Im Auge des Betrachters

Unseren letzten Urlaubstag verbrachten wir am Vormittag mit Abbauen, Aufräumen, Putzen und Packen. Mittags konnten wir noch ein bißchen lesen und als Emil seinen Mittagsschlaf beendet hatte, brachen wir ein letztes Mal zur Promenade auf.
Es gab das komplette Programm: Eis, Seebrücke, Pommes, Spielplatz, Café und Trampolin. Nachdem mir aber noch Streit mit dem Mann auf der Seele lag und auch ein Stück weit der mühsame Weg zum Spielplatz mit den Kindern, war ich umso glücklicher als wir da ankamen. Emil machte sich auf zur Wasserpumpe, wurde klitschnass aber hatte unglaublich viel Spaß. Behelfsmäßig zogen wir ihm das T-Shirt von Noah über. Ich hatte zwar diesmal eine Menge dabei, aber Wechselkleidung gehörte nicht dazu. Wir hatten wirklich eine schöne Zeit auf dem Spielplatz, die Kinder dort ja sowieso immer. Der liebste Mann zauberte Cappuccino und eine Waffel herbei und so war bei schönstem Wetter ganz viel Zeit zum Abschalten und Vergessen, dass es am nächsten Tag wirklich zurück gehen würde. Als es immer später wurde, Ben immer wieder gnatschte, machten wir uns langsam auf den Rückweg. Gerade noch rechtzeitig, für die letzte Runde Trampolin des Tages. Drei Kinder flogen beherzt zum Hüpfen, eines war sauer, ich weiß schon gar nicht mehr warum, da musste ich vermitteln. Der beste Kindervater jagte noch eine Flasche Wasser für die Mäuse und mitten in diesem Gewusel, tauchte eine Frau in meinem Blickfeld auf, die mich ansprach.
Sie sagte, dass mir das vermutlich öfter passieren würde- und ich dachte noch, nein normalerweise spricht man uns nicht direkt auf die Kinder an, die meisten gucken nur, aber das ist viel netter- aber falsch gedacht, es ging um mein Blog. Ich wurde enttarnt mitten im Urlaub :)

Das war total komisch. Und wenn ich jetzt nicht total daneben liege, war das das allerste Mal, dass mir das überhaupt passiert war. Ich weiß, dass Zoe schon mal erkannt wurde in einem Indoorspielplatz, aber ich unterwegs glaube ich noch nie. Und schon gar nicht weit weg zu Hause im Urlaub. Wie irre ist das überhaupt? Das zwei Menschen, die in zwei verschiedenen Bundesländern wohnen, sich genau an diesem Ort am Meer aufhalten, genau an dieser Stelle, um die gleiche Uhrzeit?!

Das spontane und kurze Zusammentreffen war total nett und auch schön. Aber als ich nach Hause ging, konnte ich nicht aufhören mich zu fragen: „Was denkt sie nun?!“

*War ich freundlich genug?
*Hab ich was Blödes gesagt?
*Hab ich zu wenig gefragt?
*Hab ich die Kinder angemeckert?
*Wie sah ich überhaupt aus?
*Jetzt bin ich doch viel molliger, als auf den letzten Fotos.
*Und das heute, wo ich kaum geschminkt war.
*Und meine Haare.
*Und erst der abgeplatzte Nagellack.
*Was denkt sie nur, über das Kleid, das Emil trug?

Und wäre ich nicht viel sympathischer, wenn ich mir über all diesen doofen Kram überhaupt keine Gedanken machen würde? Ganz selbstsicher wäre? :) Aber ja, wie ist das überhaupt? Stimmen Bild und Text überein oder ist es am Ende doch nur ein winziges Fragment diese Bloggerei? Ein kleines Puzzlestück? Und wenn es das ist, ist es ein gutes Teil des großen Ganzen? Schürt es falsche Erwartungen? Oder bleibt es ein Stück nahe an der Realität? Das frage ich mich so oft… Aber eine Antwort werde ich wohl nie endgültig auf meine Fragen bekommen, denn das Bild liegt im Auge des Betrachters.

8 Responses to “Im Auge des Betrachters”

  1. Frau Süd Says:

    Ja genau: es liegt im Auge des Betrachters. Und (leider) liegt es nicht in unserer Macht etwas daran zu ändern wie jemand anderes uns sehen möchte. Wer etwas negatives finden will, der wird etwas finden, ganz egal ob Du perfekt geschminkt, gestylt bist, Deine Kinder wie aus dem Ei gepellt, Du eloquent und aufgeschlossen bist… genau das alles kann Dir negativ ausgelegt werden (schon alleine aus Neid!). Genauso wie jemand, der es positiv sehen will eben genau das unperfekte perfekt finden wird, der erleichtert ist dass Deine Kinder normale Kinder sind und sein dürfen, Du eine normale, nette und liebenswerte Person bist.

