Pädagogisch gefährlich

Es war einmal. Ein Mädchen, dass gerne eine Geomag-Kugel in den Mund nehmen wollte. Und
dann dummerweise verschluckte. Die Mutter rief beim Kinderarzt an, aber der hatte Feierabend.
Die Mutter rief dann beim Bereitschaftsdienst an und erfuhr, dass Gemoag-Kugeln keine besondere
Gefahr darstellen, aber unbedingt jemand das Kind abhören sollte, um sicher zu sein, dass die
Kugel bereits im Magen-Darm-Trakt wäre und nicht irgendwo in der Speiseröhre fest steckte.
Außerdem erfuhr die Mutter, dass heute in der Stadt kein Kinderarzt mehr Dienst hätte. Aber
jemand in der Nachbarschaft. Ohne Auto schlechte Idee. Die Mutter könnte jetzt noch zum
diensthabenden Allgemeinarzt fahren oder ins Krankenhaus. Da wir das Krankenhaus aus dem
Fenster des lila Zimmers sehen können, entschieden wir uns für das Logischste: Krankenhaus.
Das Mädchen musste mit ihrer Mutter und dem kleinsten Bruder ins Krankenhaus, nur um dort
von einem wahnsinnig netten Arzt zu hören, man wäre dort nicht mit einem Kinderröntgengerät
ausgestattet und müsse leider trotzdem zur Kontrolle nach München in die Kinderklinik fahren.
Da das Tochterkind starke Schmerzen im Hals hatte, der Arzt ein netter war und erfuhr dass wir
zwar kinderreich aber autolos waren, bot man uns an mit dem Krankenwagen nach München
zu fahren. Also zückte die liebende Mutter ihr fast totes Handy aus der Tasche und bat die
liebste Freundin, die Jungs im Haus allein zu lassen und den kleinsten Bruder mal eben mit
dem Auto wieder abzuholen, da die Mutter nicht sicher sein konnte, wo die Geomag-Kugel sich
befand und im schlimmsten Falle hätte man dort übernachten müssen. Organisatorisch an dieser
Stelle nur sinnvoll und geschickt, dass ein Elternteil bei dem Unfallkind, das andere bei den
gesunden ist und nicht zwei hier, zwei da. Also fuhr der liebende Vater früher von der Arbeit
der Freundin der Mutter zur Hilfe entgegen. Und die Mutter fuhr abenteuerlich das zweite mal in
ihrem Leben mit dem Krankenwagen nach München. Dort stellte sich dann glücklicherweise
via Röntgenbild heraus, dass das Tochterkind die Geomag-Kugel bereist im Magen-Darmtrakt
begrüßt hatte und wir wurden heim geschickt mit der Bitte, auf die Geomag-Kugel zu warten.
Sollte sie sich nicht erneut zu zeigen geben innerhalb der nächsten 5-7 Tagen sollten wir uns
noch mal vorstellen. Wir warten dann jetzt. Vielleicht Kindergartenlos, denn ich weiß ja nicht wie
witzig die Damen das dort finden, dem Tochterkind und ihrem Zubehör soviel Aufmerksamkeit
zu schenken. Die Mutter fuhr am Ende dann mit dem Mädchen abenteuerlich durch München
zurück nach Hause in den Speckgürtel und das Mädchen ging dort zu Bett mit den Worten: „Mama,
das war aber trotzdem ein schöner Tag.“

Ich habe vier Kinder. Und Geomag seit Nikolaus 2010 im Haus. Niemals nicht hätte ich gedacht,
dass ausgerechnet das älteste Kind so einen Quatsch macht. Aber es scheint ein wichtiger
Entwicklungsschritt. Die Kinderärztin gab zu im selben Alter eine Murmel verschluckt zu haben.
Das Kind konnte bisher aber keine Angaben machen wieso und warum es die Kugel in den Mund
genommen hatte. Und wie es zu der Verschluckung kommen konnte. Mitleid gab es trotzdem in
rauen mütterlichen Mengen.

PS: Der nette Arzt in der Klinik hier wies mich leise in mein Ohr flüsternd darauf hin, dass es die
bessere Idee gewesen wäre, das Ding in die Nase zu stecken. Das hätten die HNO-Ärzte vor Ort
machen können.

10 Responses to “Pädagogisch gefährlich”

  1. fishly Says:

    Puh, noch mal gut gegangen.
    Von dem Drang solche Dinge in den Mund zu stecken und zu untersuchen habe ich schon mal gehört, bei uns traf es den kleinen Bruder, der aber bis heute nicht sagen kann, warum er das gemacht hat. Das Ganze scheint eine Alterserscheinung zu sein und kann auch öfter beim gleichen Kind vorkommen. Ich drücke die Daumen, dass euch weitere Abenteuer dieser Art erspart bleiben.

