Liebes Deutschland,

irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass hier was schief läuft, genau an Tagen wie diesen.

Ich bin Mutter von fünf Kindern, zwei davon sind eindeutig krank, beide mit Fieber. Gestern habe ich die Eltern meiner zwei Tageskinder darüber informiert, dass ich dennoch arbeiten würde, obwohl ich so zwei Kinder mehr zu Hause habe, als üblich am Vormittag. Nämlich meine drei Kleinsten.
Heute morgen sitze ich also hier, mit drei eigenen Kindern und mir wurden eben zwei kranke und kränkelnde Tageskinder dazu gebracht.
Die Mama eines Tageskindes ist selbst Erzieherin, liess ihre zwei Älteren heute auch zu Hause, weil sie krank sind, bringt ihre kränkelnde Tochter zu mir und meinen kranken Kindern und geht arbeiten, (wie auch der Vater des anderen Tageskindes,) weil sie im KiGa selber zu wenige sind.

Gibt so Tage, da werde ich das Gefühl nicht los, dass hier irgendwas schief läuft. Keiner hört auf zu arbeiten, obwohl Kinder krank sind, das gefällt mir nicht. Und gerade in Bezug auf die andere Erzieherin, was ist das für ein Kreislauf, in dem jede von uns beiden auf die Kinder der anderen aufpasst, anstatt (nur) auf die eigenen.

13 Responses to “Liebes Deutschland,”

  1. Christine Says:

    Mensch du Liebe!
    das ist echt ein ärgerliches Denken!
    in dem großen Stiel kenne ich das noch nicht so, aber ehrlich – ich bin auch sehr verärgert wenn Eltern ihre kranken Kinder in die Kinderbetreuung unserer Tochter stecken. Was soll das? bringt doch echt nix wenn die anderen dann auch krank werden!
    Aber: musst du denn kranke Kinder annehmen?
    lg, Christine

  2. Katharina Says:

    Ja, das ist wirklich eine verrückte Welt. Dass sich jeder dem Dienstgeber/den Kunden/den Kollegen gegenüber mehr verpflichtet fühlt als den eigenen Kindern. Das ist einer der Gründe, warum der Mann und ich uns abwechseln beim Arbeiten gehen. So ist immer einer von uns beiden da, egal ob die Kinder krank sind oder gesund. Zum Glück lassen das unsere beiden Jobs zu.
    Gute Besserung an die Kleinen und viel Kraft für diese anstrengenden Tage.
    Alles Liebe, Katharina

  3. littlebinHH Says:

    Es ist aber auch eine Frage des Arbeitgebers und wie man all dem selbst gegenübersteht. Viele verhalten sich – gerade mit Kind – latent als Leibeigene des Arbeitgebers und haben Angst, dass sie nicht mehr als vollwertige Arbeitgeber wahrgenommen werden. Wenn es hier ein größeres Selbstverständnis gebe, wäre ALLEN geholfen. Denn eine Mutter/Vater mit schlechtem Gewissen arbeitet sicherlich auch nicht 100%.
    Hier gibt es noch gaaanz viel zu tun.
    Zu dem „Kreislauf“: Sicherlich ist es komisch, wenn eine Erzieherin ihre Kinder anderweitig betreuuen lässt. Wer weiß schon, was da für (Sach-)Zwänge hinter stehen. Ich bin auch froh, dass der Lütte nicht in eine Einrichtung musste die ersten 3 Jahre, aber manchmal kann man es sicht nicht aussuchen.
    Außerdem würde man auch von keinem Lehrer erwarten, dass er seine Kinder selbst zu Hause unterrichtet.

  4. kassiopeia Says:

    STOP! (Nur ganz kurz, weil ich gerade absolut keine Zeit habe.) Das hier ist nicht der Platz um darüber zu diskutieren, ob Eltern ihre Kinder bis 3 in die Krippe oder Tagesmutter geben, wäre ja auch witzig ich so als Tagesmutter.
    Es ging NICHT darum, ob ein Lehrer seine Kinder selbst unterrichten sollte oder die Erziehrin ihre Kinder zu Hause einsperren, sondern um KRANKHEIT. Mehr nicht. Und das Gefühl, was ICH heute morgen hatte. Bei diesem Hin und Her. DAS machte mich nachdenklich!

