Zaubertage

Als ich hier ankam, war ich dermaßen ausgebrannt. Ich war erschöpft. Nicht von meinen
Kindern oder meinem Mann, sondern von den großen und kleinen Dingen des Alltags. Ich
war müde. Ich glaube so im Nachhinein, dass es drei oder vier Tage gedauert hat, bis dieser
Grauschleier endlich weg war. Bis ich aufgehört habe, dass zu tun, was nämlich leicht ist,
einfach hier und da immer noch etwas schlechtes sehen. Nach den ersten Tagen kam es von
allein zurück: das Glück. Ich konnte wieder klar sehen, als hätte mir jemand mal ordentlich
die Brille sauber geschrubbt. Wie dieses Gefühl, dass ich jedes Jahr am Neujahrsmorgen habe.
Als wäre alles so unverbraucht. Von da an lief ich leicht stoned durch die Gegend, mit fettem
Grinsen. Wir schmiedeten Pläne. Überhaupt hatten wir scheinbar unendlich viel Zeit. Zeit.
Zeit zum endlos langen Frühstücken, Lesen, Vorlesen, DVD und Fernsehen, Memory spielen,
Ausmalen, Wasserfarbe malen, Motorboot fahren, Minikreuzfahrt erleben, Kuchen essen, nackt
am Strand spielen, im Sand buddeln, Burg bauen, zugucken wie der Strand verschwindet, um
ihn dann wieder langsam erkennen zu können, im Regen spazieren zu gehen, Eis-, Pommes-,
Erbsensuppeessen an der Promenade, Leuchtturm erklimmen, Bus fahren in eine andere Stadt
und in den Zoo, geräucherten Fisch essen, romantisch am Strand spazieren gehen, Stunden im
Strandkorb sitzen und aufs Meer schauen, dem Sternenhimmel so nah zu sein, wie das ganze
Jahr nicht, drei Sternschnuppen vorbei ziehen sehen, im Dunkeln ins Meer hüpfen und vor
allem Zeit um alles unwichtige liegen zu lassen, Zeit um den Abwasch sich stapeln zu lassen,
den Dreck mal Toben zu lassen, sowas wie einen Tagesablauf so ganz vage zu erleben, Zeit
das Telefon aus zu machen und ein bisschen Alltag aus zugrenzen. Einfach Zeit für sich selbst,
als Paar, als Familie.

Alles einpacken zum Mitnehmen bitte, danke!

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