Prävention

Gestern Abend hatten wir das Glück ein Angebot im Kindergarten wahrnehmen zu können.
Die Caritas lud ein zu: „Leben im Schlaraffenland- Was braucht mein Kind zum Glücklichsein?“
Man sprach über Konsumerziehung, denn dieser Themenabend wurde von der Schuldner-
und Insolvenzberatung ins Leben gerufen. Sie versuchen dort zu bewegen wo alles anfängt,
bei den Kleinen. Es war ein toller Abend und man diskutierte offen und ehrlich. Letzten Endes
landeten wir im Gespräch da wo wir hier in unseren Blogs auch immer landen: Womit stärken
wir unsere Kinder und womit schaden wir ihnen?! Ein gesundes Selbstbewusstsein der Kinder
„ist die Voraussetzung, um später auch schwierige Lebenssituationen bewältigen zu können“.

Gerade im Moment, wo hier und dort schwer diskutiert wird, möchte ich nur sagen, dass wir
aktiv werden sollten und nicht panisch reagieren, sondern uns die Zeit nehmen, weiter in die
Zukunft zu denken, authentisch sein und unsere Kinder stark machen. Wir können sie nicht
vor allem beschützen. Unsere Arbeit ist nicht damit getan, unsere Kinder aus der Öffentlichkeit
heraus zunehmen, dass ist falsche Sicherheit, in der man sich wiegt. Ich verstehe die Angst
und das man das Risiko immer möglichst gering halten möchte. Ich finde es auch in keinster
Weise lächerlich, dass man sich Gedanken macht. Das ist unglaublich wichtig. Nur finde ich
es gefährlich, da man schnell das Gefühl bekommt, dass Kinder mit Passwörtern beschützt
wären. Unsere Kinder müssen uns Vertrauen und das Gefühl haben, dass sie uns kommen
können, wenn man ihnen wehtut. Aber auch ernstgenommen werden, wenn sie „nein“ sagen.
Denn nur mit einem starkem Selbstbewusstsein können sie schon bei kleinen alltäglichen
Grenzüberschreitungen- die netten tätschelnden Omis unterwegs – laut und deutlich zur Wehr
setzen.

14 Responses to “Prävention”

  1. Frau Limette Says:

    Schöner Beitrag!

  2. Feuervogel Says:

    Das unterschreibe ich jetzt mal. Ohne Abstriche …!!!

  3. Ami Says:

    ich hab doch nicht den eindruck, dass mein kind mit einem passwort rundum geschützt ist!? da ist doch schon nochmal ein cut zwischen virtualität und realität. und was die realität betrifft stimme ich dir sehr zu!

  4. Wortteufel Says:

    Wie ich schon bei mir schrieb: Es sind die Menschen, die wir an unseren Tisch, in unser Haus, in unser Herz, in unseren Passwortbereich lassen. Es sind meistens nicht die Fremden. Es sind die Bekannten. Und gegen die sollten sich Kinder auch zur Wehr setzen wissen. Ich fand den Hinweis auf die tätschelnde Oma sehr passend…

  5. kassiopeia Says:

    @Ami: Das Passwort bekommt aber jemand dem du vertraust, nie und nimmer würde
    eine Mutter von jemandem dem sie Vertrauen schenkt auch nur so etwas Grausames
    annehmen. Es steht einfach nicht auf der Stirn. Wenn wir uns selbst schon an manchen
    Tagen nicht wiedererkennen- positiv wie negativ- wie soll es einem dann mit anderen
    Menschen gehen, virtuell wie real?!
    Im Übriggehen warst nicht nur du angesprochen, zum Beispiel kam es letztes Jahr zu
    genau den gleichen Reaktionen, ich winke mal liebevoll zu Mama Schwaner und June,
    aber an dem Aufweichen des Ganzen sieht man, dass es auch eine Kurzschlussreaktion
    war, aber es sollte uns um Nachhaltigkeit gehen.
    Desweiteren hast du eine Art Kultstatus erreicht, nicht böse sein, und wurdest zum Vorbild
    vieler. Wenn es hier darum geht aktiv etwas zu tun, dann sollte doch nicht nur von neuen
    Passwörtern gesprochen werden. Das ist einfach gefährlich, weil es Sicherheit vorgaugelt,
    die es (siehe oben) nicht gibt.

  6. Giftzwerg Says:

    Oh Jeanine, da hast Du genau das ausgesprochen, was ich mir hier schon die ganze Zeit dazu gedacht habe! Und der Kommentar vom Wortteufel setzt dem ganzen noch das i-Tüpfelchen hinzu…

  7. Kaanu Says:

    Sicher sind Passwörter in einem Bereich kein Schutz für die Menschen, die uns „nah“ stehen (und denen wir die Passwörter geben würden). Aber darum geht es meiner Ansicht nach auch nicht. Es sagt ja niemand, dass durch den Einsatz von Passwörtern alles geklärt ist und man sich sonst keine Gedanken darum macht. Selbstverständlich versuche ich meine Kinder zur Gegenwehr zu erziehen, wenn ihnen etwas wirklich widerstrebt. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass sie zum Internet (noch) nicht nein sagen können – und da bin ich verantwortlich, sei es dadurch, dass ich die Fotos nur noch per Passwortschutz oder auch gar nicht zeige.
    Für mich sind die beiden Bereiche wirklich zwei komplett unterschiedliche Paar Stiefel und jeder muss beachtet werden.
    Und das die meisten Missbrauchsfälle im eigenen privaten Umfeld passieren, darf auch nicht heißen, dass ich im weiter gefassten / anonymen Umfeld keine Vorsicht walten lassen muss.

