„Und?… Wie ist das so mit fünf Kindern?“

Hin und wieder fragen mich die Menschen genau das. Wie das so ist- jetzt. Und ich weiß wirklich echt nicht wie darauf antworten, die Frage ist ja auch recht unspezifisch. Und wenn ich nur wüsste, in welche Richtung die Frage ginge, könnte ich besser antworten. Meine eine liebe Nachbarin, sagte dann meine ich mich zu erinnern hinterher: „Ja, ich könnte das ja nicht…“ Da muss ich dann immer schmunzeln, muss sie ja auch nicht. Muss niemand. Und sie fragte, auch ob ich Hilfe habe, also in der Regel nein, aber ich habe eine liebe Schwiegermama, die mir unter die Arme greift und gute Freunde, auf die ich mich verlassen kann oft. Aber so… regelmässig, nein.

Wie ist das so?

Man sagt dann manchmal im Spaß, einer mehr oder weniger sei jetzt auch schon Wurscht. Nein, es ist nicht Wurscht, ob man vier oder fünf Kinder hat, oder drei oder vier oder oder. Es macht was aus. Wir reden ja hier von einem weiteren kleinen Menschen, der hier lebt und die neue Anwesenheit ist nicht „auch schon egal“. Es ist wie eine WG, es wird nicht irgendwann egal, wie viel Leute in der Wohnung hausen, es fällt schon auf wenn noch einer mehr da ist. Es wird enger und gibt mehr Reibung, aber ja auch mehr Wärme.
Wir leben hier zusammen, sieben Menschen. Zugegeben der Kleinste orientiert sich doch sehr an uns oder wir uns an ihm, das kann man jetzt sehen wie man will, aber wir leben hier zusammen und auch wenn wir noch die Erwachsenen sind, versuchen wir doch irgendwie friedlich unser diesem Dach zu hausen, freundlich zu einander zu sein und einander liebevoll zu behandeln, den anderen sehen, seine Wünsche und oder Bedürfnisse wahr zu nehmen, auf ihn einzugehen und das wird schwieriger und schöner zugleich, das Gleichgewicht zu halten, die Balance, in Kontakt zu sein als Mutter oder Vater mit fünf völlig unterschiedlichen Menschen. Aber es ist eben auch wahnsinnig aufregend und schön, genau das so zu erleben. Sonst säßen wir hier nicht.

Ja, wie ist das so. Weniger Zeit. Also ohne Mist, aber der Feierabend hat sich ein weiteres Mal nach hinten verschoben. Oft sitzen wir hier bis 22Uhr mit Emil und erst dann kommt man zum Lesen, reden, DVD gucken. Alles verschiebt sich somit nach hinten, weil man später ins Bett geht. Etwas worauf ich mich zumindest liebend gern einließ, ich wusste ja das das passieren würde, dass Emil unser Leben auf den Kopf stellen würde. Und freue mich auf weitere Räubertaten untertags. So wie heute, als ich voller Freude, von oben hörte wie ein Kind rief: „NEIN, Emil! Nein! Emil!“, weil er sich in großer Freude daran machte, ein Lego Spiel auseinander zu nehmen.
Viele Dinge beginnen erneut von vorn, konnte man diese Legoteile und anderes Kleinzeug schon wieder ohne Gefahr liegen lassen ohne Erstickungsgefahr, räumt man nun wieder mehr weg, weil ein kleiner Mensch hier wohnt, der alles in den Mund steckt. Vor mir liegt eine Schere, das gibt es in ein paar Monaten nicht mehr, weil Emil seinen Scheißelkramradius erweitern wird, in Richtung Tischhöhe. Wenn wir jetzt am Tisch sitzen und Emil sitzt auf meinen Schoß, räume ich routiniert (haha) das fünfte Mal alles in einem Halbkreis vor mir weg.

