Drüber nachgedacht

Konflikte gibt es, glaub ich immer, ob unter Familie, Freunden oder nur Bekannten. Man ist sich nicht
immer eins. Ganz normal. Man wird verletzlich, sobald man sich öffnet, andere Menschen ins sein
Leben lässt und ihnen vertraut. Man wird unheimlich viel zurück bekommen, wenn man sich
traut, aber manchmal erlebt man eben auch Rückschläge, wenn man sich öffnet. Ganz normal.
Ich habe würde ich sagen, ein Elefantengedächtnis. Das hat meine Tochter auch, von mir nehm ich an,
auch sie vergisst einfach nichts. Aber es gibt da eine wunderbare Eigenschaft an Menschen, nämlich
verzeihen. Und das ist das wohl schönste, was man anderen mitunter schenken kann. Wenn man
denn um Verzeihung gebeten wird, einfach die schlechte Erinnerung nicht zu vergessen, aber es
einfach gut sein zu lassen.
Und dann gibt es noch eine Fähigkeit, die mir im Leben sehr wichtig ist. Ich nenne es jetzt mal
Weitblick. Das große Ganze sehen. Ich bin nicht davon frei andere Menschen zu verletzen und
bekomme auch hin und wieder ordentlich Breitseite zum Verdauen, aber ich sehe das große Ganze.
Ich versuche es. Will heißen, auch wenn ich vielleicht vom aktuellen Geschehen verletzt bin, würde
ich niemals im Leben vergessen, was derjenige mal für mich getan hat, einfach durch kleine
Gesten, Worte oder auch Dasein. Vielleicht kommt mir dabei zu Gute, dass ich mich gern
erinnere und die Vergangenheit weitest gehend schön in Erinnerung habe oder zumindest fügte
es sich alles immer zum Guten, mir bedeutet das sehr viel, diese Bewahren der guten Taten, dem
Erinnern daran.
Und so ist es nicht verwunderlich, wenn ich erlebe wie mein Gegenüber plötzlich alles vergessen
hat, all das Miteinander einfach über Bord wirft, sich auf ein spezielles Ereignis stürzt und vergisst,
als hätte man Amnesie, ich einfach fassungslos daneben stehe und es einfach nicht glauben kann.
Da wird Kontakt plötzlich mal ganz abgebrochen. Weil man interpretiert, in nicht gesagtem, nicht
geschriebenem, nicht angerufenem, wenn plötzlich abgewogen wird, ob sich das lohnt, schließlich
komme ja nichts zurück. Sicherlich auch weil man verletzt ist, aber wem ist damit geholfen? Könnte
doch alles nur ne schlechte Phase oder ne Durststrecke sein. Kann man immer gleich stark durch
powern? An jeder Stelle? Muss man das? Ist man nur dann ein guter Verwandter, Freund oder
Bekannter?
Ich könnte das nicht. Alles aufgeben und wegschmeißen. Auch wenn ich vielleicht nicht aktiv bin, weil
es an Zeit mangelt. Und gute Vorsätze sind da sehr viel wert. Ich könnte das nicht. All das vergessen.
Trotzdem denke ich liebevoll zurück. Sich grämen bringt einfach gar nichts, niemanden.

7 Responses to “Drüber nachgedacht”

  1. kiwi Says:

    danke. ein wunderbarer beitrag, der mir aus der seele spricht.
    (nur das elefantengedächtnis habe ich nicht, darum beneide ich sie ein bißchen :o) )

  2. isabella Says:

    hm.

    wenn mir das nur auch gelingen würde…

  3. kassiopeia Says:

    @Isabella: HEY! Zeit für gute Vorsätze :) Nein im ernst, ich bin ja nun nicht Heilig, aber ich erinnere mich lieber an die guten Sachen :) Das ist mein Temperament.

    @Kiwi: Vielen Dank :) Aber ich warte ja auf Kritik und Abers. Ich haderte ja selber sehr mit mir vorm Veröffentlichen. Aber es riss mich heute so mit. Und ich vergess wirklich kaum was. Also es sei denn ich hab was verbockt, gell :)

  4. LiaMia Says:

    Wahre Worte, über die glaube ich jede/r mal nachdenken sollte. Danke für’s Anregen!

  5. Wolfram Says:

    @kiwi: Vergessen können ist auch manchmal eine Gnade… wenn man die richtigen Dinge vergißt. ;)

  6. kassiopeia Says:

    @Wolfram: So wahr… :)

  7. kiwi Says:

    @Wolfram: jep, wunderbare Sache, das, zweifellos!
    Wenn man jedoch einen Partner hat, der einen mit geschichtsträchtigen Daten nur so erschlägt, hätte man manchmal auch ganz gern die Möglichkeit, mit Erinnerungen „gegen“ zu argumentieren ;)