Der Tag der Taufe

Als ich im Bett erwachte und aus dem Fenster sah, konnte ich den ersten richtigen Schnee
des Jahres auf den Dächern sehen. Er war liegen geblieben und ich dachte, dass das ein
schöner Tag wäre für den ersten Schnee und ein schöner Tag für unsere Haustaufe. Ich
war etwas früher aufgestanden, um fertig geduscht, geschminkt und geföhnt frühstücken
zu können und so genug Zeit zu haben für das Vor-Besuchs-Putzen, so ganz in Ruhe. Wir
saßen also am Tisch, Nils hatte mit den Großen eben gegenüber beim Bäcker frische
Brötchen geholt und dabei erst bemerkt, dass es schneit. Die Kinder waren ganz aus dem
Häuschen vor Freude. Nach dem Frühstück zogen sich die drei Großen an um wie jeden
Samstag mit ihrem Papa auf dem Markt einkaufen zu gehen. Es fehlten auch nur ein paar
Kleinigkeiten und so stapften sie gemütlich los. Ben sollte eigentlich mit, weil ich vor hatte
schon mal durch die Wohnung zu wischen, wenn alle außer Haus sind. Aber er schlief und
so blieb er doch bei mir. Weil wir gut in der Zeit waren, genoss ich den Blick aus dem
Fenster und wusch erstmal unser Frühstücksgeschirr ab. In Gedanken machte ich einen
Plan: Das Wohnzimmer hatte Nils schon gewischt, das Schlafzimmer war auch sauber,
da die Villa Kunterbunt am Montag erst frisch zu Ende gestrichen worden war und ich
am Dienstag dort klar Schiff gemacht hatte, war auch dort alles sauber, nur der Boden
hätte noch mal etwas Putzwasser sehen können. Plötzlich hörte ich Ben, der gerade wach
wurde. Da ich mit Abwaschen gerade fertig war, schnappte ich mir Ben und lief gemütlich
durch die Wohnung und suchte mir Dinge, die ich eben noch einhändig tun konnte, bevor
Nils und die Kinder gleich wieder zurück kommen würden. Am Abend hatte ich noch ewig
das Wohnzimmer hergerichtet und Wäsche gefaltet und als ich gerade dabei war mit einer
Hand die Klamotten der Kinder in ihren Kleiderschrank zu legen, klingelte das Telefon.
Da ich den ganzen Morgen immer im Hinterkopf hatte, dass eine der Taufpatinnen und
ihre Kinder angeschlagen waren und ich ihr sagen müsste, dass sie bitte allein kommen soll,
war mir etwas mulmig als ich ans Telefon ging. Aber es war der Pfarrer. Gut, dachte ich mir,
dass ich den am Telefon habe, denn ich hatte doch glatt vergessen ihm gleich nach dem
Aufstehen eine Email zu schreiben, dass ich gestern Nacht doch noch einen Text für die
Jungs geschrieben hatte bis halb zwei, einfach weil es mir so wichtig war. Ich hatte ein
schlechtes Gewissen, obwohl wir uns vor über zwei Wochen zum Vorgespräch getroffen
hatten und er im Anschluss vor hatte, uns den Ablauf der Haustaufe gleich zu mailen,
hatte er erst gestern, einen Tag vor der Taufe endlich eine Mail mit dem Ablauf der Taufe
geschickt. Ich wollte also gerade sagen, dass ich mich so freue, dass ich diese Zeilen noch
geschrieben hatte, da sagte er, er würde sich ja nicht so fühlen und er müsse die Haustaufe
absagen. Ich war geschockt und wollte den Mann umbringen, das war mein erster Gedanke.
Verschieben? Scheiß auf den Kuchen, dann eben eine Weihnachtsfeier unter Freunden! Aber
unsere Taufe, unsere Haustaufe, darauf haben wir uns gefreut, alle eingeladen, geschubst
und geschoben seit dem Sommer! Dann druckst der Pfarrer herum, dass das ja so wäre, dass
er noch eine Taufe in der Kirche hätte, die er noch hinter sich bringt und ob wir sonst dahin
kommen wollen- um 11Uhr. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es 9.40Uhr ist. Ich möchte
den Pfarrer würgen, denn für jemanden, der die ganze Nacht so unglaublich schlecht geschlafen
hat, ruft er unglaublich spät an, um uns daran teilhaben zu lassen! Ich lege auf, Ben ist unruhig
und meckert. In meinem Hirn arbeitet alles ganz schnell. Ich rufe die Taufpatinnen an. Die Erste
frühstückt noch und käme natürlich sofort, aber ohne Mann und Sohn. Rufe die Zweite an, die
ebenfalls frühstückt mit nassen Haaren. Da sie auch Zeit hat, rufe ich die erste noch mal an und
bestätige das Ganze. Nun rufe ich Nils an: „Pass auf! Super-Gau! Der Pfarrer ist krank. Die Taufe
fällt heute aus, wenn wir nicht in einer Stunde in der Friedenskirche sind. Du kannst nichts tun.
Kauf ein, komm zügig heim und ruf bitte deine Eltern und Viktor an.“ Am Ende der anderen Leitung
spricht erst niemand, dann doch: „Du machst Witze. Sag, dass das ein Scherz ist!“- „Nein, ist es
nicht. Ich ruf gleich noch mal an.“
Ich rufe zwei eingeladene Freundinnen an. Bei einer sind gerade Mann und Kinder aus dem Haus
ohne Handy, bei der anderen nörgelt das Kind und Dusche war noch nicht mal in Sicht. Weil der
