Archive for März, 2011

Von Tälern, Bächen, Spiralen und Wegen.

Sonntag, März 27th, 2011

Ich bin so unendlich müde und viel lieber würde ich mich hinlegen und schlafen, weil Schlaf so
ein Segen ist. Ich will gar nicht hier sitzen und schreiben. Aber ich tue es dennoch- für mich.
Denn wenn ich es heute nicht tue, dann morgen auch nicht und übermorgen nicht und so
weiter. Es wird einfach nur mehr. Und ich will es ja runterschreiben, nicht sammeln. Ich will es
nicht vergessen und gleichzeitig nicht darunter begraben liegen.

Im letzten Jahr kurz vor dem Einzug, ich glaube im April kaufte ich zusammen mit meiner
Schwiegermama zwei Bäume. Die Blutpflaume, setzte ich in unseren kleinen Vorgarten und da
wuchs sie prächtig. Nur blühen sehen habe ich sie noch nie. Die ganzen letzten Wochen und
Tage habe ich mich gefragt, wann man endlich die rosa farbenen Blüten in unserem Vorgarten
bewundern könnte und die Narzissen, die ich letztes Jahr nach der Blüte dort setzte, wuchsen
und wuchsen, nur blüten sie nicht. Heute. Ausgerechnet in diesen Tagen räume ich in Ruhe
geistesabwesend am späten Nachmittag den Kram in der Küche auf stehe draußen im Regen,
endlich Regen denke ich mir noch, drehe mich um und da sind die Narzissen. Und sogar der
Baum zeigt erste Knospen. Die Luft riecht gut, ich stehe da in all meinem Kummer, fassungslos,
sehe das Leben, die Farben und spüre den noch leichten Regenschauer. Der Himmel weint
endlich.

Vor drei Tagen nun schon wartete ich auf meinen Ultraschall. Einen der sich für immer in mein
Herz einbrennen wird. Das letzte Mal sah ich unser Kind in der 12. Schwangerschaftswoche
lebendig. (Ich möchte an dieser Stelle aufklären, dass ich mit Absicht anders rechnete als meine
Ärztin, eigentlich mit Hinblick auf die Geburt.) Und so wie es diesen Mittwoch aussah lebte und
wuchs es weiterhin, bis ich eben in der 14. Schwangerschaftswoche sah, dass unser Kind nur noch
leblos in mir schwamm ohne Herzschlag. Es muss beinah einen Wimpernschlag vorher aufgehört
haben zu schlagen. Gott sei Dank, ich möchte mir nicht, nein es wäre ebenso schrecklich gewesen.

Ich hatte einen Tag Zeit mich zu Verabschieden. Was kein Verabschieden war. Mein Kind war tot
in mir. Es schien so fern. Schon so weit weg. Aber ich lief und stand immer noch wie eine Schwangere
und streichelte noch immer unbewusst über meinen toten Bauch. Ich saß im Garten, die Sonne war
viel zu hell, warm aber sie blendete mich. Ich sah meine Kinder spielen und konnte nur an dieses
eine (zweite) denken, dass ich niemals festhalten würde können, das ich niemals riechen würde
können, niemals würde aufwachsen sehen. Ein Loch im Herzen. So groß wie das erste. Ich fühlte
keinen Unterschied zum diesem erst so nahem ersten Verlust.
Ich ging ins Bett und versuchte mir ins Bewusstsein zu rufen, dass es das letzte Mal in dieser
sechsten Schwangerschaft sein würde, dass ich hier mit meinem Kind einschlafen würde. Aber es
ging nicht, es erreichte mich nicht, es kam nicht näher. Ich konnte es nicht fühlen, diesen Abschied.
Ich wollte ihn nicht. Ich mochte kein Foto machen, weil doch das Kind schon nicht mehr lebte in mir.
Es schien mir falsch eines zu machen als Erinnerung. Also ging ich an diesem Donnerstag ins Bett,
mit dieser Taubheit, dieser Trauer- es war schon alles das letzte Mal gewesen.

Der nächste Morgen- Freitag war nur chaotisch, laut, unlieb, angespannt. Als alle fünf aus dem
Haus fahren, kam die erste Welle, die mich wirklich erbarmungslos mitriss. Ich war allein. Ich hatte
Angst. Ich hatte keine Ahnung von dem Weg der vor mir lag. Und ich bemerkte, wie wenig Zeit mir
noch blieb mit meinem Kind in mir, hier zu Hause und um zu gehen. Mir fiel wirklich das erste Mal
auf, dass ich eine Tasche packen müsste. Und ich lief von da an nur noch wirr durch das Haus
treppauf, treppab. Ich fühlte mich so allein. Ich überlegte immer wieder, was ich brauchen könnte,
mir fiel so wenig ein. Ich war so planlos. Ich lief hin und her. Schluchzte immer wieder. Es liefen die
ganze Zeit Tränen in meinem Gesicht. Ich wollte nicht. Das alles wollte ich nicht. Um 8.45Uhr schloss
ich die Türe hinter mir, mit der Hand auf dem Bauch. Wir gehen jetzt.

Ich betrete das Klinikum durch den Eingang, durch den ich wie schon bei Bens Geburt lieber Monate
später gegangen wäre, hole tief Luft, weil keine da ist und drücke den Knopf für den Fahrstuhl.
Schicke ein Stoßgebet in den Himmel, es mögen nicht gerade zum Frühstück alle Wöchnerinnen
genau dort sitzen. Der gläserne Fahrstuhl fährt hoch und ich sehe eine Frau. Der Moment in dem
ich beschließe diese Ecke komplett auszublenden. Ich stürze mich auf die Tür neben der Sekretariat
steht und klopfe an diese um 9Uhr und trete ein.

Es beginnt. Nun bin ich anderen Menschen mit all meinen Gefühlen wohl hilflos ausgeliefert. Die Dame
vor mir, schnackt am Telefon mit einer Freundin, bis sie das Telefonat beendet, weil sie arbeiten muss.
Mir wird bang. Ich reiche meine Papiere. Zwei Stück, die ich am Mittwoch gleich mitbekam, weil falls ich
zu Bluten beginnen sollte, diese Papiere dann sofort und umgehend mit in die Klinik nehmen müsste.
Das eine Papier ist der Narkosebogen, das andere die Anweisung für eine Kürettage. Es ist auf dem
Papier sogar angekreuzt warum der Eingriff vorgenommen wird. Es gibt nicht viel Raum für Fragen.
Die ich auch nicht hören oder beantworten will. Die Dame fragt mich nach meinem Mutterpass und der
Schwangerschaftswoche. Ich habe diesen dabei, obwohl mich niemand darauf hinwies ich könnte ihn
brauchen, überreiche ihn und höre mich sagen: „14. Schwangerschaftswoche.“ Und dann fragt sie mich
wirklich warum ich da wäre. Ich hole tief Luft, ganz tief. Und höre mich erneut sprechen: „Das Baby
ist gestorben. Und soll heraus geholt werden.“ Die Dame wird bleich. Und sagt zu mir, so etwas müsse
ich ihr doch sagen. Obwohl es schwarz auf weiß vor ihr steht. Jetzt fragt sie mich nach meinem
Überweisungsschein, den ich nicht habe. Den bräuchte ich doch aber unbedingt. Mir wird bang. Ich
stammele, dass Dr. D mich doch geschickt hat, nur mit den zwei Blättern. Dann ein Aufatmen: „Ach so,
wenn sie Patientin von Dr. D sind brauchen sie den doch nicht. Nehmen Sie doch draußen noch einmal
kurz Platz.“ Ich verlasse den Raum, setze mich und bete, die Türen des Kreisssaals genau neben mir
mögen sich jetzt bitte nicht öffnen.

Schon rauscht der Oberarzt an mir vorbei ins Sekretariat und gleich wieder raus zu mir. Rein ins
Nebenzimmer. Das erste was der nette, ältere Arzt sagt ist: „Ich weiß nicht, ob sie heute noch dran
kommen.“ Ich ringe mit meiner Selbstbeherrschung. Ich habe Schmerzen. Ich kann nicht mehr.
Er geht kurz, meine ich und kommt wieder. Es wäre so, er wüsste nicht genau, wann sie mich operieren
können heute, aber ich werde reingeschoben. Es folgt das erste längere Gespräch. Im Anschluss soll
ich meine Blase leeren und mich entkleiden. Ich wurde untersucht, warum auch immer, denn es war
sehr schmerzhaft schon. Und fragt mich während dessen, ob alle Kinder von ein und dem selben
Vater seien. Es ging ihm dabei aber nicht um Voyeurismus, sondern im Genetik. Es wäre eben komisch,
dass alle vier Kinder gesund und munter hinter einander in so kurzen Abständen kommen und dann
klappt es zweimal hintereinander nicht. Als ich ihm dann sagte, dass alle vom gleichen Mann wären,
sagte er nun: „Dann war es ein dummer Zufall.“ Ja. Im Anschluss an die Untersuchung gab es noch
einen Schall. Ich habe schon wirklich sehr viele Ultraschalle erlebt. Ich sah es sofort. Es hatte sich schon
sehr viel verändert seit Mittwoch, dass konnte ich einfach sehen. Das erste was er sagte war: „Nein,
das ist definitiv keine Schwangerschaft, die mehr in Ordnung ist.“ Der Arzt hatte große Schwierigkeiten
unser Kind zu messen. Er versuchte es mehrere Male indem er das tote Kind durch äußeren Druck
versuchte in eine andere Position zu bringen. Es gelang ihm nicht gut. Er sprach davon, dass die
Eihülle sich schon entrundet hatte, sie war eingefallen. Das war der Moment in dem ich nachhakte:
„Also hat mein Körper verstanden, dass das Kind nicht mehr lebt?“ Ja. Er arbeitet. Ich war erleichtert.
Mein Körper ließ mich nicht im Stich.
Ich konnte aber so unser Kind noch einmal sehen. Das letzte Mal. Als ich wieder angezogen war
und der Arzt gerade zur Tür raus war, ging ich zum Ultraschall Monitor, küsste zwei Finger und fuhr
voller Liebe über das Bild meines Kindes. Ein allerletztes Mal.

