Archive for September, 2010

Auf verschiedenen Ebenen

Donnerstag, September 30th, 2010

Während der eine kleine Mann seinen eigenen Körper zusehens als Waffe benutzt, sich abgrenzt
auf Teufel komm raus, wild schubst, drängelt und auch mal öfter beherzt haut, kneift oder selten
auch beißt und dieses wunderschöne, herzerwärmende Wort „nein“ gern öfter benutzt oder es
aktiv betreibt ohne es zu benutzen, egal ob kleiner Bruder, großer Bruder, Schwesterkind oder eigene
Mutter, ist der andere kleine Mann ein Mini- Houdini. Einmal nicht hin geschaut, steht er auf dem
Esstisch, erklommen dank Tripptrapp oder nur auf dem Tripptrapp wahlweise von vorn oder hinten
oder er hat den Blumentopf von der Erde befreit oder ein Teil des Kinderservices eine Etage tiefer
befördert, natürlich nicht in einem Stück, ein Spiel- Walky Talky geschrottet, sich die Latzhose vom
Leib gerissen, DVDs sorgsam ausgeräumt, sich das Waschbecken dank Hocker genauer angesehen
um ist sogleich rückwärts wieder runter geplumpst, hat sich ein Glas, Teller oder Essbares vom Tisch
oder darunter geklaubt, sich schon wieder irgendwo einen blauen Fleck geholt, er fuchtelt wild und
gefährlich mit Schuhen und schreckt dabei auch nicht vor Gesichtern zurück, man greift in den
Kühlschrank und schon hängt er nur noch mit einem Bein im Tripptrapp mit dem anderen so zwischen
freien Fall und Esstisch, er lutscht an Zahnpastadeckeln, tanzt wackelnd zu lauten, lärmenden
Geräuschen eines geschenkten Kinderspielzeugs. Kurz, hier steppt der Bär. Und das sind nur zwei
beschriebene von vier zauberhaften Kindern. Es ist ein Unding hier abends nicht beim Sandmann
(per HDD-Recorder jederzeit möglich) schauen wollen erstmal mit der Fernbedienung in der Hand
überlegen zu müssen, was man jetzt vor dem viereckigen Ding eigentlich wollte, und wenn es einem
dann einfällt, dann muss man überlegen welcher Wochentag heute ist, gern auch länger und ob man
jetzt hoch oder runter nach der Folge suchen muss.
Das war heute so. Hier. Also ein Fragment, ein winziges Teilchen meines Tages. Nur so für Sie.
Bitte sehr. Nicht das es heißt, Ihnen entginge zu viel meines Alltags.
Ich muss ja zugeben, ich hatte vergessen wie lustig es mit zwei kleinen Kinder ist. Es ist ganz
besonders, so ein zwei und einjähriges Kind zu Hause zu haben. Man könnte es Geschwister Fürchterlich
nennen. Und da wir noch nie einen Laufstall hatten oder ähnliches wie Türgitter und Co. kommen
wir seit Jahren in den Genuss dieses spontan erlebten Tages voller Überraschungen. Ihnen entgeht
was!

Ablenkungsmanöver

Donnerstag, September 30th, 2010

Beim Hineinstolpern fetzen sich die Großen anstatt sich wie befohlen die Schuhe und Jacken
auszuziehen und ordnungsgemäß zu verräumen. Es wird geschubst und gehauen. Mit freundlichen
Worten versuche ich in das Innere der Kinder vorzudringen und sie an ihre ursprüngliche Aufgabe
zu erinnern. Aussichtslos wie es scheint, als plötzlich durch das Raufen zu hören ist: „Ich bin
kein Dinosaurier!“ Alle lachen. Die Rauferei ist vergessen, dank Tom und der grinst.

