Die gewaltfreie Kommunikation und ich

Ich schleiche schon länger um das Thema herum. Es interessierte mich jedes Mal, wenn ich davon hörte. Ich hatte eine ungefähre Vorstellung davon und als eine Freundin von mir am Anfang der Woche einlud zu einem Abend, den sie mit organisiert hatte, wollte ich da unbedingt hin.
Die Referentin brachte mir das Thema näher, als sei es ein Werkzeug.
Man formuliert ein Gefühl, ein Bedürfnis und eine Bitte ans Kind.
Ich nahm nach diesem Abend das eine oder andere mit. Und gleich einen Tag später hatte ich ein Buch von Marshall Rosenberg in der Elternpost, denn ich hatte mich mit einer anderen Mutter zuvor über diesen Elternabend unterhalten und sie wollte es mir leihen, was sehr lieb ist.
Jetzt hatte ich Zeit etwas in dem Buch zu lesen, die Hälfte ist geschafft und ich muss sagen, dass sind Welten Unterschiede. Bei ihm klingt das nicht wie eine Werkzeug, sondern wie eine Lebensphilosophie.
Ich spüre wie das Alles in mir arbeitet und mich zum Teil auch erstmal erschlägt, was will ich jetzt? Vor mir steht dieser Anspruch, natürlich auch ein Stück weit.

Ich gebe mir in meiner Erziehung größte Mühe und dennoch würde ich mich an manchen Tagen gern, wie ich es oft schon formulierte am Ende des Tages (oder manchmal gleich nach dem Aufstehen), den Kinder zu Liebe zur Adoption frei geben.
Dennoch dachte ich auch bestärkt durch den Elternabend (in Kurzform ins Thema getaucht), gut genug wie es so schön heißt, würde als Mutter irgendwie reichen.
Als ich Freitag Abend die Kinder ins Haus holte, formulierte ich mühevoll mein Gefühl, mein Bedürfnis und meine Bitte. Und ab davon, dass ich die Kinder nicht immer anschreie, dauerte es zumindest gefühlt länger bis sie im Haus waren, aber ohne Geschrei, trotzdem war ich zutiefst erschöpft. Die Kinder werden nicht jeden Abend angeschrien, aber es war selbstverständlich sehr betont in diesem Moment, zu dem fällt mir erst jetzt auf wie unglaublich schwer es mir fällt meine Gefühle in Worte zu packen: verärgert sein, genervt, unruhig, sauer, wütend… Wut ist auch ein schönes Thema, weiß ich doch selber wie der Alltagsstress oft seinen Tribut fordert und man so genervt ist und nur noch will, dass die Kinder hören, dann wird aus nicht hören Hilflosigkeit, die sich in Wut entläd.
In mir hallten aber auch Herrn Rosenbergs Worte über Belohnung nach, auch nicht neu, aber so schwarz auf weiß fühlte ich mich ertappt.

Ich weiß ja nicht, ob ich der einzige Mensch bin, sicherlich nicht, aber es fühlt sich ja immer so an, ich bin von „Ratgebern“ immer erstmal erschlagen und irritiert. Meistens ziehe ich das Beste heraus, aber zugegebener Maßen erwies sich vieles Erlesenes im Nachhinein als nicht die beste Option (für mich, für uns).
Deswegen schwelt das so in mir drinnen- das „Neue“.

Tags drauf wollten wir mit den Kindern Schuhe einkaufen gehen, Sandalen um genau zu sein. Alle waren begeistert vom Aussuchen, nur Ben nicht, der war stinksauer und wollte Blinkeschuhe. Ich hatte aber kein Geld oder Sinn meinem Sohn diesen Wunsch zu erfüllen, er hatte ja Halbschuhe. Frustriert zog er seine Schuhe aus, schmiss sie weg und meinte er würde sie nie wieder anziehen. Und Sandalen wollte er natürlich auch nicht. (Es sei erwähnt beim Verlassen des Hauses, wollte er rosa farbende Sandalen, hatte er vor Ort im Geschäft bereits wieder vergessen.)
Er wollte nicht. Ich zeigte ihm in seiner vermeidlichen Größe ein paar Schuhe zur Auswahl, aber alles war ungut. Blinkeschuhe!
Der Pädagoge in mir dachte, nun ja… will er heute eben nichts, machen wir, kommen wir die Woche noch einmal wieder. Ist zwar total umständlich, aber das hat Zeit, ich zwinge dem Kind jetzt keine Sandalen auf, dachte ich erst.
Dann erinnerte ich mich aber an mein verstörtes Kind, das als Einziges zu Beginn dieser Woche nicht ein Paar vom letzten Jahr zur Überbrückung bekommen hatte und so unglücklich gewesen war und sofort welche kaufen hatte wollen.
Ich phantasierte mir also zusammen, zu Hause würde mein Kind dann bitterlich enttäuscht und traurig sein, weil wir gar keine Schuhe gekauft hatten. Ich nahm an, weil ich mein Kind meine zu kennen, dass er der Information, er hätte ja zur Zeit des Aussuchens keine Lust gehabt, nichts abgewinnen würde können. Vermutlich könnte er sich nicht mal mehr daran erinnern. Und wieder wäre er sauer, verzwickt im Moment.