Der wirklich nette Arzt erklärte mir den Eingriff und auch die Risiken. Es sagte wörtlich, dass es
normale Weise ein „Pipifax“ OP wäre, komplikationslos in der 8. oder 9. Schwangerschaftswoche in
10 Minuten. Ohne große Risiken für die Frauen. Er meinte es nicht bös, das merkte ich, er versuchte
mir nur klar zu machen, dass es in diesem Stadium der Schwangerschaft einfach wirklich und tatsächlich
ein höheres Risiko für mich gäbe. Ich sah in dem Gesicht des erfahrenen Arztes, dass er es ernst
meinte. Er sah nicht glücklich aus. Er nahm sich auch die Zeit mir zu erklären warum.
Dann waren wir schon beim Ablauf. Ich bekäme ein Prostaglandin gelegt, damit der Muttermund
weicher wird. Das würde es für die Ärzte und somit auch für mich erleichtern. Im OP nehme man
Stiftähnliche Instrumente, die man in den Muttermund führt. Diese Stifte würden immer größer
werden bis man gut genug in die Gebärmutter käme, dort würde die Kürette eingeführt wo sich
„die Schwangerschaft“ befindet.
Ich verstand alles sehr gut. Und ich ahnte, was mich mit dem Zäpfchen erwartete. Ich hatte auch
schon gut Schmerzen die ganze Zeit, ich sollte eben erstmal abwarten. Aber ich hatte zwei
Einleitungen hinter mir. Ich kannte meinen Körper unter der Geburt.
Wir kamen dann zurück zu meinen Papieren und ich sagte, dass wir keine genetische Untersuchung
wollten, worauf hin ich erfuhr, dass wir das auch nicht tun sollten, da wir dafür selbst aufkommen
müssten, weil die deutschen Krankenkassen erst nach der dritten Fehlgeburt in Folge diese
Untersuchung übernehmen würden. Dann kam mein Mann. Genau richtig. Und teilte dem Oberarzt
mit, dass wir das Baby gern selbst bestatten würden wollen. Man klärte uns noch einmal auf, es
wäre sonst wirklich so, dass alle Embryos und Föten beim Pathologen gesammelt und dann
gemeinsam in München begraben werden würde. Ich weiß objektiv, dass das eine tolle Sache ist,
die es noch nicht lange gibt, Eltern können dort trauern, aber bei diesem Wort schüttelte es mich:
„Gesammelt.“ Das kam einfach für uns nicht in Frage, wir wollen hier einen Ort haben. Wir brauchen
diesen Ort. Wir brauchen dieses Abschied nehmen. Allein. Nicht gesammelt. Das war der Moment,
wo der Arzt hektisch wurde. Es war wichtig dafür alle Papiere zu sammeln und ich bete wirklich
an dieser Stelle, dass das alles geklappt hat. Ich teilte dem Arzt mit, dass sollte das Kind als solches
noch erkennbar sein, würde ich es sehen wollen, er versprach mir, auch das nicht zu vergessen.
Aber ich ahnte auch hier, dass ich darauf wohl verzichten würde müssen.

Er brauchte uns persönlich auf die Station, rief eine Schwester, fragte nach dem Papier für den
Pathologen. Es war ihm wirklich wichtig. Das tat so gut. Er verabschiedete sich mit den Worten,
wenn es zu bluten beginnen würde, wäre ich sofort dran. Die nette Schwester brachte mich auf
mein Zimmer, fragte nach der Schwangerschaftswoche und dem Rhesusfaktor. Ich stotterte nur:
„Der normale. Da wo man nichts machen muss.“ Ich verwechsle diesen Faktor seit sechs
Schwangerschaften. An dieser konfusen Stelle, nahm mich die Schwester einfach in den Arm.
Sie legte mir ein Nachthemd hin und Strümpfe und bat mich diese Sachen anzuziehen. Die
Ärztin käme gleich.

Die Ärztin kam, legte einen Zugang. Ich weiß gar nicht, wann ich den letzten hatte, bei Bens
Geburt befürchte ich. Ich hab ganz vergessen wie weh das tut. Ich sagte mir nur wieder wie
schon bei der Untersuchung zuvor und bei denen die noch folgten, es könne jetzt einfach nichts
mehr so wehtun oder schlimm sein, wie das was passiert ist und dann ging es. Dann war es
nur noch wie ein Rauschen neben mir. Sie nahm Blut während der Venenstauung fürs Labor
ab und verschwand dann wieder. Nils und Ben verschwanden auch. Auf dem Weg zum
Bestatter.

Die Schwester kam und legte mir auf eigenen Wunsch einen schönen Tropf, denn ich hatte seit
über 13 Stunden nichts mehr getrunken. Und fragte, ob die Ärztin mir schon das Zäpfchen
gelegt hatte. Hatte sie nicht, aber sie wurde mir erneut geschickt und legte um 10.30Uhr
das Zäpfchen. Ich sollte bitte zwei Stunden liegen, damit das Mittel bleibt wo es ist. Kurze Zeit
später wurden die Schmerzen, die ich gehabt hatte ganz langsam stärker und ich wusste dann
schon, was mich erwartete. Ich wusste es die ganze Zeit.

Um 11Uhr klopft es an meine Tür und da steht plötzlich meine Freundin im Raum. Sie hatte
Nils beim gehen gesehen und im Haus ein Vorstellungsgespräch gehabt. Sie hatte Tränen in
den Augen und saß fast eine Stunde an meinem Bett. Es tat so gut sie zu sehen. Ich war nicht
allein. Sie hatte mir schon eine so menschliche SMS geschickt, nach meiner SMS (anders konnte
ich es den Menschen nicht sagen, es ging nicht. Mich gibt es gerade nur auf einem Kanal und
der heißt Raus.) Sie erzählte, sie hätte meine SMS beim Radlfahren bekommen und musste
absteigen, konnte nicht weiter fahren. Sie hatte sich gefreut von mir zu lesen, und dann das.
Wir redeten und weinten zusammen. Sie wäre Patin geworden. Bevor sie ging, sagte sie
dass sie ganz fest daran glaubt, dass wir eines Tages wieder zusammen in der Kirche stehen
um ein Kind taufen zu lassen. Sie sagte auch, sie hatte nach mir gefragt und gehofft sie würde
an meinem Gesicht sehen, ob sie bleiben oder gehen sollte. Keiner weiß wie mit uns umgehen,
nicht mal wir selbst wissen es. Aber man ist für uns da. Man denkt an uns. Überall.
Seelenbalsam. Kleine, winzig kleine Lichter in der Dunkelheit.

Als sie ging, nein schon während sie da war, wurde es schlimm, aber als sie weg war, begann
ich zu pusten. Nicht ganz zwei Stunden geschafft zu liegen, ich musste zur Toilette und
hatte solche Schmerzen. Meine Zimmernachbarin klingelte nach der Schwester, die kam und
mir Buscopan an den Tropf hing. Es half nicht. Das waren Wehen. Niemand hatte hier daran
gedacht, aber ich. Es ist mein sechstes Kind in nicht ganz sieben Jahren. Es war die fünfte
Geburt. Es ging schnell. Der Körper arbeitete mit. Er wusste, was zu tun ist. Die Wehen wurden
so stark, dass ich nur noch atmete. Ich fühlte, dass sich etwas tat. Es zog wie schon bei der
letzten Geburt so stark in den unteren Rücken. Ich war wie in Trance. Atmen. Ich fühlte mich
so allein. Und ich wusste nicht, hätte auch nicht die Kraft gehabt den Menschen zu erklären,
dass das Wehen sind. Das ich meinen Körper kenne. Ich klingel freiwillig nach der Schwester.
Und eine Welle nach der anderen nimmt mich mit und es fließen die Tränen. Eine Frau schrieb
mir die Tage, es gäbe keine Fehlgeburten. Eine Geburt sei eine Geburt. Aber das stimmt nicht,
selbst unter diesen Schmerzen wurde mir klar, dass ich nicht mit jeder Wehe meinem Kind
näher komme, sondern mich von ihm verabschiede. Das tat so unglaublich weh und ich wusste,
ich könnte das nur allein.