ganze Mist ja zu was gut sein kann, rufe ich noch eine andere Freundin an, die ich nur nicht
einlud, weil der Platz in der Wohnung es nicht zu ließ. Die wollte gern kommen und übernahm noch
das Anrufen einer gemeinsame Freundin, die ich ebenfalls gern dabei gehabt hätte.
Ich zog Ben schon mal um, der meckerte. Fragte mich, ob das alles so richtig ist. Ob wir doch
alles ausfallen lassen sollten und in Ruhe einen neuen Termin machen. Doch es war meine
erste Reaktion gewesen.
Nils kam heim mit den Kinder, stellte den Einkauf im Flur ab. Er solle alles liegen lassen, das
hätte jetzt keinen Sinn, nur die Kinder anziehen und weg, sagte ich. Das ganze hatte etwas Gutes,
kein langes Suchen vor dem Kleiderschrank, reingeschlüpft in was Nettes und das wars. Also war
ich auch schon umgezogen, stillte Ben, während Nils noch den Großen in die Sachen half. Im
Anschluss brachte er den Zwillingskinderwagen nach unten, den großen Täufling und die
Großen gingen auch schon runter. Dank Frau DüneSiebens Blogpost über Pausenbrote mit Obst-
Gemüse-Geschmack, hatte ich vor eine Weile Papiertüten für die Brote gekauft. Das war genau
das Richtige für die am Abend schön bereit gestellten Taufkerzen. Ich schnitt nur schnell den
Boden ab und stülpte das Papier über jede Kerze einzeln, schmiss alles in eine Tüte, schnappte
meine Tasche, rannte zum Laptop schrieb das eben nieder. Nils wieder kam hoch, holte Ben und
schon flitzten wir los. Zurück ließen wir alles, was unsere Haustaufe ausmachte, den Text, die
Musik, die Videos, die gebastelten Händchen für die Fürbitten. Es ging ja nicht anders. An der
Kirche kamen uns schon eine Taufpatin und eine Freundin entgegen. Ich war so glücklich, sie
zu sehen. In der Kirche ging ich zum Pfarrer, der nicht krank genug aussah, zog die Kinder aus,
begrüsste die zweite Taufpatin, empfing die zwei Freundinnen, die sonst nicht hätten dabei sein
können und meine Schwiegereltern und Schwägerin. Ich habe sooft von Menschen in der letzten
Zeit jetzt gelesen, dass diese Krise zu etwas gut sein würde und so wie wir soviele liebe Mails
bekamen, soviel Unterstützung in lieben Worten nach der Kündigung des Gatten, waren jetzt bis
auf eine liebste Freundin alle so schnell in die Kirche gekommen- 4 Stunden vor der eigentlichen
Einladung und sogar noch zwei Freundinnen mehr! Ich konnte es gar nicht fassen, sie waren alle
da! Bei uns in der Kirche- um mit uns zu feiern. Während der Taufe bemerkte ich, dass Nils bester
Freund Viktor noch gekommen war, der 40 Minuten vor der Zeremonie aus dem Bett zurück gerufen
hatte und zu uns geeilt war und der Mann meiner fern gebliebenen Freundin war gekommen, der
schoss eifrig Fotos und eine andere Freundin ebenso.
Zusammen mit unseren Kindern wurden 4 Kinder getauft, mit Kirchengesang und Orgel. Ganz
anders als bei uns zu Hause. Am Ende kam der Pfarrer zu uns und meinte, es wäre ja so auch
ganz schön gewesen (,oder?!) Es war schön, dass alle da waren, es war schön, dass sie alle so
schnell für uns da waren, Termine geschoben hatten, es war schön das unsere kleinen Kinder nun
getauft waren, aber der Rest war nicht schön. Die Hektik ließ keine Zeit für Rührseeligkeit, keine
Zeit zum Ankommen und zu schiefen Kirchengesang, der so keinen Bezug zu uns hat, unsere
Kinder zu taufen, war nicht mein Wunsch, wäre er das gewesen hätten wir das vorher so
entschieden. Es war trotzdem Schicksal. Die Taufe kam so schnell und unvorbereitet wie Bens
Geburt und danach war ich high. High vor Glück solche Menschen zur Familie zu zählen und solche
Freunde zu haben.
Aber ich baute schnell ab. Ich war/bin noch krank und das war einfach zuviel. Nach dem Energie-
Schub, kam der kalte Entzug. Draußen war es war eisekalt, es schneite noch immer. Wir brachen
zum Weihnachtsmarkt auf, damit die Kinder ein Mittag bekamen, legten Tom im Anschluss hin,
Noah war zu aufgeregt um sich auszuruhen, Ben ebenso. Meine Stimme schwindete und meine
Kraft auch. Es war mittlerweile 13Uhr, für all das wie Küche wischen, Stühle aus dem Keller holen,
Küchentisch drehen, Kindertische holen, 3 Tische eindecken, Kuchenbüffett aufbauen, Bad putzen,
Kaffee kochen, noch einmal Abwaschen, anziehen blieb nicht viel Zeit. Das Wischen hatte ich in
Gedanken längst als Unwichtig abgeschrieben, obwohl Ben während des einhändigen Telefonierens
am Morgen, während des hektischen auf uns ab Laufens seiner Mutter den Flur vollgespuckt hatte.
Ab 15Uhr trudelten dann alle allmählich ein, der Nachmittag war schön und der Abend endete
dann um 22Uhr für die Kinder. Kurze Zeit später machten auch wir uns völlig erschöpft auf ins
Bett.

