Leben im Zuviel

In diesem Jahr hatte eine Mutter unseres Kindergartens eine Idee. Über 300 in Armut
lebende Kinder werden hier durch die Tafel gespeist. Weihnachts-Naschereien erreichen
die Kleinen erst nach dem Fest, darunter alte Kalender und Nikoläuse, die die Kinder
viel zu spät bekommen. Sie sprach die Eltern der Kindergartenkinder an, ob sie nicht
bereit wären vor der Weihnachtszeit ein paar Kleinigkeiten zu besorgen, um sie diesen
300 Kindern zu spenden.
Nun kann man sich darum streiten, ob diese Kinder tatsächlich in Armut leben, für
jeden bedeutet das Wort etwas anderes, man kann darüber diskutieren, warum deren
Eltern kein Geld für einen Schokoladenkalender haben oder einen Nikolaus. Kann man,
muss man aber nicht. Für uns stand ein ganz anderer Gedanke im Mittelpunkt. Unsere
zwei großen Kinder besuchen einen Kindergarten mit katholischem Träger. Man gibt sich
dort -wie wir auch- sehr viel Mühe den Kindern Werte zu vermitteln. Sie können dankbar
sein, denn sie haben alles Nötige.
Von einer Freundin bekam Zoe dieses Jahr einen Spielzeug-Adventskalender und damit
die Jungs nicht benachteiligt würden, bekamen sie von ihrer Oma ebenso einen. Zudem
gab es nach langem hin und her von uns einen selbst bestückten Schokoladen-Advents-
Kalender wie jedes Jahr für alle drei grösseren Kinder, obwohl offensichtlich war, dass das
eigentlich zuviel ist. Die Enthüllung des Kalenders teilen sie sich, doch jeder bekommt täglich
ein kleines Stück Schokolade. Als Kind fand ich das großartig: Jeden Tag ein kleines Stück,
dass man genießen konnte. Darauf sollten sie nicht verzichten, nur weil Erwachsene Spielzeug-
Kalender besorgt hatten. Für mich gehört das dazu, aber so hatten unsere Kinder plötzlich
eigentlich jeweils zwei Kalender. Diese 300 Kinder, die von der Tafel unterstützt werden,
haben laut Aussage dieser gar keinen. Ein paar andere Eltern und wir brachten unsere
Spende in den Kindergarten und unsere Kinder brachten diese Spenden zur Tafel hier im Ort.
Sie teilten. Denn uns geht es gut. Wir sind dankbar. Wir geben etwas ab.
Es war ein schönes Gefühl, den Kindern nicht nur vorzubeten, dass man das tun sollte,
sondern es sie fühlen zu lassen. Ebenso wie sie mit Eifer die Spardose füllten, die zum
Falten im Kindergarten auslag. Obwohl wir evangelisch sind, haben wir uns vorgenommen
am Heilig Abend in der Kindermette unsere Spardose abzugeben. Die Kindergartengruppe
unseres Sohnes war im Altenheim und hat dort gesungen. Wir haben lange überlegt
wie wir oder was wir Heilig Abend tun könnten, um etwas von unserem Glück abzugeben.
Wir sind auch fündig geworden. Wir machen uns seither noch mehr Gedanken rund um
den Überfluss und das Wegwerfen von Dingen, die anderswo viel dringender gebraucht
werden.
Nun kam es, dass die Kindergartengruppe unserer Tochter in einer Bank eingeladen war,
um dort den Christbaum zu schmücken. Es war wohl der 7. Dezember. Zur Belohnung für
das Baumschmücken gab es einen Weihnachtsmann aus Gips zum Bemalen und zu
meinem Entsetzen einen Schokoladen- Adventskalender. Nicht mal zwei Wochen nach
unserer Tafel-Aktion, aber dafür 6 Tage zu spät für das erste Türchen. In mir brodelte
es. Ich verstand es nicht. Und es machte mich dermaßen wütend. Weil klar war, was mit
diesen Kalendern passieren würde. Und meine Befürchtung wurde in dem Moment wahr
als das Tochterkind fragte: „Mama, kann ich dann zu Hause ein paar Türchen aufmachen?“
Ein paar- warum? Weil es eben nur Schokolade ist. Der völlige Überfluss dieses
Kalenders an dieser Stelle, zu diesem Zeitpunkt macht mich noch heute wütend. Unsere
Kinder dürfen Naschen, aber in Maßen. Ein Adventskalender zum Plündern gehört nicht
dazu…