Es war Dezember…

Mittwoch, September 29th, 2010

als ich dachte ich wäre schwanger. Und dieser Gedanke machte mich mehr als glücklich. So verrückt
wie es gewesen wäre, es hätte mich unsagbar glücklich gemacht noch vor Bens ersten Geburtstag
ein weiteres Baby zu bekommen. Vernunft spielt in unserem Leben keine Rolle. Das tat es noch nie.
Natürlich wäre es verrückt gewesen. Aber wissen Sie was? Das waren bisher so ziemlich alle unsere
Entscheidungen im Leben. Und wir sind so glücklich damit gefahren auf unseren Bauch zu hören.
Schon immer. Von Beginn an. Aber ich war nicht schwanger. Und obwohl wir uns seitdem so sehr
wünschten, es möge klappen, klappte es nicht. Bis jetzt nicht. Und das belastet mich. Völlig ab von
der Tatsache, dass wir vier zauberhafte Kinder haben. Es ist ein Herzenswunsch. Den kann man nicht
wegwünschen oder zerreden. Uns fehlt jemand. Und eigentlich ist das klar, seit Bens Geburt. Wenn
ich also beim Frauenarzt sitze, wegen Unterleibsschmerzen in dieser Woche ist es Akt der Selbst-
beherrschung nicht das Weinen anzufangen, wenn man fünf Meter weiter, das TockTockTock des
schreibenen CTGs hört. Vor allem in diesem Monat. Weil es der Monat ist, in dem das Kopfkino
begann. Was wäre gewesen wenn. Eine handvoll lieber Menschen, haben mich in den letzten Monaten
und Wochen begleitet. Und ich bin ihnen sehr dankbar. Ich werde meinen Ort auch nicht aufgeben.
Aber ich kann nicht mehr still sein, ich kann nicht mehr so tun als wäre es in Ordnung so. Ich bin
mir darüber im Klaren, dass die Fassade hier und da eh schon bröckelte. Aber es ist ein Unterschied
dazu zu stehen, es zu sagen. Ich möchte ein Baby. Und es klappt nicht. Natürlich kann sich das
schon im nächsten Monat ändern, aber es macht die Monate Hoffnung und Enttäuschung, Wünschen
und Trauern nicht ungeschehen. Es zaubert die Zweifel nicht weg, ob das alles ein Zeichen sein
könnte. Kurz, es macht es nicht erträglicher im Hier und Jetzt. Und schon gar nicht in diesem Monat.

Vor ein paar Tagen bekam ich eine liebe Mail. In der stand, ich solle mich fragen, was ich wirklich
will. Ob ich jetzt wirklich eine Ausbildung beginnen möchte, die plötzlich im Raum stand. Die ich
brauchte, um an etwas anderes zu denken. Aber auch um mich zu schütteln und genau zu schauen,
wo der Weg hin geht, wenn es denn weiterhin nicht klappt. Aber der Punkt ist doch der, ich wurde
so früh Mutter und auch so zahlreich, weil ich es liebe. Das ist mein Job. Auch das Gespräch mit der
jungen Frauenärztin führte mich wieder genau dort hin. Was ich vorher beruflich gemacht hätte.
Ich wand mich wie immer. Ich mag nicht intimst und ausgeschmückt meine ganze Lebensgeschichte
ausbreiten, wieso weshalb warum ich mit 17 auszog. Das geht niemanden etwas an. Aber anstatt
auf einen klugen Rat zu hören, stammelte ich mich durch die frohe Fragerunde. Versuchte das
Glück sehen zu lassen, dass da war, als ich auf der FOS mit 20, mitten in den Flitterwochen plötzlich
endlich schwanger war. Die Geschichte zur meiner beruflichen Vergangenheit endet also mit der
Geburt unserer Tochter und dem Bestehen der 11. Klasse auf der FOS, sowieso dem Fehlen der
12. zum Bestehen des Fachabiturs. Ich bin kein Idiot. Ich weiß genau wie das aussieht. Wie sich
das anhört. Aber so ist das nicht. Die Wahrheit ist, dass ich Kinder wollte solange es ging. Das es
mir wichtiger war Mutter zu werden als einen Job zu erlernen, der meinen Qualifikationen nicht
entsprach. Die Wahrheit ist, dass meine Kinder mich geerdet haben, das haben meine ersten beiden
Kinder geschafft. Das hab ich geschafft. Und so wie für mich immer klar war, dass ich früh Kinder
wollte, solange es ging, wollten wir die noch fehlenden bekommen solange es geht, bevor ich mich
beruflich orientiere. Weil es mir wichtiger war. Und plötzlich steht man da still. Ich kann meinen
Weg im Augenblick nicht weiter gehen und das ist so belastend. Dieser Kinderwunsch ist nicht
nur irgendein Spleen. Dieses Leben ist einfach so meins. Ich bin Großfamilienmutter. Ich
überblicke das Chaos. Ich kämpfe mich durch den Alltag mit vier Minimonstern im Alter von 5 bis 1.
Mein Leben stockt. Und endlich ist es raus.

