Archive for August, 2013

Spiegelbild

Freitag, August 30th, 2013

„Ich sehe ein bißchen aus wie meine Mutter.“, denke ich vor dem Spiegel beim Zähneputzen. Morgen werde ich mit meiner grossen Tochter zum Friseur gehen. Sie wird bald neun. Halb- erwachsen. Und ich werde ihre Mutter sein, also ich bin es natürlich schon jetzt. Aber morgen werde ich es dort sein, diese Bastion wird erobert. Was pathetischer klingt als es ist, denn schlussendlich, fühl ich mich da immer recht uncool und wenig aufregend.
Ich sehe aus wie eine Mutter, mein Haar, meine Brille. Meine Haut hat sich verändert, im Gesicht, im Dekollete, mein Körper sich auch. Elf Jahre mit ihm. Seitdem veränderte ich mich. Ich werde dreissig. Sie werden lachen, ich werde ja nicht siebzig. Aber ich sehe kritisch die Veränderungen an mir. Innen drinnen verschieben sich auch Rollen. Ich bin in Aufruhr. Und fühle mich dabei sogar egozentrisch. Nur abstellen, kann ich diese Grübelei nicht. Schade auch.
Wenn ich es genau betrachte fühle ich hier und da wie damals beim ersten Kind. Sie stellte alles in mir auf den Kopf. Das musste ich verarbeiten, das brauchte Zeit. Halb- erwachsen ist sowas wie eine zweite Geburt für mich. Halbzeit eben. Was geschummelt ist, denn ich hoffe ja, meine Kinder wollen mich nach dem 18. Lebensjahr wiedersehen. „An Kindern sehen wir wie die Zeit vergeht.“ Nicht sonderlich kreativ, aber so ist es doch.
Ich sah mich immer als frische, lebensfrohe Fünfzigerin, eine Brigitte- Woman- Leserin. Vielleicht würde ich in der Hinsicht gern die Zeit vordrehen. Wie Pflaster abreissen. Fünfzig steht mir bestimmt gut.
Also das mit dem selbstbewusst und froh, muss ich wohl noch üben, ich tippe auf zwanzig Jahre so in etwa.
Wir lesen uns dann, vielleicht klappts ja.

Noch schnell festgehalten

Donnerstag, August 29th, 2013

Emil läuft immer öfter mal zwei, drei Schritte, fuhr heute das erste Mal richtig Bobbycar, zumindest rutschhüpfte er vorwärts und kommt nun bedauerlicher Weise an die Türklinke des Gartentürchens (zur Strasse nach hinten), was ihn zu erstaunlichen Leistungen antrieb beim Ertapptwerden von mir weg zu Krabbeln und zu grossem Protestgeschrei führte, als ich ihn dann unerhörter Weise wieder einsammelte.

Nicht genug?!

Donnerstag, August 29th, 2013

Ich hatte all dem eigentlich gar keinem Raum gegeben und so war ich schier überwältigt von der Wucht des Aufpralls, als wir zu Hause ankamen. Eigentlich stand doch die ganze Zeit nur im Raum, ob ich nun erleichtert oder frei wäre und ich sagte immer wahrheitsgetreu, dass ich wohl erst fühlen würde, dass die Mädchen nicht mehr kämen, wenn die Schule und Kindergarten wieder gestartet hätten und ich mit Emil tatsächlich allein wäre.
Nur scheinbar reichte ein halbes Jahr um meine Welt auf den Kopf zu stellen. Im Grunde, zumindest nicht in diesem Ausmaß hat es mir nie etwas bedeutet die Daheimgebliebene zu sein. Es war so und es war gut so. Irgendwie. Begleiten von Kindern ist ein große Herausforderung, Job genug. Und es ist auch nicht so, dass mir vorher irgendwie langweilig gewesen wäre und ich deswegen die Qualifikation gemacht hätte, nein da war Ehrgeiz. Ich sammele gern Wissen. Und ich mag diese Vorurteile überhaupt nicht, man würde zu Hause bei der Kindererziehung verdummen. Das ist doch unglaublicher Unsinn. Natürlich macht es mir keinen Spaß, vier Mal am Tag die Spülmaschine einzuräumen, den Toilettensitz abzuschrubben oder gleich nach dem Putzen des Bads, erste Gebrauchsspuren zu sehen, nein also Hausarbeit ist nun wirklich gar nicht meins. Aber es gehört dazu.
Zurück zur langen Rede.
Ein halbes Jahr reicht nun anscheinend, zu schaffen, dass mir etwas fehlt. Und ich spreche nicht von den Kindern, den Eltern, den Konflikten, der Arbeit an sich. Mir fehlt das Wort Arbeit in meiner Vita. Nur das Wort. Working Mom, oder das Prädikat: besonders wertvoll.