Um 13.30Uhr setzte die Blutung ein. Ich hatte es gefühlt. Ich hatte gefühlt wie mein Körper
gearbeitet hatte. Man informierte die Ärztin, die kam und mich untersuchte und nur meinte, so
schlimm wäre es nicht. Es könne noch warten. Ich pustete und musste mit anhören wie die
Schwester mit Schmerzmitteln knauserte als die Ärztin meinte, ich solle den Würzburger Tropf
bekommen. „Schmerzen soll sie ja nun nicht haben.“, sagte die Ärztin. Aber die hatte ich auch
mit diesem Tropf. Wehen sind Wehen und ich wusste, diese Schmerzen in den voran gegangenen
Tagen, dass war nicht das Hämatom, dass war ich.

Trotzdem hätte ich unter diesen Schmerzen nie allein sein wollen, zu Hause. Allein ohne OP
könnten ebenso Reste verbleiben in der Gebärmutter und sich entzünden, dass wollte ich nicht. Es
war der Mittelweg wie immer. Ich hatte für mich entschieden. Ich arbeitete…

Kurz vor 14Uhr wurde ich doch plötzlich runter gefahren. Vorbei am Schwesternzimmer, halbe
Übergabe an eine andere Schwester, die wie alle anderen zuvor, sehr lieb schaute und mich
streichelte, in den Fahrstuhl hinein. Auf dem Weg, war sie plötzlich da: Die Angst- nicht um
mich. Ich musste nun wirklich loslassen. Es war vorbei. Und bei allem Verstand, bei aller Klarheit,
dass mein Kind schon nicht mehr bei mir war, sondern nur sein Körper tat es so unendlich weh
und ich wollte das nicht. Wann könnte eine Mutter jemals soweit sein, ihr Kind gehen zu lassen?
Ich hielt meinen Bauch, es ging nicht anders. Vorbei an Patienten der Aufwachstation.
Auch hier kümmerte man sich sehr liebevoll um mich. Die Anästhesistin hatte meinen Bogen
aufmerksam gelesen und streichelte meine Hand, sprach mit mir und klärte mich auf. Man
würde intubieren. Ich würde dann hier wieder aufwachen und falls alles gut wäre, könnte ich
heim, so wie der Oberarzt es am Morgen schon einmal sagte, falls es stärker bluten sollte,
sollte ich zu meiner Sicherheit lieber eine Nacht zur Beobachtung bleiben. Ich hatte mich
schon am morgen darauf eingestellt, dass es wohl zu diesem Zeitpunkt und mit dem Gesicht
und der Erfahrung des Oberarztes darauf hinaus laufen würde, dass ich bleibe und es war okay.

Und dann ging es schon los. Ich wurde kurz nach 14Uhr geholt, umgebettet und noch einmal
flossen die Tränen. Ich sprach innerlich mit meinem Kind. Es ging nicht anders. Da war keine
Vernunft. Man schob mich in eine Art Warteraum wo sich ganz kurz eine Frau Dr. W vorstellte
und wieder verschwand und kurze Zeit später kam ich in den OP. Ich hörte die Schwestern
schimpften über das Bett, ich wurde verkabelt, meine Position wurde verändert, meine Arme
wurden genommen für Plus und Blutdruck und schon war da wieder die Ärztin, ein anderer
Arzt kam und fragte mich, ob es so ginge. Ich sah den Oberarzt Position beziehen und schon
setzte man mir ein kalte Spritze und ich spürte wie es mir den Boden wegriss. Das wäre die
Narkose. Die Narkoseärztin fragte, wie weit ich wäre. Ich sagte 14. Schwangerschaftswoche
und ich sah wieder diesen Blick. Erstes Kind, fragte sie und ich sagte nein. Sie haben schon eins
und ich sagte nur noch Ja. Sechs, Fünf, Drei und Ein Jahr alt. Sie hatte mich nicht verstanden
und die Narkoseschwester übersetzte. Noch in diesen Minuten konnte ich es hören: „Vier
Kinder?“ Ja und noch immer huschte da wieder wie jedes Mal dieses Lächeln über mein Gesicht.“
Ich glitt weiter weg und sagte nur noch: „Denken Sie bitte daran, wir wollen das Kind selbst
beerdigen.“ und ich hörte nur noch wie die Schwester auch das noch einmal wiederholen musste
und schon war da die Maske und ich war weg.

Als ich eine Stunde später aufwachte war es kurz nach drei. Es hatte lang gedauert schien mir.
Die Tränen liefen. Es war vorbei. Mein Kind war weg.

Ich konnte meine Augen kaum offen halten, und das erste was ich sah war mein Blutdruck von
80/40. Alle paar Minuten wurde der neu gemessen und er wurde nicht höher als 90/50 bis
ich hoch gebracht wurde. Es piepte überall. Meine Augen waren so unglaublich schwer und ich
bekam sie kaum auf. Aber es war zuviel los, zu laut um zu schlafen. Irgendwann kam jemand
und fragte nach Schmerzen. Ich hatte welche, das war das Mittel, dass die Gebärmutter
zusammen zog, aber ein Schmerzmittel bekam ich trotzdem. Tramal ist toll.

Erste eine weitere Stunde später als eine Frau nur noch schrie, wurde ich geholt, denn die Ärztin
kam kurz vorbei und meinte ich sollte bei dem Blutverlust lieber eine Nacht bleiben. So wie
ich mich fühlte, war das auch gar kein Problem. Die liebe Schwester die mich kurz zuvor
gestreichelt hatte, brachte mich hoch. Und dort sah ich dann meine Schwiegermama. Es war
schön, ihr Gesicht zu sehen. Man untersuchte mich, ich kann mich aber nicht erinnern, ob man
Blutdruck miss. Ich war noch nicht so richtig da. Ich versuchte mein Hirn anzukurbeln, denn Nils
sollte noch vorbei kommen können und mir etwas bringen, ein paar Sachen hatte ich vergessen,
anderes wäre ambulant nicht nötig gewesen. Meine Schwiegermama ging.

Nils kam. Und es tat so gut ihn endlich, endlich wieder zu sehen. Es war Seelenbalsam. Er erzählte
mir von seinem Tag, von den Kindern, von der Beerdigung. Es hatte erstmal alles Anmelden
geklappt. Eine Lebensspirale soll es hier geben. Einen Stein mit Namen wird es geben. Das klang
schön.

Aber eigentlich war schön nicht das richtige Wort. Niemand möchte die Beerdigung seines Kindes
planen müssen. Wir müssen das. Ich kann es immer noch nicht glauben.

..

Das Abendessen kam. Nils ging. Und ich wollte nichts essen. Nach all den Jahren sind Kummer
und Hungern so mit einander verknüpft. Aber ich wollte das nicht. Also aß ich. Und ich konnte
schlafen. Nachdem die Abendvisite gemacht wurde. Und das Tramal nicht mehr wirkte, bekam ich
eine Ibo. Nicht für wie gedacht für meinen Unterleib, sondern für meinen Zahn, der nun hämmerte.
Der Zahn. Immer noch der Zahn. Ich wurde wütend. Und gleich wieder gleichgültig, dann eben
so. Dann wird er gezogen. Zwei Kinder verloren in dieser Zeit mit diesem Zahn, ich mag ihn nicht
mehr in mir haben. Die Schmerzmittel wirkten und ich schlief bis alle zwei Stunden jemand kam
und Blutdruck maß und die Blutung überwachte. Jedes Mal wurde ich gefragt, ob mein Blutdruck
immer so niedrig wäre, aber das ist und bleibt er eben- im Keller.

Halb sechs war ich wach. Es ging mir körperlich gut. Die Op wurde wohl sehr gut und gründlich
gemacht, es blutete fast nicht mehr. Alles leer. Das mag nicht für jeden verständlich sein, aber
nachdem ich im Dezember das Gefühl hatte, ich spülte mein Kind ins Klo, wusste ich jetzt, es
liegt in Sicherheit beim Pathologen. Alles andere war egal. Das Ziehen, natürlich hatte ich so
etwas wie entbunden, das fühlte ich. Aber es war egal. Es tat nicht weh. Nicht so. Das Frühstück
kam und ich lag. Und dachte nach. Wie am Tag zuvor und die Stunden zuvor. Kleinigkeiten
fielen mir ein und immer wieder musste ich weinen. Ich überlegte welches Lied wir hören könnten
beim Abschied. Und ich überlegte ernsthaft, dem Kind keinen Namen zu geben, sondern dass es
weiterhin das Manschgal sein soll. Für immer, auch in Stein. Wir hatten zwar Namen. Aber ich
weiß nicht, niemand weiß genau, ob es ein Junge oder ein Mädchen war. Und die Hoffnung bleibt
doch wie im Dezember die gleiche, dass das Seelchen erneut zu uns findet- irgendwann.

