Tschüss, Stillen

Ganz zu Beginn meiner Stillbeziehung zu Ben, sagte mir Sibylle, dass ich mit meinen Kräften
Haushalten solle, denn das Stillen würde längerfristig an meinen Reserven zehren. Und sie
sollte Recht behalten. (Der Gatte nennt dieses Phänomen übrigens Intelligenz der Masse. Und
da ist was dran.)
Noch vor ein paar Monaten war das Stillen eine Wonne. Es war einfach wunderschön. Und es
war über Monate hinweg überhaupt kein Problem, dass Ben nur während des Stillens in den
Schlaf finden konnte, weil er sich ja mühelos im Anschluss in sein Bett legen ließ. Es war auch
keine große Mühe, immer mal wieder hoch zu gehen um ihn erneut in den Schlaf zu Stillen,
auch in der Nacht nicht, aber irgendwann wurde es eine Müh. Und eine Last. Vor allem tat es
immer mehr weh. Ben interessiert nicht, ob ich laut Schmerz verkünde, Ben versteht nicht, dass
ein Biss und ein Aufschrei irgendwie zusammen gehören. Vielleicht ist er zu sehr ein lauter
werden hier und da gewöhnt, wer weiß. Er nuckelte dann auch nicht nur, er hatte die Angewohnheit
mit seinen Zähnen zu mahlen, als wäre ich ein Kalkstein für Nager. Es gab nur keinen wirklich
Ausweg. Ich hatte das Stillen begonnen und konnte ihm das nicht einfach nehmen, zu dem
fanden wir es ja zu Beginn ganz toll, dass er keinen Nuckel nimmt, was zukunftsträchtig gedacht
sehr sinnvoll ist, nur dazu führte, dass ich dieser Nuckel wurde. Aber es gefiel mir noch zu gut,
als das ich hätte etwas ändern können. Dann kam der Urlaub bei meinen Eltern und es gab Nächte,
die waren fies. Richtig fies. Alle zusammen in einem Zimmer in der Nacht, war einfach dem gesunden
Nachtschlaf nicht wirklich zuträglich. Und ich weiß ja nicht, wie andere Mütter das machen, aber
ich bin echt müde. Meine vier Kinder sind allesamt noch klein bis sehr klein und ich lechzte nur
noch nach Schlaf. Ich möchte auch nicht einer der Mütter sein, die gegenseitig runter rechnen
wer nun weniger Schlaf hatte, ich wollte einfach nur wieder welchen haben. Und irgendwie wurde
das im anschliessenden Urlaub nicht wirklich besser. Eher schlimmer, ich fühlte mich allmählich wie
der Pawlowsche Hund, Stillen war gleich Aua. Tagsüber überhaupt kein Thema, aber nachts war
ich dann wirklich grantig, wenn ich ihn hörte, weil ich wusste, dass wird gleich sehr unangenehm.
Die Zeit war plötzlich da. Die Zeit etwas zu unternehmen. Einfach Stück für Stück, nicht auf einmal,
zu entstillen. Und es fühlte sich einfach richtig an. Der Gatte hatte irgendwie intuitiv in den letzten
Nächten dort, Ben schuckelnder, kuschelnder Weise eingelummert ohne meine Hilfe. Und irgendwie
fragen Sie mich nicht, wie genau, stillen wir seit zwei, drei Tagen nur noch morgens und abends
(und in der Nacht.) Aber nicht mehr tagsüber. Er darf lernen, dass es auch andere Wege gibt Trost
bei mir zu finden. Es ist einfach Zeit. Und jetzt ist es gut. Es ist nicht perfekt, er schläft noch nicht
in seinem Bett ein, sondern auf unseren Arm, was bestimmt für viele vom Regen in die Traufe bedeutet,
aber ich bin damit glücklich, es ist ein riesengroßer Schritt, ohne Nuckeln einzuschlafen. Und ich
bin stolz. Stolz auf unseren Sohn, der mühelos als wäre ein Knoten geplatzt tagsüber mit dem
Essen auskommt und sich sorglos bei Trubel auch einfach nur in meinen Arme Ruhe holt und auf
mich, weil ich so lange gern gestillt habe und genau an dem Punkt langsam loslasse, wo es einfach
gut ist.

6 Responses to “Tschüss, Stillen”

  1. Sibylle Says:

    An was Du Dich noch so erinnern kannst :) Ich hatte das völlig vergessen, daß ich Dir das damals sagte. Wobei ich immer und immer dazu stehe. Ich freu mich, daß Du die Unterstützung vom Gatten so toll bekommen hast und der (partielle) Abschied so sanft und „schmerzlos“ klingt. Ich war damals auch erstaunt, wie schnell Kinder sich dann doch an das weniger oder dann gar nicht mehr stillen gewöhnen, wo es voher noch lautstark Protest gab. Freue mich für Dich und Deinen Nachtschlaf. Nachts war bei mir auch immer die erste Stillerei die eingestellt wurde, des Schlafes wegen:) LG

  2. Sabrina Says:

    Du hast es lange geschafft und das ist auch gut so. man soll nur so lange stillen wie beide sich wohlfühlen! Das sit das A und O! Ich denk Ben merkt das, das es so nun besser wird, schließlich bist du dadurch auch viel gelassener ;) Es wird der richtige weg sein!
    Du bist weit gekommen, man einer hätte schon eher aufgehört! Sei Stolz auf dich! Und genieße den letzten Rest bis dann klein Ben ganz ohne auskommt, ich denk da wird noch das eine Tränchen fließen wenns endgültig vorbei ist.

