Archive for Juni, 2012

Emils Geburt

Samstag, Juni 30th, 2012

„Wann ging es denn los?!“ wurde ich gefragt, aber so genau weiß ich das gar nicht… Eigentlich hatte ich am Vorabend schon das Gefühl, dass was passiert. Es hatte sich erst morgens abgezeichnet und ich spürte wie die Tage zuvor, dass der Körper arbeitete, nur als ich ins Bett ging, schlief ich auch irgendwann ein. Das komische war, ich wachte mit Wehen wieder auf und zeichnete weiter. Das war neu. Und warmes Wasser tat zwar unheimlich gut unter der Dusche, aber ich war so unruhig. Dieses Unruhe sagt der Liebste, war für ihn die Gewissheit.
Egal was ich tat an diesem Mittwoch, es tat irgendwie weh. Und so kam es, dass der Mann um 11Uhr aus der Arbeit aus schrieb: „Und?“ und ich zurück fauchte, er könne wohl auf seine Veranstaltung gehen. Alle Jungs waren zu Hause geblieben, weil Tom etwas krank war und am Abend zuvor und noch mal nachts gespuckt hatte. Ich dachte zwar, dass liegt am Infekt, aber sicher ist sicher. Es war bloß kein gutes Timing. Also schrieb ich dem Mann versöhnlich irgendwann, dass ich heute ganz schön zu kämpfen hätte, unruhig wäre und mein Bauch sich komisch anfühlen würde. Worauf hin er mir schrieb, ich solle Bescheid sagen, dann würde er los rennen. Ich hatte solche Schmerzen immerzu, hielt mich aber stur in Bewegung wie den Tag zuvor, machte meinen Haushalt, legte Wäsche zusammen, bereitete uns eine Quiche zu und blieb im engen Kontakt zum Liebsten, der auf ein Event fahren wollte, dass er selbst mit organisiert hatte. Ich wusste, die Eröffnung beginnt um 13Uhr und ich wollte, dass er das mit erleben kann. Um 13Uhr gäbe es bei uns dann auch mit dem Schulkind Mittag- schon viel geschafft. Ich hatte eine liebe Freundin erreicht, die kurz mal eben hätte kommen können und das Wissen half mir auch etwas mich zu entspannen und nach dem Essen gab es ja die obligatorische Pause, auf die ich mich freute, denn ich hoffte mich irgendwie dabei sortieren zu können. Ich konnte einfach nicht einschätzen, ob es falscher Alarm ist oder nicht und diese Schmerzen machten mich mürbe und zu alldem gesellte sich eine unglaubliche Aufregung. Ich hielt mich mit einer anderen lieben Hochschwangeren mental über Wasser und ich war unheimlich froh, dass Nils die Begrüssung um 14Uhr schon hinter sich hatte und entspannte auch dahin gehend wieder. Wieder legte ich mich hin, konnte auch etwas Schlaf ergattern, aber wachte immer mal wieder auf von… diesen Kontraktionen. Mittlerweile war also neu, dass ich durchgehend und ohne Pause diese Kontraktionen hatte. Aber… sicher war ich mir immer noch nicht. Um 15.15Uhr schrieb Nils, dass er gleich losfahren würde und das versuchte ich ganz schnell zu verhindern und war froh ihn zu erreichen. Ich schrieb, ich hätte zwar Wehen, aber noch sei alles gut „hier“ und wenn es schlimmer werden würde (was ja passieren müsste, damit wir ein Kind bekommen und er gebraucht wird), würde ich schon nach ihm krähen. Das hoffte ich zumindest. Ein bißchen mehr als eine Stunde später schrieb ich schon, vielleicht müsse er doch schon heim kommen. Ich glaube, ich war mir immer noch nicht sicher, aber ich merkte wie ich immer und immer unruhiger wurde und anfing herum zu tigern, weil ich eigentlich allein sein sollte und in mich spüren. Ich fragte den Liebsten noch unterwegs, ob seine Ma heute wirklich keinen Kurs hätte, denn sie hatte ich mich immer noch nicht getraut anzurufen. Und ich brauchte ja eigentlich beide hier. Wie immer. Ich traute mich aber partout nicht sie anzurufen. Weil der Mann nun heim kam, denn ich hatte einfach gar keinen Kopf mehr für die Kinder (-ich meine sie vor den Fernseher gesetzt zu haben, damit niemand zu Schaden kommt und hatte zuvor noch erklärt, warum ich grad so komisch bin-) bin ich dann hoch, duschte noch mal kurz, zog saubere Wäsche an, denn es war schwül und packte endgültig die Tasche(n) und schloss sie, falls wir sie brauchen würden… Unten ging ich kniepernd an den Fotos im Wohnzimmer vorbei auf denen alle vier sind, sah die hynotisierten Kinder sentimental von der Seite an und landete warum dann eigentlich auch immer bei meinem eigenen Geburtsbericht von Tom und las. Und nachdem ich mich so lange gefragt hatte in den letzten Tagen, wann es denn los gehen würde, an was ich mich wohl mein Leben lang erinnern würde, wenn ich an Emils Geburt denke, war der Tag von Toms Geburt diesem Tag hier doch sehr ähnlich. Gereiztheit, innere Unruhe, Unsicherheit… Das komische im Nachhinein ist… ich schrieb sogar den gleichen Satz zum Schluss meiner Gedanken: „Bitte, lass es keinen falschen Alarm sein.“
Ich machte den Kindern gerade Brote, da kam Nils zur Türe rein und so wie ich ihn noch zwei Stunden zuvor im Spaß gesagt hatte: „Du bist doch mein Mann, du musst doch wissen wann es los geht.“, kam er zur Tür und sagte genau das. Das ich gerade unser Kind bekomme. Ich hatte schon lange aufgehört zu lachen, merkte ich selber. Und ich dachte daran, dass meine Schwiegermama das immer zu den Männern ihren Patientinnen sagt, wenn sie fragen, wann sie ins Krankenhaus fahren sollen: „Wenn sie nicht mehr lacht.“ Ich war immer noch unsicher, bat den Mann im Kreisssaal anzurufen und mich anzukündigen und wollte dann auf eigenen Wunsch ins Krankenhaus rüber laufen, ich würde mich melden, wenn es ernst ist… Die Hebamme am Telefon war wohl auch interessiert daran, warum ich allein komme, aber jemand musste ja die Kinder versorgen. Ich stand dann vor den Kindern und wusste gar nicht wie verabschieden, ich wollte einfach nur noch allein sein, aber irgendwie könnte das doch ein besonderer Moment sein. Zoe fragte noch, wo ich hingehe und ich meinte nur noch: „Na, ins Krankenhaus, gucken ob der Emil jetzt kommt oder nicht…“ Ich drehte mich an der Türe noch mal zum Mann um „Ist es das jetzt?“ dachte ich… es war ein magischer Moment und dann ging ich raus und lief durch die warme Sonne…