In erster Linie mehr. Mehr von allem, wie ich schon mal schrieb. Mehr Arbeit. Also man merkt definitiv, dass wir mehr Wäsche waschen. Ich erwähne es oft und gern. Ich sortiere Klamotten für sieben Menschen! Sieben! Bevor wir irgendwo in den Urlaub fahren oder irgendwo übernachten, das dauert. Mehr Kleidung, die wir brauchen und kaufen müssen.
Mehr Organisation. (Noch) Mehr Termine. Mehr Elternabende.
Mehr Sorgen. Sich mehr Gedanken machen, da ein geliebter Mensch mehr da ist, mal krank ist oder werden kann.
Mehr unterschiedliche Bedürfnisse müssen abgedeckt werden. Auf den Weihnachtsmarkt? Wann? Gestillt, getragen das Baby, was ist mit dem 3- und 4- Jährigen, wann ist ein gutes Zeitfenster? Langweilen sich Zoe und Noah dann schon? Welche Geschenke für wen, damit eine Art Gleichgewicht herrscht und für den Moment des Aufrupfens jeder ganz bei sich ist.
Im Gegensatz dafür habe ich 1A- Babysitter, die immerzu Sätze sagen wie: „Warum immer ich?!“
Mehr Grübeln. Wir sind ja schon einen Moment länger als Große in der Unterzahl, aber wo wir beide vor Emil noch jeder zwei Hände hatten für jeweils zwei Kinder, sie so beaufsichtigen konnten, ist auch das nun vorbei. Oder ich vorher meine Routine hatte, sicher zwei Kinder an den Händen hielt, wenn es über die Straße ging und zwei Große im Auge hatte, wird sich auch da das Machtgefüge verschieben und sich etwas Neues ergeben, weil ich Emil irgendwann nicht mehr tragen werde.
Hey, noch ein Kind mehr und das Taxi an der Ostsee ist voll, zwei sind es hier bei unseren Taximenschen. Dann ist Feierabend, Auto voll. Haben Menschen, die sich wegen Kinderreichtum irgendwann einen großen Wagen zulegen mal daran gedacht, dass die Dinger auch endlich sind, dass man maximal 8 Menschen und sich selbst befördern darf? :) Die spannende Frag ist also: Wie machen das Menschen, die mehr als 7 Kinder haben- mit ZWEI Autos fahren! ZWEI!
Ich frage mich aber nicht mehr, wie ist das so mit 6 und mehr Kindern, sondern wie war das so? Dieser Weg dahin. Familien in dieser Größenordnung spuckt das Universum ja auch nicht einfach so aus, die wachsen! Wann war das? Wie war das? :) „Sind da Zwillinge mit bei?!“ „Sind Sie religiös?“ Fragen, für die man Geld bekommen sollte!
Obwohl meine Lieblingssätze seit Jahren sind: „Was sagt denn Ihr Mann dazu?“ oder wahlweise „Und Ihre Frau? Macht das mit?“

Machne Dinge macht man seit Jahren ohne Unterbrechung, wickeln zum Beispiel. Ich wickel seit dem 06. November 2004, teilweise zwei Kinder tagsüber und drei für die Nacht. Das waren ne Menge Windeln. Ich räume seit 2005 Messer, an den Rand nach hinten oder gleich weg, damit kein kleines Kind es sich schnappt und Geschwister aus Versehen verletzt oder sich selbst, räume wenn denn mal leere Gläser mit Alkohol außer Reichweite bevor ich ins Bett gehe, achte auf die richtige Filmwahl und was wir lesen, erkläre die gleichen Dinge wieder und wieder, teilweise dem selben Kind. Gewollt.
Und seit 2004 sitze ich regelmässig mit dem Mann an meiner Seite und wir reden- über uns, unsere Fehler, unsere hellen Momente, neue Blickwinkel, wie wir was anders machen können, vereinfachen, lachen zusammen über Doofes und Schönes, über uns. Auch gewollt.

Mehr heißt aber auch: Mehr schon gefüllte Zeit. Mehr Wunder. Mehr erste Male. Mehr Stolz und Glück. Mehr kleine und große Kinderhände. Mehr gute Nachtküsse. Mehr Umarmungen. Mehr Lachen. Mehr Lieben.