Was tat ich also? Ich bat ihn wenigstens einen Schuh anzuprobieren und dann könnte er ihn gaaaanz weit wegwerfen. Das fand er gut, dieser Vorschlag gefiel ihm. Er probierte mit mir einen Schuh und wir fanden heraus, der war zu klein, die nächste Größe auch und dann fanden wir zwei Paare und er durfte aussuchen. Mein Kind verließ mit neuen vorn geschlossenen Sandalen (wie heißen die Dinger dann eigentlich) das Geschäft und schien mir glücklich.

In meinem Oberstübchen frage ich mich aber seitdem, habe ich das Kind übergangen? Und ist gewaltfreie Kommunikation (und die Gedanken und Ideen von Herrn Rosenberg) nun ein Werkzeug dessen ich mich bedienen kann oder eine Lebenseinstellung?

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3 Responses to “Die gewaltfreie Kommunikation und ich”

  1. denise Says:

    Mmmh… Ich habe mich auch mal mit dem Thema auseinander gesetzt und mir auch ein Buch darüber gekauft. Mir schien auch vieles ein leuchtent, aber die Umsetzung war alles andere als Hilfreich. Ich hab mich nicht wohl gefühlt damit. Ich kam mir vor wie ein Roboter der in einer fremden Sprache spricht und den gewünschten efekt gab es auch nicht. Ich bin damals zu dem Entschluss gekommen, das es wichtig ist, das ich mir selbst treu bleibe und mich wohl fühle. Meine Gefühle kann ich trotzdem aussprechen. Ist ja nicht schlimm wenn ich den Kindern erkläre, das ich jetzt müde bin oder das ich am Abend gern pünktlich einen Film anschauen möchte und sie deshalb jetzt in ihren Betten bleiben sollen. Genauso gut kann ich Danke sagen und mich über etwas freuen. Für mich ist wichtig das wir einen geregelten Tagesablauf haben und alles andere ist mal gut und mal weniger gut. Aber Hauptsache ich kann normal sprechen und muss mir nicht irgendeinen Text voher im Kopf zusammen Reimen. Und zum Thema rum schreien – das passiert bei uns auch und ist nur Menschlich, hauptsache es wird nicht zur Gewohnheit um Kinder in Angst und schrecken zu versetzen, damit sie auch ja hören.
    Ich finde, das du eine tolle Mama bist. Und wenn du manchmal Sätze deiner kinder nieder schreibst, dann zeigt das doch, das sie empatisch ( schreibt man das so?) erzogen werden :-) Und du bist immer present für deine Kinder, kümmerst dich, schaffst ihnen ein gemütliches zu Hause.

    Lg Denise

  2. Frau Klabauter Says:

    Weißt du, das kannst du dir selbst aussuchen, ob du gleich eine ganze Philosophie daraus ableiten möchtest. Ich bin nicht der Typ für Glaubenssätze und bediene mich da, wo es mir sinnvoll erscheint. Ich würde es also als Werkzeug benutzen.

  3. kassiopeia Says:

    @denise: Das ist lieb! :) Es verändert mich und das ist gut so, ein Teil meiner Reise, wenn man so will… Aber es ist mir im Moment im Ganzen(!) zu unrealistisch, obwohl mir auffiel neben meinen Unzulänglichkeiten, wieviel ich davon schon intuitiv tue. Das ist auch schön zu erleben :)

    @Frau Klabauter: Juhu! Für mich war es bis Buch ein Werkzeug und es ist eben spannend zu sehen wie aus „einer Idee“ oder einer Vision eine angepasste, realistische Variante wird. #Elternabend #Werkzeug