  3. jo Says:

    Bei uns ist gerade der endgültige Abschied in Sich und ich bin ehrlich gesagt hin und hergerissen. Meine Reserven waren komischerweise nie in Gefahr, ich habe mich sehr ans Stillen gewöhnt und daran, in Stückchen zu schlafen und sehr wenig. Ich komme damit aus und Erna macht es mir leicht, es war nie anstrengend oder schmerzhaft oder lästig. Bei meinem Sohn schon, da war es ähnlich wie bei Dir und jeder kleine Schritt in Richtung abstillen eine Erleichterung. Liebe Grüsse

  4. kerstin Says:

    Und du kannst auch wirklich auf dich stolz sein! Bei deiner Bande die Ruhe zu (suchen und zu ) finden den Kleinsten zu stillen. Aber irgendwann kommt der Punkt. Beu meinem Großen hat er diesen Zeitpunkt ausgesucht und sich nach knapp 10 Monaten selber abgestillt. Es war auch da der richige Zeitpunkt schon allein weil er den Zeitpunkt bestimmt hat. Ich habe schon etwas getrauert.

    Und nun beim Kleinen kann ich mich auch nicht trennen, im Augenblick muss ich das ja auch (noch) nicht. Er ist ja erst 5 Monate. Aber er ist eben auch sehr anspruchsvoll, trinkt tags alle 3stunden , manchmal auch alle 2 aber in der Nacht haben wir gern auch einen 45min – 1Std. Rhythmus. Einschlafen geht auch nur an Mamas Brust. Es zehrt. Und ich bin hin und hergerissen. Einerseits würde ich so gern mal wieder schlafen, vielleicht abpumpen für eine Nacht oder eine Flasche Pre Milch, andererseits kann ich mich auch nicht trennen.
    Und schreien lassen ist für uns so gar keine möglichkeit, noch nie gewesen.
    Und wenn ich as hier so schreib, weiß ich, das es einfach so weiter gehen wird, bis er selbst den Weg findet oder ich , wie du jetzt, gar nicht mehr kann.

    Es ist schön, das du dieses langame Ende eurer Stillbeziehung so positiv annimmst, dann ist es genau der Richtige Weg!

    Herzliche Grüße…

  5. Katrin Says:

    Dieser Augenblick kommt bei jeder Frau zu einem anderen Zeitpunkt, aber er kommt definitiv. Bei meiner Tochter war es nach 11 Monaten, ich hatte einfach keine Energie und Lust mehr (damals wusste ich noch nicht, daß ich wieder schwanger war – vielleicht war das der Grund ??), sie hat es ohne großes Jammern akzeptiert (damals stillte ich sowieso nur noch morgens).
    Bei meinem Sohn kam dieser Moment als er 13 Monate alt war, er wurde immer fordernder, versuchte ständig, mir das T-Shirt hochzureißen, und das mochte ich einfach nicht. Also habe ich ihm die Brust verweigert (ihn stillte ich damals nur noch abends), er wollte/konnte sich allerdings nicht so leicht trennen und brüllte ca. 2-3 Wochen lang jeden Abend ganz verzweifelt in meinen Armen (im Nachhinein tut es mir leid, aber damals konnte und wollte ich einfach nicht mehr …).
    Ich bin schon sehr gespannt, wie das nun beim dritten Kind wird …

  6. Frau Zausel Says:

    Ich finde, du machst das richtig! Lass dich von deinem Bauchgefühl leiten und hör nicht darauf, was andere sagen. Du leistest sooo viel und du nutzt deinen Kindern nichts, wenn du zusammenklappst. Und ich würde mir überhaupt keine Sorgen machen, dass dein Kind nur begleitet einschläft. So lange habe ich mich diesbezüglich verrückt machen lassen. Unsere Tochter ist nun 6 Jahre alt und schläft auch noch mit Begleitung ein. Sie könnte es alleine, hat es auch eine zeitlang gemacht, aber es ist einfach schöner mit jemanden zusammen. Wie oft habe ich darüber Augenrollen gesehen, wie oft mir angehört, man müsse nur konsequent genug sein. Aber soll ich dir was sagen. Die meisten Kinder in dem Alter gehen mittlerweile zusammen mit ihren Geschwistern ins Bett, d.h. sie schlafen auch nicht alleine ein. Nur mein Kind hat keine Geschwister und so müssen wir das eben ausgleichen. Und weisst du was? Sie hat tagsüber kaum noch Zeit für ihre Mama oder ihren Papa, weil so vieles wichtiger ist. Und so genießen wir diesen Moment, wo sie ganz bei uns ist. Ganz sicher wird sie mit 14 keine Einschlafbegleitung mehr haben wollen. Warum also sich selbst und das Kind unter Druck setzen. Es muss für euch stimmen, nicht für andere. Und ich persönlich finde es für den kleinen Kerl einen enormen Schritt, den er gegangen ist! Meine Devise in der Kindererziehung. Es löst sich sooo vieles von ganz alleine. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo! Man kann unterstützend eingreifen und je älter sie sind, auch wieder mehr an sich denken und sich abgrenzen. Aber niemals auf Kosten des Kindes! LG Frau Zausel