Platzen vor Stolz

Meine Große ist jetzt beim Schwimmkurs. Beim telefonieren mit den Gatten erfuhr ich, dass
sie soeben mit ihrem gestreiften Hello Kitty- Badeanzug in die Halle maschiert sei und da war
es: dieses gewisse Kribbeln. Wie oft mussten wir uns anhören, wie unnormal das sei, dass Zoe
ja noch so ungern und selten allein zu anderen Kindern geht und wir haben stur abgewartet.
Jetzt scheint ein Knoten geplatzt und ich bin froh, dass wir auf unser Gefühl gehört haben. Sie
will eben Schwimmen lernen. Und das muss sie allein, mit anderen ihr fremden Kinder und
von einem Mann, den sie noch nie zuvor gesehen hat. Und sie macht das toll. Ich bin gespannt,
was der Gatte nachher erzählt. Ich bin so stolz auf sie.
Ein ähnliches Kribbeln hatte ich gerade als der große Sohn in der Küche stand, mit einer Hand
in der Hosentasche und sagte: „Ma-Ma! Jetzt gib mir endlich meine Trinkflasche!“ Diese
Trinkflasche gibt es hier immer, wenn er krank ist. Sie steht griffbereit und unverschüttbar
neben dem Bett. Aber heute habe ich es den ganzen Tag über vergessen, sie überhaupt hin
zu stellen und ich hatte ihn gebeten mich daran zu erinnern. Und das hatte er getan- desöfteren.
Nur wickelte ich immer oder stillte. Jetzt reichte es ihm und irgendwie fand ich es großartig wie
er dafür einsteht, sich traut so mit mir zu reden. So entnervt.
Und nochmal Kribbeln heute, als der kleine Sohn den Rest des Mittagsessens auf dem Tisch
verteilte, dachte ich das sei ein guter Zeitpunkt zum Aufstehen und Zähneputzen. Und was
ruft dieser Knirps?: „Nein, nein. Will nicht!“ Das Lachen musste ich mir doch sehr verkneifen.
Aber dieser Wille: Ich bin grad so stolz auf alle drei „Großen“.

6 Responses to “Platzen vor Stolz”

  1. Judith Says:

    ohja, du kannst sehr stolz sein! ich habe hier auch so ein sehr schüchternes Mädchenkind und hoffe auch das sich das Abwarten von uns bald bezahlt macht :-)

  2. CooKie Says:

    Irgendwann verschwindet die Schüchternheit immer. Bei mir hats gedauert bis ich 16 war, gezwungenermaßen musste ich selbstbewusst werden. Habe eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin angefangen, da kann ich schlecht da stehen und nicht mit den Leuten reden! :)
    Du kannst mit Recht stolz sein, auf deine 4 ganz wunderbaren Kinder!

  3. jo Says:

    Oh ich würde mir meine Kinder manchmal etwas schüchterner wünschen… Vor allem mein Sohn ist vor lauter eigenem Willen oft nur schwer zu ertragen. Mache ich was falsch?

  4. Gundi Says:

    Bei mir war mein kleiner, heute sehr rotziger (aber unendlich liebenswerter) 16jähriger derjenige, der erst mit ca. 5 Jahren anfing sich zu anderen fremden Kindern zu trauen. Finde ich großartig, dass ihr so unerschütterlich an eure Große geglaubt habt. Wir hatten gestern ein ähnliches Erlebnis, wie du mit Noah. Meine beste Freundin bekamm von ihrer Jüngsten zu hören, dass sie ihre Mama austauschen möchte. Hört sich nicht toll an, oder? Aber, das Mädchen ist 13 Jahre und sie ist ein Pflegekind (seit 5 jahren). Und dass meine Freundin es geschafft hat ihr soviel Selbstvertrauen zu geben, dass sie sich traut so etwas zu sagen, das hat uns Beide sehr, sehr gerührt. Echtes Bauchkribbeln auch hier!

  5. Janine Says:

    Du weißt, dass ich Deine Kinder, ach Euch insgesamt als Familie, großartig finde!

    Dass Zoe das jetzt so toll macht mit dem Schwimmen, das lässt mich für Robin hoffen, dass er auch irgendwann seine Schüchternheit ein wenig überwindet. :-)

    Ich knuddel euch :-)

  6. kassiopeia Says:

    @Jo: Das meine ich nicht. Ich habe hier schon mal drei Dickköpfe. Alle gehen mit ihrem Dickschädel anders um:
    Zoe schreit und ist laut, Noah bockt und wendet seinen Dickkopf nach innen und Tom will mit dem Kopf durch die
    Wand. Was ich meine ist ihr Wille. Was sie sich vornehmen, ziehen sie durch. Darauf bin ich stolz. Sie überwinden
    eigene Hürden. Tom schmeißt nicht mit dem Teller, nein er sagt, dass er nicht will. Noah bockt nicht in sich hinein,
    sondern poltert mir entgegen. Zoe überwindet ihre Scheu, weil ihre Neugierde größer ist. Das meinte ich.

    @Janine: Hör weiter auf deinen Bauch. Das sagte mir das hier. Einfach vertrauen. Alles bracht seine Zeit.
    Und danke- ich hör das so so gern.

    @Gundi: Das versteh ich sehr, sehr gut! Und freu mich glatt mit! :)