19 Responses to “Der Tag der Taufe”

  1. Silberpfeil Says:

    Du hast wirklich das Beste daraus gemacht, und in kürzester Zeit alles umorganisiert. Ich weiss nicht, ob ich alles so schnell auf die Reihe gekriegt hätte. Es ist schön, wenn man solche Freunde hat, die alles liegen lassen und einspringen.
    Schade, dass Ihr eure Taufe nicht so haben konntet wie ihr es geplant hattet.

    Ich drück Euch ganz fest die Daumen, dass sich alle Eure Probleme schnell lösen. Dass Du schnell wieder gesund wirst und Dein Mann den besten Job findet, den er nur haben kann.
    Eine schöne und hoffentlich ruhige Rest-Adventszeit und ganz liebe Grüsse aus der Schweiz
    Andrea

  2. Martina Says:

    uff…

    dass es nicht so gelaufen ist wie Ihr es geplant hattet, ist ziemlich doof…

    Aber, Ihr habt es gemeistert! Diese Taufe war auf jeden Fall unvergesslich!

    und jetzt werdet Ihr alle zusammen schnell gesund und genießt die (Vor-)Weihnachtszeit…
    Mach Dir nicht noch weiter Gedanken darüber – das ist vorbei und Du kannst es nicht mehr
    ändern…

  3. bauchherzklopfen Says:

    Das klingt mal wieder wie ein Krimi! Oder gaaaaanz großes Kino was Krisenmanagement angeht, wenn man es mal in Businesskaspersprache ausdrückt. ;-) Seien Sie stolz auf sich!
    Jetzt kommt hoffentlich mal die wohlverdiente Ruhe NACH dem „Sturm“.

