Archive for Oktober, 2012

4 Monate

Sonntag, Oktober 28th, 2012

Kleiner Mensch,

ich weiß gar nicht recht woher, aber ich war gestern furchtbar sentimental. 4 Monate… das ist schon wieder soviel Zeit, nicht dass ich eine Minute missen würde wollen oder dich mir kleiner wünschen, denn dafür geniesse es zu sehr, zuzuschauen wie du dich entwickelst- es ist einfach nur viel Zeit.
Als ich in den Wehen unter der Geburt zum Krankenhaus lief, brannte mir die Sonne an diesem Abend ins Gesicht, ich musste die Augen zukneifen um pustend die Strasse zu überqueren, die Sonne schien ewig nicht untergehen zu wollen und dabei wusste ich ohne Dunkelheit, die mich umhüllen würde, könnte ich dich nicht bekommen, es war heiss an diesem Tag, aber später kurz bevor du auf die Welt schlüpftest, schlüpfte ich in Wollsocken.
Gestern dann: Schnee. Erst flogen die Flocken umher, wie noch Stunden zuvor die Blätter, dann blieb mehr und mehr liegen und am Abend rollte Zoe den ersten Schneemann. Es war wunderschön. Ein traumhafter Anblick, wenn man aus der warmen Stube mit Kaminfeuer raus dem Schnee- und Kindertreiben zuschaut. Wir stellten uns beide ans Fenster und uns kam der eisige Wind entgegen, der so herrlich frisch war, diese klare Luft einfach wunderbar.
Mir ging es durch das Herz, auch wenn nicht wirklich, noch nicht Winter ist, fühlte es sich in diesem Augenblick so an- drei Jahreszeiten mit dir: Sommer, Herbst und Winter. So wunderwunderschön. Ich bin auch, wenn es niemand mehr lesen kann, so unendlich dankbar, für dich, für euch.
Du, du Sonnenschein. Du Glückskind. Wir Glückseltern, ich Glücksmama. Ich liebe diese Nähe zu dir. Vor zwei Nächten lag ich neben dir gefühlt eine kleine Ewigkeit und streichelte mit Hingabe diese unglaublich weichen Innenseiten deiner Hand, das schönste Gefühl der Welt: Diese Kinderhände. Und gestern Abend, du warst gerade noch einmal aufgewacht, da streichelte ich dich in den Schlaf, von der Stirn zur Nasenspitze… so schön. Ich trage dich so gerne, deinen Körper, diesen gewölbten Po und Rücken, etwas worauf ich mich schon so sehr nach einem Ultraschall gefreut hatte und jetzt schläfst du regelmässig angeschmust an und auf mir.

Ich liebe das. All das hier. Ich könnte mir mein Leben ohne euch nicht mehr vorstellen. Ohne dich. Mit dir, der du noch so viel Nähe brauchst, wird Liebe einfach greifbar, ich kann sie fühlen, ja ich hab sie sogar in meiner Nase…

Kleiner Mensch, ich liebe dich so sehr. Du setzt dich gerade immer mehr auf, ziehst dich hoch, sabberst seit Wochen wie ein Weltmeister und seit Freitag gebe ich auf und zieh dir mehr und mehr Gr. 74 an. Du bist groß. Und du redest viel, aber das überrascht mich bei den Quasselstrippen nicht… Deine Augen sind nicht nur wunderschön, sie sind kullerrund und sie glänzen noch so, saugen alles auf, noch so voller Unschuld und Vorfreude auf das ganze Leben. Ich liebe das. Ich liebe dich. Euch. Das hier ist eine Momentaufnahme von all dem Glück, das da ist. Ich bin stolz auf euch, einfach weil ihr da seid, ihr ihr seid mit Haut und Haaren.

