Fulltime wann?

Es ist einfach nicht das gleiche. Frauen schreiben über das Leben als Hausfrau und meinen den
Zustand im ersten Jahr bis die Elternzeit vorüber ist und das Berufsleben wieder wartet. Sie sprechen
von totaler Erfüllung und melden ihre Kinder in Kita, Krippe oder bei der Tagesmutter an. Die Rede
ist von einem 24h Job, der an Wichtigkeit nicht größer sein könnte und von einem Tagespensum,
dass seines gleichen sucht. Aber die Rede ist eben auch von einem Jahr. Von vorüber gehend.
Aber es ist nicht das gleiche. Ich hatte auch mal ein Kind. Und ich fühlte mich auch sehr, sehr
beschäftigt. Das war ich auch damals. Aber an Tagen wie diesen, die einfach mal der pure
Wahnsinn sind, kann ich über ein Ich in der Vergangenheit nur müde lächeln. Ein Kind. Das ist
weit weg. Das ist jetzt beinah sechs Jahre her. Ich mache meinen Job gern. Ich bin Hausfrau und
Mutter, aber das nicht vorübergehend, sondern das seit ein paar Jahren. Ich habe in keiner
Schwangerschaft dauerhaft und mehr als ausnahmsweise eine Hilfe erhalten seitens Dritter
oder dem eigenen Mann. Ich hab alles allein gewuppt. Und wuppe es noch heute. Und ich bin
verdammt stolz drauf. Nein, es ist nicht das gleiche. Ich habe kein Auto, hatte bis zu diesem
Jahr keine Spülmaschine und vier Kinder. Nein ist es nicht. Ich hüte(te) meine Kinder daheim bis
sie über drei Jahre alt sind, auch in den Schwangerschaften war ich mit manchmal zwei Kindern
von morgens bis abends zusammen. Ist es nicht. Es ist nicht das gleiche. Wie könnte es? Es ist eine
Jobbezeichnung für völlig verschiedene Arten ihn machen, ihn zu leben.
Und nur darum geht es mir. Ich lebe das. Und ich liebe es. Aber es ist ein kleiner Hohn zu lesen,
man gehe in der Rolle als Hausfrau und Mutter total auf. Weil es nicht das gleiche ist, ob man das
tut mit dem Ende in Sicht. Wenn etwas endlich ist, lässt man sich darauf ganz anders ein. Ich
sehe kein Ende. Ich möchte auch gar kein richtiges Ende. Noch nicht. Ich bin seit beinah sechs Jahren
täglich zusammen mit meinen Kindern in wechselnder Besetzung, den ganzen Tag. Nie lang allein.
Vor allem eines nicht: Nicht dauerhaft oder regelmässig. Ich weiß ja nicht mal mehr, wie sich das
überhaupt anfühlt, vormittags oder tagsüber täglich ein paar Stunden ohne meine Kinder zu sein.
Oder allein zu sein. Sie sind immer da und wenn nicht, ist es die Ausnahme. Ich mag das genau so.
Auch wenn ich nur kurz rein springe ins Haus, ein schlafendes Kind samt Kinderwagen im Flur
parke, mit dem Zweiten unterm Arm hoch flitze, mich versuche 20min zu entspannen, wieder
runterrenne, alles zusammen schmeiße und zum nächsten Termin Richtung Kindergarten renne,
um uns zu vervollständigen. Ich liebe auch diese Hektik. Ich liebe diese Herausforderung. Das
Wissen am Ende des Tages, dass ich das alles geschafft hab. Das ich diese Woche alles schaffe,
was ich mir vorgenommen habe. Das ich immer noch mehr kann, immer weiter, über meine alten
Grenzen hinaus. Aber auch weil ich muss. Weil manche Sachen eben so sind wie sie sind. Weil ich
sie nicht ändern kann und sie dazu gehören. Ich bin kein Masochist. Ich mach nur meinen Job.
Einen den ich liebe. Ich bin Hausfrau und Mutter.

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