Die Zeichen

Als ich meinen Mann kennenlernte, waren sie überall: kleine Zeichen. Als würde uns das Universum den Weg zeigen oder besser uns mitteilen, dass es der Richtige (für uns) sei. Das zog sich wie ein roter Faden durch die ersten gemeinsamen Jahre, überall kleine große Zeichen wie Bojen auf dem Meer.

Je näher der Tag rückt, an dem ich das letzte mal als Tagesmutter arbeiten werde, desto mehr frage ich mich, was danach kommt, was wird, was werde ich tun? Was wartet auf mich?

Eine Weiterbildung, um dich ich seit Jahren herum schleiche, hat sich doch als sinnvoll in meinem Kopf eingenistet, für den Weg den ich noch gehen möchte. Nur der Zeitpunkt…
Start sollte im Oktober sein und letzte Woche, traf ich auf dem Weg zum Kindergarten Selbstgespräche führend noch die Entscheidung, damit warten zu müssen. Jetzt wo ich das eine beende, kann ich mich nicht sofort in ein neues Abenteuer stürzen. Vor allem nicht, wenn sich die Vorraussetzungen nicht verändert hätten. Ich würde noch Zeit brauchen und so entschied ich mich still und leise. Selbstgespräche halt. :)
Und an diesem Tag, an dem ich mich so zart fürs Warten entschieden hatte, flatterte ein Brief nach Hause. Ich öffnete ihn und las, dass ich tatsächlich noch Geduld haben müsse, denn der Start wurde Hausintern verschoben, Termine gäbe man rechtzeitig bekannt. Es war, als wäre es Schicksal. Es sollte gerade nicht sein.
Und ich war glücklich, weil ich mich dazu entschieden hatte, bevor man für mich entschieden hatte.

Heute erst, eine Woche später rotierten meinen Gedanken wieder und wieder um das gleiche Thema: Was wartet auf mich? Was soll ich tun? Wohin geht die Reise?
Ich mache mir viele Gedanken darum, wie das wohl sein wird und zum Teil freue ich mich auf die erste Zeit Mitte September, dann aber wieder packt mich auch Angst. Es war ein Teil meines Lebens. Ein Stück Lebensinhalt. Und der wird nicht mehr da sein.
Zu spüren wie unruhig und aufgeregt ich bin, vor dem Weg zurück, irritiert mich so sehr. Durch das krankheitsbedingte Fehlen eines der Mädchen, war all dieser Wirrwarr in meinem Kopf heute wieder sehr dominant. Ich hatte zuviel Ruhe für meine Grübeleien.
Und als ich heute nach Hause kam, war wieder ein Brief da. Februar soll es nun sein…
Und ich spürte wie ich ruhiger wurde. Ein Ziel. Da ist etwas. Ich gebe zu, diese Leere und dieser luftleere Raum bedrücken mich. Auch wenn es wohl am Ende so sein wird, dass mir gar nicht so viel freie Zeit über bleiben wird, wenn die Mädchen nicht mehr da sein werden.

Dennoch tat mir dieser Brief gut, es war wieder wie ein Zeichen, ein: Du bist nicht allein. Es geht vorwärts. Alles ist gut.
Es mag bekloppt klingen, aber ich brauch das grad so sehr. Mir fehlt in der Hinsicht im Augenblick der Halt. Dieses „nur wir“ ist ein sehr grosser Schritt zurück. Ich hab Angst, das nicht auszuhalten. Mich in andere Wünsche zu verrennen, die ich weniger gut steuern kann.

Macht das Sinn? Ich lass das jetzt so stehen und warte auf weitere Zeichen. :)

4 Responses to “Die Zeichen”

  1. Frau Süd Says:

    Ich finde es so toll dass Du Deine Gefühle so greifbar in Worte fassen kannst. Und auch dass Du die Zeichen wahrnimmst. Du bist sicher auf dem richtigen Weg, auch wenn Du das Ziel (noch) nicht sehen kannst… so ist es, das Leben.

    Alles Liebe von
    Kristin

  2. Martina Says:

    ist es das denn? ein Schritt ZURÜCK?!

    Ich bin mir sicher, dass da weitere Zeichen kommen werden – Du hast ein gutes Gespür dafür, was für Dich/Euch gut ist und was weniger – und Du traust Dich auch zu korrigieren, das ist groß!

    (Gerade „verliere“ ich eine liebgewonne Freundin, sie geht nach Norddeutschland zurück – und mit dem Zeitpunkt, als ihre Entscheidung stand, fluppte einfach alles bei ihr: Wohnung, Arbeit, das Herz… und so sehr ich sie hier vermissen werde, so sehr weiß ich auch, dass für sie diese Entscheidung goldrichtig war – Zeichen, eben… )

  3. Suse Says:

    Auf so ein Zeichen warte ich nun schon Jahre. Würde mich so gern aus meiner Tretmühle befreien und hatte auf so ein Zeichen in der Elternzeit gehofft.. Vielleicht muss man vorher doch selbst erst einmal eine Entscheidung treffen. So wie Du, die eine Sache zu beenden.

  4. kassiopeia Says:

    @FrauSued: Danke dir! Ich denke viel an dich… Du weißt ja warum :)

    @Martina: Also zur ersten Frage: Doch ja, ganz wertfrei. Natürlich ist es ein Stück zurück in die Familie.

    Danke dir, du Liebe! Ich hallte Ausschau! :) Und das tut mir leid, auch wenns das Richtige ist, liebe Freundinnen gehen lassen ist nicht so leicht!

    @Suse: Natürlich muss man auch selber aktiv werden. Und meistens sind Zeichen ja nur als solche Erkennbar, weil man schon Empfindungen in diese oder jene Richtung hat(te), es sind eben keine Wegweiser, nur Markierungen auf dem Weg.