Laut und deutlich, es muss raus, mir fehlt das. Mir fehlt diese Art der Anerkennung, dieses: Oh, du arbeitest noch?!

Nun bin ich wieder die Daheimgebliebene. Aber heißt das auch die Zurückgebliebene? Zum Teil ist das natürlich etwas was sich in meinem Kopf abspielt. Zwiegespräche. Versagensgefühle, die da in mir arbeiten, ganz klar. Und ich spüre auch, ich will gar nicht arbeiten im klassischen Sinne, denn wenn ich wollte, würde sich da sicherlich was finden. Irgendetwas. Und genau das ist der Punkt, es wäre nicht das, was ich wollen würde. Ich habe die Wahl. Ich möchte von Herzen gern, etwas tun was ich richtig gut kann, etwas das mich erfüllt und damit bin ich sicherlich nicht allein. Ob schreiben oder zeichnen oder Schwangerschaften betreuen oder für Seelen sorgen… Mir fehlt also etwas in meinem Lebenslauf, da ist eine Lücke durch das Wort Tagespflege entstanden und ich brauche unbedingt für mich einen Ersatz. Etwas gleichwertiges. Etwas das mich ausmacht.

Damit verdiene ich nur leider kein Geld. Und genau dort, an diesem Punkt werden meine Selbstgespräche erweitert und ergänzt durch mein Umfeld. Da sind sie und treffen mich mit voller Wucht: Urteile und Vorurteile.
Die Suche nach einem anderen besseren Lebens- Liebens- Modell im Buch „Mut für Zwei“.
Im Urlaub las ich einen Artikel in der aktuellen Emotion über die sogenannte Retro Wife. Der für mein Empfinden gut begann, kritischer wurde und mit der immer gleichen Kritik endete. Ich blieb unbefriedigt zurück. Vor allem, weil es in meinen Augen ein Artikel über die Frauen, der neuen Bewegung sein sollte.
Dann fing ich an Ildikó von Kürthys Buch zu lesen und da sprangen mich die selben Gedanken an. Dazu noch ein weiter gereichter Artikel online. Die Kritik ist immer die gleiche. Die daheim Gebliebene zahle nicht in ihre Rente ein, sie solle mehr an Später denken, schließlich seien die Kinder am Ende nicht mehr da und die Karriere wäre futsch, die Abhängigkeit vom Mann. Von Kürthy spricht teilweise von Verachtung diesen Frauen gegenüber. Und ich bin sprachlos.

Ich könnte an dieser Stelle sagen, dass es leider für all die Frauen, die aus Angst (und von keiner anderen Sorte möchte ich sprechen) zurück in ihren Job gehen, sie könnten diesen und den Anschluss verlieren, leider keine Garantie gibt, dass sie den für diesen Einsatz auch Jahrelang behalten dürfen bzw. weiter Karriere machen.
Karriere was ist das eigentlich für ein Wort? Wer ist wirklich erfolgreich? Die Frau, die drei unterbezahlte Jobs gleichzeitig hat, um ihre Familie zu ernähren oder die, die 20 Stunden im Büro ist? Dieses K- Wort stößt mir immer sauer auf, weil es schlussendlich ein Privileg für die besser Verdienenden ist. Und genau das ist zum Beispiel in dem Artikel in der Emotion passiert, Frauen die arbeiten, Frauen die Geld verdienen dort, werden als „nicht arbeitend“ eingestuft, weil sie nicht in die Rente einzahlen. Dabei arbeiten die- und wie. Ich war beim Lesen im falschen Film.
Kein Wort darüber, dass man auch anders Vorsorge treffen kann. Vielleicht sogar sollte, bei den mickrigen Zahlen, die da zusammen kommen.
Ich könnte auch sagen, dass es Frauen gibt, die sich sicherlich nicht ausschließlich Gedanken um die Zukunft machen, weil sie bewusst nicht aus Idiotie lieber im Hier und Jetzt leben, jetzt Zeit für die Kinder haben wollen, weil sie eben irgendwann nicht mehr da sind. Weil dann wieder andere Zeiten kommen, die sowieso immer einen Umbruch bedeuten und wenn nicht beruflich, dann zumindest im Herzen.
Und wenn ich grad dabei bin, würden der Mann und ich uns trennen, wäre es eine Katastrophe, emotional weit mehr als finanziell.
Ich könnte noch so viel mehr sagen. Weil es gerade so sehr mein Thema ist.