  4. agichan Says:

    örks. das tut mir leid, dass es nicht nach plan ablief. es läuft sicher nie ganz nach plan ab – schon gar nicht mit so vielen kindern – aber SO daneben muss es nun auch nicht sein. *schnaub
    fühl dich gedrückt. du hast es gut gemacht, denk dran. :)

  5. Fr. SchokoPerle Says:

    Fühl dich gedrückt! Ich weiß genau wie du dich gefült hast, hier gibts öfter solche Situationen. Aber, ihr habt das Beste daraus gemacht und das lief gut :)

  6. annette Says:

    es ist so schade, dass die ganze arbeit die sie sich mit den fürbitten usw. gemacht haben umsonst war und sie um ihre sorgfältig vorbereitete haustaufe betrogen worden sind. der pfarrer war unglaublich rücksichtslos finde ich! immerhin ist der auch dienstleister für seine gemeinde.
    wenn richtig krank gewesen wäre, dann hätte er auch eine vertretung organisieren können…
    viele grüße von einer sonst stillen mitleserin!

  7. Lisa Says:

    Oh nein.. das ist ja wirklich ein Drama. :-( Dennoch bin ich begeistert, wie toll ihr das hinbekommen habt. Jetzt hoff ich nur, dass alles andere auch hinhaut. Ich drück feste die Daumen.

  8. Zimtapfel Says:

    Ohje, was ein Stress. Blöder Pfarrer, das hätte er mal echt noch durchziehen können! Da freut man sich so sehr auf ein Ereignis und dann läuft es so völlig anders als gedacht ab…

    Aber sieh es positiv: In ein paar Jahren könnt ihr sicher darüber lachen und in einigen Jahrzehnten könnt ihr diese Geschichte als lustige kleine Anekdote auf Familienfeiern zum Besten geben. Zum Beispiel bei den Hochzeiten der gerade getauften Kinder.
    :-)

  9. Giftzwerg Says:

    Jetzt kam ich erst dazu, die langen Texte zu lesen und mir ist ganz schwindlig geworden vonn all der Hektik… Ich finde das beachtlich, wie Du das alles noch organisiert hast, dass das alles noch klappte – nie im Leben hätte ich das noch gebracht…
    Ich drück Dich mal feste und wünsch Dir, dass das noch im Nachhinein sackt und ankommt. Ich hoffe, Euer Fest war trotzdem ein schönes und wünsche den beiden Hauptpersonen alles Liebe und ein festes Grundvertrauen… in Gott und das Leben, die Liebe und die Hoffnung.
    Ich bin kein Christ, aber ein Grundvertrauen darin, dass am Ende alles gut wird, das kann ich auch so wünschen :)

  10. Frische Brise Says:

    Wow!
    Das war mal wieder ne tolle Herausforderung für Euch, nicht wahr?!
    Warum einfach, wenns auch anders geht.
    Ich glaube, das war nur mal wieder ein Hinweis darauf, daß man mit einer großen Familie immer wieder mit Überraschungen rechnen darf.
    Ihr habt das super hingekriegt!

  11. rebenwanderin Says:

    Oh Himmel, das wäre ja gar nichts für mich und meinen Perfektionismus gewesen. Meine herzlichsten Glückwünsche an das Taufkindlein.
    Und, wie bereits gesagt: der Tag wird unvergessen bleiben ;)

  12. Wolfram Says:

    Nun sag ich doch mal was dazu, als Amtsträger – aber evangelischer…
    bei uns gibts keine Haustaufen, außer (aber das ist eigentlich auch nur möglich, wenn ich die Kirchenordnung sehr weit dehne) wenn der Tod des Kindes droht. Sonst gehört die Taufe in den Gemeindegottesdienst, damit die Gemeinde Zeuge ist, gewissermaßen auch als Paten in die Pflicht genommen wird – und, mal so einfach gesagt, überhaupt weiß, wer da in ihre Mitte aufgenommen wird. Die röm.-katholische Kirche sieht das anders, das ist ihr Recht, aber der Stellenwert der Gemeinde innerhalb des Kirchenverständnisses ist ja auch ein anderer.

