Scheißkuh

war ein Wort, dass meine Schwester früher häufig bis oft benutzte, quasi mein Kosename;
Geschwisterliebe, Sie kennen das! Doch heute hätte ich diesen Satz am liebsten einer
anderen Dame an den Kopf geworfen. Ja, aber nun, das geht doch nicht, denken Sie!
Ging ja eben auch nicht. Schade auch.
Mit einem unguten Gefühl verließ ich heute erneut meinen Sohn, er blieb bei ihr. Allein.
Auch heute wollte ich nach 1 1/2 Stunden wieder bei ihm sein. Einfach, um es langsam
angehen zu lassen. Es fällt mir schwer einfach loszulassen und mein Gefühl sagt mir,
ihm fällt das Loslassen leichter. Es kam wie es kommen musste, ich verspätete mich, weil
ich mich bei Kaffee mit einer Freundin zu wohl fühlte. Mit schlechtem Gewissen hechtete
ich Richtung Kirche. Ich konnte sehen wie alle gerade rausgingen, eine kleine Runde
drehen. Als ich sie endlich eingeholt hatte, sagte eine Mutter sofort: „Du, der Noah, der
hat dich heute ganz schön vermisst!“ Ein Vorwurf. Aus dem Mund dieser Frau,
die letzte Woche eine Hetze startete gegen die Mütter, die sofort ihre Kinder allein ließen.
Eine Mutter die Berlin hervorhob, mit einer Eingewöhnungszeit von vier Wochen. Vier.
Eine Mutter, die beim Anblick eines weinenden Kindes, über die Mutter wetterte und darüber
lamentierte wie furchtbar sich das jetzt, genau jetzt auf die Gruppe auswirke, das
Gruppengefühl litt, die Stimmung sinke. Aber sie kam nicht auf die Idee, die starrenden
Kinder abzulenken, oder gar mit denen zu sprechen, nein das war ich. Ich, die sich
eigentlich für ne Mutter hält, die ihre Kinder gut kennt, das eigentlich auch vom Gefühl her
ganz gut macht. Ich, die dank einiger Unentschlossenheit doch das eine oder andere
pädagogische Wissen mitbekommen hat.
Aber ich war überrumpelt. Komplett. Das schlechte Gewissen wegen der Verspätung. Ich
hatte das Gefühl ihn im Stich gelassen zu haben. Und das sas einfach. Mein erster Impuls
war, zu fragen wie sie dazu kommt, so etwas zu sagen, doch ich starrte nur Noah an,
versuchte verzweifelt Blickkontakt herzustellen. Dann erzählte eine andere Mutter aus
dem Zusammenhang, das wohl irgendwas vorgefallen sein muss. Es könnte sein, dass ihr
Sohn im Übermut Noah verletzt hätte. Noah wäre nicht ansprechbar gewesen, hätte sich
ausgeklinkt, nicht gesprochen. Die Leitung erzählte, was von Tränen und das er sich von
ihr auf den Schoss setzen lies und sich dann beruhigte. Ein kleiner Raum, 6 Mütter, 11
Kinder und eine Leiterin. Keiner hat was gesehen. Jeder erzählt etwas anderes. Logisch,
dass er plötzlich Heimweh bekam und stumm wurde?! Mein Sohn. Weil ich nicht da war,
weil ich auch so eine Rabenmutter bin.
Ich bin wütend. Das Konzept geht nicht auf- zuviele Mütter. Die Kinder durch den Wind.
Bisher kein Rückruf von der Gruppenleitung. Vorallem bin ich wütend auf mich, weil es
mir nicht egal ist, was die Mutter da laberte, sondern ich es mir auch noch zu herzen nehme…

Edit: Ein Anruf von ihr- und schon wird sie mir immer sympathischer. Klarer Fall von
verletztes Kind und blödes Zeug heinein interpretierender fremder Mutter.

7 Responses to “Scheißkuh”

  1. stadtfrau Says:

    welche mutter hat dich denn jetzt angerufen?
    eine rabenmutter bist du garantiert nicht, aber das weißt du.

    ich denke, es ist nicht gescheit, wenn so viele mütter (ständig) anwesend sind – DAS ist nicht gut für die gruppe.

  2. kassiopeia Says:

    Die Leitung. Ja, das mit den Müttern denke ich auch. Die Leitung meinte das ebenso. Das sei
    die schlimmste Zeit! Zu viele Köche verderben den Brei- hier zuviele Mütter.

  3. mama schwaner Says:

    bei uns wird/wurde die eingewöhnung auch gestaffelt gemacht. damit eben nicht so viele eltern da rumsitzen. und du bist ganz gewiss das genau gegenteil einer rabenmutter! ehrlich! das ist meine feste überzeugung!!!

  4. mama schwaner Says:

    (scheiß auf die scheißkuh!)

  5. Corinn Says:

    eine Henne hackt doch der anderen die Augen aus. Eindeutig zu viele Mütter! Das kann nicht gut gehen.

  6. Giftzwerg Says:

    Kackfrosch eben (hab ich mir vom Schwanerpaul ausgeliehen und gilt nun bei uns synonym für alle Scheißkühe dieser Welt ;) )

    Rabenmutter, weil Noah geweint hat? Ach Du, die Eingewöhnung ohne Tränen möcht ich sehen (von Mutter UND Kind… ) und wenn´s nur Tränen wegen Spielzeug-wegnehmen oder dergleichen sind. Schließlich ist das für Noah _alles_ neu, nicht nur, dass Du nicht ununterbrochen da bist, sondern auch die ganzen Kinder, der Ort – und nicht zuletzt die ganzen besorgten Hennen, die da am Rand drumherum sitzen. Aber Kinder gewöhnen sich schnell (um), das müssen sie ja schließlich ständig. Weißt eh alles ;)

    Kannst Du nicht mal mit der Leitung sprechen, dass die das irgendwie etwas staffeln sollen? Du meine Güte, ich kann mir das Gezicke vorstellen und würde wahrscheinlich schon nur deswegen Reißaus nehmen *augenroll*

  7. kassiopeia Says:

    Danke! Heute wurden die Muddis ausgesperrt zur Brotzeit. Da hat das Telefonat doch glatt was
    gebracht! ;)