Manchmal…

Dienstag, Oktober 23rd, 2012

da stellt sich dieses Zufriedenheitsgefühl ganz von selbst ein. Da gehe ich Samstag Abend mit dem Mann und Emil auf die lange Nacht der Münchner Museen, trage Emil vor mir außer zu Stillpausen über 8 Stunden am Stück, während mir irgendwann unter diesen ganzen Kilos alles weh tut, falle todmüde ins Bett gegen 2Uhr, verbringe einen relativ entspannten Sonntag und Montag um dann abends zum ersten Elternabend im Kindergarten zu gehen. Wie mir auf dem Weg auffällt, sind wir im 6. Jahr hinter einander. Also fünf liegen hinter uns und ganze 6 Jahre noch vor uns. Am Stück. Sich das durch den Kopf gehen zu lassen ist komisch. Und schön auch. Nach der Elternbeiratswahl und der ersten Sitzung machte ich mich auf den Heimweg und war dann auch erst wieder gegen halb 12 im Bett. Aber schön wars eben. Und weil ich noch kann, zum Teil auch muss wegen den Elternstunden und Noah nichts dagegen hatte, meldete ich mich noch Montag Nachmittag als Unterstützung für heute und einen Schulausflug in den Wald. Dafür schubste ich alles um, die Kleinen mussten im Kindergarten länger bleiben und Mittag essen und ich fuhr eben das erste Mal mit den Schulkindern in den Kindergarten. Ich möchte es nicht missen, es war ein ganz toller Ausflug, es war toll mal Noahs Klassleitung in Aktion zu sehen, ich hatte einen wunderschönen Vormittag in der Natur, von der ich überhaupt keine große Ahnung habe und war mit meinem Sohn und seinen Mitschülern zusammen. Auch heute trug ich Emil immerhin nur 5 Stunden vor mir her, auch heute tat mir irgendwann der Nacken so dermaßen weh, aber es war einfach zu schön und ich mach das ja auch nicht ständig. Zoe hat sich total gefreut, dass ich sie mal abhole. Wir sind dann seit langem Mal wieder zu sechst Bus gefahren und ich war dankbar für jeden netten Menschen, der uns anlächelte. Wir wankten dann zum Bäcker, denn auch Tom hatte einen anstrengenden und schönen Tag hinter sich, er hatte mit seiner Gruppe ein Mädchen aus eben dieser zu Hause besucht inklusive Fußmarsch. Jeder durfte sich aussuchen, was er wollte, was wirklich lustig war, bis jeder sich sicher war. Dann schickte ich alle zu den Zeitungen, schlenderte auch wenn zügig durch den kleinen Markt und holte alles, was ich brauchte. Im Anschluss scheuchte ich meine Hühner wieder zu einer Bushaltestelle und wir fuhren die letzten Meter nach Hause. Wo wir bis auf die Hausaufgabenpause und einen kleinen Spielstop von Noah und Tom bei einem Nachbarskind den Nachmittag gemütlich vor dem Fernseher verbrachten, ich mal stillte, Kekse reichte, Streit schlichtete, umzog, abduschte, Kuchen buk und es hier schlonzig aussehen liess. Jetzt ist es auch schon wieder halb 10. Ich hab noch nicht gegessen, was vor mir steht, meinen Film nicht gesehen, aber dafür mit dem Mann geratscht, gebloggt und zusammen mit ihm 5 Kinder ins Bett gebracht.

Was ich eigentlich sagen wollte, machmal von ganz tief drinnen ist diese Ruhelosigkeit zum Heulen und manchmal von ganz tief drinnen (woher auch immer), flutscht alles, man ist im Fluss und erlebt dann nur dadurch schöne neue Dinge. So wie heute eben. Das wollte ich loswerden, für das nächste Mal, wenn ich dann doch erschöpft heulend zusammen brechen möchte, weil mir alles zuviel ist. :)

(M)ein Hauch von Kind

Donnerstag, Oktober 18th, 2012

Heute vor einem Jahr war ich draußen in der Dunkelheit spazieren. Wie jeden Abend lief ich mit Ben im Kinderwagen durch die Straßen und wartete bis er eingeschlafen war. Ich genoss diese Zeit und führte immer ausgiebigst Selbstgespräche.
Ich wollte es wissen. Doch, ich hatte mich entschieden nicht noch bis zum Wochenende zu warten. Ich wollte es wissen, also hatte ich den Mann gebeten Tests zu kaufen. Ich war ganz ruhig. Es war der perfekte Moment, denn ich wusste, würde ich nun nicht schwanger sein, wäre es gar nicht schlimm. Ich hatte Zeit, es musste nicht sein. Obwohl ich es irgendwie wusste.
Seit Wochen war Emil in unseren Gedanken präsent, Zoe hatte ein Bild gemalt, ich schwanger und sie samt Ohr an meinem Bauch wie eine Vorhersehung, bevor ich es wusste, später hatte sie mit Russisch Brot alle Namen der Kinder gelegt und den Namen Emil dazu, da wusste sie von nichts und wir schon mal gar nicht, ob es wirklich ein Emil ist…