    Der Pfarrer, ob röm.-kath. oder ev., ist entgegen der Behauptung in einem Kommentar KEIN „Dienstleister seiner Gemeinde“. Er ist Seelsorger, Prediger, er versieht in der Regel die Sakramente, und all das tut er nicht allei und aus sich heraus, sondern aus der Autorität Jesu Christi und in Zusammenarbeit mit seinem Gemeinderat, mit seinem Bischof, … Es ist nicht seine Aufgabe, wunschgemäße Familienfeiern auszurichten, sondern den Regeln seiner Kirche gemäß das Evangelium zu verkünden und die Sakramente zu verwalten.

    Schließlich, was hätte ich getan, wenn ich am Samstagabend die Grippe gekriegt hätte, aber Sonntagmorgen ist Taufe im Gottesdienst? Für den Gottesdienst hätte ich einen Prediger rufen können; der hätte auch die Taufe durchführen können, aber in dem Fall hätte ich der Familie (aber am Samstagabend) auch gesagt, „falls Sie drauf bestehen, daß ICH die Taufe durchführe, müssen wir es verschieben. Es macht aber keinen Unterschied, ob ich Ihr Kind taufe oder ein von der Kirche bestellter Prediger oder ein anderer Pastor.“ Ich hätte es gegebenenfalsl nicht verantworten wollen, eine Tauffamilie mit meiner Grippe anzustecken… (und ob einer Kopfweh und Fieber hat, sieht man nicht.)
    An Stelle eures Pfarrers (wo ich vermute, daß er eigentlich der anderen Familie auch hatte absagen wollen) hätte ich entsprechend versucht, entweder die FeierN zu verschieben oder einen Amtskollegen zu bitten, daß er mich vertritt. In der aktuellen Priestermangel-Krise ist das allerdings auch kein leichtes Unterfangen.
    Da du ja nun auch nicht gesund bist, wäre eine Verschiebung eventuell die bessere Wahl gewesen…

  13. kassiopeia Says:

    Lieber Wolfram,

    was soll eigentlich dieses abwertende „wunschgemäße Familienfeiern ausrichten“?! Das hat Sie gestochen oder
    dieser Beitrag und nun fühlten Sie sich genötigt mal ordentlich in die Tasten zu hauen?! Woher wollen Sie beurteilen
    wie so eine Haustaufe abläuft, wenn Sie noch keine bzw. unsere gar nicht miterlebt haben? Woher nehmen Sie sich
    das Recht darüber zu urteilen, dass unser Pfarrer hier- in unseren vier Wänden- nicht die Regeln seiner Kirche
    gemäß des Evangeliums verkünden kann und die Sakramente verwalten?!

    Mal ganz ab von der Taufe unserer Söhne, an der Sie nicht teilnahmen, also auch den Pfarrer nicht sehen
    konnten und sich leider auf mein Empfinden und mein Urteilsvermögen verlassen müssen- ist das nicht der Grund,
    warum der Kirche die Leute weglaufen?! Dieser Starrsinn? Jeder lebt seinen Glauben anders. Und es tut mir leid,
    für mich gehören schiefe, uralte Kirchenlieder nicht dazu und ich brauche auch keine Orgel um an Gott zu glauben,
    keinen Altar.
    Eine Taufe ist im Idealfall ein Fest für Kinder. Kinder die Gott erleben möchten, die Glauben erleben sollen. Haben
    Sie eigentlich eine Ahnung wie wundervoll es sein kann im Kreis zu sitzen und den kleinen anwesenden Kindern
    in Ruhe das Taufbecken zu zeigen? Sie ganz nah heran zu lassen?! An all das, was dazu gehört? In Ruhe zu lesen
    und Zeit haben zu erklären? Meinen Sie, bei einer Haustaufe hat der Pfarrer nichts zu sagen und kommt herein
    gestürmt, beträufelt die Kinder und haut wieder ab? Meilenweiter daneben kann man nicht liegen.