Als ich meinen Mann kennen lernte, ich war 18 war ich kurz vorm Wiedereinstieg ins Gymnasium in Berlin. Er, 19 und mitten im Studium in München, ein Jahr vor Schluss. Ich war wurzellos, depressiv und zog um. Aber erst nachdem ich eine Lehrstelle in der Tasche hatte und wir eine Wohnung. Ich tat mich so schwer, zum einen war ich nicht so stark und gesund und zum anderen hatte ich fast zwei Monate verzögert mit den anderen Mädchen begonnen, zudem war ich in einem völlig anderen Bundesland 600km weit weg und ich war so jung. Ich verlor meinen Ausbildungsplatz, weil ich gelogen hatte, ich hatte Fehlzeiten auf Grund von nicht aufstehen können verschwiegen und wurde gekündigt. Und wusste nicht was tun, etliche Zeit verging- so kam es mir vor, dabei war es nur ein halbes Jahr, ich jobbte und wusste nicht wo mein Platz ist. Kinder waren aber immer Thema. Vom ersten Abend an. Ich las Zeitschriften über Kindererziehung. Und letztendlich fand ich meinen Platz an der Fachoberschule für Sozialwesen. Das war so meines, ich ging von Anfang an offen mit meinem Fehlen um, hatte gute Zensuren, nur sehr gute im Praktikum, was mich in den Monaten so erfüllte. Mit Stolz und Freude. Auch wenn es kitschig klingt. Ich wurde nicht schwanger. Wir planten unsere Hochzeit. Mein Probehalbjahr hatte ich bestanden, was nicht so einfach war, in Mathe musste ich mir das hart erarbeiten damals, ich war integriert in der Klasse, ich fühlte mich wohl und dann fuhren wir in den Faschingsferien an die Nordsee, um zu heiraten. Es war wunderschön. Unvergesslich. Ich hatte mit dem Mann besprochen, wenn es bis jetzt nicht hätte sein sollen, würde ich die Pille wieder nehmen. Dann eben nicht. Ich hatte mir etwas aufgebaut, es war okay. Erst zwei Tage später bemerkte ich, dass ich meine Periode nicht bekommen hatte. Ich war überglücklich. So sehr. Ich kam durch das Jahr in der Schule, ich bekam Zoe. Ich war nun Mutter. Und auch wenn ich dem Mann im Kreißsaal noch gesagt hatte, dass das mit seiner Großfamilie nichts werden würde, wusste ich nach drei Monaten da fehlt wer. Noah kam. Und Nils verlor seinen Halbtagsjob mit dem wir uns über Wasser gehalten hatten. Und da war sie die Möglichkeit das Jahr arbeitslos zu sein und ich könnte die Schule nachholen, anknüpfen- das eine fehlende Jahr machen. Noah war aber erst 3 Monate alt. Ich informierte mich, ich bewarb mich auf die Schnelle und kapitulierte dann vor meinen eigenen Gefühlen, ich konnte diese zwei Kinder nicht allein mit Nils lassen und soviel verpassen. Ich wollte das nicht. Ich entschied bewusst, das nicht zu tun. Dabei hätte es vieles leichter gemacht, im Nachhinein. Ich hätte jetzt mein Fachabitur, könnte wie gewünscht studieren. Die Kinder hatten mich aber geerdet. Schneller als es alles andere gekonnt hätte. Das war ein Geschenk. Ich war gesund.
Tom und Ben kamen, wir zogen in ein Haus. Nils und ich nach wie vor ein Team, er geht arbeiten, damit wir Geld haben, ich bin zu Hause und mache es möglich. Fällt einer weg, bricht alles zusammen. Er könnte aktuell ohne meine Art der Arbeit, kaum soviel Geld verdienen, um die Kinder ganztags zu betreuen. Ich könnte mir aktuell abstrampeln, was ich wollte, ich könnte mir niemals den Weg frei machen, um soviel Geld zu verdienen wie er, damit ich unabhängig von ihm wäre. Und ich würde es nicht wollen. Der Preis wäre zu hoch. Also was bin ich? Habe ich wirklich die Wahl? Ich bin die unfreie Wählerin.
Die Geschichte ging weiter, wir sehnten Emil herbei, wir hatten hart zu kämpfen. Ich machte die Ausbildung zur Tagesmutter, ich arbeitete ein halbes Jahr und beendete es. Nun sitze ich hier und tippe. Ich habe keinen Dawanda- Shop, ich verdiene kein Geld mit meinem Blog.
Ich bin eine stay-at-home-mom, eine femme au foyer, eine Hausfrau. Und ich hasse diesen Begriff und liebe ihn zu gleich, weil es das ist, was ich täglich tue.