Ich merkte wie sehr mich das Laufen anstrengte, die Sonne war so warm und kaum ein paar Meter gelaufen, wurde ich lieb angesprochen von einer Fremden, ob man mir helfen könne oder ob mir die Wärme so zu schaffen mache. Ich konnte sogar in diesem Moment nicht sagen, dass ich gerade ein Kind bekomme, sondern schwindelte und sagte, es ginge mir sehr gut und die Wärme wäre das Problem. Aber ich fand das total lieb und man wünschte mir einen schönen Tag und alles Gute. Ich lief weiter und weiter, versuchte abzuschätzen, ob ich so noch über die Strasse kam, denn mittlerweile musste ich kurz innehalten und konnte unter den Wehen nicht mehr laufen, die Sonne blendete mich und irgendwann dann kurz nach 18Uhr betrat ich das Krankenhaus. Eigentlich wollte ich im Spiegel noch ein Foto von mir machen, aber ich war im Fahrstuhl nicht allein. Oben wollte ich ein Foto machen von dem Geburtshilfe- Schild, denn mir war aufgefallen, dass dort nicht Kreisssaal steht. Aber mein Handy war nicht so schnell, wie die Hebamme, die nach dem Klingeln die Tür aufmachte. Sie geleitete mich vorbei an einer Hebamme mit der ich Noah bekommen hatte, in einen ganz anderen Kreisssaal. Und ich dachte noch um ehrlich zu sein, dann ist das hier falscher Alarm. Ich war schon Sonntag in diesem braunen hier. Und sonst war es immer der grüne, dann muss ich mich wohl irren. Was für einen Mist man aber auch zusammen denkt in so einer Situation. Die Hebamme legte mich ans CTG, nahm mich soweit auf und wollte mich untersuchen, sagte mir aber, ich könne dann wohl noch eine Runde laufen gehen, was für mich ja gar keine Option war. Ich sagte noch vor der Untersuchung, dass ich nicht glaube, dass sich da groß was am Muttermund getan hätte, weil ich dafür keine Ruhe gehabt hätte. Wirklich warm wurden wir nicht, vielleicht weil wir beide wussten, dass gleich Schichtwechsel sein würde. Eigentlich war es kein toller Befund, ich glaube 2cm geöffneter Muttermund und richtig schöne Wehen, soweit ich das sehen konnte. Aber irgendwas veranlasste die Hebamme mir zu sagen, dieses Kind käme ganz sicher. Heute Nacht. Und das schrieb ich auch dem Mann. Und konnte es nicht glauben. Ich lag auf dem Bett, das CTG schrieb und schaute in die warme, helle Abendsonne, versuchte anzukommen. Irgendwie. Schrieb immer wieder mit dem Liebsten. Was er gerade tut, ob seine Mama käme, was die Kinder tun. Dann fiel mir ein, dass ich mich gar nicht bei den Kindern richtig verabschiedet hatte und bereute das. Dann dachte ich daran, was wohl wäre, wenn Ben in der Nacht aufwachte und mich brauchen würde, wie die zwei Nächte zuvor. Ob er wirklich weiß, dass ich nicht da bin, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn alle zur Oma gefahren wären… Hätten wir nur gewusst… Und dann sah ich sie um die Ecke kommen. Schicksal. Die Hebamme mit der ich wirklich gern entbinden wollte. Mit der ich schon Tom bekommen hatte und die Frau, bei der ich auch vor kurzem noch Geburtsvorbereitung hatte. Sie grinste und meinte: „Kriegen wir heute Ihr Kind?“ Also wenn sie mich so fragt… Ich glaube, sie sagte was von, ich käme ja anscheinend gut zurecht, es würde sich hörbar was tun, jedenfalls gab sie mir wie immer ganz viel Ruhe. Ich fragte vorsichtshalber nach, ob es okay sei, der Schleimabgang mit Blut, denn ich hatte ja kein CTG um, aber sie lächelte nur und meinte, dass sei alles richtig so, da tue sich was am Muttermund. Nils schrieb, er sei unterwegs. Und als ich gerade aus dem Fenster sah, ob er jetzt wohl kommt, sah ich noch wie er sein Handy in den Händen in die Luft hielt und nach oben ein Foto vom Kreisssaal schoss. Also muss ich genau hinter dem Fenster stehen auf dem Bild, da oben war ich und ich war so froh, als er endlich kam, denn ich hatte keinerlei Ahnung wie schnell es gehen würde. Die Wehen waren nur unheimlich intensiv und ich erkannte mich zuerst selbst nicht wieder, denn ich lief. Und lief. Und kreiste und stützte mich bis dahin immer an irgendwas angelehnt ab. Die Hebamme erkannte Nils auch sofort wieder, brachte ihn zu mir und meinte noch einmal, sie ließe uns machen und an der langen Leine, käme aber gleich wieder und würde nun erstmal die andere Frau übergeben, die sie nicht kennt und möchte stattdessen mit uns zusammen die Geburt machen. Als sie dann wieder kam, beschriftete sie erstmal alles und band das Namensbändchen, als wäre es das normalste auf der Welt. Junge oder Mädchen und schwuppst war es gebunden, dass blaue Armbändchen mit den Perlen und unserem Nachnamen. Dann schrieb sie wirklich ohne mit der Wimper zu zucken das heutige Datum auf das andere Namensbändchen und die Papiere und da war es nach 20Uhr und es sah für mich nicht wirklich danach aus, dass es so schnell gehen würde. Im Gegenteil, in meinem Kopf schwirrten die ganze Zeit Gedanken, ob ich das alles richtig genug mache, mich gut genug entspanne, nach unten loslasse. Ich kannte das überhaupt nicht von mir. Ich stützte mich auf Brusthohe aufs Fensterbrett, tönte, atmete, fluchte auch hier und da, denn es tat sehr schön weh. Der Mann durfte mich nicht anfassen, das machte ich alles allein, rieb mir im Anschluss den unteren Rücken wärmend. Die Wehen kamen kräftig, gingen mit Sicherheit mehr als eine Minute, denn ich brauchte zu Beginn noch vier Atemzüge bis sie vorüber waren, in den Bauch hinein, loslassend ausatmen. Zwei Minuten Pause hatte ich immer nur, aber das kannte ich ja. Im Stehen ging das nicht so gut, wie gesagt ich war unsicher, ob ich mich genug entspanne, aber die Hebamme kam 20 vor 9 und meinte sie würde mich um 21Uhr mal wieder untersuchen. Eine Ärztin kam und stellte sich mir vor, ich hatte sie auch