    Wir sind evangelisch getauft und unsere Kinder ebenso. Mein Mann wurde während einer Haustaufe getauft,
    ebenso meine Schwägerin, meine Schwiegereltern daheim vermählt. Unsere Tochter Zoe wurde vor 5 Jahren in
    Brandenburg in einer völlig fremden „Gemeinde“ zu Hause bei meinen Eltern getauft und unserer Sohn Noah
    hier zu Hause bei uns vor 3 Jahren vom selben Pfarrer, der unsere beiden Kleinen nun taufte.
    Gemeinde? Welchen Stellenwert hat das für uns? Ein Haufen zusammen gewürfelter Menschen, die alle im tiefsten
    Bayern mal nicht katholisch sind. Aber was ist Gemeinde für uns? Die Menschen mit denen die Kinder wachsen,
    von denen sie lernen, die sie erziehen und die eine Verantwortung so auch unseren Kindern gegenüber haben,
    nicht die Menschen in der Kirche, die wir gar nicht kennen, die in einer größeren Stadt hin und wieder in die
    Kirche gehen. So sehe ich das in der Moderne. Sie sehen, ich bin ein großer Befürworter einer Gemeinde. Und
    der Aufgabe, die sie hat. Zu dieser Gemeinde gehören Evangelen und Katholiken. Ein Haustaufe ist ein
    wunderbares Zusammenspiel vom Kirche, Glauben, Kirchenregeln, sentimentalen Eltern und deren Gemeinde.

    Wie kommen Sie eigentlich an der Stelle dazu mir zu sagen, was besser gewesen wäre? Soll ich Sie mal vor
    einem so wichtigen Ereignis eine Stunde vorher anrufen? Da gibt es kein richtig oder falsch und darauf wollte ich
    hinaus.
    Meine Schlusspunkte:
    Der Pfarrer hat zum zweiten Male der Haustaufe zugestimmt. Sich dann aber erst 24 Stunden vor der Taufe
    an seine „Arbeit“ gemacht und dabei festgestellt, dass eine Taufbescheinigung fehlte. Er hat sich 2 Wochen zu
    spät daran gemacht einen Ablauf zu schreiben und an die Organisation- wir hatten mehrere Male versucht ihn
    zu erreichen-, obwohl seit Monaten dieser Termin stand. Obwohl er sich also am Abend vorher nicht fühlte
    hat er uns erst so spät mitgeteilt, dass er krank ist. Um aber dann eine andere Taufe (in der Kirche) noch
    durchzuführen- trotz Krankheit und Ansteckungsgefahr- unsere aber nicht. Und uns dann noch einen
    anderen Termin vorgeschlagen- 1h und 20 Minuten (erwähnte ich das wir vier Kinder und kein Auto haben?!) vorher. Übrigens müssten Sie an meiner Empörung merken wie wichtig es mir war, dass unsere Kinder endlich getauft werden! Wie lange warteten wir schon darauf?! Es ging wie sie, wenn sie aufmerksam gelesen haben, bereits wissen nicht um Kaffee und Kuchen.

    Sie brauchen hier also für niemanden in die Bresche springen ohne die genauen Hintergründe zu kennen.
    Ich finde, dass das ein klarer Fall von menschlichem Versagen ist. So etwas tut man einfach nicht, wenn man
    diese Verantwortung angenommen hat. Großer Mist war das!

  14. frau musgrave Says:

    @ Wolfram: Meine Guete dieser kirchliche Starrsinn, diese Unbeweglichkeit! Was ist denn ‚Gemeinde‘ sonst wenn nicht die einzelnen Menschen um die es hier geht? In diesem Fall ging es nicht um Ihre werte Meinung und was Sie taeten oder nicht taeten, sondern darum dass etwas, was vorher von einem Pfarrer fest zugesagt worden ist nicht eingehalten wurde, warum auch immer, und welche Auswirkung das hatte auf die betroffene Familie. Wieso ist die Kirche oft so entfernt und stellt sich ueber die Menschen, anstatt ihnen entgegenzukommen und auf gleicher Ebene zu begegnen?