4 Responses to “Leben im Zuviel”

  1. Karla Says:

    Das geht mir genauso und ich verstehe es auch nicht. Ich spende zu Weihnachten eigentlich nichts, mache das eher übers Jahr verteilt und regelmässig. Generell will ich nachvollziehen können, wo mein Geld oder meine Nahrungsmittel hinkommen.
    Auch in diesem Jahr haben wir betont, dass wir bitte keine Süssigkeiten zum Nikolaus oder zu Weihnachten wollen, mal abgesehen von selbstgemachten Plätzchen. Das ist für mich etwas anderes und darüber freue ich mich immer sehr, denn da stecken viele Stunden Arbeit drinnen. Aber einfach den halben Aldi oder Pralinenladen leer kaufen, damit macht man es sich etwas einfach und meistens schmecken mir die Sachen noch nicht mal. Wir essen gern Schokolade aber wie Du es auch beschreibst, irgendwann ist es einfach zuviel und wir erhalten ungefähr dreimal soviel Süßigkeiten zu Weihnachten wie das Paket, dass Du hier neulich gepostet hast. Da ist es dann eher ein Zwang es zu vernichten und das ist unendlich schade!

    Als ich neulich mit meiner 5-jährigen Nichte Schokocrossies selbst gemacht habe, durfte sie dann die komplette Schüssel danach ausschlecken. Das war ein ganzer Haufen Zucker, aber sie hatte dafür gearbeitet und dann war das ok. Aber von ihrer Oma hat sie daraufhin ein riesiges Paket von Lebkuchen Schmidt bekommen und wusste gar nicht wohin damit, das wollte sie dann schon gar nicht mehr. Ihr wäre es lieber gewesen, wenn die Oma sich mal mit ihr hingesetzt und was gebastelt hätte….

    Ich kann das natürlich mal wieder mangels eigenen Kindern nicht komplett nachvollziehen, aber ich finde den Überfluss auch ekelhaft und es muss doch nicht sein. Vielleicht sollte man sich lieber ein paar mehr Gedanken machen und was Anständiges kaufen oder es eben lassen. Wir verschenken zu Weihnachten für jeden ein kleines Tütchen selbstgemachter Pralinen oder Plätzchen und da sind dann 10-15 Stück drin und das auch nur an ausgewählte Naschkatzen.
    Mal sehen wie es am 24. dieses Mal wird. Ich fahre zwei Tage später gleich mit meinem Vater an die Nordsee und das überflüssige Gepäck lasse ich dann einfach da, vielleicht versteht man es dann…

    Alles Liebe,

    Karla

    P.S.: Hier lesen ja viele Mamis mit und vielleicht hat noch die ein oder andere Lust bei meinem Kindertürchen im Adventskalender mitzumachen. Dort kann man 9 verschiedene neue Kinderbücher zum Mitmachen gewinnen und es ist für jedes Alter was dabei. Es ist von mir privat veranstaltet, es werden keine Adressen gesammelt und soll nur Spaß machen (Nils hat letztes Jahr auch schon was dabei gewonnen), von daher hoffe ich, dass diese Werbung in Ordnung ist: http://www.buchkolumne.de/?page_id=888
    Die Aktion läuft noch bis zum einschliesslich 26.12. und somit hat man auch nach dem Weihnachtsstress ein bisschen Zeit mitzumachen :-)
    P.P.S.: Falls der Absatz nicht in Ordnung ist, dann bitte einfach löschen!

  2. Minizickenmama Says:

    Ich verstehe Sie sehr gut. Bei uns gibt es nur einen Adventskalender. Selbst gefüllt. Mal mit Schokolade, mal ein Pixibuch. So hat sie Spiel und Schokolade drin. Hätte meiner Tochter jemand NACH dem 1.Dezember noch einen Kalender geschenkt dem hätte ich etwas anderes erzählt. Bei Oma und Opa gibts dann jeweils noch einen Kalender für die Enkelkinder (das sind ja mehrere als nur eins). Durfte Zoe die Türchen denn öffnen? Oder was ist aus diesem Adventskalender geworden?
    Ihre Aktion finde ich übrigens sehr toll, gerne würde ich auch an sowas teilnehmen, bei uns wird es sowas leider nicht im Kindergarten geben. Aber Klasse, das sie mitmachen!

  3. Patricia Says:

    Ich finde die Kiga-Aktion auch ganz toll! (gabs bei uns natürlich nicht :-(( – ebensowenig wie Wertevermittlung, aber darum wollen wir auch dort weg) Adventskalender NACH dem 1. Dezember sind völlig panne. Bei uns wechseln sich die beiden Großen mit dem Öffnen der Tütchen ab und sind damit völlig zufrieden! Es geht ja nicht um Masse, sondern um Genuss und kleine Freuden!

  4. kassiopeia Says:

    @Karla: Schön, dass du mich verstehst! Obwohl ich so gern in der Candisserie Pralinen aussuche für die Erzieherinnen,
    im Sommer gabs Marmelade, aber zum Backen hats so nicht gereicht! … :)

    @Minizickenmama: Der Kalender geht zur Tafel, wie etlicher anderer Kram! :) Leider zu spät und das machte mich
    so wütend!

    @Patricia: Eben! Genuss, nicht Überfluss! :) Ich liebe unseren Kindergarten!