Ich werde diese vollkommende Ruhe an diesem Abend nie vergessen, dieser Frieden mit mir… ich brauchte nur noch einmal zu schlafen…

Gespräche

Samstag, Oktober 13th, 2012

Ich trage gerade den schlafenden Emil auf meinem Arm die Treppe hoch. „Er ist so süss, hast du gut ausgebrütet!“, sagt er. Ich strahle: „Danke, dass du mir dabei geholfen hast.“- „Ach ich hab ihn nur gezeichnet, du hast ihn ausgemalt…“ ♥

Rückbildung #5

Samstag, Oktober 13th, 2012

In dieser Woche hatte ich zum ersten Mal Rückbildung nach Emils Geburt. Still und etwas schüchtern suchte ich auch diesen Kurs auf, schwatzte kurz mit der Hebamme, die ich schon so lange kenne und setzte mich dann ganz nach hinten und liess meinen Blick schweifen. Viele Frauen mit vielen Babies. Logisch.
Der Kurs ist fliessend und dennoch war gleich klar, wer die Mama war, die alle unterhält. Ich lauschte ihr, wie sie erzählte, dass ihr Kind wohl wirklich besonders propper sei, denn die Kleine mit ihren knapp vier Monaten wiegt fast acht Kilo und drehen würde sie sich auch schon so toll, trotz des Gewichts und tatsächlich lag das Kind die meiste Zeit über vergnügt auf dem Bauch und guckte interessiert den hampelnden Müttern zu. Da ich die Umstände nicht kenne und die Frau auch nicht, hab ich einfach erstmal zugehört und nicht rein gepoltert, dass mein Sohn genauso schwer, alt und fit ist. Weil wozu. Ich weiß das ja. Und ich war ja da für mich… Ich war die, deren Kind beim ersten Ton der lauten Musik augenblicklich anfing zu weinen, weil er sich erschreckt hatte. Ich war die, die versuchte mit Blickkontakt zum Lütten die Übungen zu machen, damit er mir möglichst viel Zeit lässt dafür. Ich war ganz bei mir und meinem Beckenboden. Die liebe Hebamme fühlte nach der Stunde auch mal das Loch in meinem Bauch und so schlimm scheint es nicht zu sein, aber ich muss was tun, damit sich das mehr schließt.
Was mir auffiel mit der Zeit war das sich seit dem ersten Mal gar nicht soviel verändert hat- zum allerersten Mal war ich nach Zoes Geburt gleich Anfang 2005 da oder doch schon Ende 2004, ich weiß es nicht mehr. Und die Übungen sind die gleichen geblieben, teilweise auch die Musik, was ich sehr witzig finde, aber es ist schön so. Genau darauf habe ich mich gefreut und mich dafür angemeldet. Worauf ich aber nicht so wirklich gefasst war, wie viel sich doch geändert hat. Ich fiel nicht mehr auf. Ich bin eine Mama von vielen mit meinen 29 Jahren. Als ich mit Zoe damals dort hin ging oder ein Jahr später mit Noah, ich war die Jüngste. Bei Zoe versuchte und hoffte ich so auf Kontakt mit anderen und fand keinen Anschluss. Dann war ich auch noch die Einzige, die nicht stillte und fühlte mich beobachtet, wie ich da herum machte um ein Fläschchen zu zaubern. Vielleicht guckte nie einer, aber ich fühlte mich unwohl und fehl am Platze. Nach Ben war ich schon nicht mehr die Jüngste und sah interessiert der Jüngsten im Kurs zu, weil ich mich da herum strampeln sah, ein paar Jahre zuvor, wie eine Art Déjà- Vu.
Und heute falle ich gar nicht mehr auf. Und auch wenn ich mich über Kontakt zu einer Mama mit Baby in Emils Alter freuen würde, bin ich nicht mehr so einsam wie damals und darauf angewiesen. Ich kann es anders genießen, dafür bin ich dankbar.
Dankbar war ich auch für die Stunde Ruhe, denn in dieser Woche macht uns nicht der Alltag zu schaffen, sondern dass nicht alle Kinder gesund sind und um zu verhindern, dass sich niemand ansteckt und sicher zu stellen, dass es zu keiner erneuten Infektion der kranken, behandelten Kinder kommt, muss soviel gerödelt werden, dass ich manchmal einfach nur weinen möchte vor Erschöpfung, weils scheinbar kein Ende nimmt. Diese Stunde war einfach wie Rausbeamen aus der Zwischenwelt hier, sogar mein Handy war leer und diese eine Stunde war Balsam für meine Seele. Ich bekam etwas Abstand von allem und danach war ich gestärkt, daher freu ich mich auch auf jeden Fall auf die nächste Stunde in der kommenden Woche.

