Der errechnete Termin

wäre also heute. Und das ist ein ganz komisches Gefühl, denn seit Mittwoch schwimmt Ben nicht
mehr in meinem Bauch, sondern liegt bei uns, auf uns, neben uns…
Als ich heute ein paar Seiten in meinem Buch las, wurde mir gewusst, dass ich aufgehört hatte zu
lesen am letzten Samstag als es mir gar nicht gut ging und ich in der Wanne lag, wie verzweifelt ich
eigentlich war und versuchte mit aller Macht tapfer zu sein und gar nicht mehr wusste wie ich die
nächsten Tage oder gar Wochen schaffen sollte.
Ich erinnere mich an den letzten Sonntag den ich mit meinem Liebsten verbracht hatte, nur mit
ihm ohne die Kinder. Wir hatten nur ein paar DVD’s ausgeliehen, weil es mir einfach nicht gut
genug ging um das Haus zu verlassen, hatten Pizza bestellt und es uns einfach nur gut gehen
lassen. Ganz entspannt. Und schon eine Woche später sitzen wir hier und da ist er unser Sohn Ben,
als wäre er schon immer hier gewesen.
Schade, dass man das nicht immer weiß. Vielleicht waren es die kleinen Zeichen, die Ben gab, dass
es Zeit wäre langsam zu schlüpfen, auch wenn noch Zeit bis zum Termin war, einfach zu sagen:
Macht mal was da draußen! Allein krieg ich das hier nicht hin. Schon am Montag hatte ich meinen
Bauch gestreichelt und ihm gesagt, dass ich schon wüsste wie das geht mit dem Gebären und
er sich da auf mich verlassen könnte.
Eigentlich gibt es viele schöne Erinnerungen ans Schwangersein mit Ben. Aber ich hatte vermutet
es wären mehr. Natürlich geht ein langer Abschnitt vorüber, aber so sehr fehlen wie beim letzten
Mal tut mir nichts. Und dabei hatte ich immer gedacht, man müsse es ja nur genug genießen und
das versuchte ich mit aller Kraft in den letzten Wochen, dabei war da nichts mehr zu genießen.
Heute kann ich es mir gönnen das zu schreiben, in der Zeit fühlte ich mich nur schuldig deswegen.
Ich hatte ja schwanger werden wollen. Ich hatte mir dieses Kind doch so sehr gewünscht, da
müsse man da eben einfach durch. Einen realistischen Blick für das zu Hause hatte ich schon gar
nicht mehr. Da waren Schuldgefühle den Kindern gegenüber. Aber mehr auch nicht. Es gab auch
Tage die waren schön, aber den Großteil über war ich einfach nur noch verzweifelt, weil ich nicht
wusste wie das weitergehen soll. Sogar am letzten Tag vorm Einsetzen der Wehen war ich nicht
die Mama, die ich sonst gern den Kindern bin, dafür waren die Schmerzen einfach zu groß. Nicht
mal richtig Laufen konnte ich. Und plötzlich bekommt man dieses zauberhafte Kind und erst da
wird einem bewusst, was gut fühlen eigentlich ist und das schreibe ich trotz schmerzhaften
Nachwehen, bösem Milcheinschuss und Schlafentzug durch das Stillen.
Aber Mutter Natur ist schlau: So hin und wieder blitzt da die Erinnerung durch, landet die Hand
auf dem Bauch, horcht man in sich, aber spürt keine Kindsbewegungen im Bauch, erinnert sich
an schöne Momente in der Wanne, tolle Fotos als Dokumention dieser Schwangerschaft, Kleidung
in der man sich schön und wohl fühlte…
Neu ist, dass die schönen Momente nun überwiegen und nicht die der Schwangerschaft, erstmal.

6 Responses to “Der errechnete Termin”

  1. Karin Says:

    Du kannst immer alles so gut in Worte fassen. Es freut mich, dass es euch soweit gut geht!

  2. Frische Brise Says:

    Ja, das will jetzt erstmal alles verarbeitet werden.
    Das alte Leben ist vorbei, Euer neues Leben als Familie mit Ben beginnt.
    Alles Gute Euch!

  3. Corinn Says:

    Schön, dass es Euch gut geht, geniess die Zeit, mach (fast) nix und lass Dich verwöhnen…
    Zu den fiesen Nachwehen – ich hatte mit dem Schüssler Salz Nr. / (Magnesium) sehr gute Erfolge, gerade beim Stillen, hab ich in der ersten Zeit immer gleich eine Tablette genommen, ob das Lutschen nun ablenkt, oder ob es tatsächlich hilft (wer weiß) – ich kann mich jedenfalls nicht an fiese Nachwehen erinnern, habe aber immer gelutscht. ;-)

  4. dickbauchmarie Says:

    ich versteh dich zu gut-wie sehr ich das schwangersein damls die letzten wochen zuviel war, so direkt in worte fassen konnte cihs nicht.traute mich nicht.und hab auch jetzt noch ein schlechtes gewissen dabei-denke manchmal meine fehlende kraft, mein genervtsein hat die shrimps schlußendlich viel zu früh aus meinem bauch vertrieben. beruhigend dass dieses ZUVIEL auch andere fühlen.beunruhigend dass dieses ZUVIEL auch bei dir kurz vor der geburt auftrat.

  5. kassiopeia Says:

    @dickbauchmarie: Ach Sie! Das ist gar nicht beunruhigend! Gleiche Gefühle
    hatte ich auch bei Tom vorallem die letzten zwei Wochen und den übertrug
    ich munter! Ich glaube viel eher, dass das erste Anzeichen sind, das ein Auszug
    naht!?
    Falls ihr nochmal ein Wunder erwartet wünsch ich dir von Herzen, dass das
    dir ebenso hilft, dass diese Wunden heilen, weil es den Blick nochmal verrückt-
    zurecht rückt! Eine Schwangerschaft ist kein Spaziergang! Aber im Nachhinein
    ist man sehr streng mit sich…(ohne es zu merken)…

  6. 4kidsmami Says:

    Liebe Kassiopeia,

    wirklich du findest immer so tolle Worte!
    Es freut mich sehr, dass du/ihr rückblickend auch noch ein paar alte Wunden heilen konntet.
    Knuddel den süßen Ben mal eine Runde von mir und einen dicken Schmatzer von mir :-)
    liebe Grüße