Rückbildung #5

In dieser Woche hatte ich zum ersten Mal Rückbildung nach Emils Geburt. Still und etwas schüchtern suchte ich auch diesen Kurs auf, schwatzte kurz mit der Hebamme, die ich schon so lange kenne und setzte mich dann ganz nach hinten und liess meinen Blick schweifen. Viele Frauen mit vielen Babies. Logisch.
Der Kurs ist fliessend und dennoch war gleich klar, wer die Mama war, die alle unterhält. Ich lauschte ihr, wie sie erzählte, dass ihr Kind wohl wirklich besonders propper sei, denn die Kleine mit ihren knapp vier Monaten wiegt fast acht Kilo und drehen würde sie sich auch schon so toll, trotz des Gewichts und tatsächlich lag das Kind die meiste Zeit über vergnügt auf dem Bauch und guckte interessiert den hampelnden Müttern zu. Da ich die Umstände nicht kenne und die Frau auch nicht, hab ich einfach erstmal zugehört und nicht rein gepoltert, dass mein Sohn genauso schwer, alt und fit ist. Weil wozu. Ich weiß das ja. Und ich war ja da für mich… Ich war die, deren Kind beim ersten Ton der lauten Musik augenblicklich anfing zu weinen, weil er sich erschreckt hatte. Ich war die, die versuchte mit Blickkontakt zum Lütten die Übungen zu machen, damit er mir möglichst viel Zeit lässt dafür. Ich war ganz bei mir und meinem Beckenboden. Die liebe Hebamme fühlte nach der Stunde auch mal das Loch in meinem Bauch und so schlimm scheint es nicht zu sein, aber ich muss was tun, damit sich das mehr schließt.
Was mir auffiel mit der Zeit war das sich seit dem ersten Mal gar nicht soviel verändert hat- zum allerersten Mal war ich nach Zoes Geburt gleich Anfang 2005 da oder doch schon Ende 2004, ich weiß es nicht mehr. Und die Übungen sind die gleichen geblieben, teilweise auch die Musik, was ich sehr witzig finde, aber es ist schön so. Genau darauf habe ich mich gefreut und mich dafür angemeldet. Worauf ich aber nicht so wirklich gefasst war, wie viel sich doch geändert hat. Ich fiel nicht mehr auf. Ich bin eine Mama von vielen mit meinen 29 Jahren. Als ich mit Zoe damals dort hin ging oder ein Jahr später mit Noah, ich war die Jüngste. Bei Zoe versuchte und hoffte ich so auf Kontakt mit anderen und fand keinen Anschluss. Dann war ich auch noch die Einzige, die nicht stillte und fühlte mich beobachtet, wie ich da herum machte um ein Fläschchen zu zaubern. Vielleicht guckte nie einer, aber ich fühlte mich unwohl und fehl am Platze. Nach Ben war ich schon nicht mehr die Jüngste und sah interessiert der Jüngsten im Kurs zu, weil ich mich da herum strampeln sah, ein paar Jahre zuvor, wie eine Art Déjà- Vu.
Und heute falle ich gar nicht mehr auf. Und auch wenn ich mich über Kontakt zu einer Mama mit Baby in Emils Alter freuen würde, bin ich nicht mehr so einsam wie damals und darauf angewiesen. Ich kann es anders genießen, dafür bin ich dankbar.
Dankbar war ich auch für die Stunde Ruhe, denn in dieser Woche macht uns nicht der Alltag zu schaffen, sondern dass nicht alle Kinder gesund sind und um zu verhindern, dass sich niemand ansteckt und sicher zu stellen, dass es zu keiner erneuten Infektion der kranken, behandelten Kinder kommt, muss soviel gerödelt werden, dass ich manchmal einfach nur weinen möchte vor Erschöpfung, weils scheinbar kein Ende nimmt. Diese Stunde war einfach wie Rausbeamen aus der Zwischenwelt hier, sogar mein Handy war leer und diese eine Stunde war Balsam für meine Seele. Ich bekam etwas Abstand von allem und danach war ich gestärkt, daher freu ich mich auch auf jeden Fall auf die nächste Stunde in der kommenden Woche.

PS: Unser neues Kindergartenkind musste an diesem Tag bis 12Uhr bleiben und weil es so toll klappte, geht er seitdem jeden Tag so lange und ist er somit wirklich komplett eingewöhnt.

Edit: Und ein bißchen wunderschöner Wahnsinn, als ich mich zu Fuss auf den Weg zum Krankenhaus machte, wie vor etwas mehr vor einem Jahr leider recht regelmässig, betend mein Kind möge noch leben. Und nun verschläft er den Weg dahin vor mir in der Mysol- wunderschön!

2 Responses to “Rückbildung #5”

  1. Mamachaos Says:

    Die Stunde Rückbildung habe ich auch immer sehr genossen. Ich und mein Beckenboden… Sich nur auf seinen Körper zu konzentrieren kann sehr entspannend sein.
    Deine Schwangerschaft mit Emil scheint ja wirklich sehr belastend gewesen zu sein, ich freue mich sehr für dich, dass du jetzt eine so munteres, hübeches propperes Baby bei dir hast!
    Allen anderen gute Besserund. Auch wir kämpfen hier seit Wochen gegen Husten und Schnupfen!

    Liebe Grüsse
    Nathalie

  2. kassiopeia Says:

    @Mamachaos: Ich freu mich auch schon in dieser Woche darauf! :) #Rückbildung
    Belastend ist nicht das richtige Wort. Es war zermürbend und Angst einflössend. Ich hab es immer noch nicht geschafft, abschließend darüber zu schreiben, aber hatte gleich nach der Geburt alte Beiträge frei(öffentlich) geschaltet.
    Danke! Gute Besserung auch euch! Hier ist es kein Husten und Schnupfen, aber es wird-wir sind im Fluss. Liebste Grüße von hier nach da! :)