Ein Jahr mit Emil

Kleiner Fuchs, nannte dich deine Tante vor ein paar Tagen und seitdem geht mir das nicht mehr aus dem Kopf.
Du, mit deinen braunen Augen und den roten Haaren.

Emil

Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie verliebt ich in dich bin. Wie dankbar für das Jahr, das nun hinter uns liegt.
Gerade in den letzten Tagen hatte ich das Gefühl, du hättest noch schnell ganz viele neue Dinge gelernt. Zum Beispiel kletterst du seit neuestem überall hinauf. Steht ein Hochstuhl nicht nahe am Tisch, wird er erklommen, steht er am Tisch, wird er einmal quer durch den Raum geschoben und mit einmal quer meine ich genau das- von einem Ende zum anderen.
Überhaupt schiebst du gerne Sachen vor dir her. Du kletterst in Spielzeugkisten deiner Geschwister und wenn man nicht schnell ist, fällst du prompt mit ihnen um. Vorher bist du schon das eine oder andere Mal Kopf über in eine dieser Körbe gefallen, was hast du geweint. Aber ich hab dich gerettet- jedes Mal. Aber was soll man machen, alles ist so schrecklich interessant und muss genau begutachtet werden.
Ich muss nun auch immer den Hocker im Bad weg stellen, wenn ich deinen Geschwistern in Ruhe die Zähne putzen möchte, da hilft auch nicht mehr, dir deine Zahnbürste zur Ablenkung in die Hand zu drücken. Nein, du musst da hoch, dir alles angucken. Oder oben sein, bei den anderen. Von oben sieht alles viel besser aus.

Im Bad hat es dir ja schon länger auch die Badewanne angetan. Neu ist allerdings, dass du beim Baden mit von der Partie bist und das macht dir richtig Spaß. Umgehauen hat dich das auch schon, aber solange dich einer wieder aus dem Wasser fischt, ist alles in Ordnung.

Wasser ist aber nötig und zwar viel, um dich täglich mehrmals sauber zu bekommen, denn allein essen ist super toll, aber macht auch dreckig und so kann es sein, dass du drei Mal am Tag umgezogen werden musst, weil du voller Erdbeeren, Reis, Nudeln, Melone oder was auch immer bist. Und du liebst diese Obstsorten, genau die die so nass sind und klebrig und alles durchweichen. Teilweise ziehe ich dich sogar aus fürs Essen, zumindest wenn es etwas wärmer ist, im Moment vielleicht eher nicht. Gabeln und Löffel sind zwar interessant, aber die landen noch oft auf dem Boden, nachdem damit erstmal der Tisch bearbeitet wurde. Was du bei den Mahlzeiten auch liebst ist ordentlich Krach zu machen, so lange (gut das dauert in der Regel nicht lange) bis dir alle Aufmerksamkeit gewiss ist und deine Geschwister entweder empört „Emil!“ rufen, laut lachen oder sogar mit einsteigen.
Heute morgen wars die Trinkflasche, die du so fest du konntest rhythmisch auf den Tisch gehauen hast…

Ich würde ja sagen, du hast das Herz deiner Geschwister schon lange erobert. Es ist wirklich wunderschön wie sehr du dazu gehörst, auch wenn du natürlich oft noch kein richtiger Spielpartner bist, sondern eher jemand der eine potenzielle Gefahr für gebaute oder gebastelte Kunstwerke darstellt, wirst du oft bedacht, ob nun zum Geburtstag mit selbst geschaffenen Geschenken oder mit kleinen Gesten, Zeit die sie sich nehmen um mit dir zu kuscheln, dich zum Lachen zu bringen oder mi dir zu sprechen… All das lässt mein Mutterherz höher hüpfen… einfach unbeschreiblich schön.

Wir beide haben auch noch eine ganz enge Beziehung zu einander, durch das Stillen sind wir noch so viel beieinander. Es gab Tage, da hast du nur noch ganz wenig gestillt, mittags zum Einschlafen und dann abends, aber eigentlich, wenn du wirklich willst, zeigst du das und ich kann es dir dann noch nicht verwehren. Gerade das Einschlafen geht nicht anders, ich habs probiert aber du hast dich scheinbar so sehr daran gewöhnt so angekuschelt einzuschlafen, dass du es gar nicht anders kannst. Auf Dauer möchte ich das reduzieren, aber wie und wann ist noch so wenig greifbar. Gerade nachts wäre es schön etwas mehr zu schlafen ohne Unterbrechungen, wir werden sehen wie sich das weiter entwickelt, ich hab einfach nicht das Herz oder die Kraft, da hart durch zu greifen und wüsste wie gesagt auch gar nicht wie.
Wo wir auch schon beim Thema schlafen wären. Am Abend ist es nicht immer möglich dich in dein Bett zu legen, nachdem du beim Stillen in unserem eingeschlafen bist. Und wenn du dann in deinem Bett liegst, weiß niemand wie lange. Wir machen einfach das Beste draus. Spätestens wenn wir ins Bett gehen, bist du dann bei uns und schläfst. Unterbrochen von Stillen. Oder wenn es dir nicht gut geht, auch mal eine Zeit wach, gut das das nicht so oft ist :)

