Alltag

Vor ein paar Tagen fiel mir auf, dass ich wirklich nur noch zu bestimmten Anlässen schreibe oder wenn etwas mein Herz bewegt… Wenig Alltagsschnipsel. Naja, nun hauptsächlich weil ich meinen Tag ja kenne und wozu soll ich den auch aufschreiben, bin ja dabei, wenn der passiert. Vielleicht interessiert ja andere unser langweiliger Alltag? Oder ich schreib ihn auf, damit ich später weiß, welche Rituale wir mal hatten, nach einen Monat mit Schulkind. Dann schreib ich mal gegen das Vergessen von unseren Tagen… Zoe ist 6 Jahre und 11 Monate, Noah 5 Jahre und 8 Monate, Tom 3 Jahre und 9 Monate und Ben 2 Jahre alt.

Eigentlich veränderte sich alles schon in den Sommerferien im August. Bens Bett wurde umgebaut und er schlief nicht mehr Mittags darin. Es gab im Tagesablauf keine Pause mehr bis zum Abend als Ben auf der Couch zusammen brach. Einfach weg nickte in niedlichsten Posen. Dann war es plötzlich September und es begann eine sehr langsame Eingewöhnung für Tom im Kindergarten mit 1 1/2, 2 und 3 Stunden. Immer mit Ben und Zoe im Schlepptau holten wir die Jungs ab, bis die beiden Jungs im Kindergarten soweit waren dort Mittag zu essen. Mit dem Beginn von Zoes Schule änderte sich noch einmal ganz viel. Nun war ich gefragt sie in der Früh zum Bus zu bringen und mittags gegen 13Uhr auch wieder einzusammeln. Die ersten Tage noch in der Eingewöhnung der Jungs, saßen wir Zoe, Ben und ich an der Haltestelle und aßen Pizza, Sandwiches oder Butterbrezen und fuhren gleich weiter zum Kindergarten. War blöd. Immer im Kopf hatte ich diese Artikel über arme Kinder in Deutschland im Ohr, die nicht mal eine warme Mahlzeit am Tag hätten. Total verrückt. Aber es war mir nicht wohl. Wir sausten also in Richtung Kindergarten wo wir gegen (wasweißich) 13.30Uhr ankamen, die Bubis einsammelten und wieder nach Hause fuhren. Zu Hause waren wir zwischen 14Uhr und 14.30Uhr. Immerhin hatten alle etwas gegessen. Nun begann der Nachmittag. Und irgendwo mittendrin die Hausaufgaben vom Tochterkind.
Irgendwie erschlug mich aber die Qual der Wahl wie immer.
Noch ohne Schulkind hatte ich meinen Alltag hier mit den zwei Kleinen. Wir aßen sehr früh Mittag, es gab eine Pause und gegen 13.30Uhr fuhren wir meist Richtung Kindergarten. Nur war es egal wann genau, weil beide Kindergartenkinder angemeldet waren bis 15Uhr. Ich war entspannt. Und alles hatte seine Ordnung. Wir waren routiniert.
Nach den ersten zwei Wochen Schule war ich ernüchtert. Eigentlich hatte ich gedacht, ich würde Zoe vom Bus holen, wir würden mit Ben Mittag essen (Liest noch jemand mit?) und nachdem sie im Anschluss, die Hausaufgaben gemacht hätte, würden wir die Jungs holen. Aber… sie genießt das Essen und sie kommt so an und es dauerte einfach (zu recht) seine Zeit.
Das funktionierte nicht für uns. Ich hatte warum auch immer eine blödes Gefühl die Jungs so lange im Kindergarten zu lassen, weil Tom ja noch ein Anfänger ist. Also was blieb mir? Entweder aß Zoe nur etwas unterwegs, was so blöd war. Zumal sie gerade erst gekommen war. Manchmal rannte ich mit dem Schulranzen schnell nach Hause, wenn genug Zeit war, damit sie ihn nicht unterwegs schleppen musste. Sie kam einfach nicht richtig zur Ruhe, nicht richtig an. Ich hatte das Gefühl entweder wäre es für sie oder für die Jungs blöd. Ich „entschloss“ mich mehr als ungewohnt für eine ganz andere Variante. Ich holte erst die Jungs ab. Verließ also vor 12Uhr das Haus und holte dann gemeinsam mit allen drei Jungs Zoe vom Bus ab. Und im Anschluss aßen wir zusammen in Ruhe bis teilweise 14Uhr. Dann gab es oft eine Spielzeit und dann Hausaufgaben. Gegen 15.30Uhr war alles Pflicht erledigt. Und die Kinder hatte einfach eine gute Zeit so. Aber so richtig glauben kann ich das nicht. Auf einmal essen mit vier, anstatt mit zwei Kindern zu Mittag. Auf einmal Abholen kurz nach 12Uhr statt bis 15Uhr. Auf einmal ab 13Uhr alle Kinder hier. Auf einmal alles anders. Auch mit Ecken und Kanten, weil Noah und Tom meist erst mal nach Hause laufen oder sie warten mit mir ewig an der Haltestelle bis Zoes Bus endlich kommt, weil sich die Zeiten ja nicht überschneiden dürfen. Aber es fühlt sich seltsamer Weise gut an. Zoe macht inzwischen ihre Hausaufgaben oben in ihrem Zimmer am Schreibtisch, weil sie da einfach am meisten Ruhe hat. Nie hätte ich gedacht das zu schaffen. Keine Pause mehr, von morgens bis abends gegen 20Uhr, wenn ich mit Ben vom Spaziergang nach Hause komme.
Es gibt natürlich eine Menge Ausnahmen. Die Jungs werden mal abgeholt von einer lieben Freundin und essen dann im Kindergarten, während Zoe das hier bei mir tut. Aber so in etwa ist auf einmal unser Alltag.