  5. Frau Kreis Says:

    Diesen Gedanken hatte ich auch schon öfters. Dass da was schief läuft, weil wir alle so abhängig sind von unserem Job, unseren Chefs, und uns unersetzbar fühlen (oder gar sind). Ich weiß nicht, ob es in „kinderfreundlicheren“ Ländern anders läuft, aber in Schweden beispielsweise gibt es einen ganzen Monat Kinderkrankentage pro Jahr, und finanziert wird der Ausfall, wenn ich das richtig verstanden habe, über eine Steuer, die alle Menschen zahlen müssen … (aber auch da gilt: die gesellschaftliche Akzeptanz dafür muss da sein!)

  6. littlebinHH Says:

    Okay, dann habe ich Deinen letzten Satz falsch verstanden. Ich habe ihn nicht auf die Krankheitssituation bezogen.
    Aber ich finde den Gedanken auch für eine Tagesmutter richtig. Nur, weil Du damit Dein Geld verdienst, darfst Du Dich ja trotzdem damit kritisch auseinander setzen.

  7. kassiopeia Says:

    @littlebinHH: Ja, natürlich könnte man sich damit kritisch auseinander setzen, aber nicht an dieser Stelle, weil sich das hier auf eine andere Problematik bezog. :)

    Und genau :) ich hab mich nicht richtig ausgedrückt, es ging mir eben darum, dass die besagte Mama mir ihr Kind bringt, ihre anderen Kinder allein daheim lässt, damit sie in eine Arbeit gehen kann, in der andere Menschen vielleicht(!) ebenso ihre kränkelnden Kinder hinbringen, auf die sie dann aufpasst… Dieser Kreislauf machte mir Bauchschmerzen.
    Und das nicht mal nur, weil man Angst um seinen Job hat, sondern auch weil man gebraucht wird. Weil die Leute im Kindergarten zu wenige sind und ich eben, weil ich weiß die Eltern der Tageskinder kommen anders ins Schleudern. DAS ist Mist!

    Und entschuldige, wenn ich vorhin schroff klang, ich wollte das nur kurz klar stellen mit dem letzten Satz, bevor ich vorhin los geflitzt bin.

  8. littlebinHH Says:

    Kein Problem :)

    Ja, so ist das großer Mist für ALLE Beteiligten. Die Frage ist nur, wie sich was daran ändern ließe. Günstig wären „Springer“. Die bezahlt nur keiner. Oder ein grundlegend anderer Betreuungsschlüssel, damit solche Engpässe eigentlich nur entstehen könnten, wenn mal ne richtige Epidemie umgeht.

    Meine Mama leitet eine Kiga und ich weiß, wie oft sie schon geflucht hat. Sie würde sich vielleicht eine Mitarbeiterin wie „Deine“ Mutter wünschen und sie wahrscheinlich – sofern es personell machbar ist – nach Hause schicken, wenn sie wüsste, wie die Situation ist.

  9. Christine Says:

    Hm.
    Ich würde meine Kinder gar nicht zur Tagesmutter bringen, wenn dort gerade kranke Kinder sind, damit sie sich nicht anstecken.
    Andersrum käme ich auch nicht darauf, meine kranken Kinder zur Tagesmutter zu bringen, ebensowenig wie in den Kindergarten oder in die Schule. In Kindergarten und Schule würden die Kinder normalerweise auch wieder nach Hause geschickt. Deshalb wäre ich da als Tagesmutter auch ziemlich rigoros… (Ausnahme: Ich hätte ansonsten kein einziges Kind da.)

  10. Karen Says:

    Das Problem in Deutschland ist meiner Sicht aus der Ferne nach nicht nur das, dass eine Kindergärtnerin oder Tagesmutter nicht ausfallen „darf“, sondern auch die generelle Einstellung zur Arbeit: dass der Arbeitnehmer sich verpflichtet fühlt, immer anwesend zu sein, immer möglichst lange im Büro zu bleiben, möglichst nicht schwanger zu werden, wenn das dem Arbeitgeber gerade nicht passen könnte…

    Und ich glaube gar nicht mal, dass das so viel an den Arbeitgebern liegt, die solche Dinge tatsächlich fordern (würden), sondern eher an den Arbeitnehmern, die sich diesem (selbstauferlegten?) Zwang mehr oder weniger freiwillig unterwerfen.