Im Herzen weiß ich, dass ich eine Großfamilienmutter bin und das so, wie eine andere Frau weiß, dass sie gar keine Kinder bekommen möchte. Mal im Zweifeln, beide- oft auch durch äußere Einflüsse, bei der einen wie bei der anderen.

Nicht jede Daheimgebliebene ist verachtenswert. So wie es Frauen gibt, die wieder arbeiten müssen, gibt es auch Frauen, die zu Hause bleiben müssen. Man muss genau hinsehen, es ist nie so simpel wie es auf den ersten Blick scheint.

Dahin

Donnerstag, August 29th, 2013

Seinen Namen hörte ich das erste Mal, als bekannt wurde, dass er gestorben wäre. Ich sah wie ihm zu Ehren sein Werk noch einmal gelesen wurde und Betroffenheit durch die Runde ging. Von Krebs war die Rede, wohl die Krankheit die ein jeder unmittelbar bei sich oder sehr nahe oder fern wüten sah. Und dann tauchte das Wort Selbstmord auf.
Ich fand das Blog und begann zu lesen. Und was ich las, berührte mich sehr. Mehr als alles andere, was er vielleicht je geschrieben haben mag. Ein Zeugnis. Ein Mensch, der festhält was mit ihm passiert, wie andere es vor ihm getan haben. Eine Krankheit die nicht nur deinen Körper auffrisst, sondern dich selbst. Du siehst dich verfallen. Kannst dich nicht erinnern.

Heute morgen las ich, dass sein Blog als Buch veröffentlich werden soll.

Geschützt: Strandkorbfotos (Kinderpasswort)

