20+0

Bergfest. Heute Mittag lag ich im Bett, meine Hand auf dem Bauch, der nun nicht mehr nach Innen
plumpst sobald ich liege, da die Gebärmutter steht wie ne Eins seit einer Woche und ich musste daran
denken, wie ich an einem Freitag als mein Mann früher heimkam, weil er sich „nicht fühlte“, genüsslich
in unserem Bett lag und ich mich völlig müde ins Bett der Kinder gehauen hatte. Für Noah war sein
Bett unten mit mir schon längst wieder ein Auto, Zoe kam und ich las das Buch aus der Bibliothek
mit dem Drachen, der ein schrecklich lauter Nachbar ist und war mir in diesem Moment so sicher
schwanger zu sein, dass ich dieses Gefühl zum Anlass nahm einen Test zu machen und bitter enttäuscht
wurde. Ich war aber schwanger. Ich wusste das, mein Körper wusste es, aber er wollte es noch nicht
verraten. Seit also fast 20 Wochen weiß ich, dass ich schwanger bin. Und es werden wohl noch
weitere 20 Wochen. Bald hat unser Sohn eine Chance aufs Überleben. In der vorangegangenen
Schwangerschaft mit Tom, bangte ich schnon 3 1/2 lange Wochen um das Kind, diesmal ist das anders.
Ich kann nicht glauben, dass schon die Hälfte der Zeit um ist. Die Gefühle taumeln hin und her
zwischen einem: „Erst? Noch 20 Wochen warten, wenn nicht länger?“ und dem „Oh Gott, nur noch
20 Wochen bis ich das vierte Mal Mama werde. Unseren Sohn endlich im Arm halten kann. Ihn
sehen kann, ihn schnuffeln kann, ihn berühren kann! Und noch soviel zu tun!“ Es ist noch genug Zeit!
Eigentlich.
Bevor ich nach Berlin fuhr, machte sich der kleine Mann kaum bemerkbar. Seit Wochen hin und wieder
mal. Aber nicht so, dass man sich wirklich sicher ist. Kaum sitze ich den ersten Abend auf der Couch
meiner Eltern, tritt das Kind um sich. Mittlerweile so sehr, dass man es Außen fühlen kann. Am
liebsten am Abend oder sobald ich liege. Eigentlich nur dann. Bisher. Der kleine Mann hat eine große
Vorliebe dafür entwickelt auf meiner Blase zu liegen, die scheint gemütlich. Der Bauch ist nochmal um
eingiges gewachsen, was vermutlich auch am guten Essen in Berlin liegt. Aber es wird greifbarer.
Alles. Unser Sohn hat einen Namen bekommen. Und wenn ich mit meinen drei Kindern in der Wanne
sitze und das Tochterkind die Namen der Kinder aufzählt, in der Reihenfolge der Geburt, Tom in
den Bauch kneift, Zoe und Noah den Bauch mit Wasser übergießen, dann fängt man an zu Träumen:
Wie es wohl sein wird mit Vieren in der Wanne?! Himmlich.
Wenn ich mich in dieser Schwangerschaft umsehe, sehe Frauen in Kliniken mit vorzeitigen Wehen,
schweren Organleiden, Einleitungen, Frühgeburten und Notkaiserschnitten. Nicht nur jeweils
eine, sondern viele. Manchmal gleich mehrere Fürchterlichkeiten auf einmal. Und plötzlich wird
mir klar und deutlich, dass ich bereits eine feste Vorstellung von der Geburt unseres Sohnes im
Kopf habe: Ich habe Sorge, durch erneute vorzeitige Wehen nicht rechtzeitig zu realisieren, wann
es wirklich losgeht, es erst viel später zu bemerken. Ich habe das Glück, nur meine Schwiegermutter
anrufen zu müssen, damit sie die Kinder holt oder betreut, sobald sie da ist, kann auch das Kind
zu Hause kommen, schließlich ist sie Hebamme. Da Kinder feine Antennen haben für wichtige
Situationen, weiß ich „ein bleibt hier drüben“ wäre kein Problem. Ich hätte sogar Lust auf eine
Hausgeburt, weil ich erstmals bei Tom keine PDA brauchte, aber genau da liegt das Problem. Ich
spekuliere. Aber jedes Kind ist anders. Zur Abwechslung könnte die Blase platzen, ich könnte wie
bei Noah schnurstracks im Krankenhaus liegen wegen Wehen, es könnte mal eine Sturzgeburt
werden oder eine Einleitung wegen einer Wehenschwäche bei 42+0. Was dann?! Bin ich darauf
vorbereitet? Auf irgendeine Abweichung?! Nein. Ehrlich gesagt nicht. Und mir macht das Sorgen.
Weil gerade diese Flexibilität gefragt ist beim Kinderkriegen, sonst muss man viel verarbeiten.
Aber diese Idee mit dem ganz schnell gebären nach ein paar Tagen übertragen, die gefällt mir so
unheimlich gut! Könnte das denn nicht so sein?! ;) Wir werden sehen…

13 Responses to “20+0”

  1. Gabriela Says:

    Ich gratuliere dir zu diesem Meilenstein. Wie gut kenne ich das Gefühl, das sich in dieser Zeit einstellt.Es wird warm und immer konkreter! Die Umgebung beginnt auch zu realisieren. Die Zeit wird messbar durch das Rückwärtsblicken.
    Ich weiss nicht, ob es gesund und nötig ist, sich in Sachen Geburt alle Eventualitäten vorzustellen und in die Planung mit ein zu beziehen. Ich würde vorläufig all jene Vorstellungen pflegen, welche dir ein Gefühl von Geborgenheit und Freude geben. Das kommt beim Kind an. Für die Datailplanung hast du in den letzten Wochen noch genügend Zeit.
    Ich wünsche dir einen rundum stimmigen Start in die zweite Halbzeit.