  8. Wortteufel Says:

    Na, dann aber doch rigoros und überhaupt keine Bilder veröffentlichen. Entweder, oder. Aber dieses „Ich schütz da was mit Passwort, aber rück es an Leute raus, deren Background ich nicht vollständig kenne“ passt da nicht.

  9. kassiopeia Says:

    @Kaanu: Danke für deinen Beitrag. Ich finde, dass das Netz überbewertet wird. Wenn ich mit
    meinen Kindern vor die Türe gehe, lauert da doch schon „die Gefahr“. Wir haben drei bezaubernde
    Kinder, soll ich die vorsichtshalber in Kartoffelsäcke hüllen? Ich lasse mich davon nicht in die
    Passivität jagen. Ich will leben und das nicht in Angst.
    Wenn die Sorge beim veröffentlichen von Fotos so groß ist, dann hoffe ich auch, dass alle,
    die nun ein Passwort vor ihre Fotos setzten, auch im Kindergarten geregelt haben, dass keine
    Fotos von ihren Kindern gemacht werden dürfen, die dann nämlich aushängen, oder in Broschüren
    landen oder in der Tageszeitung. Soviel zum Schutz, es handelt sich momentan nur um
    Kurzschlussreaktionen.

  10. Kaanu Says:

    Beim Foto im Kindergarten steht aber kein Name dabei und man erfährt nichts über den Hintergrund/ die Geschehnisse / die Gedanken einer Familie wie in einem Blog. Da sehe ich schon einen Unterschied.
    Ich sehe bei den Fotos allein auch nicht das große Problem, für mich wird es bei weiteren / zusätzlichen Informationen „interessant“ – wenn man also die Menschen hinter den Fotos identifizieren kann. Aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Stalking basierend auf einem Blog bekannt wird. Wie schon woanders gesagt: ich als normaler Mensch finde manche Blog (bzw. die Menschen dahinter) so interessant, dass ich manchmal zwei Mal täglich nachlese – wie sehr identifizieren sich dann Leute damit, die nicht „normal“ sind.

  11. kassiopeia Says:

    Ehrlich, einen Unterschied?! Wenn tatsächlich jemand Fremdes sich das eigene Kind aussucht,
    dann findet er die Adresse, wenn er nur will. Und belästigt werden kann man schon durch Kommentare
    oder Emails, dafür braucht man keine Postanschrift. Was soll dann passieren, wenn so ein Fall
    bekannt würde? Würden dann alle ihre Blogs aufgeben? Leben in Angst ist nicht lebenswert!

  12. Mama Schwaner Says:

    hm. ich muss jetzt ein wenig grübeln…

  13. Nuschka Says:

    In meinen Augen gibt es zweierlei Prävention: die eine ist, wie Kassiopeia sagt, die Kinder stark zu machen, ihnen zu zeigen, dass man NEIN sagen darf und auch muss und dass sie immer zu den Eltern kommen dürfen und ihnen ALLES erzählen dürfen. Bestimmt ist dazu auch ein grosses Urvertrauen nötig.
    Es gibt aber auch die andere Art der Prävention, bei der die Eltern ihre Kinder schützen müssen. Und zu diesem Thema gehört sicherlich auch das bloggen. Hier müssen die Eltern ihre Kinder schützen. Jede Mutter und jeder Vater muss aber für sich entscheiden, wieviel er von sich und den Kindern Preis geben möchte. Was mich nur oft stört ist, dass oft nur Bilder von den Kindern veröffentlicht werden und von den Eltern selber nicht. Schliesslich können die Kinder hier nicht selber entscheiden.
    Grundsätzlich finde ich aber das Wort „Prävention“ schon falsch, da ein Kind und Erwachsener auch dann missbraucht werden kann (egal auf welche Art und Weise), wenn sein Selbstbewusstsein gestärkt wurde und wenn es von den Eltern geschützt wird. Missbrauch ist immer Gewalt und leider können wir unsere Kinder nicht immer davor schützen. Umso wichtiger erscheint es mir aber, dass man sich bewusst ist, was ein Blog alles ermöglichen KÖNNTE. So schrecklich es auch ist. Es ist wirklich grauenhaft, dass man sich überhaupt Gedanken darüber machen muss…

  14. Kaanu Says:

    Du hast natürlich Recht, wenn sich einer DAS Kind auf Kindergartenfotos aussucht, dann findet er es. Aber was ist, wenn sich so einer nicht das Kind wegen den Fotos aussuchen würde, sondern wegen dem, was er über das Kind erfährt? Auf Kindergartenfotos erfährt er nichts über die Lebenshintergründe des Kindes – im Blog schon.

    Belästigung durch emails ist für mich nicht das Problem. Dann lösche ich diese Email-Adresse. Bei einer Belästigung über die Postanschrift ist das nicht so einfach.

    Ja, ich hätte vor bestimmten Dingen Angst. Aber ich verhalte mich so, dass ich diese Dinge versuche zu vermeiden/verhindern. Das hat nichts mit einem Leben in Angst zu tun.