schon mal gesehen. Aber in dem Moment fiel mir nicht mehr ein wann, mein Gefühl sagte mir instinktiv, dass das kein guter Zeitpunkt ist dem nachzuspüren. Jetzt weiß ich es plötzlich ganz klar. Und mein Gefühl war richtig. Das hätte ich in dem Moment nicht miteinander verbinden wollen. Ihr sagte ich im Gehen, dass ein Arzt bei der letzten Vorsorge den Tipp gab bitte noch mal einen Schall zu machen, damit wir wussten, ob das Kind richtig liegt und schwupps kam die Ärztin auch mit dem Gerät und natürlich lag er noch richtig. Aber das hatte mich beschäftigt, weil ich es bei der Aufnahme total vergessen hatte und er ja Möglichkeiten genug hatte, sich zu drehen. Die anschließende Untersuchung von der Hebamme war total ernüchternd, 2-3cm nur. Aber auch hier wieder blieb die Hebamme so ruhig und entspannt, kein Gefühl von Hetze oder Unruhe, als wäre es das normalste auf der Welt. Für mich war es das nicht, ein mickriger Zentimeter? Wir brauchen doch 10! Und es war 21Uhr. Aber sie meinte nur, wenn erstmal der Druck vom Köpfchen käme, würde alles ganz schnell gehen. Wir schrieben ein CTG im Stehen, ich lief und hing mich das erste Mal unter einer Geburt an Nils, weil das Kabel nicht lang genug war. Hielt mich fest, sein Geruch, seine Arme, seine Stimme- all das gab mir Halt, ich fühlte mich nicht mehr so verloren im Schmerz, sondern ganz sicher. Dann wieder eine kleine Pause und wieder eine neue Wehe. Wieder an Nils festhalten und das tat so unheimlich gut. Im Nachhinein sagt der Liebste, er fand das auch schön, denn er konnte aktiv etwas tun. Einmal war er nicht schnell genug, da bot sich die kleine zarte Hebamme an, an die ich mich selbstverständlich aber vorsichtiger hing, wie schon einmal im Kurs, tönte und atmete. Ich wurde schwächer. Ich merkte das und da ich meinen Mann unter der Geburt kenne und die Hebamme, nahm ich das unterschwellig war. Ich spürte das es Zeit war sich hinzulegen. Und das tat ich um 22Uhr. Die Wehen konnte ich da schon nicht mehr so gut veratmen, immer öfter hatte ich das Gefühl mich zu verlieren, zu ertrinken, ruderte mit den Armen, tönte lauter. Ich nahm den Druck wahr im unteren Rücken, die ganze Zeit schon, die Schultern des Kindes sollten das sein, die sich ins Becken einstellten und irgendwann zog es auch zur Scheide. Dieser Druck ließ nur in den Wehenpausen leider nicht mehr nach. Ich hatte das Gefühl und das sagte ich auch, er würde mit dem Köpfchen immer wieder da unten gegen donnern und abprallen. Das war wohl der Moment, wo sie noch mal untersuchte. Was ich nicht sehen konnte unter der Wehe, war dass sie Nils mit den Fingern zeigte, dass alles geschafft war. Ich weiß nicht wann, aber das spielte auch überhaupt keine Rolle, dass sie ganz sachte, so vorsichtig unter der nächsten Wehe die Blase öffnete, ein total warmes, schönes Gefühl und auf einmal auch ließ dieser Schmerz nach, dieser Druck, dieses Donnern und alles war schön. Ich lag da, total klar, wusste dass es fast geschafft war, für den Moment tat mir in der Wehenpause wieder wirklich nichts mehr weh und ich wusste und sagte auch, dass ich mich darauf freue gleich aktiv werden zu dürfen. Das ich keine Angst habe vorm Pressen. Und ich kann mich erinnern, dass die Hebamme meinte, na mit so einer Einstellung stünde dem jetzt doch nichts mehr im Wege. Wir hatten alle Zeit der Welt und ich fühlte noch keinen Druck. Ich durfte so wie mir unter der Wehe war, einfach etwas schieben und das tat ich. Ganz in Ruhe, in meinem Tempo durfte ich das. Emil machte gut mit und die Hebamme dehnte vorsichtig und stimulierte meine Gebärmutter, dass konnte ich spüren. Sie half mir einfach so und es war so schön entspannt. Sie nahm meine Hand und führte mich runter, all das sei schon das Kind sagte sie. Auch etwas, was ich nie vorher wollte unter den Geburten und glauben tat ich das eh, weil der Mann schon lange knieperte vor Rührung. Ich kenne meinen Mann unter der Geburt, egal was eine Hebamme mir sagen würde, ich würde an meinem Mann an meiner Seite wissen, wo wir sind. Sie sehe viele dunkle Haare, sagte sie und auch das überraschte mich nicht. Dann kam ganz langsam so ein Druck angerollt und ich musste wirklich für einen Moment überlegen, wie man presst. Augen zu und genau da hin schieben wo schon eifrige Hände waren, hier hin, sagte sie. Der Druck unter den Wehen kam nicht plötzlich, sondern ganz langsam und am Ende so kräftig, dass ich wieder genau wusste, was ich tun muss, ich fühlte mein Kind kommen. Die Hebamme legte mein Bein in ihre Taille, bat mich Platz zu machen. Das Ziehen, diese unglaubliche Dehnung, in die ich nur kräftig schieben sollte, es wäre fast geschafft. Ich weiß auch nicht mehr, was er genau sagte, aber wenn der Mann sagt: „Noch einmal!“, dann meint er es auch so, denn er will dann sein Kind endlich haben! Auch das sagte die Hebamme, die ich so mag, aber ich fühlte es an Nils Bewegungen, wie er mich animierte, noch mal alles zu geben und das tat ich. Ich schrie. Wie die kräftigen Presswehen zuvor auch und hörte wie die Hebamme erneut sagte: „Tiefe Töne, tiefe Töne.“ und wenn ich hätte reden können, hätte ich gefragt: „Was zum Teufel sind jetzt grad tiefe Töne.“ Aber irgendwie brummt man dann doch intuitiv in die richtige Richtung. Mit den Bwegeungen des Mannes, dem Vertrauen, dass es fast geschafft ist, fühlte ich wie erst Kopf, dann die Schultern, unser weiches Kind entlang meinen Beinen auf die Welt zu uns kam. Endlich.
Endlich. Ich hörte ihn, spürte und sah ihn und konnte nur noch weinen. Und es lief. All die Erleichterung, all die Angst, die Anspannung alles musste raus. Ich war überglücklich. Mein Sohn. Unser Sohn. Endlich da. Am Leben. Hier. Bei uns. Ich weinte vor Glück! Lange. Und hielt ihn so fest ich nur konnte, dieses wunderschöne Kind.

