Ein normaler Morgen.

Heute morgen hätte ich so unglaublich gerne ein Filmteam in unserem Flur gehabt, stattdessen strahlten der Mann und ich uns gegenseitig an, beide irgendwie abgehetzt und belustigt zu gleich: „Ich habe eine Ahnung davon, wie das in 10 Jahren sein wird…“ sprach der Mann.
Ich hatte nach dem Frühstück um 7.30Uhr versucht den Tisch abzuräumen, während der Mann den Kindern die Zähne putzte, aus purem Selbstschutz und das schnell, damit die Kinder nicht aus Versehen was abräumen und das Gehen noch komplizierter machen, als es ist. Als ich damit fertig war, wollte ich aus ebenso vorausschauenden Stücken dem Kleinen seine Socken anziehen. Das wollte er nicht, also die Socken und während ich es gerade so schaffte ihm eine anzuziehen, schimpfte er an die 10 Mal, dass er ja gar nicht in den Kindergarten wolle und diese Socken sowieso gar nicht! Aber hey 2 Stunden Kindergarten sind doch ein Witz! Doch meine Argumente zogen nicht. Die Socke zog sich auch mal gar nicht über den Fuß, also gab ich an dieser Stelle auf und stampfte vor mich her schimpfend nach oben, wo der Mann sich schon mit Emil auf dem Arm die Zähne putzte. Dann wir beide wieder runter: „Hast du das Essen aus dem Kühlschrank?“ versuchte ich die Kinder im Flur zu übertönen, „Ja!“ rief er mir über die Kinder entgegen. Im Vorbeiflug fühlte ich an den Schulranzen der Kinder, da waren Trinkpäckchen. Noah war schon raus, wie jeden morgen. Der Mann rannte Tom hinterher, der keine Jacke an hatte- und seinen Helm vergessen und den Rucksack. „Hast du den Kindern eine Trinkflasche eingepackt?“ „Ich will keine.“ stimmte Zoe mit ein. „Ich finde meine Mütze nicht!“ sagte sie auch. „Sie ist wirklich nicht da. Nimm einfach diesen Hut!“ sagte ich nach schnellem Durchwühlen ihres Korbs und drückte sie ihr in die Hand.“ „Nein“, rief der Mann vor dem Haus. „Frag mal Noah, ob er eine will, bitte!?“ Murmelmurmelmurmel. „Nein, will er nicht.“ „Ich will aber nicht in den Kindergarten.“ sagte Ben, weil er Gefallen daran gefunden hatte. Ich antwortete nun nicht mehr mit: „Du gehst aber trotzdem. Ich bin ja gleich wieder da.“ „Setzt euch schon mal in den Anhänger!“ sagten wir stattdessen zu den kleinen Großen. „Habt ihr eure Helme?“ fragte der Mann eher vor sich her und griff nach den zweien im Korb, der vor dem großen Terrassenfenster steht. „Eine Matschehose ist im Kindergarten geblieben, ich glaub es war Toms, Bens hast du ja oder?!“, der Mann nickte nur. „Ich will einen Schirm mitnehmen!“- „Brauchst du nicht!“, sage ich zu Zoe. „Wann kann ich endlich meinen Regenschutz auspacken?“ fragte Noah, der plötzlich wieder im Haus stand. Emil war eingeschlafen und der Mann übergab ihn mir, während ich von Schuhen zu Gummistiefeln wechselte, weils schneller geht. Ich schnallte Emil um, befestigte das Tragecover. Es war 8Uhr. In fünf Minuten käme der Bus. Die Schulkinder standen jetzt draussen, „Noah, deine Mütze!“ Der Mann fummelte am Anhänger rum, die kleinen großen Kinder meckerten unentschlossen zwischen Kindergartenunwillen und Geschwisterzank und anderen Unzufriedenheiten. Wir tauschten kurz diese Freude über diesen Trubel, der Mann und ich. Und er wies mich darauf hin, dass die Großen schon mal losgelaufen sind. Ich flitze hinterher. Die Nachbarin sagte im Vorbei huschen: „So gemütlich kuschelig hätte ich es auch gerne.“ und nickte in Richtung Emil. Die Großen standen vorbildlich an der Straße und warteten auf mich. Ich nahm beide an die Hand. Gerade als wir an der Haltestelle ankamen, war der Mann auch schon da, um sich zu verabschieden. Wir lachten uns an. Alle raus, alles geschafft, wie jeden Morgen. Der Mann drehte sein Rad auf dem Weg und fuhr die kleinen Großen zum Kindergarten, ich stand derweil noch 10 Minuten und wartete auf den Bus, ehe ich den Schulkinder winkte und für nicht mal zwei Stunden nach Hause ging.