    Und eben weil wir es nicht in der Hand haben, sollten wir nichts darauf geben was andere von uns denken! (bitte glaub bloss nicht ich könnte das! Ganz im Gegenteil! LEIDER!) Das einzige was zählt ist das wir uns mögen. Auch unperfekt. Zumal es perfekt ja gar nicht gibt. Ein einzelner Moment kann perfekt sein, aber nie das ganze Leben.

    Alles Liebe von
    Kristin

  2. Frische Brise Says:

    Als ich von einer sehr lieben Bloggerkollegin angesprochen wurde, war das in Kühlungsborn. Ich war ungeschminkt, meine Augen waren verquollen und die Haare platt. Ich hatte in der Nacht davor im Krankenhaus auf dem Boden geschlafen. Der kleine Bruder musste wegen eines Sturzes beobachtet werden.

    Und GENAU Deine Gedanken hatte ich nach dieser Begegnung und auch noch nach einigen Mails, dass ich „entdeckt“ wurde, auch. Meine Falten! Habe ich freundlich geguckt?…

    Aber ich hoffe immer, dass BlogleserInnen sich doch vorstellen können, dass im Internet nur ein kleiner Ausschnitt von mir zu sehen ist. Ich bin doch auch nur ganz normal ;-)

  3. isabella Says:

    ich unterschreibe frau süd, muss aber noch was hinzufügen!

    DU warst im URLAUB! was wäre das für ein urlaub, wo die haare, das make up und der nagellack perfekt und frisch aussehen müssen?!?

    und meckern tun wir alle mal mit unseren kindern. mal mehr, mal weniger. und mollig? öh, du hast doch vor einem jahr ein baby bekommen. das fünfte. das darf doch sein und selbst wenn nicht, wie dich der po ist auf dem ich sitze, ist mein kaffee ;-P

  4. Ulli Says:

    Ich war doch auch nicht geschminkt und meine Kinder waren auch nicht perfekt im Benehmen (und konnten noch nicht mal so gut springen wie Ihre :-)) und mein Bester hatte nicht so ein cooles T-Shirt an wie Ihrer (sagt er) und überhaupt:
    Ich war viel zu geplättet wegen dieser absoluten Unwahrscheinlichkeit und dieser Überraschung – wie verrückt ist das eigentlich?!?!
    *War es in Ordnung, dass ich Sie angesprochen habe, oder gibt es ein „Gesetz der Bloggerwelt“, welches ich nicht kenne, das es verbietet, sich im „echten Leben“ zu erkennen zu geben? Sie sagten ja, es wäre noch nicht so oft vorgekommen…
    *Habe ich jetzt Ihren letzten Urlaubstag vermasselt, Ihre letzte gemeinsame (und wohl traditionelle) Ferienaktion gestört?
    *Was löse ich damit aus, dass ich die Grenze zwischen realer und virtueller Welt durchbrochen habe?
    *Na ja, und dann auch die Gedanken, die ich so ähnlich auch bei Ihnen gelesen habe: welchen Eindruck hat sie jetzt wohl von dir und deiner Familie; ist es ihr vielleicht völlig egal und sie denkt gar nicht weiter daran?
    Aber ich bin immer noch in Gedanken dabei und muss ständig schmunzeln, wenn ich daran denke. Noch am Samstag fragte mein Bester ständig: „Du denkst immer noch daran, oder?“ Und so ist’s! Ich konnte mich gar nicht mehr einkriegen, weil es so unwahrscheinlich ist und mich so gefreut hat!
    Und ich fand es auch so nett und habe im Nachhinein noch so viel im Kopf gehabt, was ich hätte sagen oder fragen wollen. Doch dann denke ich auch wieder, dass es unverschämt wäre, denn eigentlich sind wir ja Fremde, doch von meiner Seite aus habe ich ja das Gefühl, Sie schon ein wenig zu kennen – also genau das von Ihnen, was Sie „dem Auge des Betrachters“ erlauben kennen zu lernen.
    Und das ist auch gut so! Es kann ja niemand an dieser Stelle in der Öffentlichkeit annehmen oder erwarten, dass Sie hier einen „Seelenstriptease“ hinlegen, der über die Grenzen geht, die Sie für sich setzen. Es ist so lange gut, wie Sie es für gut erachten.
    Ich erinnere mich an Zeiten in Ihrem Blog, in denen die Kommentare an dieser Stelle Sie richtig fertig gemacht haben. Und dass die Kommentare von (so wie ich denke) fremden Menschen Sie tatsächlich verletzt haben oder wenigstens so viele Gedanken ausgelöst haben, die nicht gut für Sie waren.
    Das darf meiner Meinung nach nicht sein.
    Wenn jemandem was nicht passt oder er meint, einen verletzenden oder abwertenden Kommentar geben zu müssen, dann ist es wahrscheinlich das beste, dies zu ignorieren – obwohl auch gerade mir das bestimmt nicht gelingen würde.
    Von daher finde ich es schon sehr mutig von Ihnen, sich hier öffentlich zu machen – und auch schön, denn es ist oft wirklich inspirierend, aufmunternd, horizonterweiternd, traurig, ermutigend, aufbauend, interessant und einfach nur schön!
    Danke dafür und bitte nicht aufhören! Und dann treffen wir uns ja vielleicht noch mal an einem anderen Ort und können die Fragen klären, die uns nach unserem Treffen gegenseitig im Kopf rumspukten – schön wär’s!!
    Alles Liebe und ein gutes Zurückkommen in den Alltag – bei uns dann erst in der nächsten Woche! Herzlichst Ulli

