Die Arbeit und ich.

Ich hätte gern mehr geschrieben über diese erste Zeit, aber soviel möchte ich auch gar nicht schreiben, zuviel ins Detail gehen und ich war einfach auch zu müde. Ich versuch das jetzt mal nachzuholen.

Da die zweite Woche ganz dramatisch für mich endete, war ich total angespannt, als es in die dritte Woche der Eingewöhnung ging. Lo hatte in der zweiten Woche am Mittwoch um 10Uhr angefangen zu weinen und ließ sich schwer beruhigen, Li fand das gar nicht witzig und zum Schluss hatte ich drei kleine Kinder die weinten. Da mein Mann und die Kinder krank waren, rief ich um Hilfe und fühlte mich ganz bescheiden dabei, sollte ich doch in der Situation die Ruhe bewahren.
Lo fing immer wieder an zu schimpfen und ich hatte Angst das nicht „unter Kontrolle zu kriegen“. Die Telefonnummern der Väter waren an der Wandtafel, aber eine Hand hatte ich nicht frei, es war furchterbar. Ich schwitzte, hatte das Gefühl, dass es schon ein Vermissen der Eltern ihrerseits ist, also schaffte mein Mann schlussendlich mit meinem Handy den Papa von Lo anzurufen. Der Papa kam dann, ich hatte die Mädchen abgelenkt bekommen und mein Mann kümmerte sich die paar Minuten um Emil. Ich weiß, dass auch die Mädchen krank waren, nicht richtig fit, wir mitten in der Eingewöhnung waren, aber es blieb ein ganz doofes Gefühl nach dem Tag zurück. Abends sagte ich dann für den nächsten Tag ab, weil meine Kinder mittlerweile bis auf Emil alle krank waren und nicht klar war, ob Tom einen Fieberkrampf gehabt hatte. Das machte das doofe Gefühl nicht besser. Da war Angst vor der nächsten Woche, das möchte ich nicht verheimlichen.
Ich telefonierte dann am Morgen noch eine halbe Stunde mit der Mama von Lo, die mir sagte, Lo wäre halt auch bei ihr gnatschig irgendwann, vielleicht hätte sie nur Hunger gehabt und wenn sie müde wäre, würde sie eben anfangen zu schimpfen. Das arbeitete wiederum in mir, es fiel mir schwer das alles einzuordnen. Es ist eine Gradwanderung, ich wollte nie ein Kind weinen lassen. Und ein Stück weit liegt die Verantwortung natürlich bei mir, wenn die Kinder bei mir, in meiner Obhut sind und ich muss mich auf meine Art und Weise um das Kind kümmern, aber Weinen lassen oder gar Schreien wollte ich keines der Kinder, schon gar nicht in der Eingewöhnung. Nicht so wollte ich das, weil es auch mich Nerven kostet, die endlich sind zum Teil, zum anderen ist das einfach nicht meine Art. Ich fasste am Wochenende neuen Mut, holte den Zwillingswagen hoch und hatte einen Plan, sollte Lo wieder weinen, würde ich spazieren gehen, falls sie müde sein sollte, würde sie einschlafen (Das hatte mir die Mama erzählt).
In der dritten Woche wurden die Mädchen immer eher gebracht, aber die Eltern gingen in der Früh. Das war allein schon eine große Umstellung, weil beide das wenig schön fanden durch die Kälte gefahren zu werden. Ein Papa schlug es gar nicht vor, sondern sprach nur von Wärmflaschen und das war für mich die Idee, seitdem ist es besser. Ob es nun die Gewöhnung ist oder wirklich angenehmer für die Mädchen ist, weiß ich nicht genau. Gleich am Dienstag wurden die Mädchen unruhig, bevor weiter irgendwas schlimmer werden konnte, packte ich in Rekordzeit die drei Kinder ein und fuhr los. Emil nickte eigentlich gleich vor meiner Brust ein und die Mädchen nickten auf weg. Seitdem fuhren wir vor dem Mittagessen gar nicht mehr los, vielleicht löste das den Knoten, ich hatte meine Selbstsicherheit zurück erobert, ich fühlte mich wieder stark und allem gewachsen.

