Ein Bild, ein viele Wort

Es geht mir nicht wirklich gut, nein. Und ich denke, es ist ein Schritt sich das einzugestehen. Es
fällt mir von Tag zu Tag immer schwerer zu sehen, wie alle anderen ihren Weg einfach weiter
gehen, während ich mich fühle als wäre ein Teil von mir fort. Es tut einfach weh. Und immer
öfter wird klar, dass ich die einzige bin, die daran noch zu knabbern hat. Das ist sicherlich ein
Geschenk des Lebens, dass es eben doch nie anhält, es reißt einen einfach mit und hält einen
vermutlich so am Leben, es geht gar nicht anders, man geht einfach immer weiter und weiter.
Aber dieses Gefühl des Alleinseins mit meiner Trauer und meinem Scherz macht mir auch Angst.
Ich sehe, dass ich ein Auge darauf haben muss, wie oft ich mich darin verliere und wie allein ich
mich auf Dauer damit fühle. Es führt einfach kein Weg dran vorbei, wenn das Alleinfühlen eine
Last wird und dazu wird, dass ich mich wieder zurück ziehe in meinem Leben, muss ich handeln
und einen Weg finden meine Gefühle zu teilen. Auch mit Fremden. Auch wenn ich nicht mal weiß,
wie ich das anstellen soll. Und auch, wenn ich das nicht will. Es gibt nur Kämpfen oder Aufgeben.
Und sicherlich kommt Ersteres gar nicht in Frage, aber die Sache ist doch die, ich muss mir
meine Lebensqualität irgendwie aufrecht erhalten und nicht einfach nur irgendwie weiter machen
und überleben, und das ist im Moment das größte Problem. Ich bin unendlich wütend. Ich so
unsagbar traurig. Es geht mir nicht richtig gut. Es gibt Momente, da fühl ich mich allein. Was
sicherlich auch wörtlich zu nehmen, das Problem ist.

Heute habe ich ein Bild entwickeln lassen. Es fällt mir schwer die Fotoreihe anzuschauen. Wir haben
die Bilder am zweiten Advent gemacht. An dem Tag begann abends die Blutung und wir verloren
unser fünftes Kind. Ich wollte mit den Bildern eigentlich unsere alljährliche Weihnachtsgrußkarte
gestalten, aber ich konnte es nicht. Ich konnte nicht an Karten denken und irgendwann war es auch
zu spät und vor allem mochte ich die Bilder nicht ansehen. Dabei sind es schöne Bilder. Es wird
also dieses Jahr keine Karten geben, weil ich es nicht kann. Ich habe keine Gefühle dafür. Und es
aus Verpflichtung zu versuchen wäre nicht richtig. Trotzdem denke ich an all die Menschen, denen
ich gern eine Karte geschickt hätte. Jetzt hängt dieses Bild oben im Flur neben unseren Schlafzimmer.
Das Bild ist pures Leben und eigentlich muss ich sogar immer lachen, wenn ich es ansehe. Mein
bisher ganzes Glück ist darauf zu sehen und wenn ich es ansehe, sehe ich all das was ich habe und
ich werde auch immer wissen, dass wir Zwei auf der anderen Seite standen und das Glück für
immer auf diesen Bildern festhielten. Ich hasse es so sehr, dass ich zu faul war meinen Bauch zu
fotografieren, denn das wollte ich, damit ich den Vergleichen kann… später…
Nun so, ein Bild das beides hat…

8 Responses to “Ein Bild, ein viele Wort”

  1. morgan Says:

    Ein tolles Bild! Danke dafür. Das baut mich grade ein bisschen auf ^^
    (different story)

  2. Evi Says:

    Es ist ok, dass du dich scheiße fühlst bzw. nichts fühlen kannst, auch wenn – anscheinend – du die „einzige“ bist.
    Die Phase macht sicherlich jeder durch, der um jemand trauert.
    Es ist auch ok, wenn du „einfach nur funktionierst“ für eine Weile.
    Aber du musst damit ja nicht alleine sein – du kannst dich hier aussprechen und sicherlich auch mit deinem Liebsten.
    Pass einfach auf, dass du damit nicht zu allein bist, dann wird sich die Trauer auch verändern und entwickeln.

  3. fraumuemmel Says:

    Ich kann nicht in Worte fassen wie Leid es mir tut *Tränen in den Augen*
    Ich wünsch dir, dass du bald den Weg findest, wie dein Leben für dich wieder lebenswert und nicht nur dahingeschleppt ist.
    Das wünsche ich dir wirklich.
    Vielleicht ist ja eine Therapie der Schlüssel? (Das soll jetzt kein überheblicher Rat sein oder so, sondern einfach nur der versuch zu Helfen)

    Ich drück dich!

  4. Pampersfront Says:

    Liebe Kassiopeia! Ich weiß nicht, wie lange ich schon deinen Blog lese, ich glaub, seit du mit dem 2. Kind schwanger warst…ich hab so oft über deine Einträge gelacht, oft hatte ich wässrige Augen, als ich Einträge las, du schreibst mit soviel Gefühl und Liebe. Man merkt so sehr, dass deine Familie das wichtigste überhaupt ist, du bist mit Leib und Seele Mama, jede deiner Zeilen strömt das aus. Und jetzt zerreißt es mir fast das Herz, weil du hilflos bist, weil du trauerst, vielleicht auch keine Zeit hast zu trauern, weil der Alltag dich fest im Griff hat. Ihr habt euch so das Herzkind gewünscht und es ist nun nicht mehr da. Doch es hat einen festen Platz bei euch im Herzen. Auch wenn es schwerfällt loszulassen, es wird noch lange dauern, aber ich bin mir sicher, es wird bald wieder besser.

    Hilflose Worte, die ich da tippe…aber ich wollt dir nur sagen, dass ich oft an dich denke und dir einen Weg wünsche, mit der Trauer umzugehen. Genieß deine Familie, drück sie fest an dich…sie braucht dich…

  5. Fr. SchokoPerle Says:

    Mein Herz, mein Herz.

    Das weint und lacht mit deinem zusammen.

    Alles braucht seine Zeit und das ist auch gut so denn sonst würden wir ja nur noch auf der Überholspur leben.

  6. fishly Says:

    Ich kann dir nur Kraft wünschen, ganz viel Kraft.
    Manchmal ist es schöner, einfach hilflos zu sein, manchmal will man gar nicht die Kraft haben, die es braucht um mit allem fertig zu werden. Das kenne ich. Aber du hast diese Kraft. Du wirst das durchstehen. Wenn du Hilfe brauchst, dann wirst du welche finden und du bist klug genug den Zeitpunkt zu erkennen.
    Ich denke oft an dich.

  7. Souffleurlos Says:

    […] Hüten und Bewahren der Erinnerungen. Mir fehlt eine Kiste für diese Sachen. Das spüre ich. Das Bild oben im Flur tut mir gut. Es fühlt sich richtig dort an. Es ist als hätte mein Herz nur darauf […]

  8. kassiopeia Says:

    @Pampersfront: Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich deine Worte bewegt haben. Und ich konnte irgendwie so gar nichts darauf sagen. Ich bin es immer noch. Genau die selbe. Nur ein Teil fehlt. Danke. Es hat mich einfach richtig berührt…