4+4

Ich weiß nicht wieviele Gefühle heute in mir einfach übersprudelten? Blanke Panik seit gestern Nacht, mit keine Luft mehr bekommen, schlecht Einschlafen und einfach keine Ruhe finden, das Gefühl, dass irgendetwas grad nicht mehr stimmt fraß mich schier auf. Mit Nils wollte und konnte ich nicht darüber reden. Er ist ebenso betroffen wie ich, was soll er groß sagen?
Dann heute immer weiter reingesteigert im Gefühl, dass körperlich etwas überhaupt nicht stimmen kann, mit noch mehr Panik und Entsetzen festgestellt, dass ich erst Freitag einen Termin bei meiner Ärztin ergattern konnte. Und immer unruhiger geworden, während eine Freundin hier war.
Als ich dann gerade dabei war Ben zu schmusen, auf dem Fußboden saß, setzte sie sich zu uns, schaute mich direkt an und fragte: „Würdest du mir sagen, wenn ein fünftes Kind unterwegs ist?“ Und es bröckelte und sprudelte so alles aus mir heraus. Die Art wie sie es sagte, was sie sagte waren einfach heilsam. Ich kann es nicht mehr genau wieder geben, aber in etwa: „Ich hab ein gutes Gefühl. Es kommt wie es kommt. Du kannst nichts tun. Es ist nicht deine Schuld. Du kannst nichts machen. Es ist gut.“ Sie nahm mich in den Arm, streichelte lange und ruhig meinen Rücken und fing mich auf, als ich es wirklich brauchte. Sie log nicht. Wir sprachen über ihren und meine Verluste und es war einfach trotz aller Ehrlichkeit ein warmes, liebesvolles Gespräch ohne das Übliche, was man sich so anhören muss. Ein Mensch, dem ich bedingungslos vertraue und der schon in der Vergangenheit immer für mich da war, genau in diesem Momenten. Mich heile machte. Weil er menschlich war, echt und für mich da.
Ich bin dankbar. Etwas ruhiger heute Abend. „Hör auf deine innere Stimme“, hat sie gesagt, „nicht auf deinen Kopf, der rumort.“ Es rumort. Ich kämpfe gegen die Angst. 4+4- ich verlor im Juni genau so ein Seelchen.

Ich weiß seit einer Woche, dass es dich gibt. Ich sehne mich nach dir und mit jedem Tag wachsen meine Gefühle zu dir. Ich hab Angst, dich wieder hergeben zu müssen… weil ich dich liebe… aber wie sagte sie heute „Dein Herz ist groß, du hast soviel zu geben, gib dem Kind deine Liebe, egal ob es bleibt oder gehen muss.“
Ich gebe dir alles mit. All meine Liebe. Und vielleicht wenn ich das jetzt zu lasse, vielleicht egal was passiert, finde ich meine Mitte wieder.

Denn ich habe Angst. Wenn ich nicht genug hoffe, dass du gehst. Ich hab Angst, dass alles nur an mir liegt. Wie immer suche ich die Schuld bei mir. Dafür gebe ich doch alles, was ich habe.

4+4. Ich möchte doch erstmal nur die Daten der ersten Fehlgeburten schaffen. Einen Herzschlag sehen, Schritt für Schritt. Ich hänge derweil in der Luft, denn wenn es später wäre, fände man doch einen Herzschlag oder eben nicht, jetzt warte ich in Gottes Händen darauf, ob es überhaupt jemals schlägt dein kleines Herz. Und ich hoffe so sehr. In Liebe.

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