Zentimeter um Zentimeter

wachse ich. Auch ohne meine Kinder. Meine Kinder gaben mir Halt und zwangen mich zu leben,
auf zu stehen, zu atmen, weiter zu machen auch wenn man nicht mehr kann, mit ihnen wachse ich,
aber auch ohne sie.
Als Teenager oder junge Frau, die ich ja eigentlich noch bin, also als Kinderlose hatte ich
Depressionen. Schlimme. Sehr schlimme mit ein paar unschönen Extras. Noch heute ist das definitiv
etwas mit dem ich zu kämpfen habe, wenn Probleme auftauchen. Da es schlicht nur eine Art ist mit
schwierigen Situationen umzugehen oder eher wie man sie erlebt. Erdrückend. Schwer. Bleiern.
Lähmend. Immer öfter verfalle ich in solchen Zeiten in einen gesunden Aktionismus. Die Grübelei
konnte ich bis heute nirgends loswerden. Aber etwas tolles ist es zu erleben, wie man sein Verhalten
verändert hat. Wie man sich selbst aus einer sich allein und ausgeliefert fühlenden Situation befreit.
Heute morgen nach Noahs Sturz war ich durch den Wind. Wir wollten doch eigentlich zum Kleinkind-
Turnen, aber ich musste entscheiden, was jetzt mit Noah passiert. Reicht kühlen? Muss er zum Arzt?
Muss er Heim? Kann er hier bleiben? Gehen wir überhaupt noch zum Turnen? Ich entschied mich
spontan noch zum Sportverein zu Fahren, auch wenn wir zu spät da sein würden. Und dort
angekommen, redete ich. Ich öffnete mich. Und da ist der Fortschritt. Natürlich gibt es noch immer
Momente, in denen ich stumm werde, mich zurück ziehe. Nicht reden will, mich am Telefon verleugnen
lasse, aber wenn dann nur noch kurze Zeit, mittlerweile führt mich mein Weg nämlich genau
da raus. Zu den Menschen. Ich rede. Ich mach mir Luft, ich muss nicht mehr alles mit mir allein
ausmachen. Und ohne großes Drama, erzählte ich von dem Unfall, von meinen Sorgen und davon,
dass ich dringend Ablenkung brauchte… und Zeit für die schönen Dinge… Denn das Leben ist kurz
und Kleinigkeiten bringen einen so unfassbar schnell aus der Bahn in ein Chaos. Ich genoss den
Tag umso mehr. Saugte meine Kinder ein, aber freute mich genauso über die Zeit hier auf der
Couch allein, um alle meine Gedanken nieder zu schreiben…

One Response to “Zentimeter um Zentimeter”

  1. alexxblume Says:

    Ich finde das ganz toll, wie du lernst, besser mit den Problemen das Alltags umzugehen – und wie offen Du darüber berichtest! Ich lese ja nun hier schon eine ganze Weile mit und ich wollte dir einfach mal sagen, dass ich auch so von „außen besehen“ finde, dass du dich in den letzten Jahren ganz schön weiter entwickelt hast. Ich hoffe, du verstehst das nicht falsch – so „von oben herab“ – ich bin ja schließlich 15 Jahre älter als du. So meine ich es nicht, enfach nur so beobachtend und sich freuend darüber, wie du deinen Weg meisterst. Ich wünsch dir aus ganzem Herzen weiterhin so viel Kraft, Energie, Geduld und auch Zeit für Dich selber, um auch in der Zukunft so toll vorwärts zu kommen in deinem Leben und dem deiner wunderbaren Familie! :)