Der Klassiker

Eigentlich dachte ich, das hätte noch Zeit. Dieser eine Satz, den irgendwann ein jedes Kind zu
seinen Eltern sagt. Vor allem dachte ich, es würde einen dramatischen Auslöser für eben jenen
geben. Und ich dachte vielleicht, ich wäre verletzt. Irgendwie.
Ich dachte dabei nicht, am Esstisch zu sitzen und einfach nur darauf zu bestehen, dass bitte
danke gegessen wird, was auf dem Tisch steht. Ich dachte nicht, dass ein ungeliebtes
Hühnerfrikassee Auslöser sein würde. Nein, das dachte ich nicht. Natürlich hat das arme Kind
tatsächlich erhöhte Temperatur, war trotzdem mit mir zu Arzttermin gegangen und litt schon
an DVD-Mangel. Es war schon vorverletzt.
Aber dann kam die Unterlippe. Es kamen die verschränkten Arme vor der Brust. Die Augenbrauen
wurden zusammen gezogen und sie sprach: „Ich hasse dich!“
Huch, dachte ich. Jetzt schon? Deswegen? Na, das kann ja heiter werden. Und ich konnte nicht
anders, ich grinste. Es ging nicht anders. Ich fand das so entzückend und gar nicht schlimm.
Und nach ein paar Minuten Hass, aß das Kind und fand das Essen lecker, es war nur vorher
enttäuscht, aber jetzt war alles plötzlich nicht mehr so schlimm.
Und sie fragte: „Warum hast du gelacht?“- „Weil ich dich immer lieb hab und dir gar nicht böse
sein konnte.“

Hätten wir das also auch.

17 Responses to “Der Klassiker”

  1. Peelia Says:

    Ich lese deinen Blog seit einigen Tagen und obwohl die Schrift für mich blindes Huhn ganz schön klein ist, habe ich eben etwas lesen und entziffern können, dass mich riesig zum Grinsen gebracht hat. Danke! :)

  2. Frau Ährenwort Says:

    Hut an ! Ich hätte wahrscheinlich geheult…..

  3. Sandra Says:

    Ich kenne das anders…(von Du bist nicht mehr meine Freundin) Sind wir inzischen bei „Dann bist Du nicht mehr meine Mutter“ also lustig kann ich das auch nicht wirklich finden…Aber ich wünsche Saskia dann viel Spass mit einer andere Mutter….schnell vorbei sit das ganze allerdigns wirklich, nur Kinder sind dazu fähig…Erwachsene sind einem doch ewig böse,wenn nicht sogar für immer.

  4. Frau Muschel Says:

    Oooohjaaa DAS kenne ich auch :)

    Das erste Mal schaute ich eher verwundert aus der Wäsche, mittlerweile tue ich so als hätte ich diesen Satz nie gehört. Übrigens sagte das nur mein ältester Sohn, und das erst seit der Pubertät.
    Ich habe ihn schon lange nicht mehr gehört *gg* ob das ein gutes Zeichen ist??

    Er fragte mich auch, ob ich ihm denn nicht böse sei. Ich sagte das ich ihn sehr liebe, und das immer, egal was er verbockt. Das gab/gibt ihm Sicherheit, wahrscheinlich hasst er mich deswegen nun nicht mehr ;) *gg*

    Liebgruß
    Frau Muschel

  5. Janine Says:

    Wir sind hier im Moment bei: „Dann bin ich nicht mehr Dein Freund!“ angekommen und es lebt sich ganz leicht damit. Ich sage dann immer: „Ok, ich bin ja auch Deine Mutter und nicht Deine Freundin!“ ;-) „DU SOLLST ABER MEINE FREUNDIN SEIN!“ „Du hast doch gesagt ich bin es nicht mehr…“ *gnihihi*

    Zoe ist schon herzig ♥

  6. TL Says:

    …gerne auch genommen: „Du stinkst und deine Haare sind häßlich!“ Da kann man dann von ausgehen, dass man gerade mit der schlimmsten aller möglichen Beschimpfungen abgestraft wurde. :-)

  7. fishly Says:

    Ach, das hat bei uns hoffentlich noch Zeit… deine Reaktion war super, besser hätte man gar nicht reagieren können :)

