Loslassen…

Mit einer der schwierigsten Aufgaben von Eltern ist das Loslassen. Am Sonntag waren wir mit den Kindern
im Freibad. Und auch diesmal weigerte sich Noah ins Wasser zu gehen. Viel lieber wollte er auf den
Spielplatz. Der Spielplatz. Der Ort an dem Noah letztes Jahr diesen Unfall hatte. Wir waren unter der
Woche schonmal mit Freunden im Freibad und ich hatte es verboten. Ich konnte meine Augen bei
dem völlig überfüllten Bad nicht bei drei Kindern gleichzeitig haben. Auch der Spielplatz war voll
gewesen. Am Sonntag war es noch früh, der Spielplatz war recht leer und trotzdem… Er wollte so gern.
Also sah ich zu wie mein Sohn auf dieses Holzschiff kletterte und spielte. Sofort waren die Bilder
wieder da. Wie er rutschen wollte, das Kind an der Rutsche ihn wegstieß, Noah nach hinten flog,
keinen Halt fand, sich überschlug, ein paar Meter fiel und mit dem Kopf auf dem Kies aufschlug und
sich nicht rührte. Es war alles wieder da. Ein dicker Kloß bildete sich in meinem Hals. Er hatte
letztes Jahr unheimliches Glück gehabt. Aber ich kann ihn doch nicht unter eine Glasglocke verstecken.
Also ertrug ich den Kloß, spürte wie sich alles zuschnürte und sah zu wie das gleiche Kind eben noch
die gleichen Sachen auf dem Piratenschiff spannend fand, während dessen waren die Bilder vom
letzten Jahr sofort wieder da.
Er hatte Sonntag Spaß. Er liebt Spielplätze. Er mag eben kein Wasser. Aber es wird wohl eine Weile
dauern bis ich nicht in Habachtstellung ein paar Meter weiter weg sitze und ihn kritisch beäuge und
die Kinder um ihn herum.

4 Responses to “Loslassen…”

  1. agichan Says:

    ach mensch, das ist doch verständlich, dass sowas wieder hochkommt. und es ist ok. ok, nur das zu erlauben, was der kloß im hals gerade noch zulässt. (und der wird schrumpfen.. schrumpfen und weiter schrumpfen)

  2. Ines Says:

    Frag nicht wie ich reagiere wenn mein Sohn Fieber hat. Beim ersten Fieberkrampf hielt ich den leblosen Körper meines Sohnes im Arm und dachte das wars – keine Atmung, kein Herzschlag, blaues Gesicht. Jetzt werde ich richtig komisch sobald sich Fieber nur andeutet.
    Oder: Mein Sohn liebt Wasser, leider kann man schon fast sagen. Denn ich möchte nie wieder eins meiner Kinder bewegungslos unter der Wasseroberflächer treibend aus einem Teich fischen.
    Man kann nicht klammern, man kann seine Kinder nicht immer „beschützen“, man kann eben nicht überall sein. Das ist eine Erkenntniss die man lernen muß um los zulassen. Auch wenn sie noch so jung sind, gehen sie irgendwie schon ihre eigenen Wege. Und das ist gut.
    Meine Panik ist etwas verflogen seit Armin das erstemal seit 2 Jahren Fieber ohne einen Anfall hatte, seit dem weiß ich es geht aufwärts und irgendwann ist Schluß mit den krampfanfällen und hoffe bzw. gehe einfach davon aus das es „nur“ Fieberkrämpfe in extremer Form waren.
    Die Zeit, die Zeit……

  3. 4kidsmami Says:

    Das ist doch verständlich. Lejla hat sich beim ganz normalen Rennen durch die Wiese beim Hinfallen den linken Unterarm gebrochen. Keiner hätte gedacht, dass sie sich dabei den Arm brechen würde. Ansonsten ist sie sehr lebhaft, klettert und hüpft ständig irgendwo herum. Der Gips ist schon über eine Woche ab, die Angst bleibt…was ist wenn sie wieder darauf fällt? Da ich sie nicht an den Stuhl fesseln kann, musste ich schnell über meine Angst hinwegsehen und sie rennt, klettert wie eh und je.
    Mit der Zeit wird dir das auch wieder leichter fallen….das Loslassen :-)

  4. misslavender Says:

    schön, dass er sich wieder traut und schön, dass du ihn „sich trauen“ lässt. grosser respekt vor so viel reflektieren! wenn nur alle mütter so wären…