versucht alles PERFEKT zu machen und meistens ist das eben man selbst…

  3. kassiopeia Says:

    Ich finde den Standpunkt oder besser die Sätze der Zeitschrift Emma unmöglich,
    schlichtweg herablassend. Eben weil es immer mehr so ist, dass man solche und
    andere verächtliche Kommentare erntet, weil man Hausfrau ist und nicht „mehr“.
    Früher war das genau anders herum und ob das so schlau ist von einem Extrem
    ins andere…
    Letzten Endes muss jeder selbst in den Spiegel schauen, aber für mich ist der
    Wunsch nach Arbeit und dem damit verbundenen Stück Selbstverwirklichung
    auch ein Verlust. Traumjob und Kinder sind oft unmöglich zu verbinden, und das liegt
    nicht an verlorenen Kämpfen mit den Männern, wie die Emma Kolumnistin schreibt.
    Wenn man als Mutter seine Kinder aufgrund blöder Arbeitszeiten und wenn mal einen
    Tag nicht sehen kann, dann ändert an dem Betrübtsein ganz bestimmt nicht, dass
    Papa ja zu Hause war.