  5. kassiopeia Says:

    Liebe Ulli,

    hach vielen lieben Dank für diese Zeilen! Seelenbalsam! :) Echt jetzt!

    Ich fand es auch Wahnsinn und auch ich fänd es schön noch einmal auf einander zu treffen und zu quatschen! Ich hätte gern noch viel mehr gefragt und hätte auch freudig weitere Fragen beantwortet! :)

    Ich weiß gar nicht mehr was Nils an hatte :)

    Natürlich war es in Ordnung, viel seltsamer wäre doch gewesen im Nachhinein zu lesen, dass man mal gesehen wurde ohne angesprochen zu werden, obwohl ich das auch verstehen könnte, denn hätte ich den Mut jemand anderen anzusprechen? Es liess mich nur einfach nicht los. Weil es schön war. Auch weil es mir eben noch nie passiert ist und ein so großer Zufall war. Oder eben Schicksal! :)

    Ich hab mir weiter keine Gedanken gemacht. Es war nur irre. Und ich es beschäftigte mich an diesem Tag und an den nächsten. Verdorben wurde dadurch nichts. Es stiess ja weitere Gedanken nur an, wie diesen Post :) Und mein Mann war ebenso belustigt von seiner Frau :)

    Vielen, vielen Dank für das liebe Feedback! Das bedeutet mir grad sehr viel und ja es stimmt. Man macht sich angreifbar mit seiner Offenheit, das ist oft gar nicht so einfach! Umso schöner so! Ganz liebe Grüße und danke für die Erinnerung im Herzen!

  6. kassiopeia Says:

    @FrauSüd: Danke für deine Zeilen, sehr wahr! Auch ich kann ich wie du siehst nicht davon frei machen und vielleicht steht man sich an mancher Stelle oft selber im Weg mit seinem Bild von sich im Kopf, seinen Zweifeln und seinem eigenem Anspruch!

    @Isabella: Es stört mich halt, ich hüpfe oft aus Fotos :) Und ja… hach ich weiß, aber gerade wenn man unter Menschen geht, mag man sich ja hübsch fühlen, ich gestehe aber im Urlaub weniger drauf zu achten :) Auch wenn ich keine Socken unter Sandalen trage :)

    @FrischeBrise: An diesen Unfall kann ich mich so gut erinnern! Oje… Kein guter Tag! Spannend zu lesen, dass du ähnliche Gefühle hattest, bin ich mit meinen Gedanken nicht allein :) Ja, genau wir sind gaaanz normal und langweilig, also irgendwie :)

  7. Kiki Says:

    macht euch keinen Kopf ums Aussehen :) das ist doch wirklich unnötig, hier sind so viele herzliche Menschen. und wie du siehst wird dein Blog wegen deinen Worten deinen Gedanken gelesen. ist das nicht wunderbar? oh wie schön, eine frage noch, wurdest du schon zu emil im Kleidchen angesprochen? mich stört es ja immer so sehr wenn die kleinsten schon in ganz feste stereotype reingepresst werden. schön dass es noch andere gibt die ihre kinder vielfältig kleiden. liebe grüße

  8. Wolfram Says:

    Ich sitz grad über der Predigt für den morg-heutigen Sonntag, mit einem Text, der als Kernaussage hat: überlegt euch, warum ihr das oder das tut. Und wenn ihr das tut, um euren Anschein herauszuputzen – dann könnt ihrs auch lassen.

    Natürlich pflegen wir alle nicht nur unser Sein, sondern auch unseren Schein. Aber die Scheine, die nicht zum Sein passen, sind doch hohl… und durchscheinend. Darum: solange du du selbst bist, bist du richtig. Und was du tust, um im Urteil anderer besser auszusehen, das kannst du auch lassen. Wenn es zieht, sind sie oberflächlich und darum vernachlässigbar, wenn nicht, ist es eh unnütz. ;)
    Und außerdem haben alle Damen, die hier geschrieben haben, ja sowieso auch schon recht.