Sturm im Herzen

Jetzt sitze ich hier allein, den zweiten Abend in Folge und habe sehr viel Zeit für mich und meine
Gedanken um das Bauchbaby. In ein bißchen mehr als 5 Wochen erreichen wir den errechneten
Termin und je näher der rückt, umso mehr Kopfkino findet statt. Jeder der glaubt mit steigender
Kinderanzahl wäre eine solche Ankunft immer unspektakulärer, der irrt gewaltig.
Ich erinnere mich noch zu gut an die ersten Wochen. Während eine liebe Freundin begann im
Kopf alles zu wälzen, herrschte bei mir Ruhe. Erst dachte ich es läge daran, dass ich diese Unruhe
und alle Eventualitäten vor dem Entschluss ein viertes Kind austragen zu wollen, mit mir selber
und dem Gatten nächtelang ausgetragen hatte. Und tatsächlich weitere Wochen später war ich noch
immer entspannt, dafür hatte es eben etliche durchwachte Nächte davor gegeben. Es kann auch
damit zusammen hängen, dass ich solch große Angst hatte dieses Pünktchen in mir zu verlieren.
Ganz allmählich mit dem nähern an den Termin kommt diese Unruhe. Tausend Fragen tauchen
plötzlich auf. Wie lange werde ich diesmal warten müssen? Wie wird das? Darf ich sofort nach
Hause? Wird es wieder so sein, dass man so lange darauf hinfiebert und plötzlich geht alles viel
zu schnell und man hat das Gefühl nicht hinterher zu kommen? Werde ich stillen können? Wie sehr
werde ich mich an meine eigenen Besuchsregeln halten? Werde ich endlich liegen bleiben können?
Oder muss ich Putzen um anzukommen? Werden die Nachwehen wieder so lange so schmerzhaft
bleiben? Wie wird es den Kindern gehen? Wie wird es sein ein Baby zu versorgen ohne den Mann,
der die Flasche in der Nacht gibt und sich die Nacht mit mir teilend um die Ohren schlägt? Wie
wird es sein einen Mann hier zu haben, der Elternzeit hat? Klappt das auch alles? Wie wird es sein
wieder von vorn anzufangen, aber diesmal keine Freundinnen zu haben, die ähnliches erleben?
Wie wird es sein, wenn alle anderen befreundeten Kinder älter geworden sind, nur wir fangen bei
Null an? Wie müde werde ich sein? Wie werde ich das meistern? Werde ich weiterhin das Gefühl
haben, jedem Kind gerecht zu werden? Werden sie sich alle weiterhin geliebt fühlen? Wie wird es
mir körperlich gehen? Wie groß werden die Schmerzen beim Milcheinschuss? Wie wird das
alles klappen, trotz 8 Wochen unterschiedlichster Unterstützung? Werde ich wirklich vom Kauf
des neuen Zwillingswagens profitieren? Wird es wirklich helfen, dass es dann vielleicht nicht mehr
so heiß ist? Werde ich das Schwangersein dann wirklich nicht sehr vermissen? Werde ich glücklich
sein? Werde ich genug Zeit haben Ben Mino zu genießen?
Ich kann mich nicht erinnern in der Schwangerschaft mit Tom so unter Spannung gestanden zu
haben. Beim besten Willen nicht. Ich dachte mir, Grübeln mache ja keinen Sinn, denn es käme eben
wie es kommt. Das würde schon werden, niemand würde dabei umkommen. Aber diesmal, diesmal
ist das eben anders. Ich trage noch einen kleinen Babybären durch die Gegend, der mich braucht und
hüpfe gedanklich von einem großen Kind zum andern, um ja nichts zu übersehen. Versuche liebevoll
da zu sein und zu zeigen, dass ich jeden einzelnen so sehr liebe, dafür das er ist wie er ist und ich
mir ein Leben ohne einen diesen kleinen Muckel nicht vorstellen könnte, keinen gebe ich mehr her!