13 Responses to “„Und?… Wie ist das so mit fünf Kindern?“”

  1. Katharina Says:

    Was für Fragen! Aber weißt du, was ich glaube? Alle, die dich das fragen möchten nur auf ihre Weise ihre Bewunderung für Eure Hingabe ausdrücken. Dass fünf Kinder VIEL in jeder Hinsicht sind, kann sich wohl jeder vorstellen. Aber auf die echte Erfahrung, wie es ist in einer großen Familie zu leben, kann halt bei uns kaum wer zurückgreifen.
    Ich finde es toll, dass du so gelassen damit umgehen kannst und dass Ihr Euren Traum von der großen Familie realisiert habt. Das traun sich wahrscheinlich viele einfach nicht, aus Angst, es könnte „kompliziert“ werden, z.B. mit dem Auto usw.
    Ich wünsche Euch ein wunderbares Neues Jahr,
    alles Liebe, Katharina

  2. kassiopeia Says:

    Guten Morgen, @Katharina! Es ging mir gar nicht so sehr, um diese vielen Fragen und wenn das so rüber kommt, hätte ich mir noch mehr mühe geben sollen, sondern wirklich um diese eine und das ich das so schwer beantworten kann, was ich hier ein Stück weit versuche. Ich weiss doch, dass es selten bösartig gemeint ist und weiss auch, dass es hin und wieder für Aussenstehende schier unbegreiflich scheint, dieses grosse WIE mit staundenen Augen betrachtet, was für uns geliebter Alltag ist. Vielleicht fällt es mir ja generell schwer auf Fragen eine gescheite Antwort zu finden, aber wenn sie weniger schwammig wären, vielleicht ja doch? :)
    Danke dir für deine lieben Worte und liebe Grüsse!

  3. Marion Says:

    Hallo!
    Gestern in der Bank: Hui ganz schön viele Kinder! Die wohnen alle bei Ihnen? Gut, dass Sie ein neues Haus gefunden haben.
    Oder Guck mal wie süß Zwillinge! und dann tuschelnd zur Freundin:“Hast du das gesehen 5!“
    Oder „Wie feiern Sie Weihnachten?“ fragt meine Nachbarin. wir bleiben unter uns zuhause sage ich. Meint sie: na mit so vielen Kindern kann man ja auch nirgendwo hingehen!
    Ich lache mittlerweile über diese Leute!
    Sehen wir uns bald mal wieder? So von Großfamilie zu Großfamilie?

  4. denise Says:

    ;-) Was soll man auch anders fragen? Natürlich will man wissen wie das so ist mit 5 Kindern! Andere fragen zu stellen die vielleicht ein stück weiter gehen, da hätte ich angst das mein Gegenüber das zu privat finden würde. Geht mich ja nichts an, wie die Familie Weihnachten feiert oder wie der tägliche morgen so aussieht, ob der Mann mit hilft oder ob die Mutter das alles alleine stämmen muss. Deshalb die schwammige frage.. und wie ist das so mit 5 Kindern? Von Freundin zu Freundin ist das natürlich anders, da kann man auch privateres fragen und dann kann man ehrlich antworten. Auf die frage: Und wie ist das so mit 5 Kindern? wüßte ich auch nicht genau was ich antworten würde!

  5. Kassiopeia Says:

    @Marion: Ich musste beim Lesen auch sehr lachen und geschrieben hatte ich dir ja schon, wie super gern ich dich sehen mag! ;) Trotz dieser unglaublich vielen Kinder! ;)

    @Denise: Danke! Für den Gedanken! Obwohl ich auch schon im Detail gefragt worden bin wie wir dieses und jenes tun. Und fühlte mich auagefragt, auf der anderen Seite fragen wir doch immer andere, zumindest ich tu das und lausche gespannt wie gleiche Tage in anderen Familie ganz andere Traditionen und Abläufe haben.
    Und auf diese grosse Frage, hab ich geantwortet: „Wie vorher, nur einer mehr.“ ;) Und so ist es doch auch. Wie vorher und doch ganz anders. :)

  6. Rina Says:

    Ja, meine Frage waere eher, wie macht Ihr das mit 5 Kindern (auch wenn das noch eher als Ausfragen verstanden wird) ? Meine Kinder sind 3,5 J, 2J und das Baby 3 Monate und ich lese gern, wie andere Familien das so machen. Man kann sich immer von anderen etwas abschauen, was die Organisation des Alltags erleichtert. Am meisten wuerde mich ja interessieren, wie Ihr das mit dem Insbettbringen abends loest (bzw; geloest habt, als die Kinder kleiner waren) :)