Hinter den Kulissen

Mittwoch, September 29th, 2010

Ich kann hier nicht mehr ich sein. Und das sollte ich genau hier können. Einfach ich sein. Ich kann
nicht mal sagen, wovor ich genau Angst habe. Weil es nichts greifbares gibt. Es passierte einfach.
Ich fing an Dinge zu verheimlichen. Hier. Und das könnte alles so uninteressant für mein weiteres
reales Leben sein, wenn es nicht schon dort wäre. Diese Heimlichkeit. Wenn nicht ein Teil meines
realen Lebens das Schreiben hier wäre. Die Poesie in den Worten ist fort. Weil ich nicht mehr
sagen kann, was ich denke. Nicht mehr darüber schreiben kann, was ich fühle. Aber das machte
mich immer aus. Meine Schreibe aus, meine Blog aus, dass ich trotzdem, trotz allem hier immer
ehrlich war, sein konnte. Unabhängigkeit und völlig frei, obwohl ich weiß und wusste, wer hier alles
liest.
Und als wäre das nicht schon an sich problematisch genug, zeichnet sich in meinem Leben, nicht
hier immer mehr ab, wie ungut mir die Heimlichkeit tut. Wie sehr mir fehlt, ehrlich zu sein.
Hauptsächlich vor mir selbst. Mir fehlt es so sehr, dass es mich in meiner Arbeit, meinem Muttersein
beeinträchtigt, dass es mir die Luft nimmt. Ich habe einen Ort geschaffen an dem ich ehrlich sein
kann, und dieser Ort ist und bleibt mir wichtig. Aber es ändert nichts daran, dass ich es dort nicht
wirklich sein kann, ich stehe dort nicht zu mir, ich bin dort ein anonymer Schatten, der spricht.
Ich bin nicht ehrlich zu mir selbst.
Der Gatte ist in solchen Dingen immer gerade aus. Er sagt, entweder schreibst du wie früher oder
du lässt es bleiben. Aber die Entscheidung ist schon längst gefallen, ich hab sie gefallen. An dem
Punkt, an dem für mich klar ist, dass ich gern schreibe. Und was nützt das geschriebene Wort,
wenn es keiner liest? Was nutzt die Wahrheit, wenn sie keiner hört, weil man sie nicht laut
ausspricht?
Letzten Freitag sagte eine hochschwangere junge Mutter zu mir, für sie sei mit zwei Kindern
Schluss. Aus dem einfachen Grund, dass sie noch Zeit für sich bräuchte. Das ist in Gesprächen
immer ein sehr kritischer Moment. In dem ich laut etwas sagen will. Sagen will, dass das der
größte Mist ist, den ich je gehört habe. Den zugegebener Maßen gibt es mehr Kram zu erledigen,
das liegt auf der Hand, ob Wäsche, Geschirr, Einkäufe, anfallender Dreck, Termine oder sonst
der gleichen, aber unterm Strich, hab ich ebenso viel Zeit für mich wie früher. Ich bin kein
aufopfender Klumpen Mensch, der sich in seinem Mikrokosmos nur um die Kinder dreht. Das
war ich nie und werde ich nie sein. Ich bin hier. Ich lebe. Und eigentlich bin ich glücklich.
Und das ist mehr, als man sich wünschen kann. Und ich schreibe. Da bin ich. Das sage ich nicht
gern in meinem realen Leben da draußen, weil es genug Menschen gibt die leise und still mein
Blog, mein Leben lesen ohne mich jemals darauf anzusprechen oder mich zu fragen wie es
mir geht oder wie ich mich fühle. Aber wenn ich schreibe hier, dass bin nunmal ich. Hier habe
ich Zeit mich zu sortieren. Hier bin ich gereift. Und wenn ich hier nicht mehr schreiben kann,
dann bin ich nicht mehr richtig da. Das Schreiben macht mich glücklich und ist ein Puzzleteil.
Was tu ich armes Ding mit den vielen Kindern nur? Ich tippe. Und es gibt Menschen, die lesen
das doch tatsächlich gern. Und das bedeutet mir viel. Das hier ist ein Teil von mir. Also
sollte ich wieder schreiben, von mir, meinem Leben.