Die Hebamme trocknete meine Tränen. Ich guckte noch mal nach, ob es bei Emil geblieben war, wir lagerten ihn um mit Hilfe um, weil wir doch so unbeholfen waren, so winzig, so wenig Körperspannung (Wie war das alles noch mal?), damit ich ihn noch besser sehen könnte, dann drückte die Hebamme mit mir die Plazenta raus, vergewisserte sich, dass alles heil geblieben war und liess uns ganz allein. Wir guckten und er guckte auch. Vorsichtshalber, ob er richtig ist. Wir beschmusten unser Kind mit der großen Schere an der Nabelschnur und ich half ihm beim ersten Anlegen, was er ganz toll fand. Saugen- wie ein Weltmeister! Irgendwann kam die Hebamme zurück und fragte, ob uns interessiert wie groß und wie schwer er sei. Sie nahm Maß. Er war so lang wie Noah am Tag seiner Geburt. Sie legte ihn auf die Waage, wo sein Papa Blödsinn machte und ihn behachte und schwupps stimmten die Zahlen nicht mehr, also warteten wir und amüsierten uns, wie Emil lässig den Fuß über die Waage hängen liess. 4430g meinte sie dann. Fast Toms Geburtsgewicht und ich erklärte ihr, dass ich wirklich vor erst 1 1/2 Wochen beim Arzt war und ich laut dieser Messung ein kleineres Kind zu erwarten hatte, als sonst bzw nicht mehr weiter so schnell wuchs und zunahm, was mir wirklich Angst gemacht hatte, er wäre nicht mehr gut genug versorgt. Wir redeten ganz viel über Kinder, Lebensplanung, Geburten und Ärzte und in der Zwischenzeit hatte ich sehr viel gegessen, mein üblicher Gerade-geboren-Fresskorb. Mein Kreissslauf war gut und ich ging zur Toilette. Für mich immer ein wichtiger Gang. Nils wurde müde und müder, schlief immer mal wieder ein, Emil schlief dann irgendwann auch endlich angezogen für den Heimweg, nachdem er aber ganz schön viel und lange gesaugt hatte. Mit Hilfe der Hebamme zog ich mir was Bequemes an und dabei meinte sie um kurz nach 2Uhr, wir könnten jetzt gehen, wären entlassen von ihrer Seite aus. Sie gab uns noch allerhand liebes und wichtiges mit und wir überlegten nur kurz, ob Taxi oder Oma anrufen. Hatten aber bei beidem kein gutes Gefühl, aber Laufen hätte ich mit Gepäck nicht geschafft. Gepäck, dass ich ja gar nicht richtig gebraucht hatte, weil wir beide gesund und munter waren. Was en Geschenk. Ich grinste grenzdebil, packte unsere Sachen wieder ein, machte ganz viele Fotos, seufzte mehr als einmal sentimental. Ich spürte wie mir das fast zu schnell ging… Aber der Gedanke gleich in unser Bett zu sinken… morgen die Kinder… Ich umarmte an der Türe meine Hebamme und wir fuhren mit dem Fahrstuhl nach unten, setzten uns rein ins Taxi und fuhren die paar Meter heim… mit unserem Sohn, gerade drei Stunden alt…