Ausnahmen gab es auch heute. Dazu vielleicht später.

4 Responses to “Alltag”

  1. Kerstin Says:

    Ja genau diese Umstellung von einem gut laufenden, entspannten ( Kindergarten & Baby) Alltag zu dem neuen, fremdgesteuerten, ganz anderem (Schul) Alltag fand ich im letzten JAhr auch ganz schlimm! Henry war schon.. oder eben erst 4 Monate, als matti in die schule kam. am morgen hate der papa ihn zum bus gebracht, am mittag hab ich ihn abgeholt. aber was war, wenn der kleine grade dann schlief? schon war ich aus dem konzept. aber es wurde besser, immer eingespielter!
    mittlerweile geht matti die kurze strecke allein nach haus ( morgens grad jetzt in der dunklen zeit) geht der papa mit.
    Bei uns ist jetzt, anfang der zweiten Klasse die Zeit ab Mittagesen bis nach den hausaufgaben die aufreibenste. Aber auch das wird sich einspielen!

    Liebe Grüße,
    Kerstin

  2. stadtfrau Says:

    ich krieg schon beim lesen kopfweh – eine organisatorische meisterleistung hast du da vollbracht.
    ich finde das immer ganz spannend, wenn ich merke: ups, da ist grad was im sich-verändern. das ist eigentlich ganz schön.
    anders ist es, wenn die veränderung quasi passieren MUSS – ich bin so ein gewohnheitstier, das macht mir dann eher zu schaffen.

  3. Julia Says:

    Das hört sich ja wirklich nach einem vollen,durchorganisierten Tag an. Hut ab,dass du das so schaffst! ;)

  4. kassiopeia Says:

    Hier muss es ja auch. Hätte ich auf ewig Kindergartenkinder haben können, hach wieso nicht?! :) Nein, im ernst. Es ist eine Veränderung, die ich erwartet habe. Ich hab liebe Freundinnen und ich wusste, dass sich komplett alles ändern würde, bin aber dennoch überrascht wie sich das jetzt alles entwickelt hat und wie nun unser Tag so aussieht :)