Ich hörte Kinder. Ich hörte meine Kinder im Flur und Nils brachte mir Zoe. Und ging mit den
Jungs zum Friseur. Haare wachsen weiter. Der Kummer bleibt. Ich verbrachte eine schöne Zeit,
vor allem innig mit meiner einzigen Tochter. Bis eine Ärztin kam mir Blut abnahm fürs Labor,
um den Hb zu bestimmen. Und dann wurde ich gefragt, ob ich mit der Psychologin sprechen
würde wollen. Ich wollte nicht. Aber ich tat es trotzdem. Jedes Gespräch hat ein kleines Körnchen
von dem, was mich weiter trägt. So war es auch hier. Wir sprachen über Trauerarbeit in der Familie
und das jeder auf sich selbst achten muss, dringend und sich nicht selbst vergessen darf um den
anderen zu trösten, wir sprachen über die Kinder und ob unser Umgang zur Verarbeitung reicht,
wobei sie meinte, Kinder würden ganz anders damit umgehen und lebten anders als wir viel mehr
im hier und jetzt und wir sprachen über Ängste und das man sich nicht von ihnen lähmen lassen
sollte, keine Entscheidungen aus Angst treffen sollte. Sie sagte auch Dinge, die ich nicht so sehe
wie sie. Dieses Kind ist nicht mehr hier. Sie meinte es wäre da. Aber das sehe ich anders. Es ist fort.
Dennoch hat es mich veranlasst, diese Aussage heute eine Entscheidung zu treffen, die unser Leben
beeinflussen wird. Sie ermutigte mich außerdem zu fragen, warum ich mein Kind nicht gesehen hatte.
Aber ich kannte die Antwort.
Ich hörte wenig später, dass was ich nicht hören wollte, nahm meine Sachen und ging zu meiner
Familie vorbei an weinenden Babies, der Intensivstation auf der Noah gelegen hatte und weinte.
Weil es vorbei war. Weil mein Kind hier blieb. Und ich ging. Gehen musste.

Wir liefen heim und ich merkte dann kurz vor zu Hause, was mein Körper mir mitteilte. Ich
hatte ein Kind bekommen. Ich konnte nicht gut laufen.
Zu Hause war die Anspannung unendlich groß wie schon am morgen zuvor beim Gehen. Die
Kinder waren durch den Wind und die Eltern nur noch mehr. Ich ging in die Küche. Einfach so.
Wollte etwas trinken, sah im farbigen Sicherheitsglas meinen Bauch und brach zusammen. Der
Bauch war weg. Einfach weg. Mein Kind war weg. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich es
so sehen könnte. Und ich hasste mich dafür, dass ich kein Foto machen konnte. Es war zu spät.

Der liebste Mann brachte uns ein Glas Sekt mit Holunderblütensirup der mich ganz umschloss,
wie die zwei Abende zuvor und schon im Dezember. Ich wurde schwer und müde. Mir wurde
irgendwas von Karla, Geld und Bloggern erzählt, mir wurden Emails gezeigt und auch wenn ich es
bisher noch nicht ganz verstehe, was da passiert (ein Kanal, der nach außen)… ich war dankbar
und überwältigt, aber es war alles so falsch… ich brauch erneut in Tränen aus.

Wir aßen Pizza. Ich ging ins Bett. Lag da das erste Mal allein. Und weinte wieder. Der Mann kam
kuschelte sich an, holte Ben. So lagen wir kurz, dann brachte er Ben in sein Bett und ging und ich
schlief einfach weg drei Stunden.

Ich erwachte als ein, wenn ich das so sagen darf, völlig überforderter Vater, weil er bisher groß
keine ruhige Zeit ohne Kinder hatte um zu Trauern, das Haus verließ um auf den Spielplatz
zugehen. Ich wusste nicht wohin mit mir. Hier bleiben und schreiben oder Dasein, mit gehen
trotz Schmerzen. Ich zog mich an und ging. Ich konnte den Mann so gut verstehen, schrieb der
Freundin aus dem Krankenhaus, ob es dabei bliebe und sie die Kinder holen könnte morgen.
Ich wollte bei meiner Familie sein.

Auf dem Spielplatz stritten wir uns, weil ich versuchte ihm klar zu machen, dass wir noch Zeit
brauchen. Er wollte „weglaufen“. Ich fragte mich das erste Mal wirklich ängstlich, ob wir das
schaffen, dieses Mal. Oder ob wir jetzt daran zerbrechen.

Eine Nachbarin kam plötzlich, fragte ob sie mich bitte umarmen dürfte, tat dies und sagte, sie
hätte es gehört und musste es schon dreimal durchleben. Ich weinte, erstickte fast in meinem
Schmerzen und krächze nur Dezember. Das wusste sie nicht. Sie ging und ich brach wieder
zusammen.

Mein Mann hielt mich. Ich war hier. Er war hier. Wir würden es schaffen.

Ab da wurde der Nachmittag erst besser. Soweit man das so in dieser Situation sagen kann. Ich
zog mich zurück. Packte erneut in meinem Leben eine kleine Kiste als Erinnerung. Und erst als
ich die Kinder dann ins Bett bringen wollte, verlor ich die Fassung. Und schrie ein Kind an. Ob
es denn nicht begriffen hätte? Ich schrie. Ich hatte Zahnschmerzen, Herzschmerzen und keine
Kraft für einen Schlagabtausch mit einem Kind, dass sich die Windeln wieder auszog. Ich weinte
anschließend. Über mich. Uns. Wie alles so zerbrach. Das Kind hatte es absurder Weise dann
erst verstanden. Ich tingelte im Anschluss noch mal und immer wieder zu jedem Kind und redete.
Und redete und redete. Und auch dieses Kind hatte verstanden. Ich verbrachte eine Ewigkeit
noch bei Zoe, nachdem ich Noah in den Schlaf gestreichelt hatte sprach mit ihr über Gott, den
Himmel, meine Fantasien bezüglich unserer zweier Kinder, Bestattungen und Verwesung.

Wer sagt, Kinder wären ein Segen um so etwas zu verarbeiten, der hat keine Ahnung wie unglaublich
brutal das Leben da ist, wie die Kinder einem keinen Raum lassen (können) um zu trauern,
weil sie weiter streiten, trotzen, hauen, jammern. Und man kann nicht mehr so wie vorher. Alles
hat seine Zeit. Auch wenn man durch sie lacht, sie verbrauchen Energie, die man nicht hat.
Ich bin froh um die Freundin, die morgen kommt und dafür sorgt, dass wir allein mit dem Kleinsten
Zeit haben. Das mein Mann mal Luft holen kann. Wir wollen wenn der Zahn es zulässt, auf den
Friedhof gehen und schauen, wo unser Kind beerdigt wird. Wir bleiben bei „Manschgal“ hatten
wir erst am Abend beschlossen als Familie. Endgültig.

Wofür ich mich heute entschlossen habe (durch die Psychologin) ist zukünftig die Geburtstage
der Kinder zu „feiern“.
Damit sie doch ein Stück weit bei uns bleiben. Aber es werden nie richtige Geburtstage sein.
Schon letztes Jahr, als ich mein Buch über Geburt in Angrifft nahm, scheiterte ich nicht nur an der
Zeit, die ich nicht mehr hatte, als der Mann plötzlich wieder normal arbeitete und ich einfach
am Abend ko war, plötzlich musste ich wieder vier Kinder allein versorgen und stillte abends den
Kleinsten in den Schlaf, sondern ich scheiterte an dem Kapitel über stille Geburten und Fehlgeburten.
Ich hatte all das bis dahin nicht erlebt und vielleicht war es Schicksal, dass ich es nicht tippen
konnte. Ich konnte keine Fragen stellen, weil ich nicht wusste welche. Es war alles so hohl. Und
das ist es noch. Aber eines. Eines blieb in Hirn und Herz:
Die Geburtstage, dieser besonderen Kinder. Es sind Tage, wie es sie sonst nicht gibt. Denn entgegen
eben jener Spirale des Lebens ist der Todestag (oder Zeitpunkt) dieser Kinder eher als der Tag
ihrer Geburt.

Wir werden nun also zweimal im Jahr Licht-Geburtstage feiern. Am 5. Dezember und am 25. März.

Im Garten steht seit letzter Woche eine gelbe Magnolie für das Herzkind. Ich hoffe, dass sich jemand
findet um mit mir noch eine weiße Magnolie für unser Manschgal zu holen, bevor sie zu blühen
beginnen. Das wäre schön. Trauerarbeit. Jeder Tag ein Schritt. Damit man nicht aufhört zu Atmen.

Ich habe jetzt vier Stunden an diesem Artikel gesessen und ich denke, mir alles runter geschrieben.
So offen und ehrlich wie ich es wollte. Es wird nie wieder gut. Es wird nur.