  15. Pfarrfrau Says:

    Was bei mir hängen geblieben ist:

    Sie sehen Gemeinde anders als ich. Ich bin in einer Gemeinde, in der ich mich aufgenommen fühle, und klar ist es ein zusammengewürfelter Haufen. Aber man spürt, dass Bande da sind. Und das möchte ich meinen Kindern zeigen, später. Es ist müssig, darüber diskutieren zu wollen, ob es eine Universalmeinung gibt.

    Der Tag war turbulent, aber doch trotzdem ein schöner und besonderer Tag, oder?

    Klar, der Pfarrer hätte sich früher überlegen können, anzurufen. Warum er es nicht getan hat, wissen wir alle (!) nicht. Und die Vorbereitung hätte auch anders laufen müssen.

    Aber das zeigt mir (!) nur, dass er menschlich ist. Kirche sollte menschlich sein. Sollte entgegenkommen. Klar. Aber ein Dienstleister? Wer ist denn dann der Arbeitgeber? Wer hat dann den Pfarrer oder Pastor zu befehligen?

    Und ich will nun damit keine weitere Diskussion anstossen, nur sagen: Jeder sieht Kirche anders. Und jeder darf seins leben. Nur sollte man respektieren.

    Kirche ist nichts für mich, Kirche ist doof. Dachte ich – 10 Jahre lang. Glauben Sie mir, es ist heute ein Bestandteil meines Lebens, aber nur, weil ich mich damit auseinander gesetzt habe. (Und vielleicht auch, weil ich Kirche und Gemeinde gewechselt habe.)

    Leben und leben lassen. ;)

  16. kassiopeia Says:

    @Pfarrfrau: Aber was hat denn mein Bild von „Gemeinde“ mit meiner Enttäuschung zu tun? Ja, dieses Gefühl gibt
    es für mich nicht, weil wir das anders leben- das stimmt- aber meine Gemeinde sind eben unsere Freunde und
    Familie, die ebenfalls glauben und diesen Tag nur zu gern mit uns teilen wollten.
    Der Tag war zu turbulent und nein, er wäre schöner gewesen, wenn wir unsere Haustaufe feiern hätten können.
    Weil es etwas gänzlich anderes ist, soviel schöner, weil wir eben dieses Gefühl von Gemeinschaft nicht in der
    Kirche haben und es ein „uns etwas überzwingen“ war, was wir nicht sind und leben und schon gar nicht so wollten.
    Und wenn man dieses Gefühl von „Gemeinde“ in der Kirche hat, mag das etwas wunderschönes sein, aber wenn
    andere das nicht so erleben, muss man es ihnen nicht aufzwingen wollen. Dieses Gefühl kann man wie kein
    anderes einfach erzwingen.

    Und was die Menschlichkeit angeht, da geb ich dir Recht. Nichts anderes war das. Hab ja nichts anderes dazu
    gesagt. Aber die Enttäuschung über den Pfarrer ist eben groß.

    Jeder sieht Kirche und lebt seinen Glauben anders, eben und umso mehr ärgerte mich der Einheitsbrei von Wolfram.
    Da wäre es nämlich wieder dieses Gefühl von „Mit dir stimm was nicht, wenn du es nicht so genau so schön findest
    wie ich/wir, aber du musst doch“. Und ich muss nicht, in in der Vergangenheit mussten wir ebenso wenig. Das macht
    uns vor Gott nicht weniger wertvoll.

  17. pfarrfrau Says:

    Ich seh grad: ich hätt mich auch direkter ausdrücken können. Aber ich hab diese blöde Müdigkeit leider nicht mit der 12. Woche abgelegt. ;)

    Tja, wie soll ich das schonend sagen? Die Menschen, die Euch kritisieren, denken, Gemeinde findet in der Kirche statt. Und in gewissem Sinne schliesst ihr Euch damit aus. Von aussen betrachtet.

