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Mein kleines Tüpfelchen,

ich wünschte nach all der geschafften Zeit würde ich es eher schaffen zu entspannen und mich zu freuen. Deine Oma war heute wieder hier und wieder konnte ich es nicht erzählen, obwohl ich sagen muss, meine Bereitschaft mich zu öffnen wächst. Denn mittlerweile dachte ich während des Besuchs noch daran, während an anderen Tagen alles mir erst wieder „einfiel“ als er weg war. Mit Ilo konnte ich heute morgen darüber sprechen. Nämlich das ich nicht darüber sprechen will, ich mag nicht beglückwünscht werden, ich mag nicht über mögliche Geschlechter sprechen, über Entbindungstermine, ich will einfach nur im Hier und Jetzt bleiben und nicht so tun als wäre es das natürlichste der Welt ein Kind zu bekommen, denn das ist es nicht mehr für mich. Mir fehlt diese Leichtigkeit.
Sobald ich in der Lage bin dazu loszulassen und wirklich keine Angst mehr zu haben, kann ich denke ich mein Glück auch teilen. Momentan halte ich mich fest daran. An dich! Du bist wundervoll und ein Wunder. Und ich denke ich bin ein Stück weit traumatisiert. Ich kann nicht allen sagen wie du heißen sollst, ich kann nicht allen davon erzählen, aus Angst unvorstellbar schreckliches könnte passieren. Ich glaube ich lebe gut in der Balance. Ich nehme meine Angst an. Und ich merke wie mein Innerstes beginnt zu kämpfen, ich kann es fühlen, diese Angst, dass eine Infektion, die ich gerade vermute, dir schadet, deinem Körper schadet und der Hoffnung, dem ganzem Glück, dass immer und immer größer wird.

Dein Bruder Tom, der weiß das. Der streichelte gestern meinen nackten Bauch und sagte in etwa, dass da auf jeden Fall ein Baby drinnen sei und man müsse eben deshalb aufpassen, dass man nicht den Bauch tritt oder schlägt oder dergleichen, weil dem Baby könne ja dann wieder etwas passieren. Irgendwie reicht das. All diese kleinen Teilen bilden ein großes Bild in ihm. Da ist ein Baby, ganz klar. Es ist unglaublich wie er immer wieder davon spricht und wie er seit März letzten Jahres nichts vergessen hat, dabei wird er erst vier. Ben streichelte den Bauch heute auch, aber lachte eher, Bäuche sind halt unheimlich witzig. Aber ich denke, irgendwie fühlen die Kleinen, dass sich da grad was verändert. Die Großen sind zu erschlagen von dem was gekommen ist und dem was kommt, wie die Erwachsenen um uns herum, die keinen Kopf dafür haben, keinen Blick. Und im Moment ist das ganz gut so.

Heute und auch gestern hatte ich immer wieder das Gefühl dich zu spüren, aber es sind so Vermutungen, noch so vage. Aber ich könnte mir vorstellen, das du das bist. Durch die Vorderwandplazenta ist da viel Puffer. Aber ich bete jeden Tag, dass deine Hiebe und Tritte kräftiger werden und ich bis zum letzten Stück im Herzen endlich begreife, dass du da bist und wirklich nicht mehr gehst.
Bei diesen Worten kämpfe ich schon mit den Tränen, denn nur Gott allein weiß, wie unglaublich große Angst ich habe, dabei will ich die gar nicht mehr haben, nicht jetzt wo alles gut ist, schlimm sind die Tage mit Grund, mit Blutungen, wo ich mir nichts sehnslicher wünsche als gemütlich dahin zu dümpeln in meinen Gefühlen.

Ich liebe dich so unendlich und ich horche so oft am Tag in mich hinein, bin ganz bei dir und genieße dich. Die Angst schließt das Glück nicht aus. Ich bin dankbar für dich, aber kann es trotzdem kaum erwarten, dass die Zeit schneller vergeht! Kleiner Mensch, ich liebe dich!

PS: Ich hab Am Sonntag nach einem Mobile für dich geschaut und allerhand anderem Kram. Ich hab alles auf eine Liste gespeichert und dort wartet es auf dich! In Liebe.

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