Zu Hause erschreckten wir die frisch gebackene Oma, die kurz dachte, wir seien Einbrecher, denn so schnell hatte sie nicht mit uns gerechnet, sie betrachtete Emil und dann gingen wir ins Bett. 2:51Uhr sagte meine Uhr auf dem Handy… Nils schlief sofort ein. Ich war noch zu unruhig, als wäre er weg, wenn ich aufwache, schaute immer wieder nach ihm. Um 4:03Uhr stillte ich das erste Mal unseren Sohn Emil in unserem Bett.

Schon im Kreisssaal hatten wir beschlossen, dass die Kinder daheim bleiben würden, auch das Schulkind, Oma hatte noch nachts angeboten nach dem Frühstück die Großen und Kleinen bis nach dem Mittag zu entführen. Und so tapste ganz von allein erst Zoe am Morgen ins Schlafzimmer und freute sich über ihren Bruder, dann kam Noah guckte vorsichtig, begutachte, kuschelte, dann holte der Liebste den munteren Ben hoch, der erstmal gar nicht sah, wer da lag. Aber er wusste, dass muss er sein, dieser Emil. Er fragte mich, wo der Bauch ist und vorsichtshalber noch einmal nach, ob da noch ein Baby drin wäre, Tom kam und streichelte ihn gleich, ganz sanft… und Zoe sagte so in etwa, guck mal Tom, der Emil kann was automatisch, wenn man dem einen Finger hinhält, greift er zu… aber irgendwie waren sich alle einig, der ist ganz schön klein, dieser Emil und niedlich… und der bleibt jetzt hier…

Die ersten Tage mit Emil

Freitag, Juni 29th, 2012

Heute morgen habe ich mich runter gekämpft mit Emil. Noch am Tisch gestillt und dann brachte Nils die Kinder weg. Erst Zoe natürlich und dann die Jungs. Von da aus fuhr er ins KH, versuchte Emil anzumelden, was ohne meine Unterschrift nicht ohne weiteres ging. Also kam er zurück, schnappte sich Ben und fuhr mit ihm zusammen ins KH, von da zum Einkaufen und zurück. Ich hab dann die ganze Zeit mit Emil geschmust, gestillt, ihn zum Schlafen gebracht, es war unheimlich schön. Ich hab ihn lange angestarrt, Fotos gemacht und bin selbst weggenickt. Nils fuhr dann wieder los, einkaufen mit Ben und kam dann mit allen zurück. Emil schlief grad und irgendwie wurden sie immer lauter, Emil wurde wieder wach. Nach der Pause gingen wir alle wieder hoch. Schliefen ein bißchen und dann ging ich nachmittags runter. Die Kinder pritschelten draußen und ich hatte Emil die ganze Zeit zum anstarren und vergöttern. Heide kam um 18Uhr zur Nachsorge und um 19Uhr wieder weg, Zoe weinte leider, Ben und Tom waren auch durch den Wind. Ich schaute Perfektes Dinner. Und dann im Anschluss mit Nils Plan B für die Liebe. Mir fiel wieder auf, wie schnell die Zeit vergeht und musste ganz schön viel schlucken. Ich glaube, ich vermisse den Bauch auch. Obwohl mir der Emil viel lieber ist als der dicke Bauch :)

Das größte Glück auf Erden…

Donnerstag, Juni 28th, 2012

ist lieben und geliebt zu werden.