    Aber: ich sehe immer öfter wie eben Pastoren und Pfarrer Dienstleister werden. Und das sticht dermassen, da möchte man am liebsten den Menschen den Kopf waschen. Und sei es den einer 4-fachen Mutter. *hüstel*
    Oder dem Ehepaar, das sich dermassen gläubig gibt, aber seit 15 Jahren keine Verkündigung in Form 4 verschiedener Pastoren gehört hat. Oder oder oder… die Liste ist endlos. Aber wir hier als Gemeinde machen vieles mit, setzen aber auch Grenzen. Trotzdem bleibt der schale Geschmack, fûr den Dienst Gottes bezahlt zu werden und man sieht die Leute nie wieder. Ist fast wie ein Hotelzimmer nehmen., am Morgen bezahlen und das wars.

    Für mich ist das halt sehr persönlich geprägt.

    PS:
    Haustaufen kenne ich nicht und finde ich ungewöhnlich. ;) Aber natürlich ist man damit nicht weniger wertvoll.

  18. kassiopeia Says:

    Liebe Pfarrfrau: Das sind mal ehrliche Worte! :) Für mich ist Kirche eben nur ein Haus. Mein Glaube braucht kein
    Haus, um gefühlt zu werden und ich versteh überhaupt nicht wieso das so wichtig ist, dieses Haus regelmässig
    zu betreten. Das entzieht sich mir. Aber da ich eben nicht berechtigt bin meine Kinder zu taufen, brauche ich
    Hilfe von Außen. Und da das die einzige evangelische Kirche ist, die unser Ort zu bieten hat, bin ich dahin
    verwiesen und bin eben angewiesen. Ich erinner mich so gut, an das Vorlesen am Samstag, wie die Kinder
    zu Jesus kommen sollen, damit er sie taufe und verstehe einfach nicht, wie das so kompliziert werden konnte,
    wenn der Ursprung ein viel einfacherer ist, verstehst du?! Ich seh mich da auch nicht als Hotelzimmernehmer,
    ich brauche ja die Hilfe, weil ich möchte das meine Kinder getauft werden. Das wir hier den Spagat leben zwischen
    dem katholischen Träger des Kindergartens und immerzu mit den Kindern in ihre traute katholische Kirche gehen
    ist eine andere Baustelle. Ich finde es schade, denn ich habe das Gefühl, der Pfarrer war froh, dass die Haustaufe
    ausfiel, aber das hätte er sagen können und uns nicht Monate in dem glauben lassen, die Haustaufe sei kein
    Problem. Das ist einfach nicht fair. Und da sind mir Dienstleister-Minderwertigkeitsgefühle herzlich egal.

    Sag mir, was wir stattdessen tun sollen? Austreten?! Weil wir uns nicht wie ordentliche Christen benehmen?
    Wenn das so nicht überein stimmt mit deinen/euren Vorstellungen im Pfarramt dann sag mir eine Alternative,
    bitte. Ich wüsste einfach keine.
    Ich finde außerdem Pfarrer können sich ihre Schäfchen nicht aussuchen und nur weil man nicht regelmässig das
    Gottesthaus besucht ist man nicht weniger wertvolles Mitglied der evangelischen Kirche. Aber so fühlt sich das
    eben an…

  19. Pfarrfrau Says:

    Um es mit den Worten enes Gemeindeglieds zu sagen: hier praktizieren manche vieles, aber bestimmt keinen Glauben.

    Eben dieses: ich trage ein Kreuz um den Hals und erzähle aller Welt wie evangelisch oder was auch immer ich bin. Aber Gemeinde – das ist was anderes. Das ist teilen, mitteilen, anvertrauen, lernen voneinander.Und ich finde es schade, dass bei uns eben manche das nicht nutzen.

    Ich kann nicht alleine. Ich brauche ein „Sprachrohr“ und Gemeinschaft. Und nicht unbedingt eine Kirche, aber einen Ort zum Zusammensein.

    Und bevor das ein Auskotzeintrag über unsere spezielle Situation wird, schnauf ich lieber tief durch. ;)

    Ach ja: Ich würde den Pfarrer nochmals um ein Gespräch bitten. So wie die Vorbereitung lief, muss da was geklärt werden. Sonst bleibt der schale Nachgeschmack, dass man den Tag nicht so geniessen konnte wie es gedacht war.

    So. Nun gute Nacht! :)