Mittwoch, August 28th, 2013

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Into the blue

Mittwoch, August 28th, 2013

Kleine Wellen schwappten von der Sportbahn herüber und ich fühlte mich beengt, kurz hatte ich das Gefühl jemand oder etwas käme auf mich zu geschwommen, aber da war niemand. Ich erschrak über mich selbst. Hatte ich das Gefühl überrannt zu werden ins Wasser mit genommen? Und genau das fühlte ich in dem Moment, mich abschütteln wollen: Nun lasst mich doch alle in Ruhe!
Mit dem geschlossenen Mund im Wasser nahm ich eine Bahn mehr in Beschlag, als sie aus dem Becken gestiegen war. Ich versuchte genau zwischen den schwarzen Linien zu bleiben, in der Mitte. Es war anfangs gar nicht so einfach. Es kostete mich Kraft.
Auf einmal spürte ich eine Wut von ganz tief drinnen. Soviel Wut, dachte ich bei mir und Verärgerung. Über andere, alles was ich je hatte hören müssen, Sätze die sich angestaut haben, Verletzungen die fest sitzen. Wut auch über mich selbst, weil ich all das mit mir geschehen hab lassen und nicht drüber hinwegsehen kann. Wut, soviel Wut. Ich biss mir auf die Zähne. Und schwamm weiter.
Zug um Zug wollte ich noch wissen, was da ist. Mich spüren, endlich fassen, was zur Zeit mit mir los ist. Und da war sie die Hoffnungslosigkeit, meine Schultern sackten trotz der Schwimmbewegungen merklich nach vorn. Ich kauerte, meine Mundwinkel fielen scheinbar ins Bodenlose und ich konnte die Schluchzer, die da heran rollten nur mit Mühe zurückhalten. Da war Angst und Sorge. Ein Stück weit liess ich los, immer leichter fiel es mir mittig zu schwimmen. Eine andere Frau kam. Ich sah ihr zu, wie sie sich auszog, duschen ging und auch ins Becken glitt.
War da auch Trauer? Wie von selbst spürte ich mich fragen: Wann warst du eigentlich das letzte Mal so richtig traurig?! Das Schreiben fehlt mir, die liebe Zeit fehlt mir. Wieso hab ich nicht mehr Zeit? Warum reicht es zur Zeit nie? Warum sehe ich nur das zu wenig und nicht wie sonst in meinem Leben, greife, packe ich nicht nach dem was da ist? Ist es wirklich zu wenig? Ich schwimme dem Blau entgegen, lasse Teile des Wasser hinter mir, erreiche den Beckenrand, stoße mich ab und schwimme zurück… Ungerechtigkeit fühle ich und die nächste Frage: Warum schaffe ich es so selten, zu sagen was ich denke?! Wieso zensiere ich mich selbst so sehr? Es ist viertel vor acht, ich steige aus dem Wasser, laufe schnell zu den Umkleiden.
Im Laufen denke ich: Wenn ich jetzt einen Grabstein bekäme, stünde darauf: Sie war stets bemüht. Und ich hoffte so sehr, es wäre so liebenswert wie verzweifelt und auch traurig. Wieso gestehe ich mir meine Gefühle nicht ein? Wieso hadere ich so? Wieso ist es so wichtig was andere denken? Wieso kann ich nicht mal mehr aufschreiben, was ich denke ohne Rücksicht? Ich stehe in der Umkleide und spüre allem noch einmal nach, während ich ruppig den nassen Badeanzug ausziehe, mich abtrockne und anziehe. Wieso kann ich kein Arschloch sein, wie so viele andere? Einfach ohne Rücksicht immer raus damit? Sind die anderen überhaupt Arschlöscher oder passen die nur besser auf sich auf?
Was ist nur los? Wieso bin ich so wütend? Und warum hatte ich keine Ahnung wie sehr mich Das mitgenommen hatte?! Wieso trifft es mich jetzt mit voller Wucht? Und wieso nur versuche ich genau das zu vermeiden? Wieso das nicht aushalten können und immer zu dagegen ankämpfen? Wieso immer die Mitte? Wieso kann ich nicht los lassen? Wieso immer aufreiben zwischen Kontrolle und der Panik nicht genug zu planen?
Ich strampel mir mal wieder gerade so einen ab, gegen meine Gefühle anzukämpfen und vergesse dabei zum wiederholten Male, dass erst das Zulassen wirklich Freiheit bringt. Das erst dann sich alles auflösen wird können.
Ich packe meinen Kram und fahre nach Hause. Auf dem Rad denke ich an das Gespräch heute mit einer Freundin. Bin ich gerade überfordert? Würde es mir schwer fallen das zu zugeben? Könnte ich das? Oder bin ich nur gefordert, angestrengt? Wieso wäre das ein Problem? Ich spüre dem nach wie sehr es mich gerade fordert auf jedes Kind in schwierigen oder leichten Situation zuzugehen. Wie viel mich da die Menge beschäftigt, fordert. Fünf sind nicht eins. Keines gleicht dem andern. Wo ist der Blick für das andere im Moment? Das worauf mein Blick sonst haften kann, all das Wundervolle, das was bereichert, schenkt, Kraft gibt? Warum ist mein Blick gerade so verbaut? Habe ich die Mauern selbst errichtet? Kann ich sie abreißen? Und warum habe ich sie überhaupt gebaut? Wozu?
Das Wasser hilft mir mich zu finden und anderes weg treiben zu lassen, vermutlich fühle ich mich deswegen so heraus gerissen aus dem Urlaub, ich hätte noch Zeit gebraucht zu heilen.
Eine Stunde habe ich mir heute genommen. Für mich. Eine kleine Stimme kräht wieder in mir: Zu wenig! Mehr! Und die andere ist grad nur froh, dass ich mir nehmen konnte, was ich brauche.

Sonntagsfreude

Sonntag, August 25th, 2013

Nach einem ausgefüllten und wunderschönen Wochenende, zwei Nächten bei den Großeltern der Kinder mit den Kindern nach Hause kommen und das alles, die Erinnerungen, dieses wohlige Gefühl im Gepäck haben ♥

Lost in Tierpark

Samstag, August 24th, 2013

Um den Kreislauf der Urlaubswehmut und dem abendlichen Aufräum- Reibereien zu entkommen, begab ich mich am Donnerstag frohen Mutes nach dem Frühstück mit den Kindern in den Tierpark. Allein, wenn man das angesichts der Kinderzahl so nennen mag.

Man muss dazu wissen, dass die Kinder momentan Probleme mit den Ohren zu haben scheinen. Die volle Funktionstüchtigkeit der angewachsenen sonst so mega praktischen Dinger, scheint noch unterwegs und erreicht unser Heim etwas zeitverzögert.

Es startete also schon recht abenteuerlich, als ich mein Stimmchen schriller erhob, um am Marienplatz auszusteigen, es folgte die Rolltreppe und der im Wind verloren geglaubten Tipps bezüglich der Benutzung dieser. Ansonsten bewegten wir uns beinahe störungsfrei zum Eingang des Tierparks.
Glücklich lächelte mich die kleine Familienkarte an: Ein Erwachsener plus eigene Kinder. Super. Dann zog die nette junge Frau am Schalter skeptisch die Augenbraue hoch, als ich ihr die abgezählten 15 Euro stolz überreichte: „Und das sind alles Ihre Kinder?!“ Zwischen den Zeilen hörte ich ein „Sind Sie da sicher?!“ Oh ja, dachte ich. Ich meine welcher Idiot fährt denn freiwillig allein mit fünf Kindern in den Tierpark?! Haha. Also wirklich!