5 Responses to “Sturm im Herzen”

  1. Ansku Says:

    Du Liebe, ich lese diesen und Deine letzten Einträge hier und ich merke Deine Sorgen und Dein Gefühlschaos. Ich würd Dir so gerne irgendetwas helfen. Dir etwas von diesem Sturm abnehmen, indem ich einfach dabein und zuhöre, Dich irgendwie unterstützen oder irgendetwas schlaues, helfendes sagen. Aber ich weiss nicht wie, ich war noch nie in dieser Situation

    Ich drück Dich einfach mal ganz feste. Wie Du schon schreibst, irgendwie wird es alles werden. Ihr habt Euch dieses Kind gewünscht, genauso wie Ihr Euch die drei davor gewünscht habt. Ihr werdet es lieben, wie Ihr schon die drei davor liebt. Und Ihr werdet das wuppen, wie Ihr auch alles davor gewuppt habt. Davon bin ich überzeugt. Manchmal hat man einfach so Phasen, da gibt es einen Sturm im Herzen und man ist schrecklich angespannt, obwohl man dachte, dass eigentlich alles gut und geregelt ist. Und dann plötzlich – buff!! – löst sich alles wie eine Seifenblase auf. Und Du weißt plötzlich wieder, dass alles gut ist so wie es ist.

  2. 4kidsmami Says:

    ….Etwas Unterstützung würde ich dir auch gerne geben, ist aber etwas schwierig durch die Entfernung.
    Es ist schön zu lesen, dass es dir genauso ergeht wie mir. Ich habe manchmal etwas andere Fragen noch im Kopf, aber im Prinzip sind sie ähnlich :-) Ich dachte auch mit steigender Kinderzahl wäre doch alles leichter. Meiner Meinung nach gestaltet sich auch letztlich alles leichter, da man ja inzwischen mehr Erfahrungen gesammelt hat, aber das Kopfkino des Nachts monatelang ist dafür viel intensiver.
    (Vor lauter Sorge um unsere kleine Maus habe ich bis heute noch nichts gerichtet und kann die „Freude“ einfach noch nicht zulassen, aus Angst). Ich hatte nie diese „Heultage“ und bin mir dieses Mal fast sicher, dass ich tagelang weinen werde, vor lauter Freude;-)

    Da du das alles bei deinen drei Kinder schon erlebt und durchgemacht hast, wirst du es auch dieses Mal schaffen. Ich drück dich ganz fest.

  3. berliner luft und ostseewelle Says:

    Ich glaube, solche Gedanken gehören dazu.
    Natürlich hat man sich das Kind gewünscht, natürlich wird man es lieben, wie alle anderen Kinder auch, natürlich wird man das alles irgendwie gewuppt kriegen. Natürlich!
    Aber es wird ein neuer Mensch in die Familie hineingeboren, der das bestehende und funktionierende Gefüge ein bißchen aufmischt und daran rüttelt.
    Gut, daß Du Dir dessen bewußt bist.
    Ich finde es wirklich schön, wie Du Deine Gefühle und Gedanken in Worte fassen kannst.
    Und, was soll ich sagen? Das wird schon!

  4. dickbauchmarie Says:

    meine liebe, zumindest zwei fragen kann ich dir beantworten:

    stillen nachts ist super-besser als flasche, denn die brust musst du nicht anrühren und warm machen. die ist einfach da-du schnappst dir das baby-legst es neben dich im bett udn stillst. udn schläfst dabei weiter ;)

    zwilliewagen, ja-wir haben hier nen hartan-und der ist super!leichtgängig und sogar bei einem waldspaziergang nicht überfordert

    und zu den selbstzweifeln-weißt du-allein durch den fakt dass du dir gedanken machst weiß ich genau: du wirst das wuppen-und das auch noch großartig!

  5. Fr. SchokoPerle Says:

    Du Liebe,

    all diese Sorgen, Gedanken und Ängste werden erst im Endspurt und nach der Geburt verschwunden sein. Diese nach und nach zu verlieren, da kann dir kaum jemand helfen. Deine Familie wird hinter dir stehen und das ist der/dein größter Halt.
    Und wenn Ben dann auf der Welt ist, wirst du an diesem Würmchen schnuppern, es genießen und mit einer kleinen Träne im Auge deine großen bewundern und stolz auf sie sein, wie gut sie die neue Situation meistern und wie sehr Ben schon unlängst ein Teil von euch geworden ist.

    Du wirst nach und nach in deiner neuen Rolle ankommen und dabei deine kleinen stillen Momente haben um Luft zu holen um Kraft zu tanken.