Unser Sohn Emil Paul ist geschlüpft- am 27. Juni 2012 um 23:20Uhr bei 39+4. Mit 4430g auf 56cm und mit einem Kopfumfang von 37cm.

Geliefert mit allem was wichtig ist: saugt, pupst, schmatzt, duftet gut, lächelt im Schlaf, macht lauter niedliche Geräusche und ist süß ohne Ende…

39+4

Mittwoch, Juni 27th, 2012

Noch drei Tage.

Oder auch: Ich bin fix und fertig. Ich weiß, drei Tage sind ein Witz plus ein paar Tage. Nicht viel. Dennoch. Die Nächte werden kürzer und kürzer. Jeder hat irgendwelche Tage, die ihm mal gar nicht in den Kram passen und das nervt mich total an. Tom hat heute morgen um 5Uhr gespuckt, gestern Abend auch. Ich dachte und denke nach wie vor, dass das am Kranksein liegt, gestern Abend hat er zudem unreife Früchte genascht. Aber alles egal, der arme Wurm ist krank. Hat Ben nicht daran gehindert, statt seines Bruders zu uns ins Bett umzuziehen, laut. Dafür hat er so ruhig geschlafen. Tom liegt jetzt hier, Noah ist wirklich total lieb, Ben ein bißchen verspult. Und ich hoffe, Zoe bleibt fit, weil sie über Kopfschmerz klagte morgens.
Ich hab Wehen, da tut sich so dermaßen was. Heute morgen wieder viel viel Schleimabgang. Und nun eben Wehen. Ich mag nicht mehr, die Wehen zermürben mich. Ohne sie, ginge es besser. Denn immer wenn ich versuche sie zu fassen, mich frage ob es vielleicht doch los geht., hört alles wieder auf. Das ist zwar toll, weil ich schlafen kann, wenn ich denn schlafen könnte aber ich möchte eigentlich erst dann Wehen verpusten müssen, wenn es wirklich losgeht. So sicher wissen, dass ich Nils und Schwiegermama anrufen muss und fertig. Das auf und ab rüttelt sehr an meinen Nerven. So sieht es aus. Um 10Uhr. Am Mittwoch.

Was soll ich denn jetzt eigentlich machen? Wehen seit dem aufstehen. Also seit 7Uhr. Dreieinhalb Stunden, immer mal wieder… Traue mich weder den Mann zu nerven, der sich so auf die Google IO freut noch meine Schwiegermama, die ja auch nichts sagen kann, außer dass ICH schon wissen werde, wann es losgeht. Haha. Ach so ein Käse.
Stehe in der Küche. Laufe durchs Wohnzimmer und sehe die zwei Quartett- Bilder. Muss unweigerlich ein bißchen Tränen wegschieben. Zeitgleich Schmerzen und immer noch so eine Unruhe. Geht es wirklich los? Oder hab ich Nils jetzt einfach den Tag verdorben. Es tut die ganze Zeit weh, drückt und schiebt nach unten. Traue mich dennoch nicht jemanden anzurufen, aus Angst falschen Alarm auszulösen. Dabei tut das schon gescheit weh. Und nun war ich auf der Toilette, mal sehen wie sich das jetzt weiter entwickelt. Ich bin mordsmäßig aufgeregt. So richtig. Ich kann mir gar nicht richtig vorstellen, dass es jetzt wirklich soweit ist, der Tag auf den wir so lange warten. Aber das glaubt man wohl immer erst, wenn man mitten unter der Geburt ist oder die Kleinen da sind. Bitte, bitte lass es keinen falschen Alarm sein.

39+3

Dienstag, Juni 26th, 2012

Noch 4 Tage.

Ich bin so schrecklich aufgeregt. Heute morgen doch mehr und viel klaren Schleim abwischen dürfen. Es hat nicht plopp gemacht, aber es sieht gut aus. Darauf warte ich seit Tagen. Dazu hatte ich gestern ein paar gescheite Wehen. Und heute zieht es auch. Noch nicht richtig gut, schmerzhaft und regelmässig, aber da passiert was. Und nun bin ich aufgeregt. (10:40Uhr) Ich hab ein gutes Gefühl, vielleicht schon für heute, dafür zieht es einfach zu sehr. Es zieht so sehr, ich glaube, es geht los. Aber psst! Wenn ich mich irre, lösch ich das hier :)
Ja, ich werd das dann mal löschen oder? :) 17Uhr und soweit nichts in Sicht, schade auch. Dafür wirklich ein Geschenk, dass alle gleichermaßen aufgeregt sind und fragen, ob er schon da ist. Und dabei werde ich nicht mal genervt, sondern man löchert meine Schwiegermama, die ihr Allerbestes gibt mir hier zu helfen. Diese Woche holt sie wieder viel die Kinder, das entlastet mich sehr und ich freu mich immer über den netten Schnack zwischendrin. Heute hat der Benni gesagt: „Emil, komm da raus! Du bist eine lahme Schnecke!“ Na… wo er recht hat. Sein Name bedeutet ja eigentlich „der Eifrige“, aber davon merke ich nichts. Ansonsten weiß ich nicht, ob er vielleicht seinem Bruder Tom nacheifert, den ich 9 Tage übertrug. Meine Lieblingsschwägerin meinte heute, von der Reihenfolge ist warten dran… Mist. :) Ansonsten hat der Name auch noch die Bedeutung „der Nachahmer“ also von daher… Oje… Dabei hatte ich ihn doch schon mit Noah in einem Topf :)

39+2

Montag, Juni 25th, 2012

Noch 5 Tage.

