So ist das Leben eben.

Heute Mittag waren alle Kinder mit ihrem Papa unterwegs. Ich habe an diesem Wochenende
gebacken wie eine Irre, wie immer, wenn meine Kinder ihren Geburtstag im Kindergarten
feiern. Ich schaffte 24 Muffins für den Kindergarten, 12 für den Nachmittag, einen Blechkuchen
für den Kindergarten, einen Vanilla-Cake mit Zitronenfrosting für den Nachmittag und wirklich
unzählige Cookies für Kindergarten und Nachmittag. Wir haben unser möglichstes getan,
um Noah einen wunderschönen Geburtstag zu bereiten. Das erste Mal in seinem Leben feiert
Noah den Vormittag im Kindergarten. Das erste Mal kommen seine Gäste ohne ihre Mütter.
Wir wollen am Abend grillen und sind flexibel was Spiele angeht, groß vorbereitet haben wir
da nicht viel. Eher nichts. Es wird sich ergeben.
Ich habe also endlich Zeit für mich, gieße mir ein Radler ein, hole meine Zigarillos und will
mich auf die Terrasse setzen, die Sonne einfangen und endlich schreiben, was mich bewegt.
Ich will schreiben von meiner unzähmbaren Wut im Moment, von allen Gefühlen, die in den
vergangenen Tagen und Wochen auf mich einprasselten. Ich will davon schreiben, wie sehr
mich manches verletzt und wie sehr mich alles ankotzt, wie unglaublich traurig ich bin. Wie
wir, wie ich lebe nicht ohne mein Kind, sondern mit dem Tod unseres Kindes. Ich will
erzählen von der Zahnwurzelentfernung einen Tag vor der Beerdigung, meinen ersten Gang
zum Friedhof mit dem Tochterkind. Ich will schreiben darüber, dass ich erst am Dienstag
erfuhr, dass unser Kinder sehr wahrscheinlich kerngesund war und wirklich Opfer dieses
Unfalls war. Ich will schreiben, wie sehr mich das aus der Bahn geworfen hat, obwohl ich
genau auf diese Worte gehofft hatte. Ich will schreiben, wie ich drei Tage vor der Beerdigung
wieder Bus gefahren war unter Tränen, weil es so unglaublich ist, wie weit weg normaler Weise
ohne fremden Rollator mein Kind im Kinderwagen von meinem Bauch steht. Ich will schreiben,
dass wir trotz allem bei unserem Kindergarten bleiben. Ich will schreiben, mir alles von der
Seele. Ich will davon schreiben, wie verdammt einsam ich gerade bin und wie dankbar für
die handvoll Menschen, mit denen ich mich austauschen kann. Wie ich mich fühle, wie
es sich anfühlt als wären wir mitten in einen Verkehrsunfall verwickelt und alle glotzen nur kurz,
tief betroffen, fahren weiter und sprechen über Wetter, Sonderangebote und dergleichen.
Ich will in die Welt hinaus schreien, wie fürchterlich ungerecht es ist, dass die Welt nicht einfach
kurz stehen bleibt in der Unglaublichkeit all dessen, dass wir unser Kind so gehen lassen mussten.

Ein Anruf. Meine Ma. Meine Oma liegt auf der Intensivstation. Krebs. Einfach so. Von jetzt auf
gleich. Sie wurde operiert. Er lag zwischen Darm und Magen. Ich habe ein Deja-Vu von meiner
Uroma. 15 Jahre ist das her. Falls sie sich erholt, bleiben ihr noch 1 1/2 Jahre. Falls. Ich fliege
also dank meiner fabulösen Schwiegerma und ihrer Hilfe am Dienstag nach Hause zu meinen
Eltern, werde meine Oma noch einmal sehen können, wenn ich es rechtzeitig schaffe und
komme am Freitag wieder zurück. Ohne meine großen Kinder. Nur mit den Kleinen. Ohne
meinen Mann werde ich diesen Weg gehen müssen. Auch diesen. Aber ich bin dankbar. Ich muss
dahin. Ich hätte mich am liebsten sofort in das Flugzeug gesetzt. Aber ich bleibe für Noah. Er
ist mein Sohn. Er hat genug gelitten in den letzten Wochen.
Ich war das letzte Mal 2006 ohne meine beiden großen Kinder. Ich hab Angst.

Life sucks. Sometimes. Aber ich fand heute das.

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