Keine Luft mehr

Ich dachte, immer wenn etwas wirklich schlimmes passiert, würde ich trotzdem funktionieren,
irgendwie den Laden am Laufen halten. Ich habe gerade meine Kinder ins Bett gebracht, aber
fragen Sie nicht wie.
Hier liegt überall Zeug und ich werde mich zwingen müssen, aufzustehen. Ich kann nicht
damit umgehen. Ich bin nie ein Mensch gewesen, der davon ausging, dass alles schlechte nur
den anderen passiert, nur nicht einem selbst… aber ich habs gehofft, gebetet und nun bettel
ich drum…

Die Blutung wird immer schlimmer, dazu periodenstarke Krämpfe und ich hab das Gefühl, die
Hoffnung, die Freude, alles fließt einfach so aus mir raus. Ich bin so unsagbar traurig. Das darf
einfach nicht sein und ich…

Ich wollte nie mit meinen drei großen Kindern am Nachmittag sitzen und darüber sprechen,
dass wir unser Baby womöglich nicht bekommen können, dass es nicht bei uns sein darf.
Meine Tochter hat mich gefragt, wieso das Baby krank ist und wer daran Schuld sind. Alle wollen
es hier haben, das Herzkind und sind traurig, aber anscheinend… ich befürchte, es ist nicht
mehr hier.
Ich hab heute eine Kerze angezündet. Ich will es nicht allein lassen, ich will es nicht gehen
lassen. Doch vielleicht hab ich keine Wahl… Es geht einfach… Und ich würd es so gern fest
halten…

Auf einer Tafel im Wohnzimmer stehen die Worte: Glaube, Hoffnung, Zuversicht und Liebe.

Aber die Worte werden immer kleiner… Ich kann nicht atmen…

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eingefügt am 26.12.2010

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