Die ersten Minuten im Tierpark verliefen noch nach dem Streichelzoo recht entspannt, abgesehen vom Fütterungsdrama (zu wenig Kleingeld für zu wenig Kinder -> zu wenig Futter). Es gestaltete sich aber schon schwierig, ein sagen wir gemeinsames Lauftempo zu finden…
Dann kam der Spielplatz und bis auf ein *Überraschung* Kind waren alle weg. Der Zenmeister in mir bewahrte die Ruhe, weg würden sie schon nicht sein, nein. Hin und wieder erblickte ich in dem Haufen kleiner Menschen doch tatsächlich eines meiner Kinder. Als ich nach einer ganzen Weile keine Lust mehr hatte auf Emil aufzupassen, setzte ich diesen unter ein wenig Protest in den Kinderwagen zurück und fuhr ein Stück entlang des Zaunes. Was zur Folge hatte, dass fast alle meine Kinder unter vorheriger Verbreitung meines Wunsches diesen Ort langsam verlassen zu wollen, sich freundlicher Weise begannen um den Kinderwagen zu sammeln.
Ich wurde übermütig und kaufte ein Eis: 1,20 die Kugel. Kein Schnäppchen. Vor allem nicht, wenn man die sportlich Einlage beachtet, die von Nöten war, um die Wespen bei dem schönen Wetter abzuwehren.
Wir kamen genau bis zum nächsten Spielplatz, samt dramatischen Unterbrechungen. (Kein weiteres Eis, keine Zuckerwatte, keine Eisenbahn, keine anderen Fahrgeschäfte, auf Grund der Wespen kein Leberkäse, kein Hühnchen, nichts.) Um meinen Sohn an dieser Stelle zu zitieren: „Na, toll!“ (Bitte mit genervten Gesicht und brummeligem Ton vorstellen.)

Und dann passierte es, „alle“ (nicht fest geschnallten Kinder) waren weg. Als sich zwei Kinder eine halbe Stunde (oder wars einer halber Tag?) später in meiner Nähe gleichzeitig befanden, schlug ich zu, denn Emil war not amused. „Wir müssen jetzt gehen! Emil hat keine Lust mehr! Wo sind Zoe und Ben?!“ Es war so voll. Ich sah meine eigene Hand quasi vor lauter Kindern nicht. Meine letzte Frage stellte sich als taktischer Fehler heraus, denn ich hörte ein: „Ich geh sie suchen.“ Und da stand ich erneut nur mit einem Kind. Das wechselte sich ab. Bis ich das Spiel beendete und selbst suchen ging, nachdem Emil eingeschlafen war, ich mal wieder zwei Kinder an der Hand hatte und ich mich von der Spielhölle weg bewegt hatte und somit immerhin schon drei von fünfen hatte. Nach 5 Minuten hatte ich Glück und sah wie Noah Ben überwältigte. Nun waren wir vereint. Es hätte weiter gehen können, aber auf einmal lag Ben auf dem Boden. Menschen gingen an uns vorbei, fragten besorgt, ob dies mein Kind sei.
Ich hätte ja wirklich gerne gelogen. Aber macht man ja nicht. Erfahrene Mütter gingen mit dem Finger zeigend an uns vorüber und erklärten ihren Kindern wie bei den anderen Lebewesen im Park: „Kleiner Mensch, müde. Kann nicht mehr laufen.“
Genau so. Erkaaanabeernischerkannngaaarnixmeeehr. Ich solle ihn tragen. Oder nein. Emil. Und er würde im Wagen fahren. Ein weiteres Überbleibsel des Urlaubs. Generell super Idee, aber nicht mit angehenden schmerzendem Milchstau. Also Trick 182 nach zig anderen zum Scheitern verurteilten Lösungsvorschlägen: „Komm! Wollen wir gucken, wo es hier was zu Naschen gibt?!“ Ein Wort: Spontanheilung. Er konnte wieder gehen. Heiligt der Zweck wirklich alle Mittel?!- Oh wie süss, Eichhörnchen Pinguine.

Wenig später Halleluja: Leberkäse. Eis. Gummischlangen. Aber auch: Wespenausweichmanöver. Anschliessend Raubtierhaus. „Alle“ Kinder weg. Im Wechsel.
Aber egal in diesem Gewusel traf ich ein liebes Gesicht aus alten Blogger- und aktuellen Twitterzeiten. Freute mich so sehr. Nach dem kleinen Treffen, spielte ich das „Such- die- Kinder- Spiel“ ein weiteres Mal und auch wieder fanden sich alle und vorbei an den Elefanten ging es zu den Schildkröten. Tolle Sache dort, denn es gab keine Möglichkeit sich gross zu verstecken.