  8. Frau Zausel Says:

    Das Beste, das meine Tochter im zarten Alter von drei Jahren sagte, war: „Mama, ich habe es dir schon 10x gesagt, das ist mein Leben und darüber bestimme ich!“ Das hat man davon, wenn man sein Kind zu einem gesunden Selbstbewusstsein erzieht. Oder dazu, dass man ein Nein akezptieren muss. „Mama, ich mag das nicht und das musst du auch akzeptieren!“ Hatten wir logischerweise auch schon, im Zusammenhang mit Zähne putzen oder Haare kämmen…ich weiss es gar nicht mehr. Gut fand ich auch das erste Mal „blöde Kuh“ mitten im Supermarkt und alle Blicke ruhten auf mir, wie ich damit wohl umgehe. Aber ich nehme so etwas nicht persönlich! Sie hasst ja in dem Augenblick nicht mich, sondern nur das, was ich gerade von ihr verlange oder ihr verbiete. Und wir sind bisher damit sehr gut gefahren. Wir haben hier keine Probleme mit Schimpfwörtern und da bringt sie mittlerweile schon deftige Gossenwörter aus der Schule mit. Auch das F-Wort hatten wir schon! Wir erklären ihr dann einfach, was das Wort bedeutet und dann ist das Thema durch.
    Aber dieses „ich suche mir neue Eltern“, „ich hab dich nicht mehr lieb“, das kommt immer wieder und ich befürchte in der Pubertät wird das nochmal schlimmer. :-) LG Frau Zausel, blöde Mama

  9. kassiopeia Says:

    Also die Aufregung hier und da, versteh ich ja nicht so ganz. Wir sagen schließlich immerzu unser ganzes Leben lang, Dinge zu anderen, die sie verletzen könnten und trotzdem werden wir geliebt und verstanden. Und nichts anderes hab ich mit dem Tochterkind gemacht. Sie geliebt und verstanden.
    So ist das eben mir Kindern, die sind ehrlich und gerade aus. Und ja manchmal ja, da sag ich auch unschöne Dinge zum Gatten vor Wut oder weil ich verletzt bin ohne groß drüber nach zudenken und das tolle ist, er liebt mich trotzdem und geschieden sind wir auch noch nicht :)

    Eigentlich wäre es ja einen eigenen Blogpost wert gewesen, aber am Schnuppernachmittag im Montessori Kinderhaus, saßen wir alle in einem Kreis: Mamis und Papis, 12 Kinder. Mein Sohn wollte etwas essen und ich hatte es verboten, weil es in dem Raum eben nicht gestattet ist. Mir völlig fremde Menschen mussten mit anhören wie mein kleiner Zweijähriger folgendes zu mir sagte: „Verdammt scheiße!“ Es gab große Augen seitens der Erwachsenen: „Du bist eine blöde Mama.“ Das war lustig, weil alle anderen Eltern mit unschuldigen Zweijährigen ziemlich verdattert aussahen. Aber was hätt ich tun sollen? Was meinen die denn wo der das her hat? *räusper* So haben wir uns aber gleich von der allerbesten Seite gezeigt und niemand wird uns je vergessen. Auch schön. Immer schön das Positive sehen :)

    So ist eben das Leben, keiner ist perfekt. Meine Kinder sind toll. Weit in ihrer Entwicklung mit einer sehr guten Auffassungsgabe. Alle Erzieher sind begeistert von ihrem Verstand. Und das gibt es eben gratis dazu. Gescheite Kinder, werden schnell groß und beglücken uns mit ihrem wachen Verstand, gell Frau Zausel? :) Alles ganz normal.