Das wäre dann dieser Tag gewesen. Eigentlich ganz entspannt, Ben ein bißchen anhänglich, aber dank Heide, die die Jungs vom Kindergarten holte, doch ganz ruhig. Aber den ganzen Vormittag über habe ich mich nicht einmal hingelegt oder ausgeruht, sondern gewuselt. Ich konnte nicht still sitzen. Dann hatte ich eine richtig schöne Mittagspause, die mich leider nicht davon abhielt, einmal ordentlich die Kinder anzumotzen. Wie ich das hasse, so zu reden, so zu sein. Ich denke ab von all den Hormonen, geht es mir immer so oder so nahe, wenn die Kinder sich gegenseitig verletzen und ärgern. Das das Erheben meiner eigenen Stimme genau nicht das ist, was die Kinder dann als Vorbild brauchen ist mir eigentlich klar. Danach haben wir lange und (hoffentlich) offen geredet, ich habe mich entschuldigt, aber auch gesagt, was mich wirklich stört. Ben war so müde, dass er dann noch am Tisch um 17Uhr einschlief. Und seit Monaten endlich mal wieder, trug ich Ben in sein Bett. Allein. Etwas was die letzten Monate nicht ging, wofür wir immer auf den Papa gewartet haben. Das war so schön und besonders zugleich. Im Anschluss wuselte ich wieder herum und konnte nicht still sitzen, mitunter hab ich es geschafft den Mal- und Bastelschrank der Kinder mal wieder auf Vordermann zu bringen. Das nicht Hinsitzen, sondern machen hilft mir in gewisser Weise nicht zuviel nachzudenken und ich laufe dabei auch ein bißchen vor den Schmerzen weg, die mich ja doch triezen.
Als Nils dann da war, stellte ich die letzte Spargelsuppe des Jahres an und dachte, jetzt könnte ich mich entspannen und endlich Wehen haben, denn irgendwie zog es doch eh schon den ganzen Tag und nun dachte ich, wäre doch eine gute Zeit, wachte Ben wieder halb auf und wimmerte. Wenn so ein Kind aus dem Halbschlaf ruft: „Ich will mit Mami kuscheln!“ hat Papi verkackt (tschuldigung, ist doch aber so) Der kann dann machen was er will, zudem gibt man ja als Eltern ja eh alles, das Kind möglichst schnell zurück ins Schlummerland zu begleiten, also trug der routinierte Papa sein viertes Bärenbaby hoch in unser Bett, wo er ja sonst auch immer einschläft und ich kuschelte mich an ihn, bis er wieder schlief, was ganz schnell ging. Danach das gleiche mit Tom. Und jetzt ist wirklich so was wie Ruhe, der Bauch wird immerzu hart, Emil wuselt rum. Keine Ahnung wo die Reise hingeht… aber… Irgendwann kommt Emil wohl raus, oder????

Wir zwei ♥

Montag, Juni 25th, 2012

39+1

Sonntag, Juni 24th, 2012

Noch 6 poplige Tage bis zum Termin. Theoretisch. Eventuell werden es 13. Dennoch überwiegt trotz allen anderen Gefühlen erstaunlicher Weise, das Gefühl von „nur noch“.
Gestern ordentlich geweht. Bis in die frühe Nacht hinein, wir waren ja auch viel unterwegs. Oft musste ich innehalten, nicht nur vor Wehe sondern auch vor Schmerz und nicht mehr Laufen können, etwas das ich gerne ausblenden möchte, ob dem Fakt, dass morgen Montag ist und meine ganz normale Woche wieder beginnt.
Als ich dann heute morgen aufstand, hatte ich Schmerzen an genau einer Stelle im Bauch. Ich war so froh Emil zu spüren, aber ich dachte ein Besuch im Kreisssaal könne nicht schaden, um mir die Unsicherheit und Angst zu nehmen. Ich hab jedenfalls gleich gesagt, dass es nicht los geht. Man schloss mich aber leider nur kurz ans CTG und wollte mich dann gefühlt doch wieder loswerden, weil die Zimmer voll waren und eine Schwangere mit Tropf schon im Gang stand, als ich ging. Man sagte mir, die Schmerzen kämen von der Leiste. Aber die ist da nicht, jedenfalls gab es keinen Schall (leider), um aus zusschließen, dass die Plazenta Probleme macht. Ich hoffe, es sind Muskelschmerzen vom vielen Laufen gestern. Trotzdem weiterhin geweht heute. Leider nicht so stark, dass ers sich auf den Weg machte. Dabei wäre heute so ein wunderschönes Datum gewesen. Der Hochzeitstag meiner Eltern. Ich versuche weiterhin einfach ganz ruhig zu bleiben, nicht zuviel nachzudenken, dass klappt auch ganz gut, bis ich abends ins Bett gehen will. Dann kommt alles zusammen, der Mann schnarcht, ein Kind pieselt ins Bett, mir ist warm und im Kopf dreht sich alles: Unsicherheit eben, auch Angst nach wie vor es könnte ihm was passieren, Freude, Sehnsucht, Unglaube. Denn da ist tatsächlich unser Sohn in meinem Bauch. Ein echtes Baby, ein Kind- unser Kind. Unglaublich toll!

