Das Ende vom Lied

Heute Nacht um kurz vor 4Uhr habe ich dann meinen Tageskindern abgesagt und es fiel mir alles andere als leicht, den Kopf hab ich mir schon beim ins Bett gehen zerbrochen. Und mitten in der Nacht war auch nicht so der günstigste Zeitpunkt, ich hatte ein wahnsinnig schlechtes Gewissen. Aber hätte es auch anders herum meinen Kindern gegenüber gehabt.
Emil schlief so unruhig und schon am Abend war er so anhänglich und weinerlich mit seinem 40°C. Und ich hatte so ein Bild vor meinem inneren Auge von lauter gnatschigen Kindern.
Gestern war es eine Gradwanderung gewesen, -gut wie so vieles im Leben- alle Kinder hatten den Tag aber gut gewuppt, doch wie wäre es heute gewesen? Ich fühlte mich dem ehrlich gesagt nicht mehr gewachsen und ich glaube, ich hätte das wirklich nicht geschafft, weil ich auch nicht mehr gesund bin.
Stutzig hatte mich auch Ben gemacht, der abends sagte, er wolle heute bitte seine Ruhe. Kann ich verstehen nachdem eines der Mädchen seine Nähe die meiste Zeit über gesucht hatte.
Der Mann blieb dann heute sogar zu Hause, wie immer, wenn ich ihn wirklich brauche, weil er sah wie angeschlagen ich war und Emil weinte zudem auch die ganze Zeit vor Schmerz und Unwohlsein, schrecklich war das heute Vormittag.

Deswegen fuhr ich dann heute Mittag zum Kinderarzt und ließ Emil anschauen, einen Abstrich machen vorsichtshalber und entdeckte zu allem Übel, was sein Jammern auch erklärt: einen neuen Zahn.

Warum ich gestern gearbeitet habe und vielleicht auch heute hätte und morgen würde? Nicht weil man mich zwingt, sondern weil ich weiß wie das ist. Ich werde gebraucht von Familien, die keine weiteren Optionen haben, da möchte man halt auch einfach da sein, wenn man gebraucht wird, es reicht schon wenn man absagen muss, weil das eigene Kind krank ist. Beide Familien haben aber super lieb reagiert, verständnisvoll. Die eine Mama bot gestern von sich aus an, ihr Kind zu Hause zu lassen. Aber es ist ein Job, den ich doch auch gern mache. Ich mag nicht die Kinder, noch die Eltern aus dem Takt bringen.

Und was mich nachdenklich machte, waren nicht wir Eltern, ob wir nun mit kranken Kindern arbeiten oder gesunde zu kranken Kindern geben, sondern in diesem einem speziellen Fall (der Tageskindmama und mir), dass wir das tun, weil wir so sehr gebraucht werden, dass sowas wie eine Welle von Chaos ausbricht, wenn wir ausfallen: KINDERBETREUUNG.

Zu wenig Alternativen, wenn ich wegfalle. Zu viel Stress, wenn im Kindergarten zu viele Erzieher fehlen, (Mama vom Tageskind), weil alles fast schon abgezählt ist, an Betreuern.
Aber schlussendlich, ob Teil einer Kinderbetreuung oder einfach Angestellter im Büro, wir überlegen halt beide immer ganz genau und gründlich wie schlimm es heute ist, ob es noch gut geht und zerbrechen uns den Kopf, manchmal in der Vergangenheit -der Mann und ich- so sehr, dass es morgens schon mal krachte. Aber man kann nicht erahnen wie schlimm es tagsüber wird, oder ob gar viel besser. Man wägt ab. Immer. Gestern also so, heute so.

One Response to “Das Ende vom Lied”

  1. fishly Says:

    Ich wünsche euch schnelle Genesung und so viel Ruhe wie ihr euch nehmen könnt.
    Kranke Kinder sind für mich immer der Supergau. Ich wäge so ungerne ab, wie sehr mich das betroffene Kind denn heute brauchen könnte und wie schlimm ein Arbeitsausfall meinerseits wiegen würde. Von der leidigen Diskussion, wer von uns beiden es sich am ehesten leisten kann zu Hause zu bleiben ganz zu schweigen. So oder so habe ich an solchen Tagen immer ein schlechtes Gewissen, entweder dem Kind gegenüber, dass dann doch mit dem Opa vorlieb nehmen musste oder dem Mann gegenüber, dessen Arbeit liegen bleibt oder den Aktenstapeln gegenüber, die es dann gilt als Nachtschicht nachzuarbeiten. Aber nicht mehr lange und dann wird es wieder warm. Ganz bestimmt. Und dann bleiben die Kinder fit und wir werden auch nicht mehr krank.