Nachdem ich dich die ersten Monate nur getragen habe, begann ich vor ein paar Wochen dich hin und wieder in den Kinderwagen zu setzen und mittlerweile fühlst du dich scheinbar sehr wohl darin, mein Beckenboden dankt es mir und es ist schön dich zu mir gerichtet durch die Gegend zu kutschieren. Getragen wirst du trotzdem hin und wieder, auch von deinem Papa, der das souverän von Anfang an getan hat.
Autofahren ist mittlerweile kaum ein Problem mehr, dabei war auch das in den ersten Monaten verhasstes Übel. Dafür ist dir das Radfahren noch suspekt, vor allem aber wenn du müde bist, du kämst nie auf die Idee vor Müdigkeit einfach einzuschlafen, schreist dir eher darin die Seele aus dem Leib, was dazu führte, dass ich dich schon zwei Mal aus dem Sitz heraus hob und trug und nebenher mein mein Rad schob.

Laufen kannst du noch nicht. Aber ich hab dich schon ein paar erwischt, als du frei standest. Ich bin zwar gespannt wann ich dich durch die Gegend tapsen sehe, aber lass dir bloß noch ein bißchen Zeit, bitte! Du hälst mich doch so schon auf Trab, hangelst dich von Möbelstück zu Möbelstück oder erklimmst sie einfach (siehe oben) Wenn es schnell gehen muss, lässt du dich aber fallen und krabbelst schnell wie der Wind, zum Beispiel wenn dein Papa nach der Arbeit am Abend zur Tür rein kommt.

Langsam aber sicher erzählst du immer mehr. Ich liebe das. Du zeigst so immer mehr von dir, deiner Persönlichkeit und das ist der spannendste Teil am Kinderhaben. Als du heute beim Wickeln über deinen Kopf hinweg hoch auf das Regel zeigtest, wo der Frosch sitzt, den ich mittlerweile immer fallen lasse, damit du abgelenkt bist bis ich fertig bin. Heute hast du danach verlangt. Du weißt auch wo im Wohnzimmer welche Spielsachen versteckt sind, das war nichts neues, aber dieses Zeigen von „Ich mag das jetzt gern haben!“, war neu. Danach wolltest du, dass ich den Frosch wieder hoch stelle und hast ihn dir dann selber genommen. Das war so niedlich.

Es mag abgedroschen klingen, aber ich freue mich auf jeden neuen Tag, den wir zusammen sind. Jeden Tag, an dem du wieder etwas Neues gelernt hast. Ich hatte Angst um dich dieses erste Jahr, nachts legte ich oft meine Hand auf deinen Brustkorb und wartete darauf, dass er sich hebt und senkt und nun ist es ein Stück weit auch geschafft, dieses erste Jahr. Es geht dir gut und du wächst und lernst immer mehr, zeigst mehr von dir, wirst von Tag zu Tag mehr Kind, denn Baby. Das ist wundervoll. Ich liebe das! Ich liebe es deine Mama zu sein! Ich liebe dich!

4 Responses to “Ein Jahr mit Emil”

  1. Janine Says:

    Alles alles Liebe nachträglich für Euer kleines großes Stückchen Glück! Lieber Emil, hab ein tolles 2. Lebensjahr! *drückEuch*

  2. Frau Klabauter Says:

    Hach ja, wie sie alle wachsen. Hier heute 6. Geburtstag des kleinen Manns…

    Was das Abstillen betrifft: Wie immer gibt es verschiedene Wege zwischen der radikalen Variante und dem sanften Ausstieg. Meine Erfahrung ist, dass man etwa drei Tage Umstellungszeit rechnen kann, dann hat sich das Kind „in sein neues Schicksal gefügt“. Welchen Weg man geht, hängt von einem selbst ab, von den eigenen Sehnsüchten und den eigenen Grenzen. Ich empfehle den Mann als Umstiegspartner von Brust zur Flasche. Der duftet nicht nach Muttermilch ;-) Vielleicht hilft auch ein Schnuller als Brustersatz.

    Abgesehen davon schick ich allerherzlichste Grüße an die ganze Sippe! Fühl dich umarmt!

  3. blumenpost Says:

    Hach.
    So vieles kommt mir bekannt vor.
    Unglaublich, dass wirklich schon ein Jahr vorbei ist.

  4. kassiopeia Says:

    Dankeschön! :)

    @FrauKlabauter: Ja, mal schauen, wie das so weiterhin wird. Danke dir!