Tränen

Donnerstag, März 24th, 2011

Ein Drittel der Schwangerschaft war geschafft. Ein Drittel des Weges gegangen. Ein Drittel,
so nah am Kind. So weit schon. Und dann zieht es einem so den Boden weg. Den Tag habe
ich für mich bisher wie in Trance verbracht. Der schlimmste Moment war der, als wir es
gemeinsam den Kindern sagen mussten. Ich glaube, so schrecklich hab ich mich schon lange
nicht gefühlt. Zoe und Noah haben beide angefangen zu weinen und wir mussten sofort
halten, trösten, Tränen trocknen, Kuscheltiere bringen. Wobei Noah sich erstmal schnell
wieder beruhigte. Er trägt seine Gefühle nicht so sehr nach Außen, das ist nicht seine Art.
Umso schlimmer war es, als er nach dem Abendbrot beim Anblick der Kerze und des letzten
Ultraschallbild mit lebenden Kind (das letzte sah bisher nur ich an und das wird wohl auch
ein Leben lang so bleiben) wirklich in Tränen ausbrach. Ich hielt ihn nur fest, er wollte nicht
sprechen auch jetzt nicht, er weinte nur fürchterlich. Als ich ihn dann nach oben gebracht
hatte und den Papa noch mal zu Noah schickte, weinte Zoe erneut. Es ist fürchterlich. So
grausam.
Wir wollten den Kindern diese Liebe zum Geschwisterchen nicht nehmen. Es ihnen nicht
berauben und ich hätte nicht lügen können, als Noah mich vor ein paar Wochen gerade aus
fragte, ob ich ein Baby im Bauch hätte. Aber man möchte den Kindern das auch ersparen.
Möchte, aber man kann nicht. Wie auch? Lügen? Leise Weinen? Dieses Tragen des Kummers
durch die ganze Familie, dieses Luft anhalten, das weinen und sich hilflos fühlen und unendlich
Traurigsein, ist schrecklich. Es ist nichts mehr wie es war. Alles ist falsch. Nicht mehr richtig.
Es tut weh. Ich sollte jetzt eigentlich glücklich sein.
Ich saß heute in der Sonne, sah den Kindern im Sandkasten zu, meine Hand ruhte auf dem
toten Bauch und es war einfach falsch. Es sollte sich anders anfühlen, auch wenn ein anderer
Teil meines Herzens hüpfte vor Glück. Denn wie sagte unser Noah heute richtig: „Mama, ein
Glück, dass wir es zu euch geschafft haben.“ Sie sind kleine Wunder. Ich weiß das und
während ich das schreibe, laufen die Tränen. Ich wusste das vor der ersten Fehlgeburt und
ich wusste es erstrecht danach. Aber ich kann und will und werde nicht verstehen, wieso
dieses Kind gehen musste. Erklären sie mal Ihrem Kind, warum das Herz einfach aufgehört
hat zu schlagen und was jetzt morgen mit mir im Krankenhaus passiert, was mit dem Kind
passiert. Ich lüge nicht, ich gebe weiter, was ich weiß. Schon immer. Das Seelchen ist fort,
man holt den toten Körper heraus, damit wir uns verabschieden können.
Ich glaube, was den großen Kindern wirklich Angst macht, ist dieses Bewusstwerden ohne das
sie es jemals in Worte fassen könnten, dass ihr eigenes Leben so zerbrechlich ist. Wenn sie
einen wirklich mit großen Kulleraugen anschauen und bemerken, was für ein Glück es ist,
das es sie gibt. Schlimm. Auch wenn ich sehe, mehr und mehr was für unglaublich tolle, weise
und empathische Kinder wir da haben. Ich hätte gerne darauf verzichtet ihnen all das mitzugeben.

Ich versuche mit aller Macht, das Schöne in unserem Leben zu sehen, zu lachen. Ich weiß, ich
habe das schon einmal durchgestanden. Aber immer wieder breche ich ein und beginne
zu weinen, ich bekomme Bauchweh vom Verkrampfen. Ein anderer schlimmer Moment war heute
als ich erfuhr, dass ich morgen um 9Uhr im Krankenhaus sein muss. Da bin ich zusammen
gebrochen. Ich habe gefühlt solange auf diesen Termin gewartet, aber es bricht mir das Herz,
mich morgen leer, ohne Liebe, ohne diese Kind zu fühlen. Es ist dann endgültig fort. Für immer.
Und es bricht mir einfach das Herz. Es fort zu wissen. Ich habe genau in diesem Moment
gemerkt, dass ich loslassen muss und ich habe gemerkt, erst da wie verdammt schwer das
werden wird, und dass ich das nicht will. Ich weinte nur, ich würde es am liebsten für immer
bei mir haben und es nie mehr hergeben.
Wir, nein der Mann hat sich mit dem Bestattungsinstitut in Verbindung gesetzt, ich glaube, dass
hat ihm viel Kraft abverlangt. Aber er hat es geschafft. Ich hoffe jetzt, dass alles klappt und
das wir unser Kind beerdigen können. Uns vom ihm verabschieden können. Auch wenn ich
nicht weiß, ob alle Kinder das durchstehen. Es ist alles ein langsames Vortasten, Schritt für
Schritt oder wie der Mann heute so unendlich liebevoll sagte, erst heute, dann morgen, dann
übermorgen. Tag für Tag, dann sehen wir weiter.

Ich habe Angst vor morgen. Ich kann niemanden mehr hören, der sagt: Wird schon gut gehen.
Es kann immer etwas passieren. Es war unwahrscheinlich, erneut sofort ein Kind nach einer
Fehlgeburt zu verlieren und genau das ist passiert. Es war unwahrscheinlich, dass dieses Kind
noch stirbt nachdem 12 Wochen geschafft waren und genau das ist passiert. Ich habe Angst.
Vor der OP, den Menschen, der Narkose, den Schmerzen, Fehlern beim Eingriff, seien es
Unfruchtbarkeit oder Vergessen von sogenannten Resten und einer dann erneut nötigen OP,
ich habe ernsthafte Angst nicht mehr aufzuwachen morgen. Unsere Sterne stehen gerade nicht
so gut, scheint mir und meine Kinder, mein Mann… ich werde gebraucht. Also wenn Sie ein
paar Gedanken übrig haben morgen, ich wäre so unendlich dankbar.

Was mir keine Ruhe lässt, ist was das Manschgal gefühlt hat. Ob es gelitten hat oder ob das
Herz einfach von jetzt auf gleich aufgehört hat zu schlagen. Und alles sofort vorbei war.
Ich kann es nicht glauben, noch vor ein paar Tagen legte ich die Wäsche und dachte an
kleine Strampler, die ich bald waschen müsste. Vor ein paar Tagen, war noch alles richtig.
Vor ein paar Tagen, da dachte ich daran, was es wohl denken würde, das kleine Wesen, wenn
es zu hören beginnt und so viele Stimmen hört. Ich dachte immer im Spaß, ob es wohl denken
würde: „Herrje, wo bin ich denn gelandet, in einer Großfamilie. Na das wird ein Spaß.“
Und jetzt sollen wir einfach weiter machen ohne es. Ich mag nicht. Aber ich muss. Wir müssen.
Es tut so weh und es ist so schrecklich falsch.

