9+4

Mein liebstes Bauchkind. Gleich geht es wieder zum Arzt und was bin ich aufgeregt, trotz gestern Abend… Ich halt dich! Ich liebe dich! Ich hoffe, wir sehen uns gleich!

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Ich hab dich gesehen, und wie. Und ich bin dankbar für diese Ärztin und genieße seither den Tag. Unseren gemeinsamen Tag. Wir müssen noch soviel schaffen, aber es liegt schon soviel hinter uns. Ich möchte glauben, dass das Blut das Hämatom war. Ich möchte glauben, dass die Ärztin recht hat, ein so großes Hämatom, das würde nicht einfach so verschwinden in vier Tagen. Ich möchte glauben, dass ich nun nie wieder blute oder erst irgendwann in der Schwangerschaftswoche 40+, wenn die Geburt beginnt…
Ach Kleines. Wie gern bin ich deine Mama. Wie gern hab ich dich hier bei mir. Und wie gern würde ich nun endlich, bitte bitte endlich anfangen können, diese Schwangerschaft zu genießen und Gott oder dem Schicksal zu vertrauen.
Wir müssen das einfach schaffen. Wir haben doch jetzt schon soviel mit gemacht. Das muss jetzt reichen. Lass uns nun mit großen Schritten auf den Entbindungstermin zu gehen.

Es hat hier heute nach langer Zeit geregnet, es war so bewölkt und dunkel schon den ganzen Tag. Ich hoffe, ja ich bete gen Himmel, dass das die Wende ist. Das das das Reinigende jetzt war. Und nun alles gut wird.

Es liegt nicht an dir. Vielleicht nicht mal an mir. Unser Leben in Gottes Händen. In Liebe.
Deine Mama

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Ich fühle mich gebrochen. Ich kann nicht sagen, wie sehr. Blut. Erneut. Ich hatte so unendlich große Hoffnung. Ich hatte so ein gutes Gefühl heute, ein Gefühl von „Jetzt wird endlich alles gut!“ und dann vorhin Blut. Erst in der Unterwäsche, dann auf dem Papier. Es folgten bisher wieder entweder nichts oder Schmierblutungen. Ich kann nicht mehr. Ich habe das Gefühl aufzugeben. Ich warte jetzt ab. Entweder es blutet nun richtig schlimm los. Oder aber mein Kleines stirbt ohne das ich etwas tun kann, leiser. Oder es hört auf zu bluten. Ich möchte weinen. Ich kann wirklich nicht mehr. Ich hatte doch so ein gutes Gefühl!
Natürlich ist da auch Hoffnung. Sonst säße ich nicht hier. Ich bete, ich hoffe am Ende, dass es nur noch die allerletzten Reste des Hämatoms sind. Von dem ich doch heute noch so überzeugt war.

Aber es bleibt ungewiss. Ich habe gegeben und gebe weiterhin alles. Ich kann nicht sagen wie traurig ich bin. Wir sind so weit gekommen. Und nun Blutungen immerzu. Ich versteh das nicht. Ich verstehe nicht, warum wir das durch machen müssen. Ich resigniere ein Stück vor der Unberechenbarkeit des Lebens. Und bete trotzdem.

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