3 Wochen

Kleiner Mensch,

eigentlich fühlt es sich noch an wie ein Traum, du liegst zwar hier, ich kann deinen Duft einatmen, aber es ist immer noch dieses Gefühl von überwältigt sein. Das erinnert mich an einen Abend während der letzten Schwangerschaftstage, ich konnte fühlen, dass es bald soweit ist und ich war so unruhig, taperte nachts durch die Gegend von Zimmer zu Zimmer, wurde immer unruhiger und an diesem einem Abend merkte ich wie mir vor Aufregung und Glück beinah die Luft weg blieb, du warst wirklich fast da, wir würden dich bekommen, ich konnte es nicht richtig glauben und war dann einfach nur so dermaßen gespannt, als es so nahe war: Du!
Du… würdest wirklich in diesem Bett in unserem Zimmer liegen, du würdest wirklich in diesem Maxi Cosi getragen werden, wenn wir wieder zurück kommen, wirklich eingewickelt in die Decke, die ich dir entgegen gehäkelt hatte, um manchmal einfach nur stur gerade aus zu denken und weiter zu brüten trotz allem… wirklich diese kleinen Sachen tragen, die mir so schwer gefallen waren zu kaufen, zu waschen, einzuräumen, wir würden dich wirklich halten, dich streicheln, dich kennen lernen, mit dir leben…
Und jetzt bist du hier… auf der einen Seite ist alles ganz unwirklich wie in einem Traum und wunderschön und auf der anderen Seite scheint die Geburt schon so unglaublich weit weg, wie in einem anderen Leben und genau so ist es doch. Die Geburt teilt alles in ein davor und ein danach.
Jetzt bist du hier und ich wünschte ich könnte sagen, ich würde mir keine Sorgen mehr machen, aber das tue ich. Wie ein Mama das tut. Ist das normal, frage ich mich oft. Ich lerne da keine Routine, bei jedem Kind wieder fange ich von vorne an und so auch bei dir, denn du bist du. Und manche Dinge, hab ich einfach nur vergessen :)
Deine Laborwerte haben wir heute bekommen, sie sind unauffällig und auch wenn ich dachte, ich würde das gut meistern und nicht soviel dran denken, im Hintergrund war sie da die Unsicherheit und Angst, ich könnte mich irren, meinem Bauchgefühl nicht vertrauen und du wärst wirklich krank. Ich habe viel mit mir gekämpft, warum mich das so trifft, was so schlimm daran wäre, habe es zerpflückt, wie alles in den Monaten zuvor, um es zu verstehen und damit ich nicht mehr solche Angst davor haben muss. Aber du hast diese Stoffwechselstörung nicht. Und mir ist so ziemlich alles vom Herzen gepurzelt. Ich hielt dich nach dem Anruf hoch, strahlte dich kleinen perfekten Menschen nur an und war einfach froh und dankbar und ich spürte wie ich leichter wurde…
Ich bin auch dankbar und unglaublich froh, für diese drei Wochen, die wir dich schon bei uns haben. Ich habe unzählige Fotos von dir gemacht. Zum Erinnern, festhalten und drauf starren, wenn du schläfst oder nicht auf mir liegst.
Du bist schon so wach. Sehr lange am Stück. Hälst deinen Kopf schon wie ein Großer und liebst Bilder und Poster, du guckst und guckst, du saugst alles auf. Und lächelst uns an. Zugenommen hast du auch, als müsstest du deinen kleinen Körper in Sicherheit bringen, du wiegst irgendwas über 5600Gramm. Deine Geschwister sehen immer wieder nach dir, küssen und streicheln dich! Und neben ihnen siehst du so klein aus. Ich dachte, ich würde deine Geschwister mit anderem Augen sehen, wenn ich aus dem Krankenhaus nach Hause komme, weil du da wärst, als wären sie nachts gewachsen, das war aber überhaupt nicht so. Eher jetzt denke ich oft, sie sind wie du auch wunderschön, aber so groß geworden, körperlich und auch anhand von so vielen kleinen Dingen, die sie tun und sagen.
So ganz ganz langsam kommt es an: Zoe, Noah, Tom, Ben & Emil. Ich sehe euch zusammen. Ich schreibe eure Namen. Immer wieder. Und irgendwann glaube ich es vielleicht wirklich.
Es ist wunderschön, dass es dich gibt! ♥

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