In dieser dritten Woche bekamen die Mädchen schon bei mir ein Mittagessen, auch neu. Teilweise zweimal täglich warm zu kochen, weil die Mädchen nur pürierte Nahrung kennen und akzeptieren ist nicht ohne, aber es muss, mein Kind kann ich schließlich stillen, wenn er es braucht. Ich schüttele das noch nicht so aus dem Ärmel mir Gerichte einfallen zu lassen. Am Tisch fühle ich mich dann immer wie eine Füttermaschine, ein Löffel links, einer rechts und beim Händewaschen von einem Kind aufpassen, dass das zweite nicht aus dem Hochstuhl aufsteht, damit es sich nicht weh tut und womöglich runter fällt. Ungewohnt das alles.
Am letzten Tag der dritten Woche bin ich das erste Mal mit Lo in den Kindergarten gefahren mit Herzklopfen. Wenn schon das Fahren morgens nicht so beliebt ist, hätte es sein können, dass sie das jetzt auch doof findet. Aber sie schlief unterwegs ein, gleich noch an der Haltestelle und wurde mit dem Türsummer vom Kindergarten sofort wieder wach. An diesem Tag waren vier Kinderwagen im Bus und ich war froh, dass ich mich dafür entschieden hatte und nicht auf den Zwillingswagen angewiesen bin. Lustig war ein Gespräch das ich hören konnte, denn es steht natürlich nicht auf meiner Stirn, dass ich Tagesmama bin. Im Kindergarten war sie total süß und guckte aus dem Wagen alles an. Als ich einer glücklichen Mama ihr zufriedenes Kind zurück geben konnte, war ich glücklich und erleichtert. Donnerstag weicht alle Anspannung aus meinem Körper und ich bin nur noch für meine Kinder da. Das ist auch schön.
Langsam hab ich auch meinen Ablauf mit Putzen und Vorbereiten des Gruppenraumes im Keller und dergleichen. Jeden Abend sauge ich im Erdgeschoss und wische um den Esstisch, damit die krabbelnden und robbenden Kinder nicht sofort wieder dreckig sind in der Früh, der Boden klebt halt auch.
In dieser letzten Woche wurden die Mädchen gebracht wie im Vertrag vereinbart und ebenso auch mittags geholt, dass hieß ich fuhr in dieser Woche auch alle drei Mal mit Lo in den Kindergarten. Es klappt gut. Auch das Essen, der Vormittag, wir entwickeln einen Rhythmus, den wir uns gesucht haben, angepasst an die Bedürfnisse, ich nehme zum Beispiel alle Wickelbeutel mit in den Raum rein, wenn wir runter gehen. Manche Dinge musste ich komplett streichen, ich kann einfach nicht gemütlich im Gästebad Hände waschen gehen, nach dem Essen, ich muss das in der Küche machen, damit ich halbwegs das zweite oder dritte Kind im Hochstuhl im Blick habe. (In der Zeit, in denen die Eltern dabei waren ging das ohne Probleme.)
Die Mädchen vertrauen mir mehr und mehr. Ich kann sie trösten und Tränen des vermissens wegens gibt es gar keine mehr, ich würde sagen wir haben die Eingewöhnung geschafft. Vier Wochen hat sie gedauert, aber es war gut so. Routine würde ich es noch nicht nennen, aber alles findet sich bereits jetzt, neue Abläufe werden sich einschleifen.
Ansonsten ist es nach wie vor aufregend. Die Kinder sind mir ja im Moment 5 Monate voraus. Gehe ich runter und bringe ein Kind in den Gruppenraum, räumt mir das andere gerade vielleicht den Aktenschrank aus. Die Kinder finden alles, auch den Playmais vom Tochterkind, kleinste Essensreste, Kabel, Teelichter, Blumen, erklimmen Treppen in Höchstgeschwindigkeit. Emil holt aber auf, sitzt er doch seit dieser Woche mit den Händen sich festhaltend auf den Knien und räumte mir fast schon eine Vase ab, der Tee meiner Tasse ergoss sich auch schon über den Tisch. Der Zerstörungsradius erweitert sich wie er soll. Und ich freu mich schon ein bißchen, wenn die Sonne raus guckt und ich daran denke, wie wir im Frühling und Sommer alle vier (am Vormittag) den Garten erobern werden.

