Nachwehen der Geburt

Ich erinnere mich gern an die Geburt von Ben. Ich hatte am Tag vor der eigentlichen Geburt
ein schönes Gespräch mit meinem Mann im Kreisssaal und erlebte wie schon oft durch die
Ankunft eines neuen Kindes, ein Heilen einer ganz anderen Wunde. Wir hatten die Geburt
angestubst und ich war mehr als ängstlich, weil ich hoffte das es Ben trotzdem gut geht. Es
wird einem ja nur allzu oft gesagt, man müsse das eben alles aushalten, das gehöre zu einer
Schwangerschaft dazu, aber das sehe ich heute anders. Ich kann es jetzt anders sehen. Ich
weiß, dass die Wehen sich so lange zogen, weil ich sie angeschoben hatte. Das ist der Preis,
den man als Schwangere unter Umständen bezahlt, es dauert einfach länger. Nur kann ich
gar nicht sagen, ob wegen der Wehenschwäche eine Geburt in Gang gekommen wäre ohne
Hilfsmittel. Aber eigentlich interessiert mich das gar nicht richtig, denn es war richtig. Auch
für uns als Familie und da ist der Punkt der Heilung einer anderen Wunde: Ein Erinnern daran,
dass es damals bei Noah auch nicht mehr gegangen war. Wir standen Kopf- es war nur noch
zermürbend. Diesmal auch, nur für mehr Menschen. Die Kinder waren in diesen Stunden im
Kreisssaal bereits das zweite Mal bei Oma, sollten dort ja auch erneut schlafen, hatten mich
den ganzen Tag nicht gesehen und mich vorher nur noch mit schmerzverzehrtem Gesicht
erlebt, die Tagen zogen sich wie Kaugummi. Zoe war nur noch durch den Wind, Noah weinte
oft wegen Kleinigkeiten, einzig Tom schien in sich zu ruhen, litt aber bestimmt auch unter
den Stimmungsschwankungen seiner Mutter. Diese Geburt also, die war ein Geschenk. Egal
wie müde ich war. Die Einleitung war ja sogar nicht gelungen und man hatte uns sogar noch
einmal die Chance gegeben zu Hause zu sein. Sogar allein. Nur wir Zwei. Ohne die Kinder. Ich
hatte sogar ganz liebe Menschen quasi neben mir via twitter, die mich unterstützten und
da waren, mich zum Lachen brachten und Mut zusprachen. Wir hatten zwar einen verwehten
Tag hinter uns, aber auch den hatten wir zusammen verbracht und so oft gelacht. Es war der
passendste Zeitpunkt für den Abbruch der Einleitung, einfach vom Gefühl her. Ich lag sogar
noch einmal in meinem Bett, ich trank noch einmal ein Glas Wein in Ruhe, bis eben die
Schmerzen zu fies wurden und da war es 1Uhr nachts. Davor war es nicht schön, aber so waren
doch die letzten Wochen gewesen. Nie schmerzfrei. Ich verpennte quasi leicht zugedröhnt die
Wehenschmerzen bis ich es -auch mit falscher Annahme- nicht mehr aushielt. Dann war sofort
der liebste Mann zur Stelle, gleich das Taxi und angekommen im Kreisssaal hört man nicht,
dass man wieder gehen kann, sondern das es fast geschafft ist. Was will man mehr?! Ich denke
also gern an die Geburt, auch wenn ich mittlerweile weiß, dass Ben mit seinen Schultern fest
gesteckt haben muss und mich das sehr ins Grübeln bringt, aber das ist schon wieder eine ganz
andere Baustelle. Zwei Stunden von Ankunft im Kreisssaal bis zur Geburt: Ein Traum! Ben ging
es prima, er war gesund, lag lange auf meinem Bauch samt Nabelschnur, wurde nicht gepiekst,
nicht angezogen mit Klinikleidung, saugte gut. Mir ging es super trotz der Medikamente, die
einen wirklich schaffen so auf Dauer, vorallem wenn man Monate gar nichts genommen hatte,
ich konnte gleich zur Toilette, aß und trank meine Lieblingskreisssaal-Leckereien, kurz mir ging
es eigentlich trotz der Nachwehen schon im Kreisssaal gleich viel besser als Stunden zuvor als
Schwangere. Auch wenn ich meine Gebärmutter festhalten musste beim Laufen und Aufstehen,
ich konnte mich wieder bewegen. Ich war wieder ich. Und schon drei Stunden nach Bens Geburt
brachte mein Liebster die Unterlagen nach unten, das Taxi kam und nicht mal vier Stunden nach
der Geburt waren wir wieder zu Hause: mit Ben. Schliefen noch etwas bevor unsere Großen kamen.
Kurz: Es war wirklich schön. Und selbst jetzt 4 Tage danach bin ich dankbar und einfach nur
glücklich…

4 Responses to “Nachwehen der Geburt”

  1. Ines Says:

    Du bist ein Optimist – schön, es ist wirklich schön bei dir zu lesen.
    Ich sehe Dinge immer aus einer anderen Perspektive.
    Bei mir ging trotz fieser Wehen auch nixs vorwärts und als ich nach der Geburt gleich nach Hause ging war das genau richtig um meine miese Laune los zu werden. Ich habe nie so positiv zurück geschaut, ich habe immer an den negativen Dingen mich festgehalten. Nur das kleine wunder was mit mir nach ein paar Stunden ging, das war mein Glück.
    Und wiedermal wünsche ich euch alles Gute, der kleine Fratz ist wirklich süss.

  2. Patricia Says:

    :-) – ich hoffe, dass das Zuhause-Sein in den nächsten Tagen so manche Wunden heilen kann!

  3. Giftzwerg Says:

    Das klingt so wundervoll, so unglaublich gut und krafvoll. Ein wundervoller Start ins Leben Eurer neuen großen Familie…
    Und nach diesem Eintrag muss ich weit mehr kniepern als nach den vorangegangenen… von Herzen wünsch ich Dir, dass Du Dir das behälst. *drück*

  4. Frische Brise Says:

    Und zu Hause ist es doch am Schönsten!