  2. Fraumuemmel Says:

    Mein kleiner Bruder steckte sich eine Figur aus einem Reisebrettspiel in die Nase. Die kam aber leider nicht mehr von alleine raus. Erst mit Hilfe eines HNO-Arztes, 2 Schwestern und vollem Körpereinsatz, weil panisch schreiendes Kind, konnte sie wieder ins Freie befördert werden.
    Ich hoffe, dass eure Murmel den Weg alleine findet

  3. FrauNebeL Says:

    Tschuldigung, aber ich muss schmunzeln, nur son klein wenig….

    Ja, das klingt, als würde Zoe durchaus für manche Überraschung gut sein. Und nein, ich an Deiner Stelle hätte auch niemals nicht vermutet, dass es die Grosse treffen würde… mannomann.

    Fein aber dass alles gut ist!

  4. Zimtapfel Says:

    Ich hab mir mal einen Kirschkern in die Nase gesteckt. Woraufhin meine Mutter panisch mit uns von der Obstbaumwiese, auf der wir nett im Sonnenschein gepicknickt hatten, zum nächsten Arzt raste. Keine Ahnung, was für ein Wochentag das damals war, ob das am Ende der Bereitschaftsdienst am Wochenende war… Jedenfalls, der Arzt holte den Kirschkern mit so einer Zange wieder raus. Und als ich etwas größer war, fiel mir ein, das ich doch auch ganz einfach das andere Nasenloch hätte zuhalten und einmal kräftig schnauben können. Aber dafür war ich da wohl noch zu klein. Oder keiner kam darauf.
    Und mir fällt ein, als meine Schwester mal irgendwas verschluckt hatte, stopfte meine Oma massenhaft Brötchen in sie rein, damit das wasauchimmer besser rutschen möge. Obs geholfen hat, wer weiß.

  5. agi Says:

    Ups.
    (Die Gefahr besteht vermutlich bei jedem Kind und angesichts der Tatsache, dass sie bei euch im Haus quasi vier mal so hoch ist, wundert es mich ja gar nicht, dass du und eines deiner Kinder um die Erfahrung reicher ist. Ein Glück, dass das Ding schon wieder auf dem Weg nach draußen ist und es Zoe also eigentlich gut geht. Und ich wette, sie wird diese Erfahrung jedenfalls kein zweites Mal machen ;))

  6. Patricia Says:

    Oh je … was für ein aufregender Tag! Wenigstens waren die Ärzte humorvoll! Sachen, die theoretisch noch in der Speiseröhre stecken könnten, mag ich auch nicht. Hier war es mal ein Muggelstein, den das Kleinste beim gezielten Schlag auf den Rücken in einer roten Pfütze wieder ausspuckte (in Panik dachte ich, das sei Blut, bis ich darauf kam, dass sie kurz zuvor Traubensaft getrunken hatte …) Erholt euch gut vom Schrecken!

  7. LiaMia Says:

    Ohaa. Ich kenne diese Geomag-Kugeln nicht, habe also keine Vorstellung wie groß die sind. Ich war aber früher auch mal so eine Kandidatin. Ich sag nur Bügelsteckperle und Nase. ;-) (Und die HNO-Ärzte hatten KEINEN Spaß mit mir.)

    Schön aber, dass es noch so „glimpflich“ ausgegangen ist. Jetzt heißt es warten und über Ergebnisse freuen. ;-)

  8. jo Says:

    Die sogenannte 2.orale Phase ;) Hatten wir mit Madame B. auch, überall hat sie damals dran gelutscht *augenroll*
    Jetzt stehen Geomag und Co. im Schrank bis Erna etwas älter ist, die ist nämlich auch sehr mundorientiert… Neulich beim Ikea ging ein Stück Plastiklöffel „verloren“…
    (Hoffentlich sprengt Euch die Kugel nicht die Kloschüssel ;))

  9. Margrit Says:

    Sehr schön geschrieben – da klingt’s doch gleich weniger schlimm.
    Und dieser Arzt war ja witzig. Wobei, in der Nase stelle ich mir noch viel schrecklicher vor. Für alle Beteiligten ausser vielleicht dem (Nicht-HNO-)Arzt ;-)

  10. Sabrina Says:

    Ach du Schreck!!!!

    Auf dass ihr nicht zu sehr nach der ollen Kugel suchen müßt. Meine Güte!

    Trotzdem ist euer Abenteuer irgendwie – mit Augenzwinkern – süß.