In Trauer

Donnerstag, März 24th, 2011

Ich hatte Angst vor dem Termin gestern. Ich war mehr als nervös. Erst weil meine Ärztin die
Nackenfalte anschauen wollte und ich große Sorge hatte, sie würde vielleicht nicht zufrieden
sein und mich verunsichern. Dann weil ich genau einen Tag zuvor am Nachmittag im Bus
einen Unfall hatte. Der Fahrer hatte so stark abgebremst, dass ich umgefallen war, mit mir der
kleine Tom und auf mich war der Kinderwagen gestürzt, genau der harte, spitze Griff war
in meinem Bauch gelandet. All das hatte ich aber erst registriert, als ich bereits ausgestiegen
war, vermutlich unter Schock, mich nur um die Kinder gekümmert hatte, Tom der umgerissen
worden war, Ben der umgekippt war, Zoe die sich das Gesicht angehauen hatte. Ich hab für
mich gar nicht realisiert, dass es ein schlimmer Unfall hätte sein können, mir tat der Unterleib
weh, aber das schien mir normal. Ich hatte am nächsten Tag meinen Termin, mehr hätte ich
nicht mehr tun können. Ich war also nervös als ich da vorm Arztzimmer saß- so sehr. Und ich
kann nicht mal mehr sagen, wieso eigentlich speziell. Man sorgt sich sicherlich, aber niemals
im Leben käme man doch auf die Idee zu glauben, es wäre wirklich und tatsächlich das
allerschrecklichste passiert.
Ich ging rein zu meiner Ärztin, ich ging in den Nebenraum. Ich legte mich auf die Liege, machte
meinen Bauch frei, meine Ärztin holte das Gel und schaltete das Gerät ein. Sieht man es als Mutter
sofort? Mein Kind sah komisch aus. Eingeengt lag es mit angeschrägtem Kopf in mir. Es sah
leblos aus, es bewegte sich nicht, ich sah keinen Herzschlag, aber ich bin ein Laie, schon die
letzten Male sah ich keinen, also wartete ich auf die Ärztin, und die schallte eine gefühlte Ewigkeit
bis sie sagte, was wohl niemand, niemand, niemand auf der Welt hören will und was ich niemals
mehr vergessen werde können: „Es tut mir leid, Frau Hitze, aber ich kann keinen Herzschlag mehr
finden.“ Ich schrie und weinte nur: „NEIN! NEIN! NEIN!“ Es durfte einfach nicht sein. Nicht wieder.
Nein! Nicht mehr jetzt! Nein! Nicht dieses Kind! Nein! NEIN! NEIN! NEIN!
Sie war sehr lieb. Sie nahm sich sehr viel Zeit, ich glaube ich lag fast eine Stunde auf dieser Liege.
Sie erklärte mir, dass da ein Hämatom sei. Eine Einblutung. Die Verletzung würde zum Unfall
passen. Aber genau könnte man das nicht sagen. Man könne jetzt nicht mehr sagen, ob das Herz
des Kindes aufgehört hat zu schlagen und das die Blutung verursacht hat oder ob die Blutung
dafür gesorgt hat, dass das Herz zu schlagen aufhörte. Das Hämatom wäre aber 5-6cm groß.
Und das spürte ich auch. Die Nacht schon zuvor im Bett, fühlte es sich plötzlich anders an, als
ich mich auf die Seite drehte. Wir sprachen sehr lange miteinander. Mein Kind war eigentlich
genau auf den Tag entwickelt, ergab die Messung. Es war also wirklich erst passiert. Es kam eine
andere Ärztin, die noch einmal guckte, aber ich wusste, ich hatte selbst gesehen, dass mein Kind
nicht mehr lebte. Es bewegte sich passiv mit dem Wasser, wenn der Schallkopf auf dem Bauch
drückte, mehr nicht. Es lebte einfach nicht mehr. Ich lag da allein. So allein. Und ich wusste, ich
würde meinen Mann anrufen müssen. Meine Schwiegermama. Ich. Allein.
Ich weiß nicht, was passiert ist. Schicksal? Ein krankes Kind? Der Unfall? Der Unfall von letzter
Woche? Die Zähne? Das Penicillin? Aber ich versteh es auch nicht. Die Ärzte verstehen es auch
nicht. Unser Kind sieht gesund aus, soweit. Es ist jetzt rechnerisch für die Ärzte in der 13./14.
Schwangerschaftswoche passiert, deswegen möchte man das Kind untersuchen. Oder wir lehnen
das ab.
Ich habe Zeit mich zu verabschieden. Ich muss nichts überstürzen. Ich könnte es allein versuchen,
aber das könnte bei der fortgeschrittenen Schwangerschaft Wochen oder Monate dauern. Ich
mag mich nicht mit anderen Frauen darüber streiten, ob ich mein Frausein verneine, wenn ich
diesen Eingriff machen lasse. Ich möchte ihn. Weil er mir gut tut. Ich habe es schon beim Herzkind
nicht ertragen, es einfach aus mir raus fließen zu lassen und das möchte ich jetzt auch nicht.
Körperlich geht es mir auch nicht gut damit, ich habe permanent leichten Druckschmerz vom
Hämatom. Seelisch sehe ich dieses Kind nicht mehr richtig bei uns. Es ist nur noch die Hülle des
Kindes. Das Seelchen ist nicht mehr bei uns. Trotzdem landet meine Hand immer noch intuitiv
auf den Bauch. Ich verabschiede mich. Ich werde wieder diese Hormonachterbahn fahren. Ich
muss von jetzt auf gleich damit leben, dass alles, alles anders ist. Ich hätte mir nicht mehr
vorstellen können ohne mein Kind zu sein. Aber jetzt muss ich es, ob ich will oder nicht. Es sollte
zu uns kommen zwischen Bens und meinem Geburtstag. Es wird ein schweres Jahr. Jeder Schritt.
Bleischwer. Aber jeder Schritt in die Zukunft.
Ich weiß einfach zu gut, dass es weiter gehen muss. Das es das tut. Mit oder ohne mich. Ich sehe
mein jüngstes Wunder an und will es nur noch mehr festhalten als zuvor. Nachher kommen
unsere großen Kinder wieder vom einem Tag bei der Oma, auf den sie sich schon so gefreut hatten.
Aber dann müssen wir es ihnen sagen. Und davor habe ich große Angst. Ich mag nicht. Ich will
nicht, an eine Zukunft denken ohne meine zwei Kinder, die nicht mehr bei uns sind. Aber ich
muss. Ich muss. Ich hab gar keine Wahl. Ich bin traurig, verweint, taub und manchmal schon
wütend.
Ich kann unser Kind allein bestatten, oder es an eine Sammelstelle übergeben. Wie beerdigt man
so eine kleines Kind? Ob der Pfarrer es weiß?
Der Mann ist hier. Er kann nicht arbeiten. Wir lagen uns gestern Abend weinend in den Armen und
redeten. Weinten und redeten, es gab nichts, wofür wir uns schämen mussten, wie sagten alles, was
uns durch den Kopf ging, nur um wieder Inne zuhalten, zu schluchzen und die Köpfe zu schütteln.
Warum ? Wieso? Es ist so schrecklich. Ein stiller Abeschied.
Ich bin froh, dass er hier ist, denn ich weiß nicht, ob ich bis morgen durchhalte, wo ich gerne die
Operation machen lassen würde. Ich hoffe es sehr. Das wir diese Zeit haben. Ich hoffe man behandelt
mich gut. Ich hab ein bißchen Angst davor. Und vor dem Danach. Und ich hoffe auf Ruhe und Zeit am
Wochenende. Unsere Welt steht gerade ein bißchen still. Und dennoch trotz all dem Unglück, all der
Fassungslosigkeit, all der Wut, der Trauer, halte ich mich ganz fest an mein Glück. Mein Mann, meine
Kinder, unsere Familie.

Danke wirklich von Herzen für all die Zeilen, manche davon berühren mich sehr.

Und was ich noch sagen möchte für alle Frauen, die auch gelitten haben und leiden. Es gibt ihn nicht.
Den richtigen Zeitpunkt. Ich wollte nach der ersten Fehlgeburt wissen in Foren, ob man lieber warten
solle etwa drei Monate oder ob das egal wäre. Ich fand nur die Antwort, es gäbe Frauen, die waren
sofort wieder schwanger und Frauen, die ließen sich mehr Zeit. Von diesen Frauen gab es welche,
die erneut ein Kind verloren und welche die ein gesundes Kind zur Welt brachten. Es war egal wann.
Dann als ich schwanger war, wollte ich wissen, wie groß unsere Chancen waren das Kind zu behalten
und wieder fand ich nur die Antwort, es gab eben Frauen, die bekamen ihre Kinder und Frauen die
verloren sie. Es gab ihn nicht den besseren Zeitpunkt.
Dann wollte ich wissen für mich, wann wir es anderen erzählen sollten. Jetzt haben wir einmal
gleich unsere Hoffnung mit anderen geteilt und das Kind verloren und einmal bis in die 12. Woche
hinein gewartet und es verloren. Es ist egal. Es gibt für nichts einen richtigen Zeitpunkt. Ich könnte
noch soviel erzählen. Von uns. Den überraschend offenen Worten der Ärztin. Aber ich kann jetzt
erstmal nicht mehr schreiben.

Ruhe in Frieden, kleines Manschgal

Mittwoch, März 23rd, 2011

Dein Herz hat einfach aufgehört zu schlagen. Es war ein Geschenk,
Dich bei uns zu wissen. Ich werd dich immer lieben.

22. März 2009

Dienstag, März 22nd, 2011

Ich war schwanger. So wie heute. Zur selben Zeit. Vor zwei Jahren. Mit Ben. Schönes Gefühl.

12+2

Sonntag, März 20th, 2011

Ich dachte, es würde leichter werden. Ich dachte, wenn ich es nur ganz laut ausgesprochen hätte,
würde ich mich anders fühlen. Aber das passierte nicht. Ich kann genauso wenig hier schreiben
wie zuvor. Die Nachbarn fragen mich, ob ich schwanger bin, ich lächle und freu mich wirklich,
aber all das was in meinem Kopf vor sich geht, dass bekommt niemand mit. Ich bin nicht einfach
nur schwanger.
Es ist noch immer nicht in meinem Kopf angekommen. Ich weiß, dass ich schwanger bin, aber ich
fühle es nicht aus mir heraus. Wie schrieb ich mal in Bens Schwangerschaft: Wenn aus diesem Gefühl
von „Ich bin schwanger“ ein „In mir wächst ein Kind, mein Kind“ Gefühl wird. Das ist noch nicht
passiert. Und für ganz viele Menschen, passiert das noch viel später und ist es völlig normal, aber
das ist es nicht für mich. Es zeigt nur, einen Teil meiner Gefühle. Was da mit mir, in mir passiert.
Es ist auch nicht so das ich nicht glücklich wäre, es ist nur so als würde ich schweben und fallen
gleichzeitig.
Eine Freundin von mir sah, ahnte, fühlte vor ein paar Wochen bei einem Frühstück, dass ich
schwanger bin. Und sie meinte zu unserer anderen am Tisch sitzenden Freundin: Was ein Glück!
Andere probieren Monate und Jahre und du wirst einfach so nach vier Wochen wieder schwanger.
Einfach so? Ich erklärte ihr, also ich versuchte ihr zu erklären, durch welche Hölle ich in den
ersten Wochen gegangen bin. Ich erinnerte daran, dass die voran gegangene Schwangerschaft
auch beinah ein Jahr auf sich warten ließ. Ich möchte keinesfalls undankbar erscheinen, ich habe
Glück. Aber ich hatte auch Unglück.
Ich kann nicht sagen wieso, aber ich glaubte bereits nach einer Woche zu wissen, dass ich
schwanger bin. Ich fühlte mich genau so, exakt so wie in der Schwangerschaft zuvor.