Die Stunden vergingen. Und ich blieb immer mal wieder stehen. Um zu warten bis wir alle bereit waren weiter zu gehen. Das konnte dauern. Manchmal 10- 15 Minuten. Unnötig zu sagen: „Kommt doch bitte zu mir.“ Oder „Lauft nicht so weit vor!“ Sätze mit „nicht“ soll man ja auch nicht sagen. Aber es mangelte mir so langsam nach 6 Stunden auch an Konzentration. War schon ein Kind vorbei gelaufen oder noch hinter mir?
Nach den drei As: Aquarium. Affen. Alligatoren, sollte der Ausgang folgen. Denn es war mittlerweile halbsechs. Aber beim Thema Ausgang scheiterte es endgültig.
Zwei Kinder waren weg. Einfach weg. Und ich wusste nicht wo. Es gab drei Richtungen: hinter mir, vor mir oder falsch abgebogen. Mittendrin ein weiterer Anfall von Erschöpfung von Bens Seite aus. Das hatte mich abgelenkt. Mit Kind auf den Schultern, suchte ich einen Weg ab. Fand nichts.

Ich schrieb vorsichtshalber dem Kindervater. Stellte die drei vorhandenen Kinder an einer Kreuzung ab und ging die letzten Beiden suchen. Ich fand sie nicht. Versuchte Ruhe zu bewahren. Als ich zurück lief und planvoll Richtung Ausgang wollte, standen fünf Kinder abholbereit an der Kreuzung. Also alles meine, keine Fremden. Ein verschollendes Kind weinte, das andere war obercool. Es wäre doch voll logisch gewesen Richtung Ausgang zu gehen, aber wir wären ja nicht gekommen. Ich sehe lustige halbstarke Zeiten auf mich zu kommen und begab mich wieder ruhig und den Kindervater Entwarnung funkend Richtung Ausgang, nachdem ich das andere Kind getröstet hatte. Wo ich verkündete, ich Miststück von Mutter: Es gäbe nach diesem unterhaltsamen Tag nichts aus dem Shop beim Ausgang. (Angesichts der angespannten Kinderzimmer- Aufräumproblematik kein unüberlegter Entscheid.) Außerdem muss ein neues Basecap her, denn wie von Zauberhand war eines unauffindbar zwischen Raubtier und Affenhaus entschwunden. Ich erntete wenig Begeisterung, den Hinweis im Shop gäbe es ja Caps zu kaufen und Überraschung einen Ben auf dem Fußboden. Der nach meinem Veto nun entschieden hatte sich heute keinen Millimeter mehr zu bewegen. Ein anderes Kind musste zur Toilette und während ich mit Engelszungen Ben beschwörte doch noch einmal bittedanke aufzustehen und eine letzte Runde Getränke ausgab, fiel mir auf, dass erneut ein weiteres Kind fehlte. Was mich nervös machte, weil ich erwachsene Stimmen vernahm, dass das Tor gleich geschlossen werden würde. Öhm. Und da sah ich es, das obercoole Kind hinter dem Drehkreuz, zwischen uns ein Zaun, ein Kind streikte, eines war noch immer auf dem Klo. Nun wurde ja sogar ich nervös.

Aber ich darf Sie beruhigen, wir benutzen alle noch diesen Ausgang, obwohl ich einen Filmriss habe wie wir das organisiert hatten. Keine Angst, es wurde keine Gewalt angewendet. Ich schaute auf mein Handy, der Kindervater in der Nähe. Puh. Sah hoch und weg waren zwei Kinder auf der Brücke über der Isar. Das immer gleiche Fragespiel: Sind sie vor oder hinter mir?! Ich entschied mich dem Strom zu folgen und wartete vor der Straße wo „oh Wunder“ nach ein paar Minuten Zoe und Ben auch zu uns stießen mit den Worten, Ben hätte halt erst mal alle Liebes- Schlösser anfassen müssen.

