Gutes Gefühl

Die letzten Stunden bei meinem Therapeuten nutze ich oft für Gespräche über meine Kinder.
Ich sitze ja da quasi an der Quelle, denn der Mann ist Kinder- und Jugendpsychotherapeut.
Für Interessierte- meine mit 19 in München begonne Therapie wurde mir verlängert. Und
das eigentlich nur, weil ich so ein faszinierendes Objekt bin.
Beim letzten Mal ging es um Noah. Soviele Menschen haben mir Angst gemacht, Noah würde
als sogenanntes Sandwichkind sehr leiden. Nun hatte es sich so sehr eingebrannt, dass ich in
jede Kleinigkeit ein großes Problem projezierte. Da ich dachte, ihm würde das gut tun, habe
ich ihn oft zum Großen gemacht. Schließlich sollte er sich nicht klein und unter gebuttert
fühlen. Trotzdem lief eine Sache immer schief: Er haute. Ich habe viel experimentiert, damit
er aufhört seinen Frust, seine Wut und den Ärger immer wieder hauender Weise auf Zoe
zu lenken. Es half nicht von Dauer.
Aus dem Gespräch nahm ich mit, dass ich zukünftig mehr Energie darauf verwenden muss,
jedes Kind wirklich wahr zu nehmen. Mit all seinen Stärken und Schwächen. Aber das ist gar
nicht so einfach. Zoe und Noah nach Blödsinn nicht gleichzeitig und auf die selbe Art zurecht
zu weisen, sondern wirklich zu sehen, dass er erst zwei Jahre alt ist und nicht fast 4. Ich
glaube, dass das das Schwerste an mehreren Kindern ist, allen auf ihre Weise gerecht zu
werden. Das ganze wird umso schwerer, da der Unterschied optisch nicht zur Geltung kommt.
Sie sind fast gleich groß.
Als ich an dem Abend die Praxis verließ, sagte mein Therapeut, dass ich das weiter beobachten
solle, und nun sei er persönlich daran interessiert. Zum Abschied sagte er, dies sei eine
Unterhaltung auf hohem Niveau gewesen. Das tat nicht nur so unheimlich gut, nein irgendwie
kam auch bei mir Etwas anderes endlich an: Ich gebe mir Mühe. Ich hinterfrage. Ich überdenke.
Ich bin aktiv. Ich erziehe. Ich werde wohl nie alles richtig machen können, aber ich versuchs.
Und das ist wohl der Unterschied, den ich nie sehen konnte. Ich war immer nur gelähmt vor
Angst, Dinge könnten sich einfach wiederholen. Aber das werden sie nicht, denn ich denke.

Seit diesem Abend sehe ich meinen kleinen Jungen anders an. Ich bin weniger streng. Ich
versuche ihn zu sehen, nicht meine Tochter in kleinerer Ausgabe. Er ist klein und niedlich.
Manchmal so unendlich frech. Er ist oft schnell sauer und dann prustet er mit seinen Lippen.
Er kann lächeln, dass ich fast wegschmelze und manchmal macht er so einen Mist, auf so
eine Idee würde ich nie kommen. Und seitdem läuft es besser, runder. Er fühlt sich eindeutig
wohler und jetzt quasselt er wie ein Wasserfall…

noah-bobbycar.jpg

7 Responses to “Gutes Gefühl”

  1. Isabella Says:

    So habe ich das noch gar nicht gesehen. Vielleicht ist auch das mein Problem, dass Siegrun nur noch mehr schlägt und schlägt, je ernster und schroffer und fordernder ich sie ermahne. Leider vegesse ich oft, dass mein Ton eher für sechsjährige angebracht wäre. Aber Siegrun ist so verständlich. Also sie versteht alles trotzdem sie nicht spricht, hat so eine ausdrucksstarke Mimik, welche mich offensichtlich annehmen ässt, dass sie durchaus von vornhereinweiss was sie darf und was nciht, weil sie es doch schon zig mal von mir gesagt gekam.. Natürlich ist dem nicht so!

    Du bist toll!

    Darf ich fragen, warum besuchst du seit fünf Jahren einen Therapeuten?!

  2. kassiopeia Says:

    Genau genommen seit 8 Jahren ;)

  3. Fabi Says:

    Der Kleine ist aber auch ein süßer Junge!
    Ich fand es, als ältere Schwester, oft ungerecht, dass mein 3 Jahre jüngerer Bruder andere Strafen bekam als ich, obwohl er genauso viel Mist gebaut hat wie ich. Meine Mutter hat das immer damit erklärt, dass er jünger sei…aber ich musste um die gleiche Uhrzeit wie er ins Bett, weil wir uns ein Zimmer geteilt haben und mein Bruder einen leichten Schlaf hat, deshalb konnte ich nicht erst später ins Bett gehen…das fand ich so unfair (und um ehrlich zu sein finde ich es heute noch).
    Aber ich finde es toll, dass du dir so eine Mühe gibst. Meine Tante hat auch 3 Kinder und sie vernachlässigt die Mädels total. Sie müssen sich um alles selbst kümmern und sich selbst beschäftigen, aber ihr Sohn (3 Jahre) wird bemuttert und betudelt (von ihr und ihrem Mann). Sie hinterfragt dann aber auch nicht, warum ihre Töchter ihren Bruder gerne schlagen und ärgern…
    Du bist, vom lesen her, eine wirklich gute Mutter. Du hinterfragst, du versuchst richtig zu machen und selbst wenn mal was schief geht, verlierst du nicht gleich allen Mut.

    Respekt :)!

    Wenn ich mal eine genauso gute Mutter werde, kann ich stolz auf mich sein :)!

  4. kassiopeia Says:

    @Fabi: Ich habe selbst eine 6 jahre jüngere Schwester, von daher denke ich, weiß ich sehr gut, was
    du meinst. Komisch, wenn man selber in der Position ist zu Entscheiden, wer wann wie und was.
    Ich wünsche mir für die Zukunft, da ich glaube uns täte das sehr gut und es war letztes Jahr schon
    einmal so, dass Zoe eine halbe Stunde nach Noah ins Bett geht. Sie ist noch fiter am Abend und die
    Nähe würde ihr helfen. Aber vor uns liegen im Moment der Urlaub, Noah’s Tagesgruppen starten
    und von daher wird das erst etwas gegen Oktober, November vielleicht als Geburtstagsgeschenk.
    Da Tom noch abends länger wach ist und ich einfach irgendwann keine Energie mehr habe ist es
    im Moment wie es ist. Alles andere wäre gut gemeint aber nicht gut realisierbar. Danke für deinen
    Post und natürlich fürs Lob! Sowas im Hinterkopf haben, wenn man gerade mal die Nerven verliert
    ist gar nicht so einfach… Von daher wirklich danke!

  5. Mizz Foxxy Says:

    Dein kleiner Junge sieht inzwischen richtig groß aus! :-)

    Ich finde, Du bist für Deine drei Kids eine tolle Mama!

  6. june Says:

    das tat gerade sehr gut zu lesen.
    danke

    einfach nur danke

  7. Katrin Says:

    Da seh ich grad, er hat den gleichen Hut wie Lukas. ;-) Konnte nicht widerstehen, als ich den gesehen habe. *G*