Fakten von Hebamme D: Muttermund weich, aber sakral, 1cm, Köpfchen relativ (was auch immer das heißen mag) fest im Becken.
Ich soll jederzeit wieder kommmen, denn beim fünften wisse man eben nicht, es könnte ganz schnell gehen… als würd er rausfallen. Zum einen hat sie wohl leider recht und ich fühle diese Unsicherheit ja auch. Gerade wenn es in Po und Rücken zieht, hab ich Angst weite Teile der Geburt zu verpassen wie bei Bens Geburt, dass ich nur Schmerzen habe, aber keine Wehen wahrnehme. Auf der anderen Seite ist das alles an das ich mich klammere, ich gehe einfach jeden Abend mit Schmerzen oder ohne ins Bett und gucke was passiert.

Ich hab in den letzten Tagen auch in mich hinein gehorcht, ob ich wirklich soweit bin, oder dicht halte. Immerhin muss ich ihn wirklich komplett einmal loslassen. Ich denke da natürlich, dass das ein Problem ist. Es könnte sein, dass er so krank ist und uns genommen wird, ja sowas passiert echten Menschen, es könnte sein, dass er doch nicht lebensfähig ist- all das bedeutet am Ende, dass er in meinem Bauch doch viel besser aufgehoben ist. Und vielleicht ist er das. Aber ich spüre auch Zuversicht und Hoffnung, dass ich dann endlich mit meinem Kind im Arm hier liege. Und das ist trotz allem größer als alle Angst. Ich weiß nicht genau, wo dieses Gefühl herkommt, aber genauso ist es. Ich denke mehr daran wie es sein wird, wenn er endlich endlich da ist. Und deswegen dachte ich, ist es eben nicht meine „Schuld“ unterbewusst, ich kann loslassen, schon die ganze Zeit.

38+5

Donnerstag, Juni 21st, 2012

Noch 9 Tage bis zum Termin. Und weil ich wohl heute kein Kind mehr bekommen werde, also frühestens morgen, dann schon nur noch 8 Tage. Obwohl ich alles in Kauf nehme. Auch ne Geburt in unter vier Stunden. :)

Heute einen schönen Nachmittag mit Mandy verbracht, aber jetzt merke ich wie mich so ein ganz normaler Tag schon schlaucht. Vorhin hatte ich so Probleme beim Sitzen, dass ich nur noch Beckenwippend- und schwingend im Garten stehen konnte. Auch jetzt hab ich noch das Gefühl, dass die Gebärmutter sich hin und wieder zusammen zieht, aber ernst ist anders. Obwohl sie schon recht regelmässig tut. Ach wäre das schön. Aber naja. Ich hab im Endeffekt keine Ahnung, wann es wirklich soweit sein sollte.

Und ich trau es mich ja kaum laut sagen, aber heute… heute bin ich echt müde. Meine Haut tut weh, ein leichter Schattensonnenbrand ziert meine Nase, Wangen und Schulterblätter. Also Bett wäre auch ne feine Sache mit schönem Windchen… ich wäre nicht abgeneigt :) Morgen dann das große Sommerfest im Kindergarten, das wird definitiv nicht lustig.

Treppen- Ausdrucktanz

Mittwoch, Juni 20th, 2012

Ich weiß nicht welche geheimnisvolle Macht von unseren Kindern Besitz ergreift, aber es passiert, täglich würde ich sogar sagen. Nach der eingenommenen Familienmahlzeit, sagt man die magischen Worte: „Geh dir bitte oben die Hände waschen! Ich komme gleich nach und putze dir deine Zähne.“ und passiert es mit ihnen. Ich weiß nicht wie, noch warum, aber die paar Meter zwischen Esstisch und Treppe genügen: Weg sind die Worte. Vergessen. Stattdessen beginnt eine innige Beziehung zur Treppe.

Stufe 1 dieser mysteriösen Krankheit scheint mir: Augenblicklich völlig starr und bewegungslos auf der meist untersten Stufe stehen zu bleiben. In diesem Moment erreicht man das Kind nicht mehr. Weitere Bitten, Fragen oder Aufforderungen scheinen wie weißes Rauschen die Ohren durch zu spülen.
Stufe 2 ist meiner Erfahrung nach: Mit der Eleganz einer Eidechse die Treppe auf allen Vieren in Zeitlupe zu erklimmen. Besonders wichtig bei Stufe 2 ist immer wieder kurz regungslos (wie in Stufe 1) in der Bewegung stehen zu bleiben und einen Moment das Rauschen zu genießen.
Stufe 3 ist definitiv für fortgeschrittene Bewohner des Hauses: Die Hohe Kunst des Ausdruckstanz. Ein Bein wird meist drei, vier Treppenstufen nach oben kunstvoll abgelegt, das andere Bein durch die Gitterstäbe der Treppe gestreckt, eine Hand bleibt am Geländer, die andere wird filigran über den Kopf gehalten- jeder Ballettlehrer hätte seine wahre Freude an diesem wunderbaren Anblick.

Befallen hat es schon jedes Kind. Wir Eltern werden derweil von einer anderen schlimmen Krankheit eingeholt: Verbale Wiederkäueritis. Der Zwang alles täglich mehrmals zu wiederholen. Ganz schlimm: „Geh doch bitte schon mal hoch. Ich komme gleich nach und putze dir deine Zähne.“