„Am 5. Januar waren er und ich uns sehr nahe. Es war wunderschön und in keinster Weise stand
dieses Mal im Mittelpunkt, ich müsse schwanger werden. Ehrlich gesagt war das sehr weit weg und wenn
ich überhaupt an etwas dachte, dann nur an eine Urangst erneut ein Kind zu verlieren und deshalb
lieber nicht einander nahe sein zu wollen. Ich dann doch in dieser Angst, machte es plötzlich plopp,
ein Knoten platzte und ich war mir plötzlich sicher, dass das Schicksal das schon machen würde.
Das ist jetzt eine Woche her. Und schon Montag dachte ich, nein schon am Wochenende dachte ich,
ich sei schwanger. Einfach so. Irgendwo ist sicherlich der Wunsch der Vater des Gedanken, aber irgendwo
auch mal gar nicht. Es wäre möglich. Ein großer Zufall, aber möglich klar. Aber nicht überhaupt nicht
nötig um glücklich zu sein. Ich denke nur daran, dass der Körper schon wissen wird, was er wann tut.
Ich bin da entspannt, nie im Leben würde ich ein Müssen daraus machen wollen, dafür fahren meine
Gedanken noch einfach zu oft in die Trauer, aufrichtige Sehnsucht, kein Selbstmitleid. Und zu früh
freuen mag ich mich sicherlich auch nicht.
Aber, ich hab so ein Gefühl und wenn ich mich irre, dann kann ich diesen Post hier vergessen und
löchen. Und jeden den ich treffe, dem sage ich auch, dass ich gar nicht sofort unbedingt schwanger
werden muss, sondern alles seine Zeit hat. Ich trauere auch (…) Wenn es jetzt Zeit ist, dann wäre
das unglaublich schön (…) Es ist wirklich genau wie beim Herzkind und das ist sehr unheimlich. Tod
und Leben so nah zu spüren. Ich warte wie vor ein paar Wochen nicht auf eine Periode, sondern auf
Zeit zum Testen. Wie damals mit Ben, um Nils Geburtstag werden wir es wissen. Nicht mehr lang. Ich
habe gestern mit dem Seelchen geredet, also falls eines da ist. Weil ich nicht will, dass es sich allein
fühlt und gleich jemanden hat, es soll es sich gemütlich machen dürfen. Es soll einen Platz haben
dürfen, auch in meinem Herzen. Es ist so sehr willkommen. Es braucht keine Angst haben. Ich werde
da sein, jeden Tag, jede Stunde. Mehr wünsche ich mir nicht, es früh genug wissen und einfach
genießen… mehr kann ich nicht tun.“

Sieben Tage später schrieb ich…

„Eigentlich, weiß ich schon seit der Nacht der Zeugung, dass da ein Kind ist. Ein paar Tage später
war ich mir sehr sehr sicher. Nach einer Woche fiel mir auf wie sehr ich all diese Gefühle und
Veränderungen kannte und ich war mir noch sicherer. Ich weinte an diesem Abend, weil ich mir
sicher schien, dass mein Kind wieder da wäre. Es lief vom zeitlichen alles genau gleich ab. Genau
so. Wie ein riesengroßes Deja-vu. Es tat einfach weh. Es war grausam. Glück, Trauer und Angst
gleichzeitig. Hauptsächlich Angst davor, ich würde verrückt werden, ich sprach mit einem Kind von
dem ich nicht sicher sein konnte das es da ist. Ich konnte aber nicht anders. Ich wollte da sein,
von Anfang an, damit es nicht so allein sein muss. Am Wochenende machte ich einen Test und
interessierte mich so überhaupt nicht, dass der negativ war. Ich machte gleich am Dienstag noch
einen. Und auch der zeigte nicht wirklich viel neues in der früh, aber es war auch wieder einer
dieser 25er Tests. Ich hätte schwören können, dass ich da so verwaschen eine Farbveränderung
sah, aber sicher konnte ich mir da nicht sein. Und dennoch. Als ich mittags nach Hause kam und
den Test in die Hand nahm, sah ich wirklich kaum sichtbar eine Linie. Verdunstungslinie? Ich war
mir so sicher. Ich machte den Test und bekam auch nur so eine Andeutung von Linie präsentiert.
Schwanger.
Schwanger? Aber was bedeutet das jetzt? Es weiss niemand. Auch das ist grausam. Aber ich kann
mir im Augenblick nicht mal sicher sein, noch am Wochenende schwanger zu sein. Die Fehlgeburt
verändert einen so unglaublich. Man ist vielleicht schwanger, aber man weiß gar nicht für wie lange.
Ich habe Grippe, und war heute beim Arzt und Himmel, was der da alles über Kinder, Natur,
Fehlgeburten und Großfamilien sagte… ich hätte ihn auslachen sollen. Ich bin es aber müde, mich
darüber zu ärgern oder mich zu erklären. Ich bin keine 8 Jahre alt. Ich weiss, was ich da tue. Ich
möchte nicht mit jemanden darüber sprechen, ob ich in der Lage mit 5 Kindern gerecht zu werden.
Das werde ich jeden Tag. Ich liebe mein Leben. Ich liebe meine Kinder. Niemand muss eine
Großfamilie haben, aber ich will eine. Ich wollte eine, mein Mann auch und so machen wir, was wir
uns wünschen. Und leben leider damit, belehrt zu werden. Ich wurde heute sogar gefragt, ob wir
religiös wären und deswegen ein Kind nach dem anderen bekämen. Unglaublich. Ich sollte darüber
nachdenken den Arzt zu wechseln.
Aber ich bin schwanger. Und habe Angst. Ich weiß, ich kann nichts tun. Gar nichts. Ich kann nur
hoffen, dass alles gut wird. Ich habe Angst davor auf die Toilette zu gehen wie vor 7 Wochen und
aus heiterem Himmel Blut zu sehen, wo keines sein sollte. Ich weiß nichts. Ich dachte immer ich
würde einfach jeden Tag genießen. Und das tue ich. Aber ich kann mich nicht so darauf einlassen
wie ich möchte. Ich finde das so traurig. Mein Kind, was soll es später nur denken? Das wir nicht
an ihn glaubten? Das tue ich. Aber der Mann und ich haben vor ein paar Wochen beschlossen zu
schweigen, für dieses Kind. Wir sind ängstlich genug. Machen uns genug Sorgen. Wir wollen nicht
immer zu hören „Hoffentlich klappt es dieses Mal.“ oder „Wenn Gott/die Natur will, wird es
kommen.“ Mich interessiert Gott oder die natürliche Auslese da herzlich wenig, denn die Wahrheit
ist. Ich liebe dieses Kind, seit seiner Entstehung. Verrückt. Aber es ist so. Ich will kämpfen. Ich will
dass es sich dieses Kind gemütlich macht und bei uns bleibt. Ich wünschte nur man würde an uns
denken. Uns Glück wünschen. Aber wir schweigen. Das wird schwer. Ich hoffe, es wird mit der Zeit
leichter. Aber wir wollen nicht, dass dieses Kind auch von Außen im Schatten seines nicht geborenen
Geschwisterchens wachsen muss. Wir machen uns schon genug Gedanken um dieses Kind. Es geht
eigentlich gerade nur um dieses Kind und es braucht einen Namen. Mehr Anrede als „das Kind“.“

Ich bin nicht einfach unglücklich. Ich bin einfach nur nicht unbeschwert und ich halte fest, was ich
fühle, für mich. Und vielleicht auch für andere Frauen da draußen. Ich hatte zu Beginn eine ganze
Hand voll lieber Menschen an meiner Seite, die mich dieses Stück Weg begleitet haben.
Es gibt immer mehr Momente, in denen ich nicht glauben kann, wie weit wir schon gekommen sind,
und wie wenig Zeit eigentlich noch vor uns liegt. Wirklich 28 Wochen nur noch, 6 Monate nur noch,
2 Jahreszeiten nur noch. Und dennoch, ich wünschte so sehr, ich könnte entspannen, loslassen und
mich fallen lassen. Ich wünsche mir, ein bißchen mehr genießen können, vielleicht wenn ich das
Manschgal fühlen kann. Hoffentlich ganz bald.
In drei Tagen erneuten Schall, ein Blick auf die Nackenfalte. Ein Blick vor dem ich große Angst
habe. Und auf der anderen Seite, frage ich mich, wie groß unser Kind wohl schon wieder ist. Wie es
jetzt aussieht. Ein Auf und Ab. In Liebe.
Mein letzter Blick, jeden Abend ist der zu meinem Rahmen in dem ein Bild unseres Kindes zu
sehen ist. In der Schublade, keine zwei Meter weiter, liegen bereits vier Dinge für mein Manschgal,
ein Stück von Oma. Versteckt tief in mir. Unser Kind. Geliebt.

Besuch vom Storch

Sonntag, März 20th, 2011

Eine mal mehr, mal weniger aktuelle, aber stets mit Hingabe und Liebe geführte Hibbelliste, die immerzu mit neuen Namen und Zahlen gefüttert werden muss!