7 Responses to “Die Arbeit und ich.”

  1. blumenpost Says:

    Ich bin sooo begeistert. Du kannst wahnsinnig stolz auf dich sein.
    Das klingt alles anstrengend, aber auch schön. Ganz schön viel Trubel. :)

  2. LittlebinHH Says:

    Du kannst wirklich stolz sein auf Dich!

  3. Katharina Says:

    Das klingt nach einer richtig guten Entwicklung. Wunderbar, wie du deine Ruhe niemals verlierst, du gehst so einen anstrengenden Weg und setzt immer einen Fuß vor den anderen. Macht mir immer Mut, bei dir zu lesen. Alles Liebe, Katharina

  4. frau siebensachen Says:

    ich erinnere mich an meine tamuzeit, und bin schwer beeindruckt, wie du das schaffst. alle achtung!
    (essenstip, falls du magst: die kleinen stehen ja noch nicht so wahnsinnig auf abwechslung, also koch doch ruhig nur zwei gerichte im wechsel, zb möhren mit kartoffeln und reis mit zucchini. zumindest erstmal, da brauchst du dann nicht groß überlegen was es geben soll.)

    alles gute!!!

  5. Elli Spirelli Says:

    „Zerstörungsradius“ – ich weiß, was du meinst ;-) Schön ist eigentlich, dass trotz aller Anstrengung immer etwas Schönes und Wundervolles geschieht – und es ist toll, wie Du mit allem umgehst !

  6. Anne Says:

    So muss das :) Ich finde, das klingt alles ganz wunderbar – und zwei SO kleine Zwerge sind auch wirklich eine echte Herausforderung, finde ich. Als Mutter und als Tagesmutter. Vor allem in der Eingewöhnungszeit, wenn sich alles erst einspielen muss – das Vertrauen in die Kinder, ihr Vertrauen, all die kleinen Handgriffe und selbst die Orte, an denen irgendetwas liegen muss… UND vor allem, wenn du selbst noch so einen Zwerg dabei hast. Aber so wie dein Post klingt, flutscht ja schon alles :) Sogar die Fahrten, das find ich ja toll!

    Zum Essen: Bei so kleinen Mäusen find ich ja immer Eintopf ganz wunderbar, denn da kocht man ein Mal und isst zwei Mal davon (also hier mit 5 Kindern, bei zweien dann wahrscheinlich eher vier Mal^^), den hab ich in der ersten Zeit gern eingefroren. Und Eintopfvarianten gibt es ja viele – Kartoffelsuppe, Möhrensuppe, Blumenkohlsuppe… werden hier alle immer verschlungen! (mit Tofuwürfeln (Eiweiß) drin find ich die ganz grandios, auch so, vom Nährstoffgehalt) Außerdem sind Nudeln mit Tomatensauce schnell gemacht (für die Sauce nehme ich einfach die Barcomi-Pizzasauce und würz die ein bisschen mit Basilikum etc, die ist in 5min fertig. Oder du kochst Reis und machst Mais und Erbsen und Möhren (und evtl Kochschinken) rein, Kräuterfrischkäse dazu, würzen, das war´s. Oder Spinat, das geht auch fix… Fischstäbchen, Bratwurst mit Kartoffelpü, Na du wirst da noch zig Sachen (wieder)entdecken.

    So, Kaffee ist alle, und mein erstes Tageskind für heute klingelt auch schon :)

  7. kassiopeia Says:

    Dickes Danke!!!

    Und liebsten Dank für die wirklich guten Anregungen zum Essen kochen!