Küsse, süß wie Schokolade

Als wir im Urlaub eine Packung Süßkram im Schrank stehen sahen, fragte das Tochterkind: „Was
ist das?!“ Ohne darüber nachzudenken, sagte ich: „Negerküsse, mein Schatz!“ Und dann, ja dann
traf mich die Frage wie ein Schlag: „Wieso heißt das so?“
Ich lüge meine Kinder nicht an. Ich versuche offen zu sein. Also erzählte ich ihr, warum das so heißt
und das das alles andere als in Ordnung ist, wie mir nun auffiele. Wissen Sie, das Schlimme ist
doch, das es mich nie störte. Das hieß halt so. Warum sollte ich das ändern? Erst als meine Tochter
ihre Mutter fragt wieso es so heißt, stelle ich mich in Frage? Und in diesem Urlaub merkte ich erst,
wie fest gebrannt das da im Hirn ist. Mittlerweile ist das Wort aus meinem Hirn. Es ist ein Schokokuss!
Anscheinend beschäftigte das Tochterkind das Thema sehr, denn einen Tag später malte sie das
hier:

Prinzessinnen

Und bevor mir jemand böse Mails schreibt, als das Tochterkind mich in der Vergangenheit das
eine Mal fragte, warum jemand da diesen dunklen Teint hat, sagte ich: Weil halt. Weil sie braune
Augen hat und ihre Brüder grüne und blaue, aus dem selben Grund warum Tom rote Haare hat und
sie braune, aus dem selben Grund, warum sie den dunklen Teint von ihrem Papa hat, während ihre
Bruder so käsig sind wie ihre Mama: Weil halt. Weil wir alle unterschiedlich sind. Worum es in diesem
Gespräch ging, war der Fakt, dass es Menschen gibt für die das nicht so einfach ist. Das war neu
und traf sie sehr.

7 Responses to “Küsse, süß wie Schokolade”

  1. mama schwaner Says:

    endlich mal eine frage, auf die „weil halt“ passt. danke! :) (ich finde, dass hast du toll erklärt. dieses weil halt.)

  2. KatjaW Says:

    Wir haben heute eine kleinwüchsige Frau gesehen. Martha hat mich gefragt, warum die so klein sei. Und auch da passte ein ‚weil halt‘. Weil alle Menschen unterschiedlich sind, einer klein, einer groß, einer dick, einer dünn, etc. Und gut war. Schön, oder?

  3. Lisa Says:

    Bei uns war das übrigens schon immer ein Mohrenkopf! Noch schlimmer eigentlich.

  4. Frau Kathy Says:

    wir sagen schokoküsse. ;-)

  5. Papa (der kleinen Chefin) Says:

    Ich kannte die auch von Klein auf als Negerküsse oder Mohrenköpfe, hat mich nie gestört. Als es dann plötzlich Schokoküsse hieß, habe ich als Jungteen das erste mal darüber nachgedacht. Aber ganz ehrlich finde ich Negerkuss weiterhin gar nicht so schlimm. Ganz einfach aus dem Grund, dass ich gemerkt habe, dass sich hier immer die am meisten Gedanken machen, die eigentlich gar nciht betroffen sind.
    In Bayern heißt ein Bier mit Cola auch „Neger“, steht auch so auf der Speisekarte. Habe da mal einen schwarzen Kellner erlebt, der sich königlich amüsierte, weil die Gäste krampfhaft versuchten, ein Cola-Bier zu bestellen und dabei nicht ihm gegenüber „Neger“ zu sagen. Letztendlich hat er nur lachend gesagt: „Jo mei, was bestellns denn nicht einfach an Neger?“
    Über den Ruß’n (Weißbier mit Limo) regt sich übrigens gar niemand auf …

  6. Wolfram Says:

    „Ganz ehrlich gesagt: hast du keine anderen Sorgen?“
    Das war die Antwort meines afrikanischen Kollegen, als ich ihn auf derlei Fragen ansprach.
    Und er hat völlig recht: diejenigen, die Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer Abstammung oder ihrer kulturellen Prägung verachten, die wissen ganz genau, wie sie sich ausdrücken müssen, um bestimmt mit keinem modernen Sprachkodex zu kollidieren.
    Übrigens ist „Neger“ nur die eingedeutschte Form eines lateinischen Wortes, das „schwarz“ bedeutet, und keineswegs auf dem Niveau der haßvollen Verballhornung „Nigger“ (und auch die hat literarische Qualitäten gefunden, wo kein Haß zu lesen war, oder habe ich den „Nigger auf Scharhörn“ so mißverstanden?) – und ohne den „Mohren“ im Struwwelpeter ginge eine große Portion Toleranzerziehung verloren…

  7. kassiopeia Says:

    Die Herren, Nabend! ;) Worum es mir ging war, dass es mir immer scheißegal war. Ich machte mir keine
    Gedanken. Wozu auch?! Das sagte man früher dazu und warum heute nicht auch. Scheiß auf ein politisch
    korrekt. Aber wenn das eigene Tochterkind vor einem steht und fragt, wieso dass so genannt wird, ja
    da wird mir nunmal schlecht, wenn ich beginne zu erklären. Ganz einfach.
    Es ist interessant, dass die Ursprünge des Wortes nicht abwertend sind, Fakt ist das sie dafür heute
    benutzt werden. Ob nun im coolen Film oder von der Oma, die es zuckersüß findet noch immer kleine
    „Negerkinder“ zu sagen. Wertend. Da krieg ich Kotzkrämpfe. Und bevor ich meinen drei Söhnen auch
    erklären muss, warum wir heute „Negerkuss“ sagen, sage ich lieber etwas anderes dazu, weil mir das
    einfach unangenehm ist. Es bedeutet mir etwas. Das ist alles. Soll das Zuckerzeug jeder nennen wie er will ;)