Schussel, Termin 07. Febuar 2009, Knirps geb. 09. Februar 2009, 3800 g/ 55cm/ KU 38,5cm
Isabella, Termin 06. März 2009, Hendrik geb. 11. März 2009, 3600 g/ 52cm/ KU 35cm
Frau Brüllen, Termin 21. März 2009, Lennart geb. 25. März 2009, 4040 g/ 53cm/ KU 38cm
Christina, Termin 14. April 2009, Flemming geb. 17. April 2009, 3160 g/ 50cm
Eva, Termin 13. Mai 2009, Lenchen geb. 28. April 2009, 3300g/ 50cm/ KU 36cm
Mama Miez, Termin am 19. April 2009, Quietschbeu geb. 02. Mai 2009, 4330g/ 54cm/ KU 37cm
Dickbauchmarie, Zwillinge Termin 26. Juni 2009, Gustav & Albert geb. 08.05.2009, 2130g & 46cm, 2000g & 45cm
Berliner Luft und Ostseewelle, Termin 16. Mai 2009, kleiner Bruder geb. 15. Mai 2009, 3940g/ 54cm
Frau Rebenwanderin, Termin 15. Juni 2009, Mathis geb. 18. Mai 2009, 2500g/ 47cm
Schlapunzel, Zwillinge Termin 26. Juni 2009, zwei Söhne geb. 24. Mai 2009, ca. 2300 g
Miss Jones, Termin 21. Juni 2009, Mattis geb. 5. Juni 2009, 3125g/ 49cm
Frau Schokoperle, Termin 26. Mai 2009, Lotta Jaël geb. 14. Juni 2009, 4460g/ 54cm/ KU 36,5cm
Feli, Termin 21. Juni 2009, Marcus Ryan Alexander geb. 20. Juni 2009, 3240g/ 50cm
Karin, Termin 25. Juni 2009, Alessia geb. 04. Juli 2009, 4540g/ 55cm/ KU 36,5cm
Silberpfeil, Termin 15. Juli 2009, Pascal Emanuel geb 09. Juli 2009, 3080g/ 50cm
Mama Löwe, Termin 27. Juli 2009, Kleiner Löwe geb. 17. Juli 2009, 3650g/ 56cm/ KU 36cm
Natalia, Termin 25. August 2009, Mateo geb. 21. August 2009, 3460g/ 51 cm/ KU 35 cm
Kassiopeia, Termin 27. September 2009, Ben Mino geb. 23. September 2009, 4240g/ 54cm/ KU 36cm
DasDanny, Termin 20. Oktober 2009, Mäxchen geb. 08. Oktober 2009, 3670g/ 52cm
Frau Ährenwort, Termin 03. Oktober 2009, Emily Lea Sophie geb. 09. Oktober 2009, 3800g/ 52cm/ KU 35cm
5Kidsmami, Termin 04. November 2009, Amina geb. 21. Oktober 2009, 2790g/ 49cm/ KU 32cm
Neph, Termin 17. Oktober 2009, Freya Lil geb. 24. Oktober 2009, 3840g/ 51cm
Alex, Termin 04. November 2009, Leo geb. 05. November 2009 (?)
Mama (der kleinen Chefin), Termin 06. November 2009, der kleine Chef geb. 08. November 2009, 4180g/ 56cm
die Schottin, Termin 04. Dezember 2009, Colin geb. 13. Dezember 2009, 4190g/ 54cm/ KU 38cm
Nane, Termin 10. Dezember 2009, Bennet geb. 20. Dezember 2009, 3665g/ 52cm/ KU 36,5cm
Webschaf, Termin 18. Dezember 2009, das kleine Schaf geb. 29. Dezember 2009, 3800g/ 52,2cm/ KU 36,5cm
Frau Musgrave, Termin 30. Januar 2010, kleiner Bruder geb. 30. Januar 2010, 3250g/ 50cm/ KU 35cm
Mrs Tiger, Termin 01. Februar 2010, Fritz Frederik geb. 07. Februar 2010, 3310g/ 54cm/ KU 36cm
Trüffel, Termin 11. Februar 2010, Florentine geb. 08. Februar 2010, 3420g/ 51cm/ KU 34cm
Wuselkopf, Termin 15. Februar 2010, Räubertochter geb. 23. Februar 2010, 3750g/ 54cm/ KU 35cm
Kathy, Termin 18. Februar 2010, Noah Aslan geb. 24. Februar 2010, 3520g/ 52cm/ KU 36cm
Sabrina, Termin 28. Februar 2010, Sam Logan geb. 19. Februar 2010, 3300g/ 51cm/ KU 34cm
Bauchherzklopfen, Termin 26. März 2010, Mila Soley geb. 20. März 2010, 3400g/ 51cm
Evi, Termin 06. April 2010, Felicitas geb. 30. März 2010, 3340g/ 48cm/ KU 34cm
Kerstin, Termin 04. April 2010, Henry Jonathan geb. 02. April 2010, 3400g/ 52cm
StinaSt, Termin 03. April 2010, Murgelina geb. 16. April 2010, 3450g/ 53cm
Sana, Zwillinge Termin 15. Juni 2010, Sukayna & Yamin geb. 21. Mai 2010, 44 und 50cm/ 2220 und 2610g
Pfarrfrau, Termin 02. Juni 2010, Pfarrfraubaby geb. 01. Juni 2010, 51cm/ 3748 g
Barbara, Termin 19. Juni 2010, Jonas Dominik geb. 20. Juni 2010, 51cm/ 3660g
AleXX, Termin 30. Juni 2010, Emma geb. 22. Juni 2010, 51cm/ 3150g/ KU 35cm
Mama Miez, Termin 22. Juni 2010, Löwenmäulchen geb. 01. Juli 2010, 54cm/ 4160g/ KU 36cm
Aniba, Termin 07. Juli 2010, Lotte Mara geb. 08. Juli 2010, 51cm/ 3280g/ 35,5cm
Frau Schokoperle, Termin 01. August 2010, Maila Chaya Jools geb. 13. Juli 2010, 47cm/ 1950g/ KU 34cm
Tina Pappnase, Termin 14. August 2010, Katharina Maria geb. 22. Juli 2010, 3230g/ 51cm/ KU 35cm
KatjaW, Termin 30. Juli 2010, Carl Willem geb. 26. Juli 2010, 3160g/ 51cm
Lia, Termin 02. August 2010, Linea Sophie geb. 28. Juli 2010, 3850g/ 55cm
Isabella, Termin 02. August 2010, Sven Baldur geb. 13. August 2010, 4195g, 54cm
Soulsilence, Termin 25. August 2010, Jonas geb. 29. August 2010, 3820g und 57cm
Stadtmoewe, Termin 17. August 2010, Cedric geb. 01. September 2010
Juniorfleur, Termin 04. November 2010, Jannes Maximilian geb. 27. Oktober 2010
Hummel, Termin 01. Dezember 2010, Hummelina geb. 23. November 2010, 3230g/ 52 cm/ KU 35cm
Mairlynd, Termin 07. Dezember 2010, Arjen geb. 18. Dezember 2010
Katrin, Termin 14. Januar 2011, Lino Vincent geb. 14. Januar 2011, 4360/ 57cm/ KU 36cm
Ines, 30. Januar 2011, Friedrich geb. 14. Februar 2011, 4740g/ 55cm
Abraxa, Termin 07. März 2011, Laura geb. 18. März 2011, 3610g/ 53cm/ Ku 36cm
3 ist das neue 2, Termin 03. April 2011
Stadtfrau, Termin 11. Mai 2011
Miri, 15. Mai 2011
gminggmangg, Termin 30. Mai 2011
Frau_H., Termin 04. August 2011
Mama Löwe, Termin 24. August 2011
SchnubbelsMama, Termin 03. September 2011
Daniela, Termin 13. September 2011
Kaboe, Termin 14. September 2011
Mrs. Kate, Termin 10. Oktober 2011
Schussel, Termin 13. Oktober 2011

Zuckerschnuten, Termin 25. Juli 2013

Mit Hashtag

Sonntag, März 20th, 2011

Damit alle Bescheid wissen…

Unser Sandkasten

Sonntag, März 20th, 2011

Der Mann hatte mit seiner Ma einen Sandkasten erjagt. Die Größe war super und ich fand die Form
schön. Aber wir wusste nicht genau wohin mit ihm. Und ich konnte das Ding nicht sehen. Ich habe
mich ein Jahr lang gegen einen Sandkasten gewehrt, weil sie nicht nur Angst und Sand im Rasen
verbreiten, sondern vor allem weil sie kein Augenschmaus sind. Die Seitenteile waren knallrot. Ich
fand das nicht so wirklich passend zu einem lila Gartenhaus, also strich in einer Abendaktion die
Seitenteile lila. Wirklich besser war das nicht. Also stach es mich, ich fuhr um 10Uhr zum Baumarkt
und strich dann einen ganze Nachmittag lang bis 18Uhr den Sandkasten. Jetzt finde ich ihn total
schön und ich mag ihn gern anschauen und richtig sitzt etwas in unserem Gärtchen, wenn es danach
den Anschein macht, als hätte es schon immer so ausgesehen. Unser altrosa, lila, gelber Sandkasten.

Die Namensfrage

Samstag, März 19th, 2011

hat heute die gesamte Familie am Kaffeetisch geklärt, wir haben uns auf zwei Namen geeinigt. Dann
müsste sich das Manschgal nur mal irgendwann outen.