  2. Daniela Says:

    Herzliche Gratualtion, schön!
    Eine liebe Nachbarin von mir ist auch mit dem vierten Kind in der 20 Schwangerschaftswoche. Nach wie vor finde ich es grossartig wenn sich ein Paar für eine grosse Kinderschar entscheidet, es lebe das leben.
    Weiterhin viel Spass mit deinem wachsenden Sohn …

  3. Frau Kathy Says:

    ich wünsche es dir. ich hatte dieses wahnsinnige glück und wünsche wirklich jedem so eine „tolle“ geburt.
    und, hör auf deinen körper. auch wenn jedes kind und jede geburt natürlich total anders verläuft, du weißt genau, was zu tun ist, aus welchem grunde das auch immer so sein mag, es ist einfach so.
    vertrau darauf.

  4. Cecie Says:

    wow, die zeit rennt. anfangs vergeht sie gar nicht, und dann rennt sie an einem vorbei – ich merke das auch gerade! du rechnest fifty/fifty, ich rechne 1/3:2/3. und gerade habe ich eine vermutung mitgeteilt bekommen, was das geschlecht angeht, aber das wird bevor es sicher(er) ist, noch nicht verraten ;o)

    schön zu lesen, dass es bei dir – was die schwangerschaft angeht – inzwischen auch ruhiger und entspannter zuzugehen scheint als noch vor ein paar wochen. und das bleibt jetzt auch so, abgemacht?

  5. Mizz Foxxy Says:

    Ich frag mal so als ahnungslose Kinderlos einfach blöd drauf los – Du hast es doch als dreifache Mutter bereits mehrmals erlebt. Fühlst Du Dich besser vorbereitet als Du es vor Zoe warst? Ich mein, ich hab überhaupt keine Vorstellungen davon, weil mir die Erfahrung fehlt… Ich hoff, das ist einigermaßen verständlich formuliert. ;-)

  6. Karin Says:

    Du hast schon Halbzeit. Irre, wie kann die Zeit bloß so schnell vergehen? Die Gedanken um die Geburt, ich kenn sie und versteh dich so gut. Ich denke an selbiges, ein paar Tage drüber und dann relativ flott ein 4 kg Baby im Arm!

  7. Steffi Says:

    Herzlichen Glückwunsch…
    Den Satz:
    „Weil gerade diese Flexibilität gefragt ist beim Kinderkriegen, sonst muss man viel verarbeiten.“
    …find ich gut. Der ist wirklich wahr…

  8. 4kidsmami Says:

    Glückwunsch, du hast Halbzeit schon erreicht. Mögest du du nächsten 20 SSW. genießen können und mögen dich keine Beschwerden plagen und du stressfrei Richtung Geburt entgegen sehen.

  9. berliner luft und ostseewelle Says:

    Alles Gute für die zweite Halbzeit!
    Ja, die Organisiererei ist total blöd. Wann, wie und wo geht es los? Was ist mit den anderen Kindern…?
    Und spannend ist es auch! :-)

  10. kassiopeia Says:

    @Gabriela: Ja, das stimmt irgendwie: das positive Grundgefühl muss stimmen…

    @FrauKathy: Die Geburt von Tom war ja schon toll, jetzt weiß ich nicht, was mich erwartet?…

    @Cecie: Du machst mich wahnsinnig! Ich würd so gern mehr wissen!

    @MizzFoxxy: Nur weil ich schon dreimal umgezogen bin, weiß ich nicht alles über das vierte Mal.

    @Karin: Sagst du, die bald ein Baby im Arm halten wird.

    @Steffi: Ja, eben. Das kann gar unschön werden.

    @4kidsmami: Ich denk soviel an dich! Dank dir!

    @BerlinerLuft: Ja, allemal spannend- nicht wahr?!

  11. Leanders Mami Says:

    Herzlichen Glückwunsch zum Meilenstein!
    Sag mal, wie groß ist um Himmels Willen bitte Eure Wanne, dass darin vier Kinder plus Mama planschen könten???

  12. kassiopeia Says:

    Eine ganz normale Wanne. Die Mäuse sitzen alle auf meinen Beinen. Man darf nur nicht vergessen erst
    die Kinder raus zu heben bevor man das Wasser raus lässt!

  13. Mizz Foxxy Says:

    So war das auch nicht gemeint… Aber um mal bei diesem Vergleich zu bleiben – beim dritten Mal umziehen ahne ich zumindest, was auf mich zukommt, weil es eine mir ‚bekannte‘ Situation ist und kann mich entsprechend vorbereiten. Mir ist bewusst, dass man das soo nicht vergleichen kann, aber ist es irgendwie anders, wird man ruhiger , bleibt das Gefühl das gleiche oder macht man sich mehr Sorgen?! Mich würde das einfach mal interessieren…