  7. denise Says:

    Ja mich interessiert auch oft wie andere Mütter ihren Tagesablauf so erleben, wo sind sie konsequent, wo eher mal nachsichtig, wie ist das mit dem Haushalt und und und. Deshalb schaue ich mir auch liebend gern Reportagen über Großfamilien an, auch wenn das bloß ein Ausschnitt ist. Welche Frage ich mir allerdings immer stelle ist die: Woher nehmen die Eltern bloß die ganze kraft und energie? Du hast ja selbst geschrieben, durch emil hat sich euer Feierabend noch mal nach hinten verschoben. Ca um 22 Uhr schlafen alle und dann könnt ihr noch eine DVD anschauen oder lesen. Das finde ich wahnsinn, denn ich bin um 22 Uhr im Bett verschwunden und kann aber Nachts durchschlafen. Wenn ich um einiges später ins Bett gehen würde, wäre ich den ganzen nächsten Tag ein übles schlecht gelauntes “ Monster“!

  8. kassiopeia Says:

    @Rina: Nein, ich sag ja, man fühlt sich schnell ausgefragt, aber es ist totaler Quatsch, weil man ja immer auch zu anderen linst, also ich zumindest, so wie Denise und du es schreiben :) Was meinst du mit wie? Ich schreib zum Bett gehen gern einen neuen Text für dich! :)

    @Denise: Ich liebe diese Reportagen! :) Ich weiß es nicht, woher die Kraft und Energie kommt. Echt nicht. Ganz ehrlich. Ich hab sogar schon mit dem Mann geredet darüber. Früher hab ich täglich Mittagsschlaf gemacht und Schlaf ist mir heute immer noch super wichtig, aber ich bin noch nie mit so wenig Schlaf ausgekommen, zum Teil ja freiwillig, denn am Wochenende wäre Zeit da für ein Nickerchen. Aber ich schaff einfach mehr, wenn ich nicht mehr mittags schlafe und manchmal, als Emil jetzt krank war zum Beispiel, dachte ich, ich würde sterben und nie wieder froh :) Ich war ja dauernd wach und oder nicht vor 2Uhr im Bett.
    Generell steht der Mann morgens als Erster auf, geht dafür meist vor mir ins Bett oder aber schläft nur simpel eher ein. Dafür darf ich länger schlafen, eigentlich immer. Aber natürlich nicht länger als 7Uhr unter der Woche :) So teilen wir uns das seit Jahren, klappt gut, weil wir beide total unterschiedliche Schläfer sind. :)

  9. Ramona Says:

    Das hast du schön zusammengefasst. Es klingt so wunderbar bei dir. Und irgendwann möchte ich dich wirklich kennenlernen mit deiner Bande.

  10. Kassiopeia Says:

    Liebe Ramona, ich hab mich total über deine lieben Zeilen gefreut und würde auch total gerne mal dich treffen oder dich besuchen wollen! :)

  11. Svenja Says:

    Ich musste grad sehr lachen. Vor allem über „Ich könnte das ja nicht…“ Zwingt einen ja auch keiner zu ;)
    So oft habe ich diesen Satz schon gehört und genervt mit den Augen gerollt. Und hier sind es „nur“ drei Kinder. Unsere ganz persönliche Grenze, was Nerven, Zeit- und (Muss man ja auch nennen.) Finanzaufwand angeht. So hat sie halt jeder anders, diese Grenze. Bei einer netten Nachbarin ist die Grenze bei einem Kind erreicht, bei anderen sind es wieder zwei Kinder, die „reichen“. So ist das halt. Ich frag Ein- oder Zweikind-Eltern ja auch nicht, warum sie „so wenig“ Kinder haben und was sie mit ihrer vielen Freizeit anstellen :P
    (Also du weißt. Wenn nur ein oder zwei Kinder im Haus sind, wo normalerweise mehr sein sollten, hat man auf einmal unglaublich viel Zeit. Ich bin dann immer leicht unterfordert ;) )

  12. kassiopeia Says:

    @Svenja: :) Ja genau! :)

  13. essengeldturnschuh Says:

    Sooooo toll geschrieben … *dahinschmelz*