Das Kompliment als Fettnäpfchen

Mit Komplimenten ist das so ein Sache. Sagen wir, es gibt Menschen denen
sollte man einfach keine machen. So wie mir. Nicht, weil ich dann in
ungeahnte Höhen fliege, sondern einfach nur deshalb, weil ich mein
Gegenüber sofort darauf zu beleidigen scheine. Sie fragen sich jetzt sicher,
wie man das schafft, aber glauben Sie mir: Es geht! Es fing alles ganz
harmlos an. Ich kann Komplimente einfach nicht annehmen und deshalb
kam bei Stufe eins immer das Leugnen. Man sagt: „Ach Quatsch!“ Weil das
aber in einem Hin und Her endet, auf das man meist keine Lust hat, folgt
dann: das Schweigen. Aber das kommt ja auch nicht besonders gut an.
Schlimmer als Harrison Ford in Star Wars, der „danke“ auf ein „Ich liebe
dich“ erwidert. Also fing ich an zu relativieren, vorallem wenn ein klein
wenig Neid mitschwingt. „Du siehst aber nicht so aus, als hättest du gerade
ein Kind bekommen- schon wieder schlank!“- „Och“, sagte ich, „also
5 Kilo fehlen zu vorher schon.“ Autsch. Schlechter Spruch, wenn dein
Gegenüber kein Gramm seit der Geburt vor 2 Jahren abgenommen hat und
darunter leidet. Nächster Versuch. Eine Mutter sagt im Kindergarten zu
mir: „Mensch du schaust so gut aus, so erholt und gestylt.“ Was sagt
Frau Hitze? „Ja, mir ist das aber auch sehr wichtig!“ Zonk, wenn man
die Augenringe des Gegenübers deutlich sehen kann. Ein letzter Versuch
etwas zu retten: „Äh, mein Mann ist morgens aber da und da nehm ich
mir dann schon eine halbe Stunde um mich zurecht zu machen- ich brauch
das!“ – „Ich auch, mein Mann ist auch da, aber ich schaff es trotzdem oft
nicht.“ Spätestens jetzt weiß ich, dass ich still sein sollte, ganz still. Ich
hab doch nichts! Was will die Frau denn? Wenigstens schön ausschaun,
möchte ich! Auf ein Neues. Beim Gehen sagt eine Freundin: „Mensch du
hast so gut erzogene Kinder!“ Glauben Sie mir, egal was sie jetzt sagen,
es kommt nicht mehr an. Ich hab es versucht: „Aber deine sind doch auch…“
Ich denke, das „aber“ und das „doch“ waren keine gute Idee. Man fühlt sich
wie ein Idiot. Ich sollte einfach die Klappe halten und ein „danke“ heraus
pressen. Aber ich kanns nicht. Nur sollte ich das dringend, falls ich denn
wert darauf lege, weiterhin Freunde zu haben…

5 Responses to “Das Kompliment als Fettnäpfchen”

  1. Corinn Says:

    Oh ja das kenne ich nur zu gut, obwohl ich gelernt habe und setzte vor die Abers und dochs ein fach noch ein danke, bevor das Gequassel kommt.

  2. kassiopeia Says:

    Ich komm mir dann einfach zu komisch vor, weil ich mir denke, wir sind auch
    nur ganz normale Menschen…

  3. Suse Says:

    Hahaaa! Super. So ging es mir auch noch bis vor ein paar Jahren. Dann habe ich mich entschlossen, dass Ehrlichkeit zwar „eine Zier“ – aber eben nicht immer passend und angebracht ist. Und mit der Zeit kann ich diese kleinen Notlügen auch perfekt. Und ich weiss, dass so manche kleine Notlüge einigen Menschen schon den Tag versüßte. Und weil ich insgesamt keine gute Lügnerin bin – lasse ich oft das eigentliche Thema links liegen und suche mir ganz schnell etwas, das wirklich positiv ist am Gegenüber, den Kindern, Arbeiten usw.

    Und schon passt dann alles wieder.

    :-)

  4. Zeitlos Says:

    Ganz einfach: Komplimente nur mit einem schlichten „Danke!“ beantworten. Alle Fettnäpfchen außer Reichweite.

  5. kassiopeia Says:

    Es gibt ein Unwohlsein, wenn einem nicht danach ist und man denkt,
    warum zum Teufel: dein Gegenüber ist doch genauso toll. Nur haperts
    an der Umsetzung dieses Gedankens.