PS: Unser neues Kindergartenkind musste an diesem Tag bis 12Uhr bleiben und weil es so toll klappte, geht er seitdem jeden Tag so lange und ist er somit wirklich komplett eingewöhnt.

Edit: Und ein bißchen wunderschöner Wahnsinn, als ich mich zu Fuss auf den Weg zum Krankenhaus machte, wie vor etwas mehr vor einem Jahr leider recht regelmässig, betend mein Kind möge noch leben. Und nun verschläft er den Weg dahin vor mir in der Mysol- wunderschön!

Bindung

Dienstag, Oktober 9th, 2012

Am Wochenende ist etwas passiert mit mir. Bei der Eingewöhnung von Ben im Kindergarten passierte, was schon in der 1- Tagesgruppe passierte. Er weinte. Bevor wir überhaupt losfuhren. Er wollte nicht. Nicht dahin, lieber hier bleiben, sagte er immer und mir brach mein Herz. Natürlich habe ich ihn dem Papa in die Hand gedrückt und er fuhr in trotzdem, aber da blieb dieser Kloß. Und ich hörte wieder Sätze, wie „Das liegt an eurer engen Bindung.“ Und ich verstand es nicht. Da war wieder dieser Satz und der klang in meinem Ohr „eine engere Bindung, als zu den andern“ und das fühlte sich falsch an. Und ich hörte auch „du klammerst und es ist somit deine Schuld, dass er weint, wenn du nur loslassen würdest, könnte er glücklicher in den Kindergarten gehen“ also schubste ich ihn weg. Es musste doch gehen. Das musste doch irgendwie gehen. Ich wollte doch, dass er geht, wieso sollte das an mir liegen, meine Schuld sein?
Am Kindergarten lag es jedenfalls nicht. Er ließ sich dort auffangen und trösten, das ist soviel wert und er war schön im Spiel, nur das Abschied nehmen war ein Problem. Und dann wurde er auch noch krank und ich wurde immer unruhiger…
All diese Sätze nach dem Ersten hat nie jemand zu mir gesagt, ich habe sie gehört. Weil Bindung ja erstmal was schlechtes sein muss, „Klammern, festhalten“ hallte es in meinem Ohr. „Du musst loslassen…“ sprach mein Kopf und das Herz schrie: „WIE???“ Was denn noch?
Und dann kam die Lösung. „Er darf weinen“, hörte ich. „Das liegt an ihrer engen Bindung. Seien Sie stolz drauf, das ist etwas Gutes. Das ist gut fürs Leben, das zeigt, dass es passt. Er darf das. Das gehört so.“ und diese Worte arbeiteten in mir. Und auch wenn er noch nicht lachend los rennt, wenn Kindergarten ist, aber er weint auf einmal nicht mehr. Weil ich spüre, dass es in Ordnung wäre, wenn es so ist, dann tröste ich mein Kind. Jetzt, jetzt versteh ich es. Und jetzt fühlt es sich auch gut an, dieser große Schritt.
Bindung. Bindung ist wichtig.

