Unterwegs

Vier kleine Kinder flitzen in den letzten 20 Minuten zum Münchner Hauptbahnhof in der ersten
Klasse im Wagen rauf und runter. Man hört Getuschel: „Guck mal: VIER Kinder und alle noch so
klein.“ Nicht nur aus einer Ecke der letzten Verbliebenden so kurz vor dem Ziel. Die Kinder
machen also anscheinend laufend hinter einander mehr Eindruck als still sitzend in ihren Stühlen.
Dabei haben der Gatte und ich schon Stunden zuvor, sofort die Frau im Vorbeigehen gescannt,
die allein mit vier Kindern in das Bistro gegangen war und ein Mann dazu wart nicht gesehen.
„Sind das alles Ihre?“ fragt mich die nette Frau, die mir zu Hilfe eilt, als ich versuche in den Bus
einzusteigen. „Ja.“- „Da habens aber was zu tun!“ -„Ja. Aber schön ist es auch.“- „Ehrlich?“– „Ja.“-
„Das ist schön.“ Alles andere wäre auch traurig, denke ich bei mir, als die nette Dame aussteigt.
Aber das ist genau das, was wir immer wieder hören. Ich lese gerade mit großem Genuss, ein
Buch von Gottfried Hofmann-Wellenhof und lache mich scheckig. Wir sind also nicht allein mit
diesen Erfahrungen. Es folgt einem bestimmten Schema. Erst die interessierte Frage „Sind das
alle ihre?“ dann folgt das Bedauern. Obwohl ich zugeben muss, der eine oder andere findet uns
sogar auch toll! Aber selber haben, mögen das die wenigsten. Obwohl meine liebste Frage, die an
den Mann gerichtete bleibt: „Alle von einer Frau?“- Also, ich hoffe der Gatte hat nur diese Vier. :)

8 Responses to “Unterwegs”

  1. Summsebrumm Says:

    Ich hab auf die Fragte mal gewagt zu antworten: „Nee, die sind alle geklaut!“ Fand die gute Frau nicht witzig.
    Die letzte Frage bekommen wir auch oft gestellt. Okay, sie ist etwas anders: „Und die sind alle von ihrem Mann?“ Das scheint wohl eine Seltenheit zu sein in unserem Alter, auf die viele nur mit Erstaunen reagieren.

  2. Eva Says:

    Mich nervt ganz ganz stark das Folgende:“Ach, also da beneide ich Dich/Sie aber wirklich nicht.“
    Nee, habe ich auch niemals erwartet.
    Oder:“Da möchte ich aber nicht tauschen.“ Ich auch nicht!!!
    Aber anerkennde Worte kommen durchaus auch vor :-).

  3. jo Says:

    Das erlebe ich auch oft, und dabei habe ich nur 3. Auf „Sind das alles Ihre?!“ antworte ich gern mit „Ja, und alle vom gleichen Vater!“ ;-P
    Allerdings gibt es in Portugal überwiegend Bewunderung und ein bisschen „Neid“ auf „viele Kinder“ oder dass wir das „gewagt haben“. Mitleid oder Bedauern habe ich noch nie erlebt, ganz ehrlich.

  4. Patricia Says:

    Diese Frage, ob alle vom selben Vater sind, hat mir selbst meine Gyn beim dritten Kind gestellt. Oh, war ich damals wütend! Ich finde die Frage äußerst indiskret und das Staunen darüber, dass man viele Kinder hat (ich habe doch nur drei …) schräg. Mittlerweile ist es fast normaler, drei Hunde oder Katzen zu haben als mehr als zwei Kinder …

  5. Papa (der beiden kleinen Chefs) Says:

    Ich denke auch die Frage „Sind das alles Ihre“ ist durchaus verständlich. Immerhin leigt die durchschnittliche Kinderzahl einer Frau in Deutschland bei gerade einmal 1,4 Kinder. Da sind 4 natürlich schon eher was besonderes.
    Die „Beileidsbekundungen“ kann ich auch nicht verstehen. Bewunderung schon eher.

    Und nur mal so am Rande: hier gibt es einen Blogger, der hat 8 (in Worten: Acht) Kinder, also nicht so eine Kleinfamilie wie ihr ;)
    http://michael444.wordpress.com/uebermich/

  6. kassiopeia Says:

    @Summsebrumm: Was heißt denn hier in unserem Alter? :)

    @Eva: Genau so. Mitleid. „Sie Ärmste“. Stört mich gar nicht mehr so arg, weil wir viele schöne Sachen erleben, aber diese Begegnungen gehören auch zu unserem Alltag dazu.

    @jo: Bewunderung, in dem Sinne höre ich weniger von Fremden eher von Freunden und Bekannten. Eher finden manche das richtig schön so, aber nicht bewundernswert. Aber ein Großteil denkt sofort automatisch an die ganze „Arbeit“ und bemitleidet einen erstmal kräftig.

    @Patricia: Also, das fänd ich auch dreist von der Frauenärztin. Mir so noch nicht oft passiert, muss ich gestehen, dass ich gefragt werde. Außer einmal, da meinte eine Bekannte allen ernstes sie würde mir nie im Leben abnehmen, dass Noah und Zoe vom gleichen Vater sind. Das könnte nie sein. DAS war echt dreist. Da war ich sprachlos. Noah war damals sehr blond und eben blau/grünäugig und Zoe dunkelhaarig mit dunklen Augen. Aber ähnlich sahen sie sich für mein Empfinden schon immer. Aber das reichte der Dame irgendwie nicht.

    @Papa: Das ist doch das Witzige. Es sind ja erst Vier. Nicht die Welt wie ich finde. Aber schon sehr unüblich und ja die Leute bemitleiden einen um die Kinder. Die Frage, ob die alle so zu uns gehören, find ich auch harmlos, manchmal sind wir ja auch zu fünft oder sechst unterwegs, weil noch Freunde dabei sind und da wäre ja die Frage deutlich mit Nein zu beantworten :) Aber umfallen tun sie trotzdem hier und da: ECHT? ALLES IHRE?

  7. Schussel Says:

    Ja, die Frage kenne ich auch, wenn ich von sieben Geschwistern berichte: „und alle von den gleichen Eltern?“ Aber immer noch besser als blöde Kommentare …
    (Lustig für mich auch immer die Frage: und wie ist das so, mit so vielen? Ich kenn’s ja gar nicht anders…)

  8. Summsebrumm Says:

    @ Kassiopeia: Das war ja nicht böse gemeint ;) Aber in unserer „Generation“ scheint es irgendwie normal zu sein viele Kinder von vielen Männern zu haben. Somit gehören wir (Mehrere Kinder – Gleicher Mann) anscheinend zu einer Seltenheit. Zumindest kommt mir das hier manchmal so vor.