    Kinderfreundlichkeit hier in Finnland sieht so aus: dass man schwanger werden darf, wann man es für sich selbst richtig hält, und nicht, wann es den Arbeitgeber vielleicht am wenigstens nervt (Ich verweise dann gern nochmal auf diesen Artikel: http://nappisilma.wordpress.com/2012/10/09/beispielhaft/). Dass man – auch wenn man Vollzeit arbeitet – um 16:00 Uhr seinen Arbeitsplatz verlassen kann um seine Kinder aus dem Kindergarten abzuholen, ohne schief angeguckt zu werden, weil man schon wieder „so zeitig“ geht. Und dass man mit kranken Kindern zu Hause bleiben kann, solange diese eben krankgeschrieben sind. Egal wie viele Tage im Jahr das sein werden.

  11. denise Says:

    Ja das hört sich wirklich nach seltsamen Kreislauf an und sehr nach Ironie also bei dir und der Erzieherin. Muss bei dem Gedanken fast schmunzeln ;-)
    Du Tagesmutter, sie Erzieherin, deine Kinder Krank, ihre Kinder Krank – und beide Arbeiten weiter, weil man sich in der Verpflichtung sieht, den anderen nicht hängen zu lassen. Du willst die Eltern nicht im Stich lassen und die anderen wollen ihren Arbeitgeber nicht im Stich lassen – weil jeder angst hat sich Ärger ein zu handeln. So geht es leider sehr vielen. Schön wäre es wenn man in dem Moment die möglichkeit hätte, einfach Pause zu machen und für seine eigenen Kinder sorgen könnte, damit sie schnell wieder Gesund werden. Und ja da läuft sehr viel schief. Ich selbst habe meine Kinder auch schon krank in die Schule und Kiga geschickt und bin Krank zur Arbeit, um ja keinen Ärger zu bekommen, den die reagieren sehr empfindlich aufs Krank sein ;-) :-(

  12. sandra Says:

    Der Vorteil liegt auf der Hand…Würde jeder sein(e) eigenen kranken Kinder zuhause behalten und sich selbst drum kummern können…würde der Arbeitnehmer fehlen…im Fall einer Kindertagesstätte müssten dann vielleicht die anderen zehn Kinder auch von den eigenen Eltern beaufsichtigt werden.
    Ich kann hier vier Mal 30 Stunden meine kranke Tochter beuafsichtigen lassen(ohne zusatzzahlung)(Meine Krankenkasse) bedeuted: Die von der Zeitarbeit geschickte Person hat Arbeit für die Zeit…Ich fehle (wenn ich Arbeit habe) nicht auf meinem Arbeitsplatz( zur Zeit habe ich nämlich keine Stelle seit November) Der Vorteil , das ich die Arbeit verlor war allerdings der, das ich Montags zum Kinderarzt mit Saskia ohne Probleme gehen konnte und er eine lungenentzündung feststellte!!! Irgendwie hab ich das Gefühl es wäre nicht so schnell entdeckt worden, (hätte ich gearbeittet)da den Donnerstag vorher bei der Schuluntersuchung nichts festgestellt wurde.
    Und vor allem: Ich hätte wieder jemand unbekanntes „rufen‘ müssen. Kein so tolles Gefühl. Lieber wÄre mir ein Service, der mich auf meiner Arbeitsstelle ersetzt (zumal es auch in einem haushalt ist) und ich bleibe bei Saskia.

  13. sandra Says:

    PS es ist auch kein typisch deutsches Problem. Belgien ist zwar ein Nachbarland …aber eben nicht Deutschland.

    Zum ersten mal in 20 Jahren wurde mir übrings gesagt, ich sei zu oft krank (Ein paar Mal fünf Tage) und als ich einmal eine Blasenentzündung ausgerechnet nach einer Woche kranksein (und einem tage arbeiten) bekam, hies es: Man kann nicht mit Dir rechenen. Und irgendwann hörte ich sogar: Du bist ja ger nicht krank. Ich meine: erstens muss ich das selbst am besten wissen und der Arzt wohl auch.Und zweitens in meiner dann folgenden Kündigung unter anderem zu schreiben „häufige Abwesenheit“fand ich ja echt eine Frechheit. Gleichzeitig behaupten sie, sie würden die Menschen respektieren und wenn ich sage: So langsam kann die nicht arbeitende Mutter auch mal selbst bügeln oder eine Dienstchequearbeitende bestellen….ansstatt uns(Familienpflegehelferin)Antwort: es gibt Krankheiten die sieht man nicht (sovort) Aber das gilt nicht für die Arbeitnehmer: Die sollen wohl vor allem funktionieren.