Bindung ist auch, was ich fühlte, als ich im Wochenbett aufstand oder heute morgen. Natürlich ist da der Kindervater, der liebt und erzieht und der könnte auch. Aber wenn ich dem Tochterkind sage, dass die anderen Idioten wären, falls sie sie dafür auslachen, weil doch jeder Mensch etwas besonders gut kann und was anderes gar nicht gut und sie sich beruhigt, Vertrauen hat… wenn ich extra runter komme, anstatt auszuschlafen, um Ben auf den Schoß zu nehmen und er ruhiger wird, Noah sich freut weil ich ihn mit Baby vor der Brust wirklich im Schulbus begleite, nur um seine Tasche fürs Schullandheim zu tragen, ich auch noch in Bens Bett liegen bleibe, bis auch Tom über uns eingeschlafen ist, ja dann geht mir das Herz auf, weil ich mit so kleinen Dingen, soviel bewegen kann… Bindung. Ein Zauberwort.

Pupsegal

Dienstag, Oktober 9th, 2012

Ich weiß, wir wollen immer alles richtig machen als Eltern, gut informiert sein und unseren Kindern was Gutes tun. Aber jetzt, nach fast 8 Jahren, meinen Sie es würde meine Tochter interessieren, dass ich sie als Baby im Babybjörn trug? Ich habe sie nicht Stunden umher getragen. Und ich kannte nur dieses Ding, was mir im Laden verkauft wurde, weil es zu diesem Zeitpunkt gut beworben wurde, nehme ich an und weil ich es für eine gute Idee hielt so ein Ding zu besitzen. Diese Tragetücher waren ein Buch mit sieben Siegeln, das war die einzige Alternative, die ich kannte. Das Ding mit den Schnallen machte einfach mehr Sinn. Aber zurück zu dem Sinn des Posts. Ja und nun? Warum müssen sich immer alle kollektiv darüber aufregen, wenn jemand ein Babybjörn trägt und dann noch nach Vorne? Das ist ja dann noch viel schlimmer! Wen geht es was an? Ich höre dann immer: „Aber sind die denn nicht richtig informiert?“ Ja und wenn? Wo ist das scheiß Handbuch für unsere Kinder? Es gibt keinen universal Leitfaden und es geht uns verdammt noch mal nichts an. Wir dürfen gerne alle bei uns bleiben, aber dieses Finger rausholen und ich weiß es aber besser, geht mir so auf die Nerven, weil es keinen Preis geben wird für die beste Mutti!
Wir orientieren uns an anderen, manchmal an Studien und finden so unseren Weg- das ist wichtig. Aber es ist nicht wichtig wie andere Babies schlafen, worin und mit was solange es nichts lebensbedrohliches ist. Es geht uns nichts an und wir sollten uns doch fragen, warum es uns so aufregt und was es uns bringt? Dem Kind, das wir da schützen wollen sicherlich gar nichts.
Meine Tochter wurde mit Einschlaftraining zum Schlafen gebracht, das ist kein Geheimnis. Und ich schäme mich dafür auch nicht. Warum ich das tat? Weil ich beim ersten Kind auf den Tipp unseres Kinderarzt gehört habe und er es damals empfahl und ich es für eine gute Idee hielt, was ich da las machte für mich Sinn. Alle Schreckensnachrichten, die Folgen, von denen ich so hörte: keine Empathie, Bindungsstörung- alles was es so gibt, worauf wir Mütter heute besseren Wissens nach unser Urteil stützen, trat nicht ein. Im Gegenteil damals hatte ich das Gefühl, dass das unheimlich wichtig für sie ist.
Ich fuhr meinen Sohn Noah im Maxi Cosi durch die Welt auf einem Buggyaufsatz, ja und warum, weil ich mir nichts dabei dachte. Nicht um ihm vorsätzlich zu schaden. Nicht weil ich zu blöde war mich zu informieren, ich machte das einfach. Und ich war ihm deswegen keine schlechte Mutter. Ich las in einem Buch darüber, dass man Kinder viel auf einer Decke auf dem Boden liegen lassen soll, damit sie teilhaben und sie bewegen können nicht immer auf dem Arm durch die Gegend getragen werden, was ich tat und es war prima- diese Physiotherapeutin hatte gute Argumente.