Es gibt Tage…

Dienstag, September 28th, 2010

für die ist der Staubsauger vermutlich extra erfunden worden.

Kurz irritiert

Montag, September 27th, 2010

Zugebener Maßen, wenn mir jemand im bunten, wunderschönen Herbst auf dem Weg entgegen
gejoggt kommt, mit Kopfhörern auf den Ohren und währenddessen laut und schief singt, dann
bin ich ganz kurz irritert.

Wetten dass?

Sonntag, September 26th, 2010

Ich immer noch lauter schreien kann als vier kleine Kinder gleichzeitig in der Badewanne?

Diese Akustik, ich sags Ihnen- unglaublich.

Zeitverbringdings mit Kindern im Herbst

Sonntag, September 26th, 2010

Es war ein mal ein dicker, riesiger Kürbis, den die Kinder und ich gestern am Ende eines zwei
stündigen Spaziergangs im wunderschönen Herbst nach Hause schafften.

Der große, formschöne, handverlesene Kürbis wurde von unserem Fachpersonal ausgenommen.
Weitere Kinder standen mutmachend am Tisch und schauten sich das Schauspiel lieber aus
sicherer Entfernung an.

Das Ergebnis: Ein Traum in Orange. Kerzen sind ein absolutes Muss, als Krönung des Ganzen, denn
ohne geht nicht, auch nicht am hellichten Tag.

Die Leute reden…

Freitag, September 24th, 2010

Am Dienstag startete der neue Kurs für die Kleinkindturntruppe. Das hieß viele neue Mütter und
Kinder, die wir kennen lernten. Zu Beginn gab es also eine kleine große Begrüßungsrunde. Ich
saß direkt neben der Leitung, also sabbelte ich meinen Text runter: „Hallo, ich bin die Frau
Kassiopeia, das ist der Tom und das ist der Ben. Ben wird jetzt 1 Jahr und Tom ist 2 1/2 Jahre alt.
Ich bin hier schon ein paar Jahre dabei, in wechselnder Besetzung. Das sind nämlich Nummer
Drei und Vier.“ Ich grinse frech und genieße den kurzen Augenblick der Stille, den es danach
immer gibt. Diesen Bruchteil von Sekunden wo die Worte im Gehirn ankommen. Das sie ankommen
sehe ich an den Augen, die kurz etwas größer werden. „Oh.“ Herrlich. Sie verpassen da echt was!

Im Laufe der Turnstunde kommt eine nette Frau auf mich zu und verwickelt mich in eines dieser
kleinen Großfamiliengespräche: „Vier Kinder also.“ -„Ja.“- „Ist da auch ein Mädchen dabei?“- „Ja,
die Älteste.“- „Na, Gott sei Dank! Nicht nur Jungen!“ Oh ja genau, ich wäre todsterbensunglücklich!
*kopfschüttel* „Meine Freundin hat 5 Söhne und ist sehr glücklich!“- „Ich kenne auch welche,
die nach dem vierten Jungen aufgehört haben zu üben.“ Was zum Teufel geht in solchen vor?
Hören die sich eigentlich zu, wenn die reden? Es geht eigentlich nur darum, überhaupt was zum
Thema los zu werden oder? Aber wir sind hier nicht mehr in der Schule. Da gibt es keine Pluspunkte,
weil man sich ja bemüht hat, etwas zum Unterricht bei zutragen.

Mütterfreuden I

Freitag, September 24th, 2010

Im Bad mit herunter gelassener Hose vom Klo springen, um kletterfreudiges Babykind vom
Hocker zu pflücken bevor es herunter fällt.