Nicht so witzig

Wenn man beim Ballett im Flur zu sieht, wie der kleinste Spross der Familie seinen allerersten
hysterischen Tobsuchtsanfall bekommt, klassich mit 9 Monaten, sich auf dem Boden schmeißt
mit allem was er hat, weil er sich nicht weiter mit der 1,5l Flasche nass machen darf, mir das
Herz aufgeht und ich innerlich lächle, weil es ganz klar mein Kind ist, der Ballettlehrer von
nebenan herein gestürmt kommt und mich laut anschreit, ich solle mit meinem Kind bitte gehen,
denn so könne niemand (er arbeitete soeben nicht) gescheit unterrichten, worauf ich entsetzt
sage, dass das nicht mal eben geht, weil ich mit drei Jungen da bin, er weiter schreit, dem
Kind wäre zu heiß, worauf ich sage, dass es draußen wohl nicht unbedingt besser wäre mit der
stickigen Temperatur und laut sage, entweder ich bin hier mit allen Kindern oder gar keinem…
ist das scheiße. Große scheiße. Ich hab fast geheult und war einfach überrumpelt, verzweifelt
und völlig durch den Wind. Ich weiß, dass der Herr Ballettlehrer nicht leicht zu handeln ist, oft
grundlos schimpft und schreit, prinzipiell ein Problem mit Kindern hat, aber eine Ballettschule für
kleine Mädchen mit leitet, aber irgendwie musste das heute nicht sein, es traf, es saß und ich
brach irgendwie in mich rein, wusste kurz nicht ob ich wegrennen soll oder meine Tochter
abmelden müsste. Nur durch den Zuspruch einer anderen befreundeten Mutter konnte ich mich
irgendwie fangen. Das war gar nicht witzig heute. Das hab ich nicht gebraucht, für so etwas hab
ich im Augenblick überhaupt keine Energie.

9 Responses to “Nicht so witzig”

  1. Mairlynd Says:

    Da frage ich mich immer: Wieso arbeiten solche Leute mit Kindern? Wieso die ohnehin schon kurzen Nerven noch mit „lauten und anstrengenden“ Kindern strapazieren? Das ist weder für die Kinder noch für die Lehrer eine Freude – also wieso?

    Ich kann mir gut vorstellen, wie es Dir in dem Moment ging. Später denkt man sich immer: Das lohnt das Aufregen nicht. Locker, souverän und gelassen bleiben und fertig. Blöd nur, dass man in dem Moment selbst immer wie ein begossener Pudel dasteht und von Gelassenheit meilenweit entfernt ist…

    Na, mittlerweile zuckst Du sicher schon mit den Schultern drüber! (Hoffentlich! :-))

  2. kassiopeia Says:

    Das ist so lieb von dir. Jetzt so langsam geht es. Und ich stelle mir genau die gleichen Fragen. Und es ist so wie du es schreibst, man steht da und ringt nach Worten!

  3. Fr. SchokoPerle Says:

    pfah. Beschissener Mistkerl!

  4. butterflylane Says:

    … da kann man sich echt nur immer wieder sagen, das (der ballettlehrer) ist eine verkappte provinz-ich-kann-nur-noch-lehrer-werden-natur, der irgendwie selbst nicht glücklich ist und das hat sicher nichts mit euch zu tun. irgendwie fast lustig (hoffe ich im nachhinein), dass es diesen „ich kann so nicht arbeiten“-spruch wirklich gibt! und traurig, wenn man ihn im zusammenhang mit kindern sagen muss. mach dir nichts draus. nächste woche sicher wieder vergessen. auch wenn es unangenehm ist, einfach so tun, als wäre nie was. war was?

  5. eva Says:

    samuel 2 1/2 jahre, wutanfall im supermarkt, weil ich es wagte, seinen kindereinkaufswagen in die schlange zurückzuschieben und nicht ER. luzia, ca 4 mon alt, im tragetuch vorn drin, ich 2 tüten in der hand, total ausflippendes kind, was in den eiseren einkaufswägen tobte und drohte sich selbst zu verletzen.
    dame im pelz, arrogant, bleibt stehen: „verlassen sie doch bitte den laden mit ihrem ungezogenen kind, sie sind eine belästigung für alle hier!“
    sprachlosigkeit, wut, entsetzen, drumherum stehen alle und gucken zu. einzig eine alte oma nahm mir die tüten ab, damit ich samuel da rauszerren konnte, mit luzia im tuch. draussen heulen auf der strasse, meine kinder im arm. alle gucken.
    ich hab mich nie so mies gefühlt.
    mitfühlende grüße, eva

  6. bauchherzklopfen Says:

    Na ich glaube so Ballettlehrer MÜSSEN irgendwie sozialphobisch-exzentrisch-wüterisch drauf sein. Ist wahrscheinlich so ein Imageding. Noch dazu siehst du einfach zu nett aus, ein perfektes Opfer. Du solltest Dir für solche Gelegenheiten vielleicht so eine „Böse-Mutti-mit-Zornesstirnfalten“-Maske zulegen, die schreit nie einer an. ;)
    *drückdich*

  7. Frau Klabauter Says:

    Ich finde es erstaunlich, dass der sich diese klischeehaftige Divenhaftigkeit überhaupt leisten kann. Und ehrlich gesagt, wenn der mit meinen Kindern arbeiten würde, würde ich sehr misstrauisch werden und die da vermutlich abmelden. Nicht, dass der sich im Ton an meinen Sprösslingen vergreift… absolut unverschämt!

    War das der Besitzer? Wenn nicht, würde ich eine Beschwerdemail an die Leitung der Ballettschule schreiben. So kann man nicht mit Kunden umgehen! Hitze hin, Hitze her (also, ich mein die Temperatur…)

    Ehrlich, ich rege mich inzwischen furchtbar über Choleriker auf, nachdem ich jahrelang versucht habe, einen irgendwie konstruktiven Umgang mit ihnen zu erlernen. Ich habe es aufgegeben. Das einzige, was hilft, ist klare Grenzziehung, und wenn das nachträglich passiert. In der Situation selber, reagiere ich meistens deeskalierend. Aber dann arbeitet es in mir und arbeitet. Ich muss mich dann wehren, damit ich mir selbst nicht mehr wie ein Duckmäuser vorkomme. So, das war jetzt meine Wut über die Situation. Hoffe, du gehst jetzt wieder grade durch die Gegend! Niemand hat das Recht, sich dir gegenüber so zu verhalten! Niemand!

  8. Lalobe Says:

    „…oft
    grundlos schimpft und schreit, prinzipiell ein Problem mit Kindern hat…“

    Pfuh, die armen Kinder! Auch sehr konstruktiv und hilfreich, ein weinendes Baby samt dessen Mutter anzuschreien. Da hat der Kleine sicher gleich damit aufgehört! *sarkasmus* Was aber in diesem Zusammenhang für mich auch wichtig wäre zu erfahren, schimpft er mit Zoe grundlos, mag sie dort noch hingehen? (Ich war ja immer ein Judo-statt-Ballett-Mädchen ;-) )

  9. kassiopeia Says:

    Der Lehrer arbeitet mit älteren Mädchen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, im Augenblick, was ich mal tun soll, wenn Zoe länger in der Ballettschule bleiben möchte. Er ist ein Choleriker und schon öfter aufgefallen wegen seiner Art und Weise den Mädchen gegenüber. Unsere Tochter wird von einer lieben jungen Janine unterrichtet, die unheimlich viel Herz hat!

    Danke euch sehr für euren Zuspruch! Das war nicht das letzte Wort!

    @Eva: Als ich das las, musste ich ganz schön schlucken!