  10. Patricia Says:

    Danke für dieses Post – es ist so ehrlich. „Ich hasse dich“ hatten wir schon, weil ich wollte, dass Kind 1 bei Schnee nicht mit Sommerjacke draußen spielt, und die „blöde Mama“, weil ich fand, dass die von der Oma mitgebrachte Schokolade erst zum Nachtisch gegessen werden sollte. Ich sag dann immer „Ich hab dich auch lieb, wenn du mal grummelig bist!“ Mich machen Familien, in denen NIE ein böses Wort fällt und alle Äußerungen vorher mit Weichspüler gewaschen werden, tendenziell etwas unruhig, weil ich denke, irgendwann rastet da mal jemand völlig aus, wenn nicht mal zwischendurch für Druckausgleich gesorgt wird …

  11. Minizickenmama Says:

    Hier kommt das auch immer mal wieder vor. Oft wenn die Minizicke krank ist oder des Nachts nicht gut geschlafen hat. Das kommt zum Glück nicht all zu oft vor. Ich sage mir in solchen situationen immer das sie einfach mit der gesamtsituation unzufrieden ist und anders nicht weiß wie sie das zeigen soll, so ensteht dieses „ich hasse dich“ und irgendwann später entschuldigt sie sich doch immer dafür. :)

  12. frau siebensachen Says:

    “ …und daß du’s weißt, ich ziehe aus!“
    kriege ich bei passender gelegenheit von der neunjährigen zu hören.
    wenn ich nämlich in ihren augen zu streng oder überhaupt garstig bin, zu ihr oder den schwestern.
    „..und die allerliebste freundin findet das auch.“ gehört dann noch hintendran.

  13. Ines Says:

    :-) Ja in dem Alter nimmt man es gelassen, ich glaube später wird das anders.
    „Blöde Hexe“ davon war ich ernsthaft betroffen und habe dem Kindlein das auch ordentlich übel genommen, es gibt da schon Grenzen die sie nicht überschreiten sollten.
    Blöde Mama, ich hasse dich usw. – och ja, klingt schlimm für Aussenstehende, man selbst weiß wie mans nehmen muß.

  14. Frau Zausel Says:

    @ Ines
    Naja, ich persönlich bin bestimmt auch mal eine blöde Hexe oder eine olle Zicke. :-) Du nie? Aber schon klar, jeder hat seine eigenen Grenzen und die sollte man auch ziehen. Wenn es mir wirklich zu doof ist, dann sage ich ihr natürlich auch, dass ich das nicht hören mag. Bei uns ist das aber so gut wie kein Thema. Ob es jetzt daran liegt, dass wir das relativ locker handhaben, wir ihr diese Dinge alle genau erklären oder ob es einfach am Kindelein liegt? Keine Ahnung! Und ich hoffe, dass ich das Ganze auch in Zukunft gelassen sehen kann. Ich denke besonders in der Pubertät ist es wichtig, es nicht persönlich zu nehmen auch wenn die Lieben es natürlich ganz persönlich meinen. LG Frau Zausel

  15. Sandra Says:

    „Wir sagenDinge zu anderen, die sie verletzen könnten und trotzdem werden wir geliebt und verstanden. “
    aber nicht unbedingt von denen,zu denen wir solche Dinge sagen….
    ich würde sagen,das ist nicht so ganz vergleichbar…wir streiten, kündigen aber nicht gleich die Freundschaft, Elternschaft nur weil die Kinder mal anstrengend,blöde oder einfach nur grummelig sind.
    Ausserdem ist es eh meistens meine eigene Schuld,wenn Saskia zu müde ist und unaustehlich wird. Gerne hören tue ich es trotzdem nicht…nur würde ich es nicht allzu doll zeigen 1. es nicht wirklich Ernst nehme ( das sie es so meint,wie sie es sagt) 2. sie es dann ja extra machen würde,weil sie merken würde das es „klappt“ mich auf die Palme zu bringen.
    ich glaube,desto mehr man sich in Kinder reinversetzen kann,desto breiter ist vermutlich die Grenze die man setzt…..

  16. kassiopeia Says:

    @Sandra: Äh doch. Mein Mann liebt mich trotzdem. Und das nimmt und gibt sich hier im Alltags nichts. Mal motzen wir, mal die Kinder. Ich bin da entspannt und lebe meinen Kindern hoffentlich vor, dass es schön ist, wenn man sich in andere reinversetzt. Perfekt ist hier keiner.

  17. Die Schottin » Blog Archive » Unser Familien-Klassiker Says:

    […] ich heute bei Frau Kassiopeia diesen Artikel las, musste ich an unseren Familien-Klassiker denken und wie dieser erst zum Klassiker wurde. Vor […]