Ich stillte meine ersten drei Kinder nicht, das Erste weil klassisch alles schief ging, was schief gehen hätte können, das zweite aus Überzeugung nicht und das dritte schon mit einem leider nicht, der Rest ist Geschichte.
Heute trage ich mein Kind, soviel wie keines zuvor. Mein Kind schläft Teile der Nacht im Bett, mein Zweitkleinster jede Nacht, man nennt das Familienbett, ich würde keinen Babybjörn mehr kaufen, meine letzten zwei Kinder bekamen keinen Schnuller, weil ich weiß wie furchtbar die Entwöhnung von den Dingern ist. Und nein, ich habe keine Kinder, die besonders wenig nuckelten sondern ich tat das, weil es für uns gut ist. Sie nuckelten eben an mir. Der eine mehr, der andere weniger.
Ich sagte schon immer, nicht nur jedes Kind ist anders, sondern ich war auch jedem Kind eine andere Mutter. Ich bin heute keine bessere Mutter, als damals. Ich bin nicht informierter. Woran ich das festmache? Wenn das Pucken so lange propagiert wird und plötzlich schlagen Kinderärzte Alarm, weil die Kinder zu fest gepuckt werden, dass ihnen Organe abgedrückt werden oder minder schlimmes. Plötzlich gibt es also einen Umschwung. Heute gibt es immer wieder leise Kritik, ob das Tragen wirklich so gut ist und ganz ehrlich wenn man es nicht richtig gebunden bekommt, vermutlich nicht, aber was macht das schon? Das sind kurzweilige Geschichten. Und am Ende, falls es unsere Kinder jemals interessiert, stehen wir Rede und Antwort, warum wieso weshalb, da hilft weder ein, dass hat man halt so gemacht, noch ein ja aber ich hatte das gelesen. Es muss sich gut anfühlen, im Sinne von in dem Moment richtig, finde ich.
Nach fast 8 Jahren sehe ich mein Tochterkind an und meine Söhne und fühle, dass es darauf an kommt im richtigen Moment da zu sein, ein offenes Ohr zu haben, Probleme von Kindern ebenso ernst zu nehmen wie die eines Erwachsenen, sie auffangen, nicht gestresst vom Alltag gar keinen Kopf dafür haben, manchmal Opfer bringen, Dinge machen auf die man vielleicht nicht mal immer Lust hat, wie im Schulbus mitfahren, damit das kleine Kind nicht aus seiner Kindergarteneingewöhnungsroutine heraus gerissen wird oder sich umdrehen und gehen, weil das Kind nicht noch einmal kommen wird um sich ein Küsschen abzuholen, nicht noch einmal winken, loslassen. Fehler machen, sich blöd verhalten, mal kein offenes Ohr haben und sich und dem Kind gegenüber eingestehen: JA, ich bin nicht perfekt. Kleine große Dinge, die viel mehr wert sind, viel wichtiger sind, als ein blöder dummer Babybjörn.
Es ist kein Verbrechen sich Gedanken zu machen, um das richtige Bett, die richtige Trage, die richtige Kleidung, aber es sollte richtig sein für einen selbst und das eigene Kind, nicht ob es anderen gefällt und nicht darum gehen, ob der andere es anders, schlechter macht als wir. Wir sind doch dann nicht besser, wir sitzen doch im gleichen Boot, meist das gleiche Ziel vor Augen. Es ist einfach nicht wichtig. Andere Dinge sind wichtig, da warten kleine Menschen, die uns brauchen. Uns. Mehr braucht es gar nicht.

Es wird ernst…

Montag, Oktober 8th, 2012

Ich hinterfrage mich. Warum tue ich mir das an? Ich stecke gerade mitten in der Eingewöhnung und brauche nicht nur mehr zu tun. Stattdessen mache ich den Keller hübsch, ordne meine Akten, schreibe am Konzept, erstelle Listen und telefoniere… Warum?

Auf der einen Seite stelle ich mir das alles wirklich wunderbar vor und auf der anderen Seite wollte ich Emil genießen. Ein Jahr. Es war Zufall, dass die Sachbearbeiterin es nur für nötig hielt mich bis Emils Geburt zu sperren und ich mich versah, war ich mitten in Gedanken und plante ein Zimmer. Zufall, dass eine Bekannte eine Tagesmutter suchte… und nun mittendrin im Bewerbungskrieg. Das zapft mir Energie ab, weil ich immerzu über mich hinaus wachsen muss. Telefonieren, zurück rufen, ehrlich sein, Fragen formulieren usw. Und noch immer passiert es mir immerzu, dass ich das falsche sage: Statt 11.30Uhr entfleucht mir ein 12Uhr, dass ich 2min später erklärte, immerhin, zumindest heute. Natürlich wachse ich über mich hinaus. Aber mir wächst das auch alles über den Kopf.

Will ich das wirklich? Echt? Fremde Kinder? Werde ich dann noch eine gute Mutter sein können? Wird das nicht alles viel zu kompliziert?

Erst vor ein paar Wochen war nichts wichtiger als er. Und nun… was denke ich mir nur dabei und komme ich aus der Nummer wieder raus? Will ich da raus?

Geburtstag

Freitag, Oktober 5th, 2012

29.

Ist das zu fassen? 29?! Als ich angefangen habe hier zu bloggen, war ich gerade 22 Jahre alt geworden und schwanger- mit Noah, unserem Zweitgeborenen. Jetzt blicke ich wirklich so ein bißchen zurück. Ich lebe seit 10 Jahren in Bayern, bin seit 10 Jahren zusammen mit dem Mann, bin seit 8 1/2 Jahren verheiratet, seit beinahe 8 Jahren Mutter, habe fünf Kinder bekommen dürfen, bin vier mal umgezogen, habe ein Jahr Schule geschafft und meine Qualifizierung als Tagespflegeperson.
Heute habe ich viel Zeit mit aussschließlich tollen, wunderbaren und lieben Menschen und meiner Familie verbracht. Und viele liebe Nachrichten bekommen. Ich bin dankbar. Und glücklich sie zu haben. Ich habe den Vormittag mit meinen drei kleinen Söhnen verbracht und mit meinen Schwiegereltern gefrühstückt, zum Kaffee kam der Mann früher von der Arbeit, es besuchten mich 6 liebste Freundinnen zusammen mit 10 Kindern + unsere 5. Ich liebe das. Auch wenn es irgendwann unübersichtlich wird, der Altersunterschied nicht immer einfach, es ab und an Tränen gibt und ganz viel Krach- ich liebeliebeliebe das. Es war schön, so richtig. Danke!

Ich werde alt. Ja, doch. Je mehr Fotos ich in letzter Zeit von mir selber mache, um so mehr fällt es mir auf, ich bekomme Falten, an Stellen, von denen ich quasi nicht mal wusste, dass ich dort Haut habe, mein Stoffwechsel hat sich verändert, was wohl die schöne Umschreibung für dick geworden ist und ich habe in diesem Jahr graue Haare entdeckt. Und irgendwie ist das okay. Das bin halt ich. Ich bins nur. Ich muss lernen mich zu mögen, wie ich bin. Und ganz wichtig, wichtiger als andere ist wohl aufhören immer schneller noch mehr zu wollen, als wäre ich auf der Flucht. All die Jahre hat das so gut geklappt, ich war im Fluss, Zeit war egal und in letzter Zeit habe ich das Gefühl noch mehr schaffen zu müssen, das ist Quark. Danke für die Aufmerksamkeit :)

PS: Und ich habe natürlich super tolle Geschenke bekommen! :)

Dafür liebe ich ihn.

Donnerstag, Oktober 4th, 2012

Jeden Morgen macht der Mann so viel. Er bringt sich ein. So wie ich mich einbringe. Wir sind ein Team. Jeden Morgen leert also dieser Mann den Mülleimer in der Küche… und gerade sagte er zu mir mit diesem Ton, diesem speziellen Ton…

„Jeden morgen gehe ich aus dem Haus und der Mülleimer ist leer, abends komme ich und er ist voll. It’s magic!“

Ich lachte so laut… Sie müssen das nicht verstehen, vielleicht ist es nicht mal lustig, aber dieser Ton, gepaart mit diesem Blick, wir die zwei Wärter in der Irrenanstalt, vielleicht sind wir aber auch die Verrückten und die Kinder die Aufpasser, wer weiß… :)