Statistiken und Realität

Vor zwei, drei Nächten konnte ich nachts nicht schlafen, ich stöberte so durch die Weiten des
Netz und stieß dabei sehr oft auf den Satz: „Jede fünfte Schwangerschaft endet in einer Fehlgeburt.“
Ein bißchen unheimlich wie das nun auf unsere Familie passt. Aber auch lässt es mich hoffen.
Ich habe noch sehr genau die Gesichter meiner Schwiegermama und das meiner Still-Hebamme
vor Augen wie unheimlich glücklich und sie erleichtert waren, dass die vierte Geburt so gut
und teilweise auch glimpflich abgelaufen ist. Sie waren einfach froh. Mich hat das damals ein
bißchen geschockt, natürlich war ich auch froh, aber anders. Die Damen vom Fach, beide
Hebammen haben einfach mehr Erfahrung und unabhängig von beiden, hörte ich, was für ein
unheimliches Glück wir mit unseren Kindern gehabt hätten und dieses wäre eben auch nicht
selbstverständlich. Das wusste ich auch, aber denken und von quasi Dritten hören sind zwei
paar Schuhe.
Mir der Fehlgeburt ist eigentlich genau das passiert, wovor ich mich immer fürchtete. Ich hatte
immer Angst. Die voran gegangenen Schwangerschaften waren ja nie mehr so wirklich ohne
Probleme und ich fürchtete mich sehr davor, dass mein Körper nun ganz gleich zu Beginn
kapituliert und das hat er ja in gewisser Weise getan. Eine Urangst von mir quasi. Aber schon
immer war für uns klar, wir wollen es probieren. Wir wollen noch einmal alles in die Waagschale
werfen und noch ein Kind. Und ich muss wohl akzeptieren, dass zu diesem Wagemut auch
gehört zu verlieren. Und ich habe verloren. Mein Kind. Ich kann nun einfach zufrieden sein
endlich mit dem was ich habe. Aber der Wunsch ist immer noch der gleiche und wir wollen es
noch immer probieren. Wir wünschen uns ein Kind. Und das Kind das ich hatte, hat mich nur
kurz gestreift, einmal geküsst und weg war es wieder.
Ich weiß nicht, was die Zukunft uns bringt. Ich versuche mich nicht darauf zu versteifen, aber
das ist auch ein Ding der Unmöglichkeit irgendwie, denn Kinder sind ein großer Teil unseres
Lebens, meines Lebens.
„Du kannst überhaupt nichts tun.“ sprach der Gatte gestern Abend. Und er hat recht. Das ist gar
nicht so bedrückend wie sich das auf den ersten Blick liest, auch ein Stück befreiend. Ich kann
einfach nichts tun. Gar nichts.

2 Responses to “Statistiken und Realität”

  1. bora Says:

    Ich habe selsbt noch kein baby verloren, dachte aber bei meinem dritten Kind, ich hätte es, weil ich zu bluten begann. Ich legte mich abends schlafen im Glaube, das wäre jetztvdas Ende dieser SS und war einfach nur… erschlagen. Meine Mutter hat 8 Kinder gesund zur Welt gebracht, aber wohl fast ebenso viele gehen lassen müssen… das habe ich zum Teil miterlebt, zum Teil erzählt bekommen. Merwürdig, dass Schwagerschaften trotzdem in unserer Gesellschaft als etwas so zutiefst rosarotes behandelt werden, nicht? Irgendwie kommt empfinde ich es manchmal wirklich als belastend , wie selbstverständlich und… ungetrübt das Bild ist, das immer wieder hochgehalten wird. Ich selber habe auch echt Angst vor einer neuen Schwangerschaft! Ich fühle mich dann krank und die Furcht, es gehenlassen zu müssen, macht einem auch nicht beschwingter…
    Ich kenne eine Frau mit 11 Kindern. Sie LIEBT das Muttersein. Jedes ihrer Kinder ist INTENSIVST erbetet. Auch sie hat Kinder verloren und sagt mir immer wieder : „Aber es ist einfach all das wert:“
    Ich wünsche dir unbekannterweise viel Mut und Hoffnung für einen weiteren „Versuch“ (klingt jetzt einbisschen blöd, so wie wenn das Kinderkriegen eine Art Sport wäre, tut mir Leid). Und dass es gut geht und dein Baby bleiben wird!
    herzlich Bora aus der Schweiz

  2. kassiopeia Says:

    Danke. Einfach danke. Weil es das Gefühl gibt, dass es trotzdem wird. Und wie eine Freundin zu mir sagte, wenn wir es nicht schon riskiert hätten, hätten wir all das hier nicht. Also hoffe ich.
    Denn es IST all das wert.