Fast geschafft, ich konnte die Unterführung zur U-Bahn gerade sehen, rannten zwei Kinder vor. So schnell konnte ich nicht mal sagen, sie mögen bitte stehen bleiben. Ich bezog wie schon nach der U-Bahn vor sieben Stunden Stellung und wartete darauf, das den Kindern auffiele, das niemand hinterher käme. Der Weg zurück zu uns ist immer Strafe genug. Ich begab mich pädagogisch wertvoll auf Augenhöhe mit dem obercoolen Kind und rang mich durch zu: „Ich weiß du bist cool. Ich weiß, du kennst den Weg und weißt wo es lang geht. Aber richtig cool wäre es, wenn du mit uns zusammen gehen würdest und den kleineren Kindern ein gutes Vorbild wärst und nicht vor laufen würdest! Auch wenn du den Weg im Schlaf kannst, denn dein Bruder ist dir nach gelaufen. Alles klar?!“

Da steht auch schon der Kindervater an der Unterführung und meine Nacken und Schultermuskeln beginnen sich zu entspannen. Meine Füße tun weh. Ich habe alle Kinder. Und als ich gerade los legen will und dem Kindervater die neuesten Kindernews erzählen will, höre ich von allen Seiten: „Und Papa da war eine Schlange/ eine Vogelspinne/ eine Eidechse bei den Schildkröten… “ und denke mir: Hey scheiss drauf, das war es doch, was du wolltest, dass die Kinder einen schönen Tag haben… Ich muss schmunzeln, denn den hatte ich auch und höre zu, dass zwischen all dem Chaos und den vielen Lost in Tierpark- Momenten wir doch alle Spaß hatten und heute echt viele Tiere gesehen haben… :)

Verschiedene Tempi

Mittwoch, August 21st, 2013

Im Urlaub war nicht alles perfekt, aber das Tempo war langsamer als es das jetzt ist. Ich habe nach wie vor Schwierigkeiten Anschluss an mein Leben hier im Süden zu finden, mich dem schnelleren und dichteren Tempo anzupassen, wo mein Herz doch Weite und Freiheit sucht.
Dabei hilft es mir Stück für Stück anzunehmen, dass ich mich hier anders bewegen muss, um meine Mitte zu finden, glücklich zu sein, ausgefüllt zu leben. Gefühlt war das da oben mit weniger Handgriffen viel leichter.
Ich traf am Montag schon eine liebste Freundin, gestern Nachmittag die Schwiegermama, am Abend zwei andere Freundinnen und heute Nachmittag und abends sehe ich auch noch mal ein paar liebe Menschen. Das bin ich hier. Das ist mein Leben. Hier braucht alles mehr Bewegung, mehr Schwung und ich sehe mich noch oft stolpern, mich verheddern. Vielleicht mich auch wehren. Ich muss mir hier anders Zeit für mich nehmen. Mir Nischen suchen.
Gerade jetzt. In den ersten großen, langen Ferien für mich mit fünf Kindern allein. Eine Zeit in der jeder auch erstmal reinfinden muss. Hinzu kommt die fehlende Arbeit, ich denke noch oft an die Mädchen. Frei sein in dem Sinne hat sich noch nicht eingestellt. Aber ich bin zuversichtlich. Alles braucht seine Zeit.

Sehnsuchtig

Montag, August 19th, 2013

So schlimm war es gefühlt noch nie, die Sehnsucht. Das Zurückwollen, die Frage, was tu ich eigentlich hier? Ich wüsste nicht mal wohin ich will, irgendwie weg. Der pragmatische Mann weiß ganz genau, warum wir eigentlich hier sind, zum arbeiten und Geld verdienen, um weg zu kommen. Hat er ja recht, sehr sogar. Trotzdem hab ich das Gefühl mein Herz will raus aus mir, als würde es angezogen werden und ich kriege nicht zu fassen wovon eigentlich…

Die Tage an der Ostsee waren schön. Und ereignislos. Ich las fünf Bücher in den zwei Wochen, für mich absolut Rekordverdächtig. Programm gab es nicht viel. Wir waren einmal in Neustadt, einmal schwimmen in der Halle und eine nicht mal Hand voll an der Promenade, weil es uns zu wuselig war. Dafür eben viel lesen, in der ersten Woche am Strand sein, Motorboot fahren oder schwimmen. Und Paarzeit- viel davon, das tat so unglaublich gut. Was haben wir alles gemacht zusammen. Abends Boot fahren, unzählige Feuer, Baustellenbesuche, Strandkorb genießen, Sternschnuppen anschauen und abends oder nachts noch einmal schwimmen gehen- einfach schön.
Zwei Mal haben wir uns alle ins Boot gesetzt und sind an andere Strände gefahren, natürlich nur ein paar Meter weiter aber es war ein Ortswechsel, weil Emil unheimlich viel Zeit mit der Treppe verbringen konnte, so waren wir da, wo es keine gab. Einfach schön. Und ich merke wie schwer es mir fällt, mich gerade davon zu lösen, trotzig wie ein kleines Kind. Ich mag noch meer. :)