Unser Alltag gerade. Eine Momentaufnahme. Unser Leben. Ich liebe es.

11 Responses to “Ein normaler Morgen.”

  1. Frau Karamba Says:

    Beim Lesen blieb mir ein bißchen die Luft weg, ich wurde immer schneller und fast selbst gestresst – um dann festzustellen, dass es für dich gar keinen Stress bedeutet. Alltag, ja. Durchatmen.

  2. fishly Says:

    Und da fragst du dich, warum es für uns kleine Familien so interessant ist zu hören, wie der Alltag bei einer größeren Familie ist? Ich sehe euch gleichzeitig mit fünf Kindern jonglieren und staune, denn ich kenne unsere Morgende. Um das Gewusel beneide ich dich dennoch.

  3. kreativberg Says:

    hier auch so ähnlich :)
    nur noch ohne schule. aber ein mal kindergarten plus zwillinge und baby, die zum hinbringen und retourbringen mitfahren müssen. mit auto und so… im winter wird’s dann noch interessanter mit noch mehr kleidung (bei euch wohl auch, was?).
    alles liebe. maria

  4. Frollein Püppi-Lotta Says:

    Klingt so wie bei uns früher.
    Irgendwie eine freudige Art von Stress. Ich finde es toll!

  5. blumenpost Says:

    Ach wie herrlich. Das klingt irgendwie nach schönem Trubel.

  6. frau siebensachen Says:

    jo, die morgenlogistik.
    (hier funktioniert es besser, wenn eineR allein es macht, sind aber ja auch zwei kinder weniger und schon älter. manchmal bin ich naßgeschwitzt, wenn ein kind dabei anfängt zu bocken… )

    alles liebe!

  7. kassiopeia Says:

    @FrauKaramba: Ich glaube, wir haben beide gemerkt an diesem Morgen, wenn wir es mit Humor nehmen ist es fast wie im Fernsehen :)))

    @fishly: Naja, für mich selber ist das halt mein Leben und nicht so spannend. :) Aber dieses Gewusel möchte ich wirklich nicht missen und wenn ich mal Ruhe habe, ist es mir unheimlich :)

    @kreativberg: Ich weiß, das würde es nur bedingt leichter machen, aber mit Auto fände ich prima. So oft wie ich Angst habe, weil die Kinder zu nahe an den Bus laufen… oder an die Strasse oder der Busfahrer wieder fährt wie ein Henker.
    Ja, das stimmt der Winter kommt, obwohl wir schon jetzt mit Jacken, Strickjacken gut dabei sind. Problematisch ist eigentlich nur noch, wenn sich etwas ändert, vom Schulsport über Wandertage. Morgen z.B. braucht Zoe einen Euro und einen Rucksack für einen Ausflug in den Wald, Noah braucht viel mehr Geld für die Fahrt ins Schullandheim usw :)
    Und ich erinnere mich noch so gut, an unsere Fahrten als meine auch noch kleiner waren, so wie deine jetzt… nur hatte ich niemals drei kleine Kinder mit im Kindergarten dabei. :) Ich holte zwei und brachte zwei mit :)

    @Frollein Püppi-Lotta: Wie früher? Ich auch! :)

    @blumenpost: Das ist es. Jeden morgen denke ich wie schön es ist, dass mich nicht mehr bewegt :)

    @frau siebensachen: Alleine wäre Chaos. :) Das wäre kein Spaß. So wirft man sich die Pässe quasi zu :) Allein fliegt alles in Leere. Aber ich weiß was du meinst, man muss dann viel strukturierter sein :) Und bocken fällt aus :) Dir auch alles Liebe!

  8. Pienznaeschen Says:

    That’s life :)

    Klingt herrlich bunt und lebendig (und gleichzeitig auch anstrengend) ubd das allerschönste daran ist, das Ihr niemals tauschen wolltet.

  9. kassiopeia Says:

    Niemals :)

  10. frau siebensachen Says:

    @kassiopeia
    „bocken fällt aus“ – sag das mal meinen mädels… ;-)

  11. vollblutmami Says:

    Diese Momentaufnahme kommt mir so bekannt vor. Bei uns ist es nicht anders. Ein Gewusel. Mit vier Schulkindern im Alter von 13, 10, 8 und 6 und zwei KiGa Kindern beide 5 Jahre plus einem 4 Wochen alten Baby bleibt das auch nicht aus.

    Man ist froh wenn sie aus dem Haus sind, aber missen möchte man das „Chaos“ auch nicht.

    Schön das es